Adonis
Adonis, römischer Torso, restauriert und vollendet von François Duquesnoy heute im Louvre von Paris

Adonis (griechisch Ἄδωνις) ist eine Gestalt aus der vorderorientalischen, griechischen und römischen Mythologie, die ursprünglich wohl ein syro-phönizischer Vegetationsgott war.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft

Vermutlich kommt die Gestalt des Adonis aus dem semitisch-sprachigen Raum, weil sein Name von nordwestsemitisch Adon „Herr“ abgeleitet ist. Nach anderer Auffassung ist er ursprünglich eine phrygische Gottheit, dessen Mythos aber bereits früh rund um das Mittelmeer verbreitet war. Er ist auch sehr dem Inanna/Dumuzi-Mythos ähnlich. In Etrurien war Adonis unter dem Namen Atunis bekannt und war oft als Begleiter von Turan dargestellt. Im Ersten Buch der Könige des Alten Testaments wird die Geschichte eines Adonia erzählt, der „ein sehr schöner Mann war“ und als viertgeborener Sohn des israelischen Königs David den Versuch unternahm, Davids Thron an Stelle von Salomo an sich zu bringen. Diese Namensähnlichkeit kann dafür sprechen, dass dieser Name eine sprachliche Ableitung (vergl. oben) ist und der biblische Adonia und Adonis im Ursprung als identische, mythische Figur zu sehen sind.

Mythos

Venus an der Leiche des Adonis, Kupferstich nach einem Gemälde von Guercino

In der griechischen Mythologie ist Adonis das Sinnbild oder der Gott der Schönheit und der Vegetation und einer der Geliebten der Aphrodite (oder ihrer römischen Entsprechung Venus). Er wird als wunderschöner Jüngling beschrieben. Da Adonis ein Nachfahre von Pygmalion ist und aus dessen Beziehung mit dem Fleisch gewordenen Abbild der Aphrodite hervorgegangen ist, kommt auch hier das Thema Inzucht wieder vor. Ihre Liebe musste sie allerdings mit Persephone teilen. Zeus verfügte, dass Adonis jeweils den dritten Teil seiner Zeit bei Aphrodite oder Persephone leben sollte. Über das restliche Drittel konnte er frei verfügen. Aphrodite habe der Sage nach sein auf den Boden fallendes Blut in ein Adonisröschen verwandelt, als ihn der eifersüchtige Ares (oder seine römische Entsprechung Mars), der sich in einen wütenden Eber verwandelt hatte, tötete. Aus jedem Blutstropfen soll eine Anemone (Adonisröschen), aus jeder von Aphrodite vergossenen Träne eine weiße Rose gewachsen sein.

Es gibt viele verschiedene Fassungen dieses Mythos, bei denen aber Adonis immer stirbt, ohne sich mit Aphrodite zu vereinigen, und sein Blut Blumen oder einen Fluss im Frühjahr rot färbt.[1] An Stelle von Ares und Mars erscheint auch in einigen Mythen Apoll. All diese Mythen handeln von unerfüllter Liebe, Tod und Auferstehung und enthalten wohl noch alte Züge von einem Glauben an eine lebensspendende Muttergöttin.

Zu seiner Abstammung existieren unterschiedliche Versionen:

  • Sohn des Phoinix und der Alphesiboia
  • Sohn des Kinyras und dessen Tochter Myrrha. Weil Myrrha Aphrodite nicht gebührend huldigte, wurde sie von der Liebesgöttin als Strafe in blinde Liebe zu ihrem Vater versetzt. Mit der Hilfe ihrer Amme gelang es Myrrha mehrmals sich ins Schlafgemach ihres Vaters zu schleichen, ohne dass dieser ihre Identität erkannte. Als die Wahrheit dann doch ans Licht kam und sich der Vater des begangenen Inzests bewusst wurde, wollte er seine Tochter aus Wut darüber töten. Diese wurde jedoch von den Göttern in einen Myrtenbaum verwandelt. Der Baum sprang nach zehn Monaten auf und brachte Adonis hervor, der von Nymphen aufgezogen wurde.

Deutung

Jules Michelet setzt Adonis, Bacchus und Sabas als orgiastische Götter gleich, die in Rom hauptsächlich von Sklaven und Frauen verehrt wurden.

Rezeption

Ovid, William Shakespeare und andere haben diesen Sagenstoff bearbeitet:

Literatur

Weblinks

 Commons: Adonis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. So wird vom Fluss Adonis berichtet, dem heutigen Nahr Ibrahim im Libanon.

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