Adolf Seefeldt

Adolf Seefeldt (* 6. März 1870 in Potsdam; † 23. Mai 1936 in Schwerin durch das Fallbeil) war ein deutscher Serienmörder.

Der Reisende und Uhrmacher Adolf Seefeldt, auch „Sandmann“ oder – wegen seines Berufes – „Onkel Tick Tack“ genannt, missbrauchte und tötete in der Zeit des Dritten Reiches nachweislich 12 Knaben. Als Tatort wählte er mit einer Ausnahme Kiefernschonungen. Eine Gemeinsamkeit fand sich in der Bekleidung der Opfer, welche durchweg Matrosenanzüge trugen. Da alle Kinder wie „friedlich schlafend“ vorgefunden wurden und keine Spuren äußerer Gewalt aufwiesen, stand die Polizei vor einem Rätsel um die Todesumstände. Es ist von daher möglich, dass Seefeldt weitere Morde beging, die für natürliche Todesfälle gehalten wurden.

Zeitgenössische Gutachter spekulierten, Seefeldt habe selbst hergestelltes Gift bzw. Chloroform verwendet oder seine Opfer erstickt. Laut Hans Pfeiffer, bekannter Autor populärwissenschaftlicher Bücher über authentische Kriminalfälle, lassen sich alle diese Theorien mit wenig Aufwand widerlegen. Pfeiffer vermutet hingegen, Adolf Seefeldt habe seine Opfer in einen hypnotischen Schlaf versetzt, sich dann an ihnen befriedigt und sie schließlich schlafend im Wald liegen lassen. Die Kinder seien später an Unterkühlung gestorben.

Seefeldt soll selbst im Alter von 12 Jahren von zwei Männern missbraucht worden sein. Er saß bereits mit 25 Jahren erstmals wegen sexueller Belästigung eines Jungen im Gefängnis. Psychiater schrieben ihm Schwachsinnigkeit zu, weshalb er die meiste Zeit seines Lebens in Irrenanstalten und Gefängnissen zubrachte.

Im Februar 1936 fand vor dem Schweriner Schwurgericht die Verhandlung „gegen den Uhrmacher Adolf Seefeld aus Potsdam wegen Mordes“ statt. Seefeldt wurde am Ende wegen Mordes in zwölf Fällen zum Tode verurteilt. Seine Revision wurde verworfen und das Urteil nach Ablehnung der Begnadigung am 23. Mai 1936 in Schwerin vollstreckt. Tags zuvor hatte der Scharfrichter Carl Gröpler den Delinquenten aufgesucht und „die zu erwartende Schwierigkeit der Hinrichtung erkannt“. Seefeldt ließ sich bereitwillig am nächsten Morgen mittels Fallschwertmaschine vom Leben zum Tod bringen.[1]

Die Aktenlage nach Seefeldts Verurteilung ist dürftig. Außer den Zeitungsberichten über seine Hinrichtung existieren lediglich zwei Gedächtnisprotokolle über Gespräche, die im April 1936 in Seefeldts Zelle in Schwerin geführt wurden.[2]

Im Zuge der Ermittlungen um Seefeldts Kindermorde nahm sich ein fälschlich verdächtigter Handelsreisender in Polizeigewahrsam durch Erhängen das Leben.

Der Fall des Serienmörders Adolf Seefeldt wurde 1937 von J. Fischer und Johannes Lange in der Monatsschrift für Kriminalbiologie und Strafrechtsreform 28 besprochen.

Literatur

  • Matthias Blazek: Scharfrichter in Preußen und im Deutschen Reich 1866–1945, ibidem-Verlag, Stuttgart 2010 ISBN 978-3-8382-0107-8
  • Kerstin Brückweh: Mordlust – Serienmorde, Gewalt und Emotionen im 20. Jahrhundert, Campus Verlag, Frankfurt am Main 2006 ISBN 978-3-593-38202-9
  • Erich Ebermayer: „Onkel Ticktack. Der Knabenmörder Adolf Seefeldt“, in: Robert A. Stemmle (Hrsg.): Sexualverbrechen (Der Neue Pitaval Bd. 13), München u. a. 1967, S. 11-38
  • Jens Haberland: „Adolf Seefeldt – ein ungelöstes Rätsel“, in: ders. Serienmörder im Europa des 20. Jahrhunderts, Berlin 1997, ISBN 3-930057-38-7, S. 125-129
  • Hans Pfeiffer: „Das Sandmännchen – Adolf Seefeldt (1933–1935)“, in: Wolfgang Schüler (Hrsg.), Serienmörder in Deutschland, Leipzig 2005, ISBN 3-86189-729-6, S. 16-36

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Blazek, Scharfrichter, S. 87.
  2. Brückweh, Mordlust, S. 276.

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