Adressat unbekannt

Adressat Unbekannt von Kressmann Taylor ist ein Briefroman aus dem Jahr 1938. Das Werk handelt vom Verlauf einer Freundschaft zweier deutsch-amerikanischer Geschäftsleute am Anfang des Dritten Reiches.

Handlung

Der jüdische Geschäftsmann Max Eisenstein und sein nach Lesart der Nazis arischer Partner Martin Schulse besitzen eine außerordentlich gutgehende Kunstgalerie in San Francisco, Kalifornien.

Im Jahre 1932 übersiedelt der Geschäftsmann Martin Schulse von San Francisco nach München.

Zunächst distanziert die Entwicklung der Machtergreifung der Nationalsozialisten betrachtend, wird Schulse selbst mehr und mehr bekennender Nationalsozialist. Schulse wird auf Grund seines Vermögens und seiner Beziehungen ein hoher Posten in der Kommunalverwaltung angetragen. Sein gesellschaftlicher Status steigt scheinbar von Tag zu Tag. Der anfängliche Opportunismus verwandelt sich in einen glühenden Fanatismus,der schließlich dazu führt, dass sich Schulse von seinem jüdischen Freund und Partner distanziert.

Sein in den USA zurückgebliebener ehemaliger Geschäftspartner Max Eisenstein, der die gemeinsame Kunstgalerie in San Francisco weiterhin führt, akzeptiert schweren Herzens den charakterlichen Wandel seines ehemaligen Freundes.

Als jedoch Eisensteins Schwester Griselle, eine Schauspielerin, um ihres Judentums willen in Deutschland in Gefahr gerät, fleht Eisenstein Schulse an, der Schwester, die einst mit Schulse liiert war, zu helfen. Dabei berichtet Eisenstein, dass ein Brief an Griselle mit dem Vermerk "Adressat unbekannt" an ihn zurückgegangen sei.

Tatsächlich flüchtet sich Griselle, von der SA verfolgt, zu Schulse. Dieser verweigert der ehemaligen Geliebten die Hilfe. Griselle wird darauf hin auf Schulses Anwesen von SA-Männern erschlagen. Über diesen Vorfall erstattet Schulse Eisenstein nüchtern Bericht und fordert Eisenstein ferner auf, weitere Korrespondenz zu unterlassen, da Verbindungen mit dem Judentum für ihn nunmehr der Karriere abträglich wären. Außerdem würden die Briefe vom Geheimdienst geöffnet und Schulse wiederholt aufs Amt zitiert um sich für diese Korrespondenz zu verantworten.

Von nun an aber folgt in vierzehntägigem Abstand ein Brief dem anderen, adressiert an Schulse. Eisenstein kehrt in diesen Schreiben zu der alten Liebenswürdigkeit zurück, fasst aber die kurzen Schreiben in einem sehr verfänglichen Stil ab, der in jedem die Post kontrollierenden Geheimdienst den Verdacht aufkeimen lassen muss, dass Schulse ein Agent einer jüdischen Widerstandsorganisation sei.

Diesmal fleht Schulse Eisenstein an, mit dieser Korrespondenz aufzuhören, da sein Leben ernsthaft in Gefahr sei. Anschaulich schildert Schulse die Schrecken der Konzentrationslager und die Konsequenz seiner physischen Vernichtung. Er beschreibt die zunehmende gesellschaftliche Isolation und Demontage, die er seit Eisensteins Briefen nach Griselles Tod hatte erleiden müssen. Dabei beschwört er die alte Freundschaft, die er selbst jedoch Eisenstein aufgekündigt hatte.

Eisenstein jedoch schreibt unbeirrt weiter, wohl wissend, welche vernichtende Wirkung diese Briefe für Martin Schulse haben müssen. Tatsächlich kommt der letzte Brief, der auf das Frühjahr 1934 datiert ist, mit dem Vermerk zurück: Adressat unbekannt. Zwar bleibt das Schicksal Schulses offen, die Autorin impliziert jedoch mit der Komposition ihres Briefromanes die physische Vernichtung des Martin Schulse. Zwar konnte Eisenstein den Tode seiner Schwester nicht direkt an den Mördern ahnden, stellvertretend für diese wurde jedoch ein williger Protagonist des Systems zum Ziel von Eisensteins Rache. Durch Vorspiegelung falscher Tatsachen erreichte Eisenstein, dass Schulse, der willige Verfechter der nationalsozialistischen Weltanschauung zum Opfer dieses Systems und damit seiner eigenen Überzeugung wurde.

Der bereits 1938, dem Jahr der Reichspogromnacht, in dem amerikanischen Magazin "Story" veröffentlichte Roman beweist hinlänglich, dass die westliche Hemisphäre von der nationalsozialistischen Haltung den Juden gegenüber unterrichtet war und auch zumindest von Ausschreitungen Kenntnis hatte.


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