Dom zu Ribe
Dom zu Ribe

Der Dom zu Ribe (auch: Dom zu Ripen), dänisch Ribe Domkirke, auch Vor frue kirke Maria genannt, ist eine evangelisch-lutherische Bischofskirche in Dänemark. Sie ist das einzige fünfschiffige Kirchenbauwerk und die älteste Domkirche des Landes. Ribe ist gleichzeitig der älteste Ort des heutigen Dänemarks.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Nach der ersten Kirche von Haithabu/Schleswig gilt Ribe als ältester Kirchenort in Nordeuropa. Um 860 gründete der Apostel Ansgar hier die erste Kirche. Das Bistum Ribe wurde 948 gegründet. Um 1100 begann man mit dem Bau der Steinkathedrale zur Amtszeit des Bischofs Thure. In der Regierungszeit König Christians III. wurde in den 1530'er Jahren die Reformation eingeführt. Das Bistum Ribe wurde in eine evangelische Kirchenprovinz umgewandelt. Es umfasste nach wie vor nicht nur den Südwesten von Jütland, sondern auch den Nordwesten des staatsrechtlich nur teilweise mit dem Königreich Dänemark verbundenen Herzogtum Schleswig. Die bischöflichen Besitzungen südlich der Königsau (u.a. Møgeltønder) wurden säkularisiert, bildeten aber nach wie vor Exklaven des Königreichs, und zwar bis 1867. Als Nordschleswig 1920 fester Bestandteil Dänemarks wurde, wurde das Bistum Ribe zu Gunsten des neu geschaffenen Bistums Haderslev verkleinert, dessen Hauptteil bis dahin zum Bistum Schleswig gehört hatte.

Bauwerk

Ansgars ursprüngliche Kirche war ein Holzbau und hatte als solcher vermutlich noch mehrere Nachfolger.

Der erste Steinbau entstand in der inzwischen reichen und wohlhabenden Stadt zwischen 1150-1250 als spätromanische, dreischiffige Basilika mit Querhaus und Westtürmen nach rheinischen Vorbildern; er ist 63 Meter lang und 36 Meter breit. Als Baumaterial wurde vor allem Tuffstein verwendet, der per Schiff von den Steinbrüchen bei Köln herbeigeholt wurde und der sich auch bei vielen Landkirchen im Bistum findet. Nur für Sockel, feine Architekturteile und Skulpturen nahm man einheimischen Granit oder feinkörnigen Wesersandstein.

Beste Steinmetzarbeit und schönster Außenbestandteil des Doms ist das Südportal des Querhauses, die sog. Katzenkopftür, mit dem eindrucksvollen Granitrelief der Kreuzabnahme (ca. 1150-75) und säulentragenden Löwen. Der Dreiecksgiebel darüber (1. Hälfte des 13. Jh.) zeigt ein Sandsteinrelief des Himmlischen Jerusalem und die königlichen Stifter des Domes. Die Bronzetür schmückt ein Türzieher in Form eines Löwenkopfes (um 1225).

Im Bau wurden zunächst nur die Seitenschiffe gewölbt und die Vierung, über der das kühnste Bauteil entstand: eine mächtige Tuffsteinkuppel. Mittelschiff und Querhaus waren flachgedeckt, bis man Anfang des 13. Jh. den Bauplan änderte - unter dem Eindruck der neuen gotischen Architekturformen. Um 1225-50 wurden auch diese Bauteile gewölbt, mit Rippengewölben über figürlichen Konsolen. Das Mittelschiff erhielt große dreieckige Obergadenfenster.

1283 stürzte der nördliche Treppenturm ein. An seiner Stelle entstand ein weit höherer Backsteinturm, der 52 Meter hohe sog. Bürgerturm (Borgertårnet), das Wahrzeichen der Stadt. Wie schon der Name sagt, ist es kein Kirch-, sondern ein Stadtturm, wie sie etwa aus Gent und Brügge und anderen mittelalterlichen Städten der Niederlande bekannt sind. Der Turm wurde gegen 1333 fertiggestellt und die Bürgerschaft ließ dort die große Sturmglocke aufhängen, die bei Sturmflut, Feuers- und Kriegsgefahr geläutet wurde. Seit dem Einsturz der Spitze 1534 ist der Turm flach gedeckt und hat heute eine Aussichtsplattform. In den Abmessungen bescheidener, aber architektonisch eindrucksvoller ist der romanische vierseitig gedeckte südliche Marienturm (Mariatårnet). Die dritte Turmspitze ist der Dachreiter über dem Ostchor. Trotz der relativ geringen Turmhöhen hat der Kirchenbau in der flachen Landschaft und umgeben von der vollständig erhaltenen und durch keine überdimensionierten Neubauten gestörten Altstadt eine ausgesprochen eindrucksvolle Fernwirkung.

Die Kapellenanbauten, die im 14. und 15. Jh. an den Seitenschiffen entstanden, konnten am Ende des Mittelalters zu zwei äußeren Seitenschiffen zusammengebaut werden. Damit erhielt der Dom seine heutige fünfschiffige Anlage.

Mit Einführung der Reformation 1536 wurde der Dom eine Bürgerkirche. Neue Ausstattung und prächtige Grabdenkmäler kamen in der Renaissance- und Barockzeit hinzu, während der Bau langsam verfiel. Der Verfall beschleunigte sich nach den Schwedenkriegen Mitte des 17. Jh., nach denen Stadt und Umland sehr verarmten. Bei notdürftigen Reparaturen 1738-40, 1791-92 und 1840-45 gewann man Baumaterial durch Abriss "überflüssiger" Bauteile.

Die Restaurierung 1882-1904 unter dem Architekten H. C. Amberg rettete den verfallenden Bau. Die Tuffsteinfassade wurde wieder in ihre ursprüngliche Form gebracht, und der 1791 abgebrochene südliche Marienturm wurde nach rheinischen Vorbildern rekonstruiert. Im Innern ließ Amberg einen Ciborienaltar aus Stein errichten, der 1982-87 einer neuen monumentalen Chorausgestaltung mit Mosaiken, Wand- und Glasmalerei des Malers Carl-Henning Pedersen weichen musste.

Das Innere der Kirche erscheint somit heute trotz der erhaltenen älteren Bausubstanz eher kühl und modern. Dennoch birgt der Dom viele kostbare Stücke, darunter die Kanzel von 1597, den barocken Orgelprospekt und die Bronzetaufe von 1375 (u.a. mit Reliefs der Trinität, der Krönung Mariens und Stifterwappen).

Beachtenswert ist auch der (leere) Sandsteinsarkophag vom Grab König Christoffers I. (1259; rheinischer Import) sowie die zugehörige Grabplatte, die älteste Königsgrabplatte des Nordeuropas. Sie besteht aus schwarzem Belgisch Granit, einem Kalkstein, und hatte ursprünglich Messingverkleidung und Einlagen aus Alabaster. Bis 1987 befand sie sich über dem Grab (Sarkophag) des Königs vor dem Hochaltar.

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Ribe Domkirke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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