Advanced Gun System
Eine computergenerierte Grafik, wie die zukünftige Zumwalt-Klasse aussehen könnte. Gut zu sehen sind die beiden AGS im vorderen Bereich des Schiffes

Das Advanced Gun System, kurz AGS, was auf Deutsch in etwa so viel heißt wie „fortschrittliches Rohrwaffensystem“, ist ein in Entwicklung befindliches Schiffsgeschütz für die geplanten neuen Zerstörer der Zumwalt-Klasse für die US Navy. Bis jetzt gibt es keine konkreten Pläne das AGS in anderen Neubauprojekten zu verwenden oder es auf bestehenden Schiffen nachzurüsten. Durch ständige Kürzungen beim Zumwalt-Programm auf nun noch drei bis sieben Schiffe scheint es wahrscheinlich, dass BAE versuchen wird, das AGS auch bei anderen Projekten zu verkaufen. Das AGS-Projekt wurde ursprünglich vom amerikanischen Rüstungskonzern United Defense begonnen, durch dessen Übernahme jedoch auf das britische Unternehmen BAE Systems übertragen.

Das AGS soll mit einem Kaliber von 155 mm (6,1 inch), 62 Kaliberlängen und spezieller GPS gelenkter Munition den Zerstörern der Zumwalt-Klasse eine große Feuerkraft vor allem gegen Landziele verleihen. Insbesondere auf eine hohe Reichweite und Präzision wurde bei der Entwicklung Wert gelegt.

Inhaltsverzeichnis

Entwicklung

Mit der endgültigen Außerdienststellung der letzten beiden Einheiten der Iowa-Klasse in den 1990er-Jahren und der Streichung aus der Reserveflotte 2006, ging der US Navy viel Feuerkraft verloren. Insbesondere bei der Beschießung von Landzielen im Rahmen von amphibischen Landungsoperationen hatten sich die 406 mm Geschütze der Iowas als leistungsfähig erwiesen. Durch deren Ausmusterungen blieben der US Navy noch die deutlich schwächeren Mark-45-Leichtgewichtsgeschütze (Kaliber: 127 mm). Auch hatten sich Tomahawk-Marschflugkörper zwar als sehr effiziente, aber teure und auf kurze Entfernung schwer einsetzbare Waffe erwiesen.

Deshalb wurde in 1990er-Jahren an einem neuen Waffensystem gearbeitet. Die ursprüngliche Idee war, ein Schiff um zwei vertikale 155-mm-Geschütze herum zu konstruieren. Damit wären jedoch nur gelenkte Projektile einsetzbar gewesen, weshalb eine neuerliche Kostenexplosion befürchtet wurde. Man entschied sich deshalb für ein konventionelleres Design mit zwei 155-mm-Haubitzen. Dadurch können auch wesentlich günstigere, ungelenkte Projektile verwendet werden.[1]

Beschreibung

Jeder Zumwalt-Zerstörer wird auf dem Vorderdeck mit zwei AGS in konventionellen Türmen ausgerüstet werden. Die Türme sind jedoch so geformt und verkleidet, dass der Radarquerschnitt so gering wie möglich gehalten wird. Zu diesem Zweck sind die Geschützrohre im Transit eingefahren und werden ausschließlich zum Feuern ausgefahren. Des Weiteren sind die Geschütztürme vollkommen automatisch; angefangen vom Ausfahren der Rohre über das Ausrichten und Laden bis hin zum Abfeuern erfolgt die gesamte Bedienung der Geschütze ferngesteuert. Dies ermöglicht erhebliche Personaleinsparungen.

Das Kaliber der Geschütze liegt bei 155 mm, einem standardisierten NATO-Kaliber. Das Geschütz ist mit 62 Kaliberlängen überdurchschnittlich lang, was die Reichweite erhöht. Praktisch während der gesamten Dauer des Schießens kann eine Kadenz von 10 Schuss pro Minute aufrechterhalten werden. Für diese hohe Kadenz mussten die Läufe mit einer leistungsfähigen aber schweren Wasserkühlung versehen werden. Für die beiden AGS je Zerstörer steht ein gemeinsames vollautomatisches Magazin zur Verfügung, das rund 750 Schuss fasst.[2]

Es ist damit zu rechnen, dass ein Zumwalt-Schiff mit dieser Bewaffnung eine deutlich höhere Feuerkraft als die Ticonderoga- oder die Arleigh-Burke-Klasse mit je einem beziehungsweise zwei Mark-45-Leichtgewichtsgeschützen erreicht. Gegenüber der Iowa-Klasse werden zwar Reichweite, Präzision und Kadenz erreicht oder übertroffen, die Durchschlagskraft eines einzelnen AGS-Projektils liegt jedoch deutlich niedriger.

Munition

Trotz des gleichen Kalibers wie die Haubitzen der US Army benötigt das AGS spezielle Munition. Gründe sind die wesentlich längeren Läufe sowie der höhere verwendete Kammerdruck. Für das AGS sollen verschiedene Arten von konventioneller Munition zur Verfügung stehen, wovon jeder Zumwalt-Zerstörer etwa 650 Projektile mitführen wird.

Für besonders hochwertige Ziele sollen zudem rund 100 so genannte Long Range Land Attack Projectiles, kurz LRLAP, mitgeführt werden. Diese zur Zeit bei BAE Systems in Entwicklung befindlichen Geschosse bestehen aus zwei Teilen, dem eigentlichen Projektil und den Treibladungen. Das gesamte Geschoss weist ein Gewicht von 102 kg auf, wovon 11 kg auf den Sprengkopf entfallen. Die maximale Länge eines einzelnen Geschosses beträgt 223 cm. Mit Hilfe eines kleinen Raketenmotors und einer GPS basierten Lenkeinheit haben diese Geschosse in Tests bereits eine Reichweite von 109 km unter Beweis gestellt wobei eine Reichweite von bis zu 150 km möglich seien soll. Trotz dieser enormen Reichweite liegt der CEP je nach Schussweite zwischen 20 und 50 m.[3]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. http://www.navweaps.com/Weapons/WNUS_61-62_ags.htm
  2. BAE Systems
  3. NavWeaps.com

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