Adnan Oktar

Harun Yahya mit bürgerlichem Namen Adnan Oktar (* 1956 in Ankara) ist ein türkischer Schriftsteller, der den islamischen Kreationismus vertritt. Auch ist er als Holocaustleugner bekannt. Harun Yahya ist Autor zahlreicher kreationistischer Bücher, Filme und Webseiten.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werke

Adnan Oktar studierte Innenarchitektur, beendete sein Studium jedoch nicht. Er begann seine Karriere mit Predigten vor jungen Angehörigen der Oberschicht von Istanbul.

Bei Adnan Oktar wurde 1983 erstmalig eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert. Bei sechs weiteren Untersuchungen wurde diese Diagnose bestätigt.[1] Aus diesem Grunde wurde er für den Militärdienst in der türkischen Armee ausgemustert. Die Diagnose der Schizophrenie bewahrte ihn 2005 auch vor einer Haftstrafe wegen Kokainmissbrauch.[2] Im Jahre 2008 wurde Oktar wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung zu drei Jahren Haft verurteilt.

Entsprechend der islamischen Auffassung bestreitet er den Tod Jesu: Er sei vielmehr entrückt worden und werde in der Endzeit auf die Erde zurückkehren. Er sieht die Endzeit und das Jüngste Gericht in greifbarer Nähe.

Im Jahre 1988 zog Oktar den Unwillen islamisch-konservativer Kreise auf sich, als er seinen Anhängerinnen befahl, das Kopftuch abzulegen. Ferner reduzierte er unter anderem die Zahl der täglichen Pflichtgebete von fünf auf drei.[3]

Er vertritt weiterhin einen religiös geprägten türkischen Nationalismus und produziert Material für religiöse Unterweisungen. Früher verfasste er Kolumnen in der Millî Gazete.

Kreationismus

Harun Yahya kooperierte zeitweise mit dem christlichen Institute for Creation Research von Duane Gish, jetzt eher mit dem Führer der Intelligent-Design-Bewegung Michael Behe, beide sind führende Vertreter des Kreationismus in den USA. Dabei wird vielfach sinnentstellend aus wissenschaftlichen oder populärwissenschaftlichen Abhandlungen zur Evolutionstheorie zitiert.

Bei Yahya finden sich auch klassische Themen westlicher und islamischer Verschwörungstheoretiker wie beispielsweise zur Freimaurerei.

Der Darwinismus verursachte laut Yahya die beiden Weltkriege und war ferner die Ursache für „Rassismus, Faschismus und Kommunismus und viele andere barbarische Weltanschauungen“. Auch der Terrorismus und mit ihm die Terroranschläge am 11. September 2001 wurden seiner Ansicht nach durch den Darwinismus verursacht.[4] Die Evolution hält Yahya für Betrug. Stattdessen habe Allah die Welt erschaffen.[5]

Der Atlas der Schöpfung versucht darzustellen, dass sich die heute auf der Erde lebenden Tiere und Pflanzen seit Jahrmillionen nicht verändert haben. Dazu setzt er Fotos von Fossilien und heute lebenden Tieren oder Pflanzen nebeneinander. Biologen erkennen auf den ersten Blick, dass es sich nicht, wie behauptet, um dieselben Lebewesen handelt. Einige Beispiele: Ein Seestern wird mit einem Schlangenstern gleichgesetzt, obwohl es sich um Tiere aus unterschiedlichen Familien handelt; die angebliche Forelle ist ein Weißfisch. Die abgebildete Auster ist in Wirklichkeit eine Kammmuschel, das Fossil weder das eine noch das andere.

Haltung zum Zionismus

Ein weiteres Thema, zu dem Harun Yahya publiziert, ist der Zionismus, den er für rassistisch und für eine Folge des Darwinismus hält und sich dabei auf den französischen Rechtsextremisten und verurteilten Holocaustleugner Roger Garaudy beruft.[6] Zu seinen den Holocaust leugnenden Schriften gehört beispielsweise das Buch Soykırım Yalanı: Siyonist-Nazi İşbirliğinin Gizli Tarihi. (Istanbul 2005, deutsch: „Die Völkermordlüge. Die geheime Geschichte der Zusammenarbeit zwischen Zionisten und Nazis.“). Der zeitweilige Vertrieb seiner Werke durch Millî Görüş fand 2003 Eingang in einen Verfassungsschutzbericht.[7] 2003 wurden zwar von ihm holocaustleugnende Schriften entfernt, und seither verwirft er den Antisemitismus.

Juden bzw. Zionisten und Freimaurer werden auf Yahyas Webpräsenz folgendermaßen beschrieben:

„Gerade in dieser Zeitspanne wurden die Forschungen über das Judentum und die Freimaurerei von Adnan Oktar bereit für die Publizierung. Der Grund warum Adnan Oktar sich entschied dieses Thema zu recherchieren war, dass die Juden im Koran gegen die Gläubigen als der größte Feind bezeichnet sind. Adnan Oktar stellte nach seiner Recherche die Tätigkeiten der Zionisten in unserem Land fest, und sah das diese von seinem geheimen Orden, die Freimaurerei durchgeführt wird. Es existierte ein geheimer Einfluß der Freimaurerei auf einem sehr großen Kreis wie Staatsangehörigen, Akademikern, Bürokraten, Politikern und Medienkonzernen. Ihre Hauptaufgabe war die moralischen und religiösen Werte unseres Volkes stufenweise zu zerstören; und sie, wie es in einer Verse der abgeänderten Thora angegeben ist, zu ‚Feldtieren‘ umzuwandeln. Mit dieser Absicht wurde besonders den Jugendlichen und allen Schichten der Gesellschaft die materialistische Logik, die Evolutionstheorie, die unreligiöse und unmoralische Lebensart in verschiedenen Arten angeeignet. Die Freimaurer führten zwischen den Staatsangehörigen, der Presse und in den Lehrämtern, bei dieser Massenpropaganda die Hauptrolle.“

Harun Yayah: Die Lebensgeschichte[8]

Moderne Medien

Yahyas Filme werden in religiös-konservativ ausgerichteten Fernsehstationen wie TV5, Kanal 7 und Nur TV ausgestrahlt sowie als Video-CDs verbreitet. Die Filme decken dasselbe inhaltliche Spektrum ab wie seine Bücher. Sie sind mit Musik untermalt und mit einigem technischen Aufwand produziert. Es handelt sich jedoch oft um nicht gekennzeichnetes Material der BBC und des Discovery Channel.

Ende der 1990er-Jahre entdeckte er das Internet als geeignetes Medium zur Verbreitung seiner Ideen, wodurch er vor allem in der muslimischen Diaspora Europas und Nordamerikas bekannt wurde.

Harun Yahya ließ des Öfteren Webseiten schließen, die ihn seiner Meinung nach diffamierten. Es ist bekannt, dass so per Gericht der Zugriff auf 63 Seiten verboten worden sind. Prominente Opfer waren die Homepages von Richard Dawkins, von Turan Dursun, Seiten wie www.ateizm.org, www.egitimsen.org.tr (türkische Gewerkschaft für Bildung) sowie auch die Zeitung Vatan. [9]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Vgl. Zeitung „Sabah“ vom 20. November 1999
  2. Vgl. Die Tageszeitung „Vatan“ vom 17. Oktober 2005
  3. Ruşen Çakır: Ayet ve Slogan. Türkiye'deki İslami Oluşumlar. Istanbul 1990, S. 243
  4. Vgl. „Der Evolutionsschwindel“ Das Vorwort
  5. „Der Evolutionsschwindel“ Die Evolution ist ein Betrug
  6. Harun Yahya: Das Grauen des Holocaust Wie haben die Nationalsozialisten Millionen Juden, Zigeuner und Behinderte ermordet? Welche geheime Abmachung gab es zwischen den Nationalsozialisten und dem radikalen Zionismus?
  7. Verfassungsschutzbericht des Landes Baden-Württemberg von 2003, Seiten 76-78
  8. Der Autor – Die Lebensgeschichte
  9. Adnan Hoca 63 internet sitesini kapattırdı, Artikel aus der Milliyet vom 17. Oktober 2008

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