Adolf Deißmann
Adolf Deißmann

Gustav Adolf Deißmann (auch: Deissmann, * 7. November 1866 in Langenscheid; † 5. April 1937 in Wünsdorf) war ein deutscher evangelischer Theologe, Papyrologe und Ökumeniker.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Deißmann stammte aus einer Pfarrersfamilie. Nach dem Abitur in Wiesbaden studierte er evangelische Theologie an den Universitäten Tübingen und Berlin sowie am Theologischen Seminar der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau in Herborn. 1890 wurde er Vikar in Dausenau bei Nassau (Lahn); 1892 Repetent und Privatdozent in Marburg. Nach einer Zwischenzeit als Dozent am Theologischen Seminar in Herborn erhielt er 1897 einen Ruf als Professor für Neues Testament an die Universität Heidelberg; 1908 ging er in gleicher Funktion als Nachfolger von Bernhard Weiß nach Berlin. 1930/31 hatte er das Amt des Rektors der Berliner Universität inne. Politisch wurde Deißmann durch Friedrich Naumann geprägt. Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte er als langjähriges Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) zu den Unterstützern der Weimarer Republik.

Wirken

Deißmanns wissenschaftliches Hauptinteresse galt der Einwirkung des griechischen Geistes auf das Christentum (Hellenisierung). Als einer der ersten beschäftigte er sich mit Papyrusfunden in Ägypten und ihrer Bedeutung für das Verständnis des Griechisch der Septuaginta und des Urtexts des neuen Testaments. 1908 erschien sein Hauptwerk Licht vom Osten, das bis 1923 vier Auflagen erlebte und auch ins Englische und Schwedische übersetzt wurde. Deißmann, der der liberalen Theologie zugerechnet werden kann, war zeitweilig der bekannteste Vertreter der deutschen neutestamentlichen Wissenschaft im Ausland. Er war auch kirchenpolitisch aktiv und Teilnehmer der deutschen evangelischen Kirchentage in Dresden 1919 und Stuttgart 1921.

In der sich formenden ökumenischen Bewegung gehörte Deißmann zu den führenden deutschen Persönlichkeiten. Er nahm sowohl an der ersten Weltkirchenkonferenz für Life and Work (Praktisches Christentum) 1925 in Stockholm als auch an der ersten Weltkirchenkonferenz für Faith and Order (Glaube und Kirchenverfassung) 1927 in Lausanne teil. Ab 1929 war er Mitglied des ökumenischen Rats für Praktisches Christentum, einem der beiden Vorgänger des Weltkirchenrats. In dieser Funktion gehörte er zu den Förderern des ökumenischen Engagements von Dietrich Bonhoeffer. Gemeinsam mit George Bell veranstaltete er zwei deutsch-britische Theologentagungen.

Nachlass

Deißmanns umfangreicher Nachlass wird in der Zentral- und Landesbibliothek Berlin verwahrt.

Schriften (Auswahl)

  • Die neutestamentliche Formel »in Christo Jesu«. 1892
  • Bibelstudien. 1895
  • Neue Bibelstudien. 1897
Beide zusammen engl: Bible Studies: Contributions Chiefly from Papyri and Inscriptions to the History of the Language, the Literature, and the Religion of Hellenistic Judaism and Primitive Christianity. 1901, 2nd edition 1909
  • Die sprachliche Erforschung der griechischen Bibel. 1898
  • Die Hellenisierung des semitischen Monotheismus. 1903
  • Evangelium und Urchristentum. 1905
  • Die Septuaginta-Papyri und andere altchristliche Texte. 1905
  • Licht vom Osten. Das Neue Testament und die neuentdeckten Texte der hellenistisch-römischen Welt. Tübingen: Mohr 1908
Engl: Light from the Ancient East the New Testament Illustrated by Recently Discovered Texts of the Graeco-Roman World. London: Hodder & Stoughton, 1910
  • Das Urchristentum und die unteren Schichten. 1908
  • Die Urgeschichte des Christentums im Lichte der Sprachforschung. 1910
  • Paulus. Eine kultur- u. religionsgeschichtliche Skizze. 1911 (19252; schwed. 1910, 19182; engl. 1912, 19262; jap. 1926)
  • Die Stockholmer Bewegung. Die Weltkirchenkonferenzen zu Stockholm 1925 und Bern 1926 von innen betrachtet. 1927

Herausgeber

  • Die Stockholmer Weltkirchenkonferenz. Vorgeschichte, Dienst und Arbeit der Weltkonferenz für praktisches Christentum, 19.–30. August 1925. Amtlicher deutscher Bericht. 1926
  • mit George Kennedy Allen Bell: Mysterium Christi. Christologische Studien britischer und deutscher Theologen. 1931

Literatur

  • Gertrud Frischmuth: Adolf Deißmann. Ein Leben in Christo für die Una Sancta. In: Ökumenische Profile. Brückenbauer der einen Kirche. Hrsg. v. Günter Gloede, I, 1961, S. 280 ff.
  • Albrecht Gerber: Deissmann the Philologist, Berlin/New York, de Gruyter, 2010 (Beihefte zur Zeitschrift für die neutestamentliche Wissenschaft und die Kunde der älteren Kirche Bd. 171) ISBN 9783110224313
  • Christoph Markschies: Adolf Deißmann - ein Heidelberger Pionier der Ökumene. In: Zeitschrift für neuere Theologiegeschichte 12 (2005), S. 47-89.
  • Friedrich Wilhelm Bautz: Adolf Deißmann. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 1, Hamm 1975, Sp. 1248–1249.
  • Hermann StrathmannDeissmann, Adolf. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 3, Duncker & Humblot, Berlin 1957, S. 571 f.
  • Deutscher Wirtschaftsverlag, AG (Hg.): Reichshandbuch der Deutschen Gesellschaft, Band 1, Berlin, 1931

Weblinks


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