Adolf Brand
Adolf Brand
Erste Ausgabe von der "Der Eigene", eine der ersten periodisch erschienenen homosexuellen Zeitschriften, publiziert von Adolf Brand im Jahre 1896

Adolf Brand (* 14. November 1874 in Berlin; † 2. Februar 1945) war ein früher schwuler Aktivist und Begründer der weltweit ersten regelmäßig erscheinenden schwulen Zeitschrift[1] Der Eigene (1896-1932).

1899/1900 veröffentlichte Brand in seinem Verlag, in dem auch Der Eigene erschien, Elisar von Kupffers einflussreiche Anthologie der homoerotischen Literatur Lieblingminne und Freundesliebe in der Weltliteratur.

1903 gründete Brand zusammen mit Benedict Friedlaender und Wilhelm Jansen die Gemeinschaft der Eigenen (GdE), deren Ideale die homosexuelle Liebe viriler Männer und die Knabenliebe nach griechischem Vorbild waren, und deren Mitglieder auch der Idee Gustav Wynekens vom pädagogischen Eros nahe standen.[2] Sie lehnten medizinische Theorien über die Homosexualität wie die Theorie der sexuellen Zwischenstufen von Magnus Hirschfeld (s. drittes Geschlecht) entschieden ab. Einzig für die Abschaffung des Paragraphen 175 kämpfte die GdE in den 1920er Jahren gemeinsam mit Hirschfelds wissenschaftlich-humanitärem Komitee, allerdings vergeblich.

Die Gemeinschaft der Eigenen war auch praktisch aktiv. So gab es Camping- und Trecking-Veranstaltungen, die teils auch nackt praktiziert wurden. In dieser Hinsicht war die GdE Gruppierungen der Jugendbewegung wie dem Wandervogel ähnlich. So gehörte auch einer der Mitbegründer der GdE, Wilhelm Jansen, zu den Hauptfinanziers und führenden Personen der Wandervogel-Bewegung.[3]

Buchband 1906 Ausgabe von "Der Eigene"

Brand war ein Verfechter des Outing bekannter schwuler Männer lange bevor dieser Begriff geprägt wurde. Als er 1907 im Verlauf der Harden-Eulenburg-Affäre behauptete, Reichskanzler Bernhard von Bülow führe eine homosexuelle Beziehung, um ihn zur Abschaffung des §175 zu bewegen, wurde er von v. Bülow wegen Verleumdung verklagt und, weil er keine Beweise vorbringen konnte, zu 18 Monaten Haft verurteilt. Brand versuchte auch ein Outing vieler weiterer Persönlichkeiten des öffentlichen und kulturellen Lebens. So machte er den Fall des Dramatikers und Schulleiters Carl Friedrich Müller-Palleske bekannt, der sich in die Schweiz abgesetzt hatte, um einer strafrechtlichen Verfolgung im Königreich Bayern zu entgehen.[4]

Auch diverse andere Haftstrafen musste Brand absitzen, z.B. weil er einen Abgeordneten, mit dem er eine Meinungsverschiedenheit hatte, mit einer Hundeleine schlug, und wegen verschiedener in den Augen der Strafverfolger anstößiger Text- und Bild-Veröffentlichungen.

Während des Ersten Weltkrieges schraubte Brand seine Aktivitäten in der GdE zurück und diente zwei Jahre lang in der Armee. Er heiratete die Krankenschwester Elise Behrendt, die seine homosexuelle Neigung akzeptierte.

Ab 1933 gab Brand den homosexuellen Aktivismus auf, nachdem er sich fortwährenden Angriffen durch die Nazis ausgesetzt sah und er durch die Beschlagnahme vieler seiner Bücher und Unterlagen die Zeitschrift Der Eigene nicht weiter veröffentlichen konnte, was für ihn persönlich zudem den finanziellen Ruin bedeutete.

Brand starb bei einem Luftangriff der Alliierten.

Fußnoten

  1. Karl Heinrich Ulrichs hatte 1870 schon Uranus - Zeitschrift für die Interessen des Uranismus herausgegeben, von der allerdings nur eine Ausgabe erschien. (Kennedy, Hubert, Karl Heinrich Ulrichs: First Theorist of Homosexuality, In: 'Science and Homosexualities', ed. Vernon Rosario (S. 26–45). New York: Routledge, 1997.)
  2. http://www.trend.infopartisan.net/trd0900/t220900.htm
  3. Mills, Richard.1980. A Man of Youth: Wilhelm Jansen and the German Wandervogel Movement. In: 'Gay Sunshine', 44/45
  4. Adolf Brand: „Ein flüchtiger Schuldirektor.“ In: Extrapost des Eigenen 1911, S. 110.

Literatur

Reprint. "Der Eigene. Ein Blatt für männliche Kultur". Ein Querschnitt durch die erste Homosexuellenzeitschrift der Welt. Mit einem Beitrag von Friedrich Kröhnke. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Joachim S. Hohmann, Foerster Verlag, Frankfurt/Main und Berlin 1981.

Weblinks

 Commons: Adolf Brand – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

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