Adolf Fremd

Adolf Fremd (* 18. Mai 1853 in Stuttgart; † 1924 ebenda) war ein deutscher Bildhauer. Er war Schüler der Stuttgarter Kunstschule und schuf zahlreiche Plastiken und Denkmäler in Stuttgart.

Inhaltsverzeichnis

Werke

  • Bad Carlsruhe in Schlesien
    • Herzog Wilhelm Eugen von Württemberg-Büste im Schloss (1878)
  • Champigny (Frankreich)
    • Deutsches Kriegerdenkmal 1870/71 (um 1910)

Die König-Karls-Brücke

Die Auffahrten der König-Karls-Brücke wurden von vier Pylonen markiert, für die eine Ausschmückung mit Skulpturen vorgesehen war. Zwischen 1897 und 1901 schuf der Bildhauer Adolf Fremd die allegorische Figuren „Landwirtschaft“, „Handel“, „Gewerbe“ und „Wehrstand“.

Die König-Karl-Brücke wurde am 27. September 1893, einen Tag vor der Volksfesteröffnung, feierlich eingeweiht. Die Bauzeit hatte zwei Jahre betragen und den Württembergischen Staat 1.000.000 Mark und die Städte Stuttgart und Cannstatt jeweils 300.000 Mark gekostet. In dieser stattlichen Summe fehlten jedoch ganze 30.000 Mark für den bildnerischen Schmuck.
Obwohl die König-Karl-Brücke als ein Meisterwerk der Ingenieurbaukunst im ganzen Reich gefeiert wurde, vergingen noch etliche Jahre bis die Ausschmückung mit Skulpturen vollendet wurde.
Der Architekt Karl von Leibbrand wollte wenigstens für die Einweihung ein komplettes Bild der Brücke und beauftragte den Bildhauer Adolf Fremd mit vier provisorischen Skulpturen. Fremd schuf in nur einer einzigen Woche die Figuren und fertigte sie bis zur Eröffnung aus Gips, Holz und Leinwand. Schon einen Tag später, am 28. September 1893 bemerkte der Staatsanzeiger für Württemberg: „Gerade dieser hervorragende Künstlerische Schmuck aber ist bis jetzt ein Ding der Vergänglichkeit und kann … höchstens wenn’s gut geht den Winter überdauern“. Zwar war es damals durchaus üblich die Ausschmückung der Bauwerke erst nach der Fertigstellung anzubringen, allerdings dauerte es der Bevölkerung deutlich zu lange und die Staatsregierung handelte sind einige Kritik ein. Galt doch die König-Karl-Brücke als die schönste und größte Brücke des Landes und war damit mehr als nur eine Visitenkarte für die beiden Städte.
Schließlich strömte damals das Volk aus allen Landesteilen zum alljährlichen Cannstatter Volksfest. Die lokale Presse veröffentlichte Spottgedichte, zahlreiche kritische Artikel und fragte verzweifelt, ob sich denn nicht einer der vielen Stuttgarter Millionäre erbarmen und eine der Skulpturen stiften würde, nachdem die Regierung offensichtlich nicht willens war, dies zu finanzieren.
Die Schwäbische Kronik bat im Februar 1896: „Für die vier in abgerissenen Gewändern bei Sturm und Wetter, Tag und Nacht an der Brücke sitzenden Gestalten wird um abgetragene Kleider und Schuhwerk gebeten.“ Aber auch die Stadt Stuttgart und ihre schöne Nachbarin Cannstatt beeilten sich nicht diesen Zustand zu ändern, wie das Neue Tagblatt bemerkte.
Tatsächlich wurde dann die Ausschmückung der König-Karl-Brücke von Privatleuten finanziert. Im Januar 1897 stellte Hermann Werner, Inhaber der Cannstatter Firma Werner & Pfleiderer, 7.500 Mark für die Skulptur „Landwirtschaft“ zur Verfügung.
Karl von Leibbrand beauftragte im Juli Adolf Fremd mit der Ausführung der Figur in "bestem weissen Heilbronner Werkstein". Adolf Fremd konnte Karl von Leibbrand jedoch davon überzeugen, alle Skulpturen in elfenbeinfarbigem Kelheimer Kalkstein auszuführen. Der Kelheimer Kalkstein, auch bekannt als „bayerischer Marmor“, harmonierte eher mit dem „tiefrothen Sandstein“ der Brücke.
Die Figur "Handel" 1898 wurde über eine Schenkung des Kaufmanns Heinrich Meyer mit 9.000 Mark finanziert. Die Aufstellung der beiden Figuren verschlimmerte die Situation allerdings eher noch, da den zwei weiblichen Figuren schlichtweg die „Männer fehlten“, also die Pendants am gegenüberliegenden Pylon. Das Neue Tagblatt hörte die Frauen jammern: „Auch von Stuttgarts Millionären mag nicht einer mir bescheren, was ich brauch à tout prix: Einen Mann zum vis-a-vis!“ Die Cannstatter Zeitung kritisierte dies ebenfalls im Dezember 1899 und nannte die unvollständige Aufstellung einen echten „Schwabenstreich“, was aber die Aufstellung der beiden Figuren im März 1900 nicht beeinflusste. Erst im Juni desselben Jahres begann Adolf Fremd mit der Skulptur „Wehrstand“ (einen germanischen Krieger darstellend), nachdem der Kaufmann August Scharrer dem Cannstatter Oberbürgermeister Oskar Nast ebenfalls 9.000 Mark zugesagt hatte. Die letzte Figur "Gewerbe" wurde von den Töchtern Karl von Leibbrands, Martha Häbich und Lilli Leibbrand, im Gedenken an ihren Vater gestiftet. Es war also privater Initiative zu verdanken, dass die Staatsregierung sich nicht weiter dem Verdacht aussetzen musste, entweder keinen Sinn für Kunst oder kein Geld zu haben. Karl von Leibbrand hatte es trotz seiner zahlreichen guten Kontakte bis zu seinem Tod 1898 nicht mehr geschafft für alle Skulpturen einen Stifter zu finden. Noch auf dem Sterbebett muss sich der geniale und ruhelose Ingenieur über die Ausschmückung seines Hauptwerkes gesorgt haben.

Quellen

  • Staatsarchiv Ludwigsburg - Ministerialabteilung für den Straßen- und Wasserbau; Archivalieneinheit E 166
  • Leibbrand, Karl: Die König-Karls-Brücke über den Neckar zwischen Stuttgart und Cannstatt. Verlag Ernst & Sohn, Berlin 1895

Weblinks

 Commons: Adolf Fremd – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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