Djem

Djem

Cem (* 22. Dezember 1459; † 25. Februar 1495), auch Jem, Dschem, Djem oder Zizim geschrieben, war ein türkischer Prinz und Dichter, der für 20 Tage als Sultan über einen kleinen Teil des osmanischen Reichs herrschte. Nachdem er den Kampf gegen seinen Bruder Bayezit II. um den türkischen Thron verlor, suchte er Asyl auf der Insel Rhodos. Als Pfand gegen die Expansionspläne seines Bruders verbrachte er den überwiegenden Teil seines Lebens in Europa im Exil. In Frankreich, wo er die überwiegende Zeit lebte, erzählen Gedichte und Romane von den ihm zugeschriebenen Abenteuern und Liebesaffären.

Inhaltsverzeichnis

Historischer Hintergrund

Cems Vater, Mehmet der Eroberer

Porträt des Sultans Mehmed II., 1480, Porträt von Gentile Bellini
Die Belagerung Konstantinopels 1453

Die Lebensgeschichte von Cem lässt sich nur vor dem Hintergrund der Eroberungen seines Vaters verstehen, der zu den bedeutendsten Herrschern des 15. Jahrhunderts gehört. Nach der spektakulären Eroberung von Konstantinopel 1453, das unter der Bezeichnung Istanbul bis zum Jahre 1923 als türkische Hauptstadt diente, hatte Mehmet II. den Einflussbereich des osmanischen Reiches sowohl innerhalb Asiens als auch Europas weiter ausgedehnt. Bosnien, Moldawien und Herzegowina zählten zu den nächsten Gebieten, die Mehmet unter osmanischen Einfluss brachte. Nachdem osmanische Truppen sowohl in Griechenland und Albanien immer wieder venezianische Festungsanlagen und Kolonien eingenommen hatten und im Jahre 1479 marodierende Truppen in das Friaul vordrangen und Dörfer bis kurz vor der Stadtmauern Venedigs nieder brannten, so dass man vom Campanile von San Marco aus zusehen konnte, kam es 1479 zum Friedensschluss zwischen Venedig und dem osmanischen Reich. Im Friedensvertrag musste Venedig nahezu sämtlicher seiner Gebiete in Griechenland an den türkischen Sultan abtreten.

Feldzüge Mehmets führten auch wiederholt auf ungarisches und mamlukisches Territorium. Im Südosten dehnte sich das osmanische Reich bald bis in den Norden des Taurusgebirges aus. Zu den Eroberungen gehörte aber auch die vormalige genuesische Kolonie Caffa auf der Krim. Im Jahre 1480, kurz vor Mehmets Tod, führten Feldzüge sowohl auf die ionischen Inseln in der Ägäis, die georgischen Gebiete am Schwarzen Meer und vor allem gegen die Insel Rhodos, auf denen der Orden der Tempelritter von St. John seinen Hauptsitz hatte. Rhodos war im östlichen Mittelmeer ein wichtiger strategischer Punkt. Seine Inbesitznahme hätte die Eroberung weiterer Gebiete im Mittelmeerraum für Mehmet erheblich erleichtert. Rhodos widerstand jedoch den ersten Belagerungen durch die osmanische Flotte. Stattdessen eroberte am 11. August 1480 die osmanische Flotte die italienische Stadt Otranto, ermordete die Hälfte der 22.000 Einwohner und verbrachte die jüngeren unter den überlebenden in die Sklaverei. In Europa wurde die Nachricht vom Fall Otrantos mit ähnlichem Entsetzen wie die Eroberung Konstantinopels 1453 aufgenommen. Erstmals hielten Ungläubige eine Stadt besetzt. Papst Sixtus IV. erwog, nach Avignon zu fliehen, weil man einen türkischen Vormarsch auf Rom befürchtete.

Mehmets europäische Gegenspieler

Es waren vor allem zwei europäische Mächte, die Mehmet militärischen Widerstand leisteten. Die Republik Venedig hatte Mehmet am 28. Juli 1463 den Krieg erklärt und bis zum Friedensschluss 1479 gegen die Erweiterung des osmanischen Reiches in Europa angekämpft. Auch Ungarn unter der Führung des Königs Matthias Corvinus hatte sich immer wieder gegen die türkischer Eroberungspolitik zur Wehr gesetzt. Beide bemühten sich darum, dass der jeweils herrschende Papst zum Kreuzzug gegen das osmanische Reich aufrief und dazu alle christlichen Staaten einte. Die Bemühungen waren jedoch immer wieder gescheitert. Papst Pius II. war unter den Päpsten jener Zeit noch derjenige, der sich am meisten für einen neuen Kreuzzug engagierte. Er selber wollte den Kreuzzug anführen und ließ auf eigene Kosten fünf Galeeren ausrüsten. Er starb jedoch, während er in Ancona auf die Verstärkung seiner Flotte durch venezianische Schiffe wartete. Auch Papst Sixtus IV. appellierte am 8. April 1481 angesichts des Falls von Otranto an alle europäischen Mächte, sich zu einem gemeinsamen Kreuzzug zu vereinen. Vermutlich wäre auch dieser Aufruf vergeblich gewesen. Die Bedrohung weiterer Eroberungen auf europäischem Gebiet durch die Truppen Mehmets endete jedoch mit dessen Tod im Sommer 1481. Die Auseinandersetzung zwischen den beiden Mehmet-Söhnen Beyazit und Cem um die Nachfolge auf dem türkischen Thron veränderte die Lage für die europäischen Mächte.

Leben

Familie

Sultan Cem war der drittgeborene Sohn von Sultan Mehmet II., der am 29. Mai 1453 Konstantinopel einnahm, die seitdem als Hauptstadt des türkischen Reiches diente. Seine Mutter war eine der Konkubinen aus dem Harem Mehmet II., deren Name mit Cicek oder Blume überliefert ist. Da die islamischen Gesetze die Versklavung islamischer Gläubiger untersagten, waren die meisten Haremskonkubinen christliche Sklavinnen. Cems Mutter war vermutlich eine serbische Prinzessin.

Sultan Cem ist der einzige Sohn, den Mehmet zeugte, nachdem er den Thron bestieg. Die zwei älteren Söhne waren der spätere Bayezit II., der 1448 geboren wurden und dessen Mutter die Konkubine Gülbahar war. Mehmets zweitältester Sohn Mustafa, den er mit der Konkubine Gülsah zeugte, war 1450 zur Welt gekommen

Sowohl Bayezit als auch Mustafa waren 1457 von ihrem Vater als Provinzgouverneure eingesetzt worden und nach Amasya beziehungsweise Manisa entsendet worden. Sie waren zu diesem Zeitpunkt neun beziehungsweise sieben Jahre alt. Ihre Posten traten sie in Begleitung ihrer jeweiligen Mütter und begleitet von Lehrern und Beratern an. Wie später auch ihr Bruder Cem erhielten sie eine sorgfältige Erziehung in Geographie, Geschichte, Literatur und Naturwissenschaften.

Der Überlieferung nach war Mehmet II. keineswegs glücklich, Vater eines dritten Sohnes geworden zu sein. Blutige Erbkriege um die Thronnachfolge waren innerhalb der osmanischen Dynastie üblich – eine der blutigsten Auseinandersetzungen waren die um die Nachfolge von Bayezit I. gewesen. Auch Cems Vater Mehmet hatte seinen Halbbruder Ahmet unmittelbar nach dem Tod seines Vaters, Sultan Murat II. hinrichten lassen. In einem seiner Edikte legte Mehmet II. später außerdem fest, dass es seinem Nachfolger freistünde, seine Brüder beziehungsweise Halbbrüder hinrichten zu lassen, um so den Frieden im osmanischen Reich zu sichern.

Provinzgoverneur in Nordanatolien

Ähnlich wie seine beiden älteren Brüder wurde auch Cem im Alter von acht Jahren von seinem Vater als Provinzgouverneur eingesetzt. Gemeinsam mit seiner Mutter sowie zwei Tutoren nach Kastamonu im Norden Anatoliens. Nach den Überlieferungen von Sadüddin wurde er von seinen Lehrern auch in Persisch und Arabisch unterrichtet.

Nach Istanbul, wie Konstantinopel seit der Eroberung genannt wurde, kehrte Cem erstmals kurzfristig im Jahre 1470 anlässlich seiner Beschneidung zurück. Im Februar 1472 wurde Cem erneut nach Istanbul beordert und von seinem Vater als Regent eingesetzt, während er gemeinsam mit Cems älteren zwei Brüdern auf einen Kriegszug in Ostanatolien begab. Nachdem im Winter 1472 über vierzig Tage lang keine Nachrichten aus Ostanatolien eintrafen, nahmen die Gerüchte zu, dass Mehmet in Ostanatolien gestorben und seine Armee vernichtet worden sei. Auf Rat seiner Berater ließ sich Cem als neuer Sultan ausrufen. Kurz darauf trafen Nachrichten ein, dass Mehmet Feldzug erfolgreich gewesen war und sowohl er als auch seinen beiden ältesten Söhne wohlbehalten waren. Cem floh, weil er den Zorn seines Vaters fürchtete. Sein Vater verzieh ihm allerdings seine voreilige Thronbesteigung und 1473 kehrte Cem auf seinen Posten als Provinzgouverneur nach Kastamonu zurück. Mustafa, Cems zweitältester Bruder, erkrankte im Frühjahr 1474 schwer und nachdem er im Juni verstarb, setzte sein Vater Cem an dessen Stelle als Provinzgouverneur von Karaman (Türkei) ein.

Der Kampf um den Thron

Am 3. Mai 1481 starb Mehmet. Er war lediglich 49 Jahre alt geworden. In Venedig löste die Todesnachricht, die dort am 29. Mai 1481 eintraf, ein Freudenfest aus. In Rom, wo die Nachricht wenige Tage später eintraf, ließ Papst Sixtus IV. die Kanonen des Castel Sant'Angelo Salut schießen und führte persönlich die Prozession zum Dankgottesdienst in der Kirche Santa Maria del Popolo an. Drei Tage lang zelebrierte man in Rom die Erlösung von dem als Antichrist und zweiten Luzifer empfundenen Feind.

Der türkische Hof war gespalten zwischen den Anhängern Cems und den Anhängern Bayezits. Zu Cems Anhänger gehörte der Großwesir Karamami Mehmet sowie der langjährige Oberbefehlshaber Gedik Ahmet Pascha. Auf Bayezits Seite standen allerdings die meisten Wesire – und was sich als viel entscheidender herausstellen sollte – der Kommandeur der Janitscharen.

Der Großwesir Karamami Mehmet hatte versucht, den Tod Mehmet II. möglichst lange geheim zu halten. Heimlich und in der Nacht hatte er den Leichnam vom Sterbeort Gebze am Golf von Nicomedeia nach Istanbul gebracht. Boten waren von ihm ausgesandt worden, Cem im fernen Konya zu benachrichtigen, damit er nach Istanbul eilen und den Thron für sich beanspruchen konnte. Die Boten allerdings wurden von Anhängern Beyazits abgefangen. Auch den Janitscharen blieb der Tod Mehmet II. nicht verborgen. Sie stürmten den Topkapi Serayi, wo Mehmet II. aufgebahrt war, töteten Karamami Mehmet, paradierten durch die Straßen Istanbuls und riefen Bayezit zum neuen Sultan aus. Den elfjährigen Sohn Bayezits, der ähnlich wie Cems ältester Sohn im Topkapi erzogen wurde, ernannten sie zum Regenten, der bis zur Rückkehr Bayezit aus Amasya für ihn den Thron innehaben sollte.

Cem hatte vom Tod seines Vaters erst erfahren, als die Beisetzung Mehmets II. bereits stattgefunden war und Bayezit mit dem Schwert seines Vorfahren Osman I. gegürtet war – einer Zeremonie, die der Krönung in einer christlichen Monarchie entspricht. Cem entschied sich, um den Thron zu kämpfen und sammelte in Anatolien Truppen um sich. Über Akşehir, Afyonkarahisar, Kütahya und Eskişehir zog er nach Bursa. Etwa 20.000 Mann begleiteten ihn, als er vor Bursa eintraf, die er nach kurzem Widerstand einnahm. Am 2. Juni 1481 pries man ihn in den Moscheen von Bursa als neuen Sultan; gleichzeitig ließ er als Sultan Cem die ersten Silbermünzen prägen. Mit beiden Maßnahmen wollte er signalisieren, dass er als Sultan über zumindest diesen Teil des osmanischen Reiches herrschte. An seinen Bruder Bayezit richtete er den Vorschlag, das osmanische Reich untereinander zu teilen. Bayezit sollte von Istanbul aus über die europäischen Provinzen herrschen. Cem wollte von Bursa aus über Anatolien herrschen. Bayezit lehnte diesen Vorschlag ohne zu zögern ab und sammelte seinerseits Truppen in Iznik, etwa 50 Kilometer nordöstlich von Bursa. In der Nähe von Yenişehir kam es am 22. Juli 1481 zur Entscheidungsschlacht zwischen den Brüdern. Den 20.000 Mann unter der Führung von Cem standen 40.000 unter der Führung von Bayezit gegenüber. Bayezit hatte außerdem einen der Heeresführer von Cem bestochen, der während der Schlacht zu ihm überlief und damit die Schlacht entschied.

Die Flucht

Janissar - ihre Unterstützung war für den Machterhalt wesentlich. Zeichnung von Gentile Bellini

Cem floh unmittelbar nach der Schlacht mit seiner Familie und einer kleinen Truppe von Anhängern. Sie erreichten bereits am nächsten Morgen Eskişehir, das knapp neunzig Kilometer südöstlich von Yenisehir lag. Dort wurden sie von einer Gruppe Turkmenen überfallen, die sie ihrer letzten Habseligkeiten beraubte. Am 26. Juni erreichten sie Konya, wo sie für den Moment sicher waren. Sie brachen allerdings bereits drei Tage später auf, um in Richtung Südost-Anatolien weiter zu fliehen. Sie würden damit mamlukisches Territorium erreichen, wo sie sicher vor weiteren Verfolgungen durch Beyazit sicher glaubten. Von Eregli aus überquerten sie das Taurusgebirge, um nach Tarsus zu gelangen. Von den lokalen Fürsten wurde Cem und seine Anhänger – mittlerweile eine Gruppe von zweihundert bis dreihundert – gastfreundlich empfangen. Sie waren Vasallen der Mamluken und standen damit Sultan Beyazit feindlich gegenüber. Ihre Flucht führte Cem und seine Anhänger weiter von Iskenderun an der Mittelmeerküste über Aleppo, Hama, Homs und Baalbek nach Damaskus. Als Gast des mamlukischen Regenten blieben sie sechs Wochen dort. Danach reisten sie über Jerusalem, Hebron und Gaza weiter nach Kairo, das sie Anfang Oktober erreichten.

Bayezit hatte Cem durch den Oberbefehlshaber der Janissaren Gedik Ahmet verfolgen lassen. Sein Versagen, diesen auf seiner Flucht zu stellen, führte zu Gedik Ahmets Verhaftung. Die Janissaren reagierten allerdings auf die Verhaftung ihres Oberbefehlshabers mit einem Aufstand, stürmten den Palast und verlangten von Bayezit dessen sofortige Freilassung. Da Bayezit immer noch befürchtete, dass die Janissaren sich hinter Cem stellen würden, folgte er ihren Forderungen. Gedik Ahmet erhielt nicht nur seinen Titel als Wesir zurück, sondern wurde auch wieder als Oberbefehlshaber der Janissaren eingesetzt.

Aufenthalt in Kairo

Der mamlukische Sultan El-Ashraf Seyfeddin Kaitbey war der mächtigste Gegenspieler der Osmanen. Als ihn die Nachricht erreichte, dass Cem und seine Anhänger sich Kairo näherten, sendete er ihm seine mächtigsten Hofbeamten mit der Botschaft entgegen, dass er am Hof von Kairo willkommen und sicher vor seinem Bruder Bayezit sei. Sultan Kaitbey selbst lag daran, dass sich die Nachfolgestreitigkeiten innerhalb des osmanischen Reiches fortsetzten. Auf den Bitte Cems, ihn in seinem Kampf um den Thron zu unterstützen, ging er vorläufig allerdings nicht ein. Stattdessen versuchte er zwischen den beiden Brüdern zu vermitteln, während sich Cem auf die Hadsch nach Mekka und Medina begab. Bayezits einzige Konzession an Cem war jedoch das Angebot, ihn finanziell zu unterstützen, wenn er sich in der Nähe von Jerusalem niederlasse.

Erneuter Kampf um die Erbfolge

Attraktiver als die Offerte seines Bruders fand Cem das Angebot von Kasim Bey ihn in einem Feldzug gegen Bayezit zu begleiten. Kasim Bey war der Herrscher über das Gebiet von Karamania gewesen, bis osmanische Truppen diese Region erobert hatten. Kasim Bey hatte Cem auch darüber informiert, dass Mehmet Aga - unter Mehmet II. einst Oberbefehlshaber der Janissaren - Cem in seinem Kampf um den osmanischen Thron unterstützen würde. Von Sultan Kaitbey finanziell unterstützt und in Begleitung einer mamlukischen Truppe von 2.000 Soldaten brach Cem am 26. März 1482 auf, um nach Adana zurückzukehren, wo Kasim Bey und Mehmet Aga mit ihren Truppen erwarteten. Seine Familie – darunter seine Mutter, sein Sohn Murat und dessen Mutter, seine Tochter Gevher Melek und mehrere Frauen seines Harems – ließ er im Schutz des mamlukischen Sultans zurück.

Bayezit war durch Spione über die Pläne seines Bruders Truppenbewegungen im Süden Anatoliens gut informiert. Während Cem gemeinsam mit Kasim Bey und Mehmet Aga über das Hochplateau von Anatolien marschierte, versammelte er ein Heer von 200.000 Mann. Er musste allerdings damit rechnen, dass sich ähnlich wie Mehmet Aga noch mehr Truppenteile Cem anschließen würden. Mit großzügigen Geldgeschenken versuchte er sich die Loyalität seiner Truppe zu erkaufen.

Cem erlitt jedoch erneut eine Niederlage. Nachdem das vereinte Heer von Cem, Kasim Bey und Mehmet Aga vergeblich versucht hatten, die Stadt Konya einzunehmen, hatten sie sich getrennt. Mehmet Aga sollte versuchen, Ankara einzunehmen. Dort unterlag er jedoch in einer Schlacht gegen einen der Gouverneure von Bayezit. Mehmet Aga selbst kam in der Schlacht ums Leben. Als Cem und Kasim Bey die Nachricht vom Tode Mehmets Aga erreichte, zogen sie sich vor den heranrückenden Truppen Bayezits erneut in das unwegsame Taurusgebirge zurück.

Flucht nach Rhodos

Nach der erneuten Niederlage hatte Cem eine Flucht nach Persien erwogen, um einer möglichen Gefangennahme durch die Truppen seines Bruders zu entgehen. Kasim Bey riet ihm jedoch, in Europa Exil zu suchen. Cem wandte sich mit seiner Bitte um Asyl zunächst in einem Brief an die Republik Venedig. Venedig lehnte jedoch mit dem Hinweis auf den bestehenden Friedensvertrag ab. Auch Bayezit erfuhr durch seine Spione von der Annäherungsversuchen Cems und bekräftigte daraufhin gegenüber Venedig erneut den bestehenden Friedensvertrag.

Der am Tischende sitzende Cem zu Gast bei Pierre d'Aubusson, Holzschnitt aus dem Jahre 1496

Cem wandte sich nach der Ablehnung durch Venedig an den Großmeister des Johanniterordens, Pierre d'Aubusson, den er während der damals gescheiterten Friedensverhandlungen kennengelernt und mit dem er sich gut verstanden hatte. D’Aubusson hatte sehr rasch auf das Ersuchen von Cem reagiert, denn er realisierte, dass Cem eine wichtige Rolle darin spielen konnte, seinen Bruder von weiteren Eroberungsfeldzügen in Europa abzuhalten. Die Bedingungen des Exils handelten zwei von Cems Vertrauten aus. Zumindest einer seiner Vertrauten hatte jedoch Zweifel an der Zuverlässigkeit der Zusagen der Tempelritter. Allerdings verfügte Cem über keinen Verhandlungsspielraum mehr. Kurz nachdem die Galeere, die ihn zum Flaggschiff des Ordens bringen sollte, den Hafen von Corycus verlassen hatten, wurde der Ort von Bayezits Truppen besetzt.

Auf den Weg nach Rhodos begleiteten Cem unter anderem sein Vorkoster Ayas Bey, sein früherer Lehrer und Tudor Nasuh Bey, der Bruder seiner Mutter Ali Bey, sein Sekretär Haydar Bey, sowie mehrere Mitglieder seines früheren Hofstaates. Am 29. Juli 1482 erreichten sie Rhodos. Dort erhielt er ein Haus zugewiesen. D’Aubusson hatte unterdessen Sixtus IV. darüber informiert, dass Cem sich in ihrem Gewahrsam befinde und bat ihn um Erlaubnis, mit Bayezit Verhandlungen aufzunehmen. Sobald die Zustimmung des Papstes vorlag, informierte d’Aubusson Bayezit darüber, dass von nun an der Orden keinerlei Tributzahlungen mehr leisten würden. Er bat stattdessen darum, dass den Einwohnern von Rhodos zu gestatten, im gesamten osmanischen Reich freien Handel zu betreiben und dafür nur die normalen Zölle und Gebühren entrichten zu müssen. Die Kosten für den Unterhalt von Cem und seinem Gefolge sollte Bayezit durch eine jährliche Zahlung von 45.000 Dukaten übernehmen. Dafür sicherte d’Aubusson dem Sultan zu, er werde er dafür sorgen, dass Cem keinen weiteren Krieg gegen seinen Bruder führen würde.

Cem wiederum sicherte d’Aubusson zu, würden ihm die christlichen Fürsten in der Eroberung seines Thrones unterstützen, würden sie in ihm einen ewigen Freund haben. Er sicherte auch zu, dass alle christlichen Territorien, die unter osmanischer Herrschaft standen, zurückgegeben werden sollten. Seinen Anspruch auf den osmanischen Thron leitete er aus der Tatsache ab, dass er zu dem Zeitpunkt geboren wurde, als sein Vater bereits Sultan war. Dem Wunsch Cems, dass man einige Leute seines Gefolges, die in Anatolien zurückgeblieben waren, gleichfalls nach Rhodos bringe, leistete d’Aubusson sofort Folge. Die Anzahl der Personen, die Cem danach in seinem Exil in Rhodos Gesellschaft leisteten, betrug 37.

Da Rhodos nicht als sicher genug galt, schickte d'Aubusson Cem, mit dessen Einwilligung, nach Frankreich, wo er sechs Jahre in verschiedenen Burgen des Ordens unter der Bewachung von d'Aubussons Neffen Guy de Blanchefort gefangen gehalten wurde. 1489 wurde Cem an Papst Innozenz VIII. ausgeliefert, der mit den Königen von Ungarn und von Neapel um den Besitz dieser wertvollen Geisel gewetteifert hatte. Von da an erhielt der Papst die jährliche Zahlung aus Istanbul. D'Aubusson erhielt als Gegenleistung kurz darauf, am 9. März 1489, für sich und seine Nachfolger als Großmeister die Kardinalswürde,

Fürstenhaus Said

Mit Billigung des Papstes fand Cem Asyl in Italien und starb in Capua bei Neapel. Eigens für ihn und seine Nachkommen schufen der Papst 1492 und der König von Neapel (König von Spanien) 1509 den kaiserlichen Titel der "Fürsten von Said" bzw. "Grafen von Said", welcher auch vom deutschen Kaiser Friedrich III. bestätigt wurde.

Diese osmanischen Fürsten lebten bis 1600 in Neapel, danach bis 1668 in Sizilien und übersiedelten schließlich größtenteils nach Malta, worauf sich das Fürstenhaus in eine sizilianische und maltesische Linie spaltete. Die Sizilianer gingen im italienischen Adel auf, die Malteser mit Napoleons Invasion 1798 unter.

Siehe auch: Islam in Italien

Überlieferungen

Die wichtigste schriftliche Überlieferung über das Leben von Sultan Cem stammt von dem türkischen Historiker Sadüddin, der eine Geschichte des Osmanischen Reiches bis 1520 veröffentlichte. Er bezog sich dabei überwiegend auf die anonym veröffentlichte Biographie Vakiat-i-Sultan Cem. Sie stammt vermutlich von dem türkischen Dichter Haydar Bey, der mit Cem Sultan im Exil lebte, ihm dort als Sekretär diente, und nach Cem Sultans Tod seine Besitztümer zurück in die Türkei brachte. 1892 veröffentlichte der Franzose L. Thuasne ein Buch mit dem Titel Djem Sultan, das sowohl auf die französische Übersetzung des Werkes von Sadüddin zurückgriff als auch zeitgenössische europäische Quellen verarbeitete. Die 1951 von Ismail Hikmet Ertaylan veröffentlichte Biografie Sultan Cem gilt als die wichtigste türkische Biografie. 1997 erschien in Frankreich eine Biografie von Nicolas Vatin und im Jahre 2004 eine englischsprachige des Autors John Freely.

Abbildungen

Das Erscheinungsbild von Sultan Cem ist mehrfach überliefert worden. Auf Bitten von Mehmet II. war der Maler Gentile Bellini im Januar 1478 nach Istanbul gekommen und hatte mindestens ein Porträt des türkischen Sultans gemalt, das am 23. November 1480 fertiggestellt wurde. 1950 wurde in einer Privatsammlung ein weiteres Gemälde entdeckt, dass heute Bellini zugeschrieben wird. Es zeigt Mehmet II. im Halbprofil und ihm gegenüber ein junger Mann, der ebenfalls im Halbprofil gezeigt wird. Eine Inschrift auf der Rückseite des Gemäldes nennt als Dargestellten Mehmet und seinen Sohn. Aufgrund der Jugendlichkeit des auf der linken Seite abgebildeten geht man heute davon aus, dass es sich hier Sultan Cem handelt und nicht um seinen älteren Bruder Bayezit. Cem hielt sich zu der Zeit, in der Bellini in Istanbul arbeitete, auch tatsächlich in Istanbul auf.

Werke

Von Cem Sultan schrieb Gedichte, es existieren je ein Divan auf Persisch und Osmanisch. Sein bekanntestes Mesnevi ist Cemşid ü Hurşîd.

Literatur

  • Nicolas Vatin: Sultan Djem, Un prince ottoman dans l’Europe du XV siècle d’après deux sources contemporaines: Vakiati Sultan Cem, Oeuvres de Guillaum Caoursin, Ankara 1997
  • Halil Inalcik: The Ottoman Empire; The Classical Age, 1300 - 1600, London 1973 (Übersetzung von Norman Izkowitz und Colin Imber)
  • Halil Inalcik: A case study in Renaissance diplomacy. The agreement between Innocent VIII. And Bayezid II on Djem Sultan, Journal of Turkish Studies 3 (1979), S. 209 -233
  • Мутафчиева В. Дело султана Джема. Серия: Зарубежный роман XX века М. Худлит 1986 г. 416 с.
  • Вера Мутафчиева, СЛУЧАЯТ ДЖЕМ 1992 (http://borislav.free.fr/mylib/text/2245/0)
  • Wera Mutaftschiewa: Spielball von Kirche und Thron, Rütten und Loening, Berlin 1971 (Übersetzung von Hartnut Herboth, Originaltitel: СЛУЧАЯТ ДЖЕМ)

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