Adolfas Slezevicius

Adolfas Šleževičius (* 2. Februar 1948 in Mirčiškės, Distrikt Šiauliai) ist ein litauischer Geschäftsmann, Politiker und ehemaliger Ministerpräsident der Litauischen Demokratischen Arbeiterpartei (Lietuvos demokratinė darbo partija).

Inhaltsverzeichnis

Biographie

Studium und berufliche Laufbahn

Nach dem Schulbesuch absolvierte er 1967 bis 1971 ein Studium der Ingenieurwissenschaften am Polytechnischen Institut von Kaunas. Anschließend war er als Ingenieur im Maschinenbaukombinat von Kaunas tätig. Nach der Promotion war er von 1977 bis 1981 verantwortlicher Beamter für Fleisch- und Milchproduktion im Landwirtschaftsministerium. Anschließend wurde er Volkswirt im Institut für Finanzen des Ministerrates der UdSSR.

Von 1983 bis 1989 war er Direktor eines Agrarwirtschaftlichen Kombinates. Im Anschluss daran war er stellvertretender Landwirtschaftsminister, ehe er nach der Unabhängigkeit Litauens am 11. März 1990 Präsident des Litauisch-Norwegischen Joint Venture C.-Olsen-Baltic wurde. Nach der Unabhängigkeit trat er von der Litauischen Kommunistischen Partei (Lietuvos komunistų partija (LKP)) zur neu gegründeten Litauischen Demokratischen Arbeiterpartei über.

Ministerpräsident von 1993 bis 1996 und Misstrauensvotum

Am 10. März 1993 wurde er als Nachfolger von Bronislovas Lubys zum Ministerpräsidenten gewählt. Während seiner Regierungszeit setzte er den nach der Unabhängigkeit begonnenen Reformkurs mit größerer sozialer Rücksichtnahme fort und bemühte sich um gute Beziehungen zum Westen wie zu Russland.[1] Darüber hinaus führte seine Regierung eine Währungsbehörde ein, um die Wirtschaftsreformen finanzpolitisch zu stützen.[2]

Das Amt des Ministerpräsidenten übte er bis zu seiner Ablösung durch Laurynas Mindaugas Stankevičius am 15. Februar 1996 aus, nachdem ihm am 8. Februar 1996 mit nur 24 Stimmen gegen 96 Stimmen das Misstrauen durch das Parlament (Seimas) ausgesprochen wurde.[3]

Im Anschluss daran war er wieder als Geschäftsmann tätig. Später kam es nach einer Anfrage von zwei Abgeordneten des Seimas zu einem Ermittlungsverfahren wegen Amtsmissbrauchs aufgrund finanzieller Ungeklärtheiten in einem Bankenskandal. Wegen der Länge des Ermittlungsverfahrens, das zu keiner Anklage führte, reichte Šleževičius eine Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg ein. Dieses sah einen Verstoß gegen das in Artikel 6 der Europäischen Menschenrechtskonvention geregelte Recht auf eine schnelle Anhörung und sprach ihm am 23. Oktober 2001 einen Schadens- und Kostenersatz von insgesamt 100.000 Litas zu.[4]

Quellen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. "Litauen auf dem Weg nach Europa", Artikel in "Der Standard" vom 20. Oktober 2003
  2. "Reform was hart to accomplish but I would do it again", Interview in "The Free Market" vom 01. Januar 2004
  3. Misstrauensvotum vom 8. Februar 1996
  4. Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte vom 23. Oktober 2001

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