Adolf von Bomhard
Adolf von Bomhard (1938)

Adolf von Bomhard (* 6. Januar 1891 in Augsburg; † 19. Juli 1976) war SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Ordnungspolizei im Dritten Reich. In der Bundesrepublik war er Bürgermeister von Prien am Chiemsee.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Herkunft, Erster Weltkrieg und Weimarer Republik (1891–1932)

Adolf von Bomhard stammte aus einer Adelsfamilie. Er trat in das Heer ein und wurde 1912 zum Leutnant befördert. Am Ersten Weltkrieg nahm er als Offizier im bayerischen Infanterie-Leib-Regiment teil, dessen offizielle Regimentsgeschichte er 1921 verfasste.[1] Während des Krieges wurde er mehrmals verwundet und erhielt noch 1914 das Eiserne Kreuz I. und II. Klasse.

Von Bomhard wurde 1919 in der Reichswehr zum Hauptmann befördert. Sein Regimentskommandeur während des Ersten Weltkriegs war Franz von Epp, in dessen Freikorps von Bomhard 1920 eintrat. Danach diente er in verschiedenen Funktionen in der bayerischen Landespolizei. 1921 wurde er zum Ehrenritter im Johanniterorden ernannt.

mit Kurt Daluege Mai 1940 in Frankreich

Polizeikarriere im Dritten Reich (1933–1945)

Ab 1933 war Bomhard Chef des Stabes der Landespolizei-Inspektion Brandenburg. Er war Mitglied der NSDAP und der SS.[2] Seit 1936 arbeitete Bomhard im SS-Hauptamt Ordnungspolizei, sein Vorgesetzter war Kurt Daluege. Im April 1937 wurde er zum Generalmajor der Polizei ernannt, zwei Jahre später dann zum Generalleutnant.

Im November 1940 erfolgte die Ernennung zum SS-Gruppenführer. Im November 1942 wurde Bomhard zum Befehlshaber der Ordnungspolizei (BdO) im Reichskommissariat Ukraine in Kiew ernannt, wo er den ebenfalls aus Bayern stammenden SS-Gruppenführer und Polizeigeneral Otto von Oelhafen ablöste. Im Spätsommer 1943 wurde der Dienstsitz nach Rowno zurückverlegt. Im Oktober 1943 wurde Bomhard in der Ukraine durch Oberst Werner Lorge abgelöst.[3] 1944 wurde Bomhard zum Inspekteur der Polizeischulen ernannt, von 1944 bis 1945 war er Leiter der Ordnungspolizei im besetzten Mähren.

Nachkriegszeit, Bundesrepublik und Rezeption (Seit 1945)

Von 1960 bis 1966 war Adolf von Bomhard Bürgermeister von Prien am Chiemsee. 1971 wurde er zum "Ehrenbürger" von Prien am Chiemsee ernannt. In der Gemeinde gab es noch 2001 einen nach dieser Familie benannten "Von-Bomhard-Weg", gegen den Jakob Knab und eine Initiative gegen falsche Glorie protestierten. 2011 wird der Name nicht mehr gezeigt.[4]

Literatur

  • Florian Dierl: Adolf von Bomhard: Generalstabschef der Ordnungspolizei. In Klaus-Michael Mallmann & Gerhard Paul, Hgg.: Karrieren der Gewalt. Nationalsozialistische Täterbiographien. WBG, Darmstadt 2004. ISBN 3-534-16654-X; unv. Neuaufl. 2005; davon Sonderausgabe bei Primus, Darmstadt 2011 ISBN 9783896787262 und bei WBG 2011
  • Martin Hölzl: Grüner Rock und weiße Weste: Adolf von Bomhard und die Legende von der sauberen Ordnungspolizei. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 50. Jg., Heft 1, Berlin 2002, ISSN 0044-2828 S. 22–43
  • Stefan Klemp: „Nicht ermittelt“. Polizeibataillone und die Nachkriegsjustiz. Klartext Verlag, Essen 2011, ISBN 978-3-8375-0663-1
  • Jakob Knab: Bewusstes Vergessen: Adolf von Bomhard – 1942 am Massenmord beteiligt, 1971 zum Ehrenbürger von Prien ernannt. In: „Geschichte quer“ Zeitschrift der bayerischen Geschichtswerkstätten in München. Nr. 8, Aschaffenburg 2000 ZDB 1211308-6

Weblinks

 Commons: Adolf von Bomhard – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Adolf von Bomhard: Das Königlich Bayerische Infanterie-Leib-Regiment. Nach den amtlichen Kriegstagebüchern bearbeitet im Auftrag des ehemaligen Infanterie-Leib-Regiments im Verlag des bayerischen Kriegsarchivs. Lindauer, München 1921.
  2. NSDAP-Mitglieds-Nr.: 3933982, SS-Mitglieds-Nr.: 292711.
  3. Florian Dierl: Adolf von Bomhard - “Generalstabschef“ der Ordnungspolizei, Darmstadt 2004, S. 60f.
  4. Christian Huber: «Ein Schreibtischtäter erster Güte». In: Oberbayerisches Volksblatt (Rosenheim), 30. Januar 2001.

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