Derivat (Software)

Der Begriff Derivat (derivativ, lateinisch von „derivare“, „ableiten“) bezeichnet eine Ableitung. Eine Ähnlichkeit kann zwar gegeben sein, reine Ähnlichkeit erzeugt jedoch noch kein Derivat. Im Bereich der Software, wie auch in den anderen Bereichen, hat dies eine spezielle Bedeutung, besonders in Bezug auf das Urheberrecht.

Inhaltsverzeichnis

Grundlagen

In den sprachlichen Grundlagen des Lateinischen und Griechischen bedeutet das Präfix „de-“ herab, weg und neben dem für viele verschiedene Bereiche angewendetem Wort Derivat wird dasselbe Präfix auch in Depression, Desinfektion und Debilität verwendet. D.h. es geht hier keinesfalls um "ähnlich" sondern wirkliche Ableitungen, die sich auch auf das „weg“ beziehen, d.h. auch auf Abspaltung, wie es auch im Bereich von Open Source im Begriff Abspaltung (engl. fork) zum Tragen kommt. Zur automatischen Erkennung solcher Derivate werden Klonerkennungsprogramme verwendet.

Bedeutung nach dem Urheberrecht

Im Urheberrecht, das auch für Software gilt, hat der Begriff Derivat genau dieselbe Bedeutung wie in allen anderen Bereichen. Das bedeutet zum Beispiel, dass ein Derivat einer Software, solange keine Autorisierung durch die Rechteinhaber der Software gegeben ist, nur unter bestimmten Bedingungen (z. B. Fehlerkorrektur) erstellt (vom Land abhängig, z. B. durch EU-Richtlinien reguliert) und insbesondere nicht verbreitet werden darf. D. h. solange die Lizenz einer Software nicht explizit erlaubt, dass Derivate erzeugt bzw. verbreitet werden dürfen, ist dies verboten. Diese spielt auch im Fall SCO gegen Linux eine gewichtige Rolle, denn SCO hat AIX sowie auch den Linux-Kernel mit Systemsoftware zu unautorisierten Unix-Derivaten erklärt. Obwohl es zwar strittig ist, ob SCO diese Rechte überhaupt hat, kann SCO, solange sich kein urheberrechtlich geschützter Quellcode im GNU/Linux-System findet, keinen Schuldspruch, z. B. für einen Linux-Distributor, auf Basis des Urheberrechts erwirken.

Falsche Derivate

Kontroverse rund um Unix-Derivate

1983 führte die Nichtverfügbarkeit des Quellcodes von Unix zur Gründung des GNU-Projektes ("Gnu is not Unix"). Das Ziel war das Erstellen eines freien, Unix-kompatiblen Systems. Die Eigenarten dieses Systems sind vielen Menschen nicht gegenwärtig: GNU hat einen eigenen Quellcode und die entsprechend unter der GNU General Public License stehenden Derivate sind in allen Varianten daher strikt von den Unix-Derivaten zu unterscheiden. Das gleiche gilt für Systeme, die auf Linux aufbauen, und ebenfalls häufig Software des GNU-Systems einsetzen: der Quellcode beider Teilbereiche GNU und Linux (weswegen solche Systeme von einigen auch GNU/Linux genannt werden) sind vollständig frei, entsprechende Derivate wie die Linux-Distributionen enthalten ebenfalls große Mengen freier Software oder bestehen gänzlich nur aus freier Software.

Diese Software basiert also in keiner Form auf der Software anderer Unix-Systeme, und sind keine Derivate. Dass vielen Autoren diese Unterschiede nicht klar sind, zeigen verbreitete Meinungen wie:

Als UNIX-Derivat profitiert Linux von der jahrzehntelangen Erfahrung, die mit ähnlichen Systemen wie z. B. BSD, Solaris und AIX gesammelt wurde...
Linux ist ein Unix-Derivat, das heißt, viele der Probleme, die man hat, sind Probleme mit Unix-Software, die man unter Linux einsetzt...

Quake / Quake 4

Auch die Engine von Doom 3 (id Software) (welche auch für den vierten Teil der Quake-Serie verwendet wird) wirft einige Unklarheiten auf. Zwar ist die Engine augenscheinlich identisch mit dessen ideologischen Vorgänger, der dritten Generation der Quake-Engine, in der Tat aber ist sie eine absolute Neuprogrammierung (wenn man den offiziellen Quellen Glauben schenkt). Quake 4 ist somit zwar ein Derivat von Doom 3 aber kein Derivat der anderen Quake-Spiele, sondern eben nur ein Nachfolger.

Weblinks


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