Adolf Held

Adolf Held (* 10. Mai 1844 in Würzburg; † 25. August 1880 im Thunersee) war ein deutscher Nationalökonom.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Held war Sohn des bekannten Würzburger Staatsrechtlers Joseph Held (1815-1890). [1] Er studierte in München und Würzburg Rechts- und Staatswissenschaften. 1865 legte er das das juristische Staatsexamen ab und promovierte 1866 in Würzburg mit dem Thema und „Careys Sozialwissenschaft und das Merkantilsystem“) zum „doctor rerum politicorum“. Dann fand er eine Anstellung in Ernst Engels Seminar des preußischen statistischen Bureaus in Berlin und habilitierte sich 1867 mit einer Abhandlung „Zur Lehre der Überwälzung der Steuern“ in Bonn für Nationalökonomie. 1868 wurde er außerordentlicher Professor, 1872 in Bonn Ordinarius für Staatswissenschaften, 1879 ordentlicher Professor in Berlin. Er gehörte zu den eifrigsten Mitgliedern im Verein für Socialpolitik, dessen Sekretär er seit 1873 war. Held heiratete 1869 Elise Uellenberg. Adolf Held war ein „eifrigen Patriot“ „national gesinnt“. Während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 dient er beim Roten Kreuz. Held bekannte sich zum Altkatholizismus. Während eines Ferienaufenthaltes in der Schweiz ertrank er am 25. August 1880 bei einer Kahnfahrt auf dem Thunersee.

Mit seiner Arbeit über Henry Charles Carey macht Held das deutsche Publikum erstmals mit dem amerikanischen Vulgärökonomen, wie Karl Marx ihn nannte, und dessen Auseinandersetzung mit der Rententheorie von David Ricardo bekannt. In einer zeitgenössischen Rezension wurde seine Dissertation als „ein sehr viel versprechender Erstling“ bezeichnet. [2]

Sein Hauptinteresse galt den Arbeiterverhältnissen der damaligen Zeit. So versuchte er mit den rheinischen Arbeitgebern seine Positionen in der Zeitschrift „Concordia“ deutlich zu machen. Er bekannte sich ausdrücklich als Kathedersozialist. Sein persönlicher Einfluss z.B. im „Verein für Socialpolitik“ war stärker als die Wirkung seiner Schriften. Da er nur zwei Jahre als Professor wirken konnte, ist sein Wirken auf die deutsche Nationalökonomie nur beschränkt.

Werke

  • Careys Sozialwissenschaft und das Merkantilsystem. Würzburg 1866 online
  • Adam Smith und Smith und Quetelet. Jena 1867 (auch in: Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, 1867, S. 249-279)
  • Die ländlichen Darlehenskassenvereine in der Rheinprovinz und ihre Beziehungen zur Arbeiterfrage. Jena 1869
  • Noch einmal über den Preis des Geldes. Ein Beitrag zur Münzefrage. Jena 1871
  • Die Einkommensteuer. Finanzwissenschaftliche Studien zur Reform der directen Steuern in Deutschland. Marcus, Bonn 1872
  • Lassalle und seine Nachfolger. Vortrag gehalten im Bonner Bildungsverein am 9. März 1873. Beusser, Bonn 1873
  • Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands. Leipzig 1873 (Reprint Auvermann, Glashütten i. Ts. 1975) (Zwei Bücher zur sozialen Geschichte Englands. Aus dem Nachlaß herausgegeben von Georg Friedrich Knapp. Mit dem Bildnis des Verfassers. Duncker & Humblot, Leipzig 1881)
  • Die deutsche Arbeiterpresse der Gegenwart. Leipzig 1873
  • Grundriß für Vorlesungen über Nationalökonomie. Zum Gebrauche seiner Zuhörer verfasst. 2. Aufl., Bonn 1878
  • Die Quintessenz des Kathedersocialismus von M. Block, Berlin 1878. Bonn 1878
  • Socialismus, Socialdemokratie und Socialpolitik. Duncker & Humblot, Leipzig 1877 (2. Aufl. 1878)

Literatur

  • Carl August Schramm: Kritik der Heldschen Social-Reform-Theorie. Daubitz 1872
  • A. Teichmann: Adolf Held. In: Augsburger Allgemeine Zeitung vom 11. und 12. September 1880
  • Jürgen Bona Meyer: Zur Erinnerung an Adolf Held. Gesprochen im Bonner Bildungsverein. Bonn 1880
  • Erwin Nasse: Adolf Held und Verzeichnis der Schriften, welche Adolf Held veröffentlicht hat. In: Die Haftpflichtfrage.Gutachten und Berichte. Duncker & Humblot, Leipzig 1880, S. 1-9
  • Held, Adolf. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Aufl., Bd. 8, S. 348
  • Georg Friedrich Knapp: Adolf Held, geb. 10. Mai 1844, gest. 25. Aug. 1880. In: Lujo Brentano: Die Zukunft der Sozialpolitik. Jubiläumstagung des Vereins für Socialpolitik in Eisenach 20. und 21. Sept. 1922 mit Beiträgen zum 50-jährigen Jubiläum des Vereins von L. Brentano (...). Duncker & Humblot, München, Bd. 163, 1923, S. 23-37

Einzelnachweise

  1. A. Teichmann: Held, Joseph von. In: Allgemeine Deutsche Biographie 50 (1905), S. 161-163
  2. Vierteljahrschrift für Volkswirtschaft, Politik und Kulturgeschichte, Band 4, S. 221.

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Held (Familienname) — Held (auch: Heldt) ist ein deutscher Familienname. Herkunft und Bedeutung Held kann vom althochdeutschen helido abgeleitet werden im Sinne von „heldenhaft“. Bekannte Namensträger Inhaltsverzeichnis A B C D E F G H I J K L M …   Deutsch Wikipedia

  • Adolf Hitler's rise to power — began in Germany (at least formally)[1] in September 1919 when Hitler joined the political party that was[2] known as the Deutsche Arbeiterpartei (abbreviated as DAP, and later commonly referred to as the Nazi Party). This political party was… …   Wikipedia

  • Adolf Berman — Adolf Abraham Berman (17 October 1906, Warsaw ndash; 3 February 1978, Tel Aviv) was a Polish Jewish psychologist, member of Poale Zion Left party, editor of Arbeter Cajtung [http://portalwiedzy.onet.pl/14362,,,,berman adolf abraham,haslo.html] ,… …   Wikipedia

  • Adolf Löhr — (Pseudonyme: A. Frohmut, Adolf Frohmut, Amandus Schliekenfänger, * 7. Juni 1889 in Barmen, † nach 1982) war ein deutscher Buchhändler und Schriftsteller. Leben Adolf Löhr lebte als Buchhändler in Wuppertal. Er war Verfasser einer Vielzahl von… …   Deutsch Wikipedia

  • Adolf Wilbrandt — (August 24, 1837 1911) was a German novelist and dramatist.Wilbrant was born in Rostock. His father was a professor at the university in Rostock. He received early education in his native town, and then entered the university and engaged in the… …   Wikipedia

  • Adolf Himmel — (* 9. August 1928 in Moers) ist ein deutscher Autor und Übersetzer von Kinder und Jugendliteratur. Inhaltsverzeichnis 1 Leben 2 Bibliographie 2.1 Kinder und Jugendbücher …   Deutsch Wikipedia

  • Adolf Schlatter — (16 August 1852 19 May 1938) was an Evangelical theologian and professor specialising in the New Testament and systematics at Greifswald, Berlin and Tübingen.Schlatter, born in St. Gallen to a pietistic preacher, studied philosophy and theology… …   Wikipedia

  • Adolf Dehn — was one of the most notable lithographers of the 20th century. Throughout his artistic career, Dehn participated in and helped define some important movements in American art, including Regionalism, Social Realism, and caricature. He was known… …   Wikipedia

  • Adolf Slaby — Adolf Karl Heinrich Slaby (April 18 1849 mdash; April 6 1913) was a German wireless pioneer and the first Professor of electro technology at the Technical University of Berlin (1886). EducationSlaby was born in Berlin as the son of a bookbinder… …   Wikipedia

  • Adolf Heinrich von Arnim-Boitzenburg — 1st Prime Minister of Prussia In office 19 March – 29 March 1848 Succeeded by Gottfried Ludolf Camphausen …   Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”