Adolfseck
Adolfseck
Wappen der früheren Gemeinde Adolfseck
Koordinaten: 50° 10′ N, 8° 5′ O50.1595668.079463305Koordinaten: 50° 9′ 34″ N, 8° 4′ 46″ O
Höhe: 305 m ü. NN
Einwohner: 237 (1970)
Eingemeindung: 31. Dez. 1971
Postleitzahl: 65307
Vorwahl: 06124

Adolfseck ist ein Stadtteil der Stadt Bad Schwalbach im Rheingau-Taunus-Kreis in Hessen. Nach der Einwohnerzahl ist er der kleinste Stadtteil.

Inhaltsverzeichnis

Geografische Lage

Adolfseck mit gestauter ehemaliger Fluss-Schlinge (links) und Wasserfall (rechts) in einem Stich von Merian

Die frühere Burg und der Ortskern von Adolfseck liegen nördlich der Kernstadt Bad Schwalbach auf einem Umlaufberg der Aar, die diesen Berg ursprünglich in einer Flussschlinge von Süden, Osten und Norden umflossen hat. Schon seit dem Mittelalter fließt aber die Aar westlich von Adolfseck durch einen Durchbruch, dessen Gefälle zum Betrieb einer Mühle diente. Heute ist die Aar an dieser Stelle auf einer Länge von etwa 60 Meter unterirdisch kanalisiert, und mittels einer Turbine wird an einem Wehr elektrische Energie erzeugt.[1] Mithin kann die Lage des Ortskerns weder dem Ostufer noch dem Westufer der Aar eindeutig zugeordnet werden. [2] Der mit dem Durchbruch entstandene größte Wasserfall im Taunus ist durch den Wasserentzug nur bei hohem Wasserstand der Aar zu betrachten.

Die Gemarkung von Adolfseck liegt weit überwiegend östlich der Aar, ganz im Unterschied zu den anderen Bad Schwalbacher Stadtteilen. Nur etwa 20 Hektar liegen brückenkopfartig am Westufer. [3] Auf der Gemarkung befindet sich auch die Wüstung Rensfelden (50° 9′ 56″ N, 8° 4′ 40″ O50.1654611947848.0776836755663)[4] sowie die Franzensberger Mühle (50° 10′ 10″ N, 8° 4′ 24″ O50.1695161273868.0731964309195).

Bei Adolfseck beginnt die reizvollste Strecke des Aartals. Bis Michelbach ist es eng, zum Teil schluchtartig in den Taunus eingeschnitten, dabei stark gewunden, sehr waldreich und wenig besiedelt.

Geschichte

Ehemalige Valentins- oder Burgkapelle

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Adolfseck als Adolfsekke in einem Lehensbrief des Mainzer Erzbischofs Gerlach von Nassau vom 18. Februar 1356. Darin wird erwähnt, dass Graf Adolf I. von Nassau gerade im Begriff sei, die Burg Adolfseck zu bauen und dass er dieselbe von dem Erzbischof zu Lehen erhalte.[5] Der Ort gehörte dadurch, dass sein Gebiet weitgehend östlich der Aar gelegen war, zur Grafschaft Nassau. Westlich der Aar begann die Grafschaft Katzenelnbogen.

Um die Burg siedelten sich bald die Bewohner des nahe gelegenen Ortes Rensfelden an. Bis zum Dreißigjährigen Krieg war der Beruf der Wollenweber in Adolfseck sehr stark vertreten, begünstigt durch die Walkmühlen an der Aar.

Im Jahr 1363 wurde der Name Adolfiseyke nachgewiesen. Im Jahr 1367 erhielt Adolfseck durch Kaiser Karl IV. zugleich mit Steckenroth und Heftrich das Frankfurter Stadtrecht.

Im dreißigjährigen Krieg wurde Adolfseck durch Kurmainz zerstört. Von den seinerzeitigen Kämpfen zeugt heute noch die Schanze Adolfseck.

Zur Zeit des Herzogtums Nassau gehörte Adolfseck zum Amt Langen-Schwalbach. Nach der Annexion durch Preußen wurde es 1867 dem Untertaunuskreis im Regierungsbezirk Wiesbaden zugeordnet.

Im Vorfeld der Gebietsreform in Hessen wurde die Gemeinde Adolfseck noch vor Jahresende 1971 zusammen mit fünf Nachbargemeinden auf freiwilliger Basis in die Stadt Bad Schwalbach eingegliedert. Wie für jeden Stadtteil außerhalb der Kernstadt wurde durch die Hauptsatzung auch für Adolfseck ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet.

Sehenswürdigkeiten

Ehemalige Valentins- oder Burgkapelle

500 Meter nördlich von Adolfseck quert der Obergermanisch-Raetische Limes das Aartal. Zur Grenzsicherung war am Ostufer im Tal das Kleinkastell Adolfseck erbaut worden, von dem jedoch keine sichtbaren Spuren erhalten sind.[3][6]

Von der Burg sind nur Reste von Mauern und eines Brunnens erhalten. Die einstige Valentinskapelle steht heute unter Denkmalschutz[7] und wird von der evangelischen Kirchengemeinde genutzt wird.

Der Aar-Wasserfall liegt durch die hydroelektrische Nutzung meist trocken, ist aber bei hohem Wasserstand sehenswert. Ähnlich entstandene Wasserfälle gibt es noch in Sommerau (Hunsrück), am Elzbach bei Burg Pyrmont (Eifel) und in Coo (Belgien). Die Dammmühle an der Stelle des Damms, der die Aar zum Burgweiher staute, wurde erstmals 1710 erwähnt und steht heute unter Denkmalschutz.[8]

Außerdem sind die 1912 erbaute ehemalige Volksschule[9] und die Gesamtanlage Taunusstraße[10] Kulturdenkmäler nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz.

Wirtschaft und Infrastruktur

Tourismus

Adolfseck ist wie die ganze Region Teil des Naturpark Rhein-Taunus, der den Menschen eine naturnahe Erholung ermöglichen will. Das landschaftlich reizvolle Aartal und Kurstadt Bad Schwalbach laden zu Ausflügen ein.

Verkehr

Adolfseck liegt an der Bundesstraße 54, der Aarstraße, die von Diez an der Lahn bis Taunusstein im Aartal verläuft. Auf diese Weise liegt Adolfseck verkehrsgünstig in der Nähe der Kreisstadt Bad Schwalbach. Wiesbaden und das Rhein-Main-Gebiet sind schnell zu erreichen. [2] Adolfseck verfügte früher über einen Haltepunkt an der Aartalbahn, die den Umlaufberg im 150m langen Adolfsecker Tunnel durchsticht. Das denkmalgeschützte Südportal ist mit Bruchsteinen verkleidet und hat eine gequaderte Bogenöffnung.[11]

Weblinks

 Commons: Adolfseck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

  • Christian Daniel Vogel: Geschichte der Burg Adolfseck. 3, 1839, S. 63-80.

Einzelnachweise

  1. Wiesbadener Tagblatt vom 24. September 2004: Aarschleife steht vor ihrer Reaktivierung. Bürger sind trotz Vorteile noch skeptisch. Im Rahmen einer Informationsveranstaltung wurden erstmals die Planungen zur Reaktivierung der Aarschleife bei Adolfseck den Bürgern des Bad Schwalbacher Stadtteils vorgestellt.
  2. a b Topografische Karte 1:25.000
  3. a b Hessisches Landesvermessungsamt: Kreiskarte 1:50.000 Wiesbaden Rheingaukreis Untertaunuskreis, Ausgabe 1969
  4. Historisches Ortslexikon: Rensfelden
  5. Adolfseck bei www.dilibri.de (PDF-Datei 2,4 MB)
  6. Deutsche Limesstraße: Limes bei Adolfseck
  7. Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Evangelische Kapelle. In: denkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen
  8. Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Ehemalige Damm-Mühle. In: denkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen
  9. Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): ehemalige Volksschule. In: denkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen
  10. Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Gesamtanlage Taunusstraße. In: denkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen
  11. Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Adolfecker Tunnel. In: denkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen

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