Adolph Saurer AG

Adolph Saurer AG
Saurer Lastwagen aus den 1950er Jahren

Die Adolph Saurer AG in Arbon am Bodensee war der bedeutendste Schweizer Hersteller von mittleren und schweren Lastwagen und zeitweise auch von Autobussen und Trolleybussen, sowie Militärfahrzeugen.

Die heutige Saurer AG ist einer der grössten Textilmaschinenhersteller der Welt mit einem Umsatz von 1,6 Milliarden Euro und fast 9000 Beschäftigten. Ein Drittel davon sind im zweiten Geschäftszweig Fahrzeuggetriebe-Bau tätig.

Die Saurer AG ist seit Anfang 2007 eine Tochtergesellschaft der OC Oerlikon Corporation AG, Pfäffikon.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Firma wurde 1853 von Franz Saurer gegründet, im Jahre 1877 ergänzte sein Bruder Hippolyt Saurer als Kaufmann das Unternehmen. Saurer stellte ab 1903 Nutzfahrzeuge her, welche einen ausgezeichneten Ruf genossen. Früh begann Saurer, neben Lastwagen auch Autobusse zu bauen, welche in der gesamten Schweiz weite Verbreitung fanden.

In relativ kurzer Zeit avancierte Saurer aufgrund diverser Innovationen zu einem Fahrzeughersteller von Weltruf und so wurden auch in einigen Ländern Saurer-Lastwagen in Lizenz hergestellt: In Österreich bei der Österreichische Saurer Werke AG, in Jugoslawien bei FAP FAMOS, aber auch in Frankreich und den USA. Saurer vergab auch zahlreiche Lizenzen zum Bau von Dieselmotoren, so zum Beispiel in den 1920er Jahren an den seit den 1960er Jahren zum Fiat-Konzern gehörenden italienischen Fahrzeughersteller OM in Mailand.

Im Jahre 1929 wurde Saurer Mehrheitspartner bei Berna, dem zweiten grossen Nutzfahrzeughersteller der Schweiz, wobei die beiden Marken seit den 1970er Jahren weitgehend baugleich und praktisch nur noch am Namen zu unterscheiden waren. Saurer war in dieser Zeit weltweit mit führend bei der Dieselmotoren-Entwicklung und blieb dies noch bis weit in die 1980er Jahre hinein. Noch in den 1920er Jahren entstanden auch die ersten Saurer-Feuerwehrfahrzeuge.

Seit den 1930er Jahren war Saurer der bedeutendste Hersteller von mittleren und schweren Lastwagen in der Schweiz, so dass diese im Schweizer Strassenbild in allen möglichen Varianten noch bis in die 1990er Jahre gegenwärtig waren. Während des Zweiten Weltkriegs, in dem die Schweiz neutral blieb und damit nicht beteiligt war, baute Saurer zahlreiche Militärfahrzeuge für die Schweizer Armee.

In der unmittelbaren Nachkriegszeit, im Jahre 1947, baute Saurer in geringer Stückzahl auch einen flüssiggekühlten V12-Flugmotor mit stehenden Zylindern vom Typ Saurer YS 3, der für den bei der Schweizer Dornier-Werken in Altenrhein entwickelten Jagdbomber Dornier D 3803 bestimmt war. Da es jedoch Probleme mit dem neuen Flugzeug gab (eine Parallel-Entwicklung zur Dornier D 3802, ihrerseits aus der französischen Morane-Saulnier M.S.406 abgeleitet), wurde es nicht zur Serienreife entwickelt und die noch in der Entstehung begriffene Flugmotorenproduktion wieder beendet.

Unterdessen ging das noch in den 1950er Jahren erfolgreiche Exportgeschäft mit den Lastkraftwagen und Autobussen zurück, so dass sich das Unternehmen noch stärker am Schweizer Markt orientierte. Saurer-Lastwagen für den Schweizer Markt mit besonders hoher Nutzlast verfügten seit den 1960er Jahren dabei häufig (ähnlich wie zeitgenössische Lastwagen italienischer Herstellung) über ungewöhnliche Antriebsformeln, so etwa 8x4 mit zwei gelenkten Vorderachsen. Dabei blieben Sattelzugmaschinen selten, aber weiterhin wurden Autobusse und Trolleybusse, aber auch Lastwagen für die Schweizer Armee hergestellt.

1982 wurde Saurer mit der Franz Brozincevic & Cie Wetzikon (FBW) zur Nutzfahrzeuggesellschaft Arbon & Wetzikon (NAW) zusammengeschlossen, Daimler-Benz war mit 40 % beteiligt, nachdem das deutsche Unternehmen die FBW zuvor übernommen hatte. Ab Anfang der 1980er Jahre wurden so auch einige leichte Lastwagen-Typen von Daimler-Benz in Arbon als Saurer hergestellt und vermarktet, allerdings nahm die Nachfrage nach originalen Saurer-Fahrzeugen trotz nach wie vor anerkannt guter Qualität weiter ab, so dass die Entscheidung fiel, aus dem Bau von Nutzfahrzeugen auszusteigen.

Im Jahre 1983 wurde der letzte zivile Saurer ausgeliefert, 1987 erhielt die Schweizer Armee den letzten "10DM". Die Motoren-Forschungsabteilung von Saurer übernahm um 1990 der zur Fiat-Gruppe gehörende italienische Lastwagen-Hersteller IVECO. Danach wurden noch einige Autobusse unter dem Markennamen NAW hergestellt, bis auch dieses Unternehmen 2002 aufgelöst wurde. 1990 übernahm Saurer die Melco Industries.

Seit den 1990er Jahren konzentriert sich Saurer als neue Saurer AG auf den Bau von Textilmaschinen und avancierte zu einem der weltgrössten Hersteller mit einem Umsatz von 1,6 Milliarden Euro und fast 9000 Beschäftigten. Ein Drittel davon sind im später hinzugekommenen zweiten Geschäftszweig Fahrzeuggetriebe-Bau tätig.

Die Saurer AG ist seit Anfang 2007 eine Tochtergesellschaft von OC Oerlikon Corporation AG aus Pfäffikon.

Bildergalerie

Saurer-Lastwagen

Saurer-Autobusse

Saurer-Trolleybusse

Saurer-Militärfahrzeuge

Literatur

  • Kurt Sahli: Saurer. Geschichte einer Nutzfahrzeugfabrik. Stämpfli Verlag AG, Bern 1987
  • Stefan Keller: Die Zeit der Fabriken. Von Arbeitern und einer roten Stadt. Rotpunktverlag, Zürich 2001
  • Hans Ulrich Wipf, Mario König, Adrian Knoepfli: Saurer. Vom Ostschweizer Kleinbetrieb zum internationalen Technologiekonzern, hier+jetzt, Verlag für Kultur und Geschichte, Baden 2003, ISBN 3-906419-55-X
  • Markus Mäder: Drei Generationen Saurer. Franz Saurer (1806-1882), Adolph Saurer (1841-1920), Hippolyt Saurer (1878-1936). Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik, Band 48, herausgegeben vom Verein für wirtschaftshistorische Studien, Meilen 1988

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Saurer-Fahrzeuge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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