Adolphe Quételet

Adolphe Quételet
Adolphe Quételet.

Lambert Adolphe Jacques Quételet (* 22. Februar 1796 in Gent; † 17. Februar 1874 in Brüssel) war ein belgischer Astronom und Statistiker.

Leben

Nachdem sein Vater 1803 früh verstorben war, musste Adolphe Quételet sich schon in jungen Jahren mit dem Aufbau einer eigenen Existenz beschäftigen. Quételet studierte in Gent und wurde 1815 Dozent der Mathematik. An der Universität Gent legt er 1819 seine Dissertation über Kegelschnitte vor, De quibusdam locis geometricis necnon de curva focali.

1819 kam er für kurze Zeit an das Athenäum nach Brüssel und am 24. Februar 1820 an die Académie Royale des Sciences et Belles-Lettres de Bruxelles, wo er 1836 auch Professor der Astronomie und Mathematik an der Kriegsschule wurde. Seit 1826 arbeitete Quetelet am belgischen Landesamt für Statistik. 1828 wurde er Direktor der unter seiner Leitung errichteten Sternwarte, dem Observatoire Royal de Belgique.

Seine Arbeit im statistischen Landesamt und die Bekanntschaft mit dem Mathematiker Pierre-Simon Laplace weckten in Quetelet das Interesse an der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Er versuchte, diese Erkenntnisse auch auf neue Gebiete anzuwenden, wie die Meteorologie und den Erdmagnetismus.

Seit 1820 war er Mitglied, seit 1834 ständiger Sekretär der Akademie der Wissenschaften. 1841 wurde Quételet zum Präsidenten der statistischen Zentralkommission für Belgien ernannt.

Einen großen Ruf hatte sich Quételet insbesondere durch seine sozialstatistischen und anthropometrischen Arbeiten erworben. Er versuchte, sowohl die physischen als auch die moralischen Erscheinungen des individuellen und gemeinschaftlichen Lebens zu ergründen. Dabei ging er oft rein mechanisch vor, auch wurden seine Methoden bereits zu Lebzeiten angezweifelt. So führte er eine Untersuchung zur Verteilung der Werte des menschlichen Brustumfanges durch. Die beobachteten Werte bei 5.738 schottischen Soldaten führten zu einer Normalverteilung.

Quetelet suchte weiterhin nach statistischen Besonderheiten der Lebenserwartung oder charakterlicher und sozialer Eigenschaften wie die Neigung zur Schriftstellerei oder zur Kriminalität. Er entdeckte, dass viele dieser Eigenschaften normalverteilt sind. Quetelet fasste dies unter dem Idealtyp des mittleren Menschen (frz. homme moyen) zusammen. Dieses von ihm begründetet Wissensgebiet nannte er Sozialphysik.

Er gründete verschiedene wissenschaftliche Gesellschaften und versuchte, den internationalen Austausch unter den Wissenschaftlern verschiedener Staaten zu verbessern. Quetelet gilt heute als Begründer der modernen Sozialstatistik. Unter anderem organisierte er 1846 die erste Volkszählung in Belgien.

Am 20. September 1824 heiratete Quetelet Cécile Virginie Curtet, die Tochter eines französischen Künstlers in Brüssel. Ihr Salon wurde später zu einer Begegnungsstätte zahlreicher Gelehrter und Künstler mit internationaler Ausstrahlung.

Lambert Adolphe Jacques Quételet starb am 17. Februar 1874 in Brüssel, wo ihm 1880 die Akademie ein Denkmal errichtete (eine sitzende Marmorfigur von Charles Auguste Fraikin).

Wirkung

Quetelets Untersuchungen zum menschlichen Körper hatten großen Einfluss auf Alphonse Bertillon, der basierend auf seinen Untersuchungen die Grundlagen seines später Bertillonage genannten Systems zur Personenidentifikation schuf.

Die von Quetelet entwickelte Körpermassenzahl (Body-Mass-Index) wird auch Quetelet-Index genannt.

Werke

  • Astronomie élémentaire, 2 Bde., Brüssel 1826
  • Annuaire de l'Observatoire (Zeitschrift unter Leitung Quétlets), 1834 ff.
  • Positions de Physique, 3 Bde., Brüssel 1834
  • Sur l'homme et le développement de ses facultés, ou essai de physique sociale, 2 Bde., Paris 1835
  • La Mortalité aux Différens Ages dans la Belgique, 1838 (Digitalisat)
  • Lettre au duc régnant du Saxe-Coburg sur la théorie des probabilitités, Brüssel 1846
  • Du système sociale et des lois qui le régissent, Paris 1848
  • Sur le climat de la Belgique, 2 Bde., Brüssel 1849–1857
  • Histoire des sciences mathématiques et physiques chez les Belges, Brüssel 1864
  • Science mathématiques et physiques chez les Belges au commenceent du 19e siècle, Brüssel 1866
  • L'anthropométrie ou le mesure des differentes facultés de l'homme, Brüssel 1871

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