Adolf Gasser

Adolf Gasser (* 25. November 1903 in Burgdorf; † 15. Juni 1985 in Basel) war ein Schweizer Historiker.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Adolf Gasser wuchs zusammen mit zwei Brüdern in Winterthur auf. Sein Vater war Lehrer am dortigen Technikum. Beide Eltern hatten an der Universität Bern studiert und sich durch Vermittlung von Albert Einstein kennengelernt. Ab 1922 studierte Gasser in Heidelberg und in Zürich, wo er 1927 in Geschichte und Latein promovierte. Sein Professor, der Historiker Karl Meyer (1885–1950), war für sein späteres Wirken prägend.

Von 1928 bis 1969 lehrte er am Humanistischen Gymnasium in Basel. 1936 wurde er Privatdozent, 1942 Lehrbeauftragter und 1950 ausserordentlicher Professor für Allgemeine Verfassungsgeschichte der mittleren und neueren Zeit an der Universität Basel. Nach dem Zweiten Weltkrieg entfaltete er eine rege Vortragstätigkeit in der Bundesrepublik Deutschland. Von 1949 bis 1955 war er Mitbegründer des Rates der Gemeinden Europas.

Von 1953 bis 1968 war er freisinniger Basler Grossrat und von 1960 bis 1969 zusätzlich Verfassungsrat für die Wiedervereinigung der beiden Basel. Er leitete von 1955 bis 1960 die FDP des Kantons Basel. Nach seiner Pensionierung wurde er Präsident der Basler Arbeitsgemeinschaft zum Schutz von Natur und Umwelt (BASNU).

Werk

Gassers wissenschaftliches und politisches Werk zeichnet sich durch eine historisch begründete Gemeinschaftsethik aus, in der Gemeindefreiheit und Föderalismus die Grundlage eines vereinten Europa darstellen.

Als Universalhistoriker beleuchtete er die Staats-, Rechts-, Wirtschafts-, Sozial-, Militär-, Kirchen- und Geistesverfassung sämtlicher Jahrhunderte. Mit seinem Leitartikel in der Sonntagsausgabe der Basler National-Zeitung kämpfte er gegen das Hitlerreich und schärfte dabei sein föderalistisches, am ethischen Kollektivismus der autonomen Kleinräume orientiertes Geschichtsbild.

Seine föderalistisch-freiheitliche Geschichtsauffassung spiegelt sich in seinen Büchern wider. Wie er im Vorwort zu seinem Werk Gemeindefreiheit als Rettung Europas/Grundlinien einer ethischen Geschichtsauffassung schrieb, ist für ihn eine umfassende kommunale Ermessensfreiheit unentbehrliche Voraussetzung für jede politische, soziale, moralische Gesundung Europas. Dieses Buch hat einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Institution der Gemeinde in Europa geleistet. Die Europäische Charta der kommunalen Selbstverwaltung kann als Umsetzung der in diesem Werk enthaltenen Grundsätze in völkerrechtliche Normen betrachtet werden.

Schriften

  • Die territoriale Entwicklung der Schweizerischen Eidgenossenschaft 1291-1797, Verlag Sauerländer, Aarau 1932
  • Aufbau von unten oder Zwang von oben. Ein Beitrag zur Frage des Föderalismus, Dr. Riederer Verlag, Stuttgart 1947
  • Für Freiheit und Recht 1940-1945. Ausgewählte Leitartikel der Basler «Nationalzeitung». Haupt Verlag, Bern 1945
  • Geschichte der Volksfreiheit und der Demokratie. Verlag Sauerländer, Aarau 1939
  • Gemeindefreiheit als Rettung Europas. Grundlinien einer ethischen Geschichtsauffassung. Verlag Bücherfreunde, Basel 1947
  • Von den Grundlagen des Staates, Verlag für Wissenschaft und Praxis, Stuttgart 1950

Literatur

  • Fried Esterbauer, Helmut Kalkbrenner, Markus Mattmüller, Lutz Roemheld (Hrsg.): Von der freien Gemeinde zum föderalistischen Europa. Festschrift für Adolf Gasser zum 80. Geburtstag. Verlag Duncker & Humblot, Berlin 1983, ISBN 3-428-05417-2
  • Adolf Gasser, Ulrich Mentz (Hrsg.): Gemeindefreiheit in Europa. Der steinige Weg zu mehr kommunaler Selbstverwaltung in Europa. Verlag Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2004, ISBN 3-8329-0772-6

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Gasser — ist der Familienname folgender Personen: Achilles Pirminius Gasser (auch Gasserus; 1505–1577), deutscher Historiker, Mediziner und Astrologe Adolf Gasser (1903–1985), Schweizer Historiker Albert Gasser (* 1938), Schweizer römisch katholischer… …   Deutsch Wikipedia

  • Adolf (Manga) — Adolf (jap. アドルフに告ぐ, Adorufu ni Tsugu, übersetzt „Mitteilung an Adolf“) ist eine Manga Serie des bekannten Zeichners Osamu Tezuka. Die Krimiserie erschien von 1983 bis 1985 in etwa 1.250 Seiten und wurde für eine erwachsene Leserschaft gezeichnet …   Deutsch Wikipedia

  • Adolf ni Tsugu — Adolf (jap. アドルフに告ぐ, Adorufu ni Tsugu, übersetzt „Mitteilung an Adolf“) ist eine Manga Serie des bekannten Zeichners Osamu Tezuka. Die Krimiserie erschien von 1983 bis 1985 in etwa 1.250 Seiten und wurde für eine erwachsene Leserschaft gezeichnet …   Deutsch Wikipedia

  • Adolf Lasson — (* 12. März 1832 in Strelitz; † 19. Dezember 1917 in Berlin) war ein deutsch jüdischer Philosoph. Adolf Lasson studierte 1848–1852 an der Universität Berlin Philologie und Rechtswissenschaft. 1853 trat er zum Christentum über. Ab 1859 war er… …   Deutsch Wikipedia

  • Emil Adolf Von Behring — Pour les articles homonymes, voir Behring. Emil Adolf von Behring Emil Adolf von Behring (15 mars& …   Wikipédia en Français

  • Emil Adolf von Behring — Pour les articles homonymes, voir Behring. Emil Adolf von Behring Naissance 15 mars 1854 Hansdorf, Eylau (Allemag …   Wikipédia en Français

  • Emil adolf von behring — Pour les articles homonymes, voir Behring. Emil Adolf von Behring Emil Adolf von Behring (15 mars& …   Wikipédia en Français

  • Hans Adolf Krebs — Pour les articles homonymes, voir Krebs. Hans Adolf Krebs (25 août 1900 à Hildesheim, Allemagne 22 novembre 1981 à Oxford, Angleterre) est un médecin allemand, lauréat de la moitié du prix Nobel de physiologie ou médecine de… …   Wikipédia en Français

  • Liste der Biografien/Gas — Biografien: A B C D E F G H I J K L M N O P Q …   Deutsch Wikipedia

  • Gemeindeautonomie — Gemeindefreiheit oder Gemeindeautonomie ist die Freiheit der in der untersten Staatsebene bzw. in einer politischen Gemeinde wohnhaften Stimmberechtigten, selbständig und unabhängig im Sinne der Direkten Demokratie über ihre eigenen… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”