Aegidienberg
Aegidienberg
Ehemaliges Gemeindewappen von Aegidienberg
Koordinaten: 50° 40′ N, 7° 18′ O50.6586117.3025287Koordinaten: 50° 39′ 31″ N, 7° 18′ 9″ O
Höhe: 287 m ü. NN
Fläche: 18,96 km²
Einwohner: 6.850 (1. Apr. 2007)
Eingemeindung: 1. Aug. 1969
Postleitzahl: 53604
Vorwahl: 02224
Aegidienberg (Nordrhein-Westfalen)
Aegidienberg

Lage von Aegidienberg in Nordrhein-Westfalen

Aegidiusplatz, Marktplatz im Hauptort Aegidienberg
St. Aegidius, das Wahrzeichen Aegidienbergs
Evangelische Kirche

Aegidienberg ist ein Stadtbezirk von Bad Honnef im Rhein-Sieg-Kreis in Nordrhein-Westfalen. Er liegt mit seinen 13 Ortschaften östlich des Siebengebirges in den Ausläufern des Niederwesterwalds und wird von der Bundesautobahn 3 durchquert. Bis 1969 war Aegidienberg eine eigenständige Gemeinde im damaligen Siegkreis. Der Gemeindename geht auf Sankt Aegidius (franz. Saint Gilles) zurück, den Namenspatron der örtlichen katholischen Pfarrkirche. Bis ins 16. Jahrhundert trug das Dorf den Namen Hunferode oder Honnefer Rott.[1] Die Einwohnerzahl liegt bei über 6500 Personen.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Das Gebiet des Stadtbezirks Aegidienberg umfasst die östlich des Honnefer Stadtwalds, also des Siebengebirges liegenden Bereiche. Sie sind naturräumlich der Asbacher Hochfläche in den nordwestlichen Ausläufern des Niederwesterwalds zuzurechnen. Dort verteilen sich die Ortsteile auf verschiedene Anhöhen, die zum Teil auch im weiter gefassten Naturpark Siebengebirge liegen. Das Siebengebirge selbst mit seinen bis zu 460 Meter hohen Bergen trennt Aegidienberg von dem rund fünf Kilometer entfernten, im Rheintal gelegenen Bad Honnef. Aegidienberg liegt durchschnittlich etwa 200 Meter höher als Bad Honnef. Die beiden Orte sind durch das sieben Kilometer lange Schmelztal verbunden, durch das sich die Landesstraße 144 windet.

Auf dem Gebiet des Stadtbezirks liegen zwei kleinere Seen, der Himberger See im Westen und der Dachsberger See im Osten. Beide sind aus den jeweiligen Basaltsteinbrüchen entstanden, die dort bis nach dem Zweiten Weltkrieg betrieben wurden. Der Logebach und der Quirrenbach sind zwei Quellbäche des Pleisbachs, die in der Gemarkung entspringen und durch sie verlaufen, der Kochenbach ist ein Zufluss des Quirrenbachs. Zu den Anhöhen auf Aegidienberger Gebiet gehören der Himberg (335,2 m), der Hupperichsberg (307,6 m[2]), der Markhövel (auch Romert genannt; 304,3 m) und der Dachsberg (360,7 m[3]) – letzterer der höchste Bodenpunkt des Stadtbezirks. Das Hauptdorf Aegidienberg auf dem gleichnamigen Berg liegt auf 287 m. Auf der Gemarkung finden sich zwei zusammenhängende Waldgebiete, der Aegidienberger Wald östlich und die Vogelsbitze westlich der Autobahn. Im äußersten Osten hat Aegidienberg Anteil am Segelfluggelände Eudenbach mit seinem Naturschutzgebiet.

Der Stadtbezirk Aegidienberg fasst 13 Ortschaften zusammen: Aegidienberg (Kirchdorf), Brüngsberg, Efferoth, Himberg, Höhe, Hövel, Neichen, Orscheid, Retscheid, Rottbitze, Siefenhoven, Wintersberg und Wülscheid. Teile des zur Gemarkung Rheinbreitbachs gehörenden Rottlandhofs liegen auf Aegidienberger und damit Bad Honnefer Gebiet. Der Stadtbezirk grenzt mit Rheinbreitbach und Windhagen direkt an Rheinland-Pfalz.

Geschichte

Herrschaft und Wirtschaft seit dem frühen Mittelalter

Eine Urkunde des Kölner Erzbischofes Wichfried aus dem Jahre 948 legte die Grenzen der Propstei Oberpleis fest und bezog den heutigen Bad Honnefer Stadtbezirk Aegidienberg mit ein. Die dort festgelegten Grenzen bestehen bis heute als Stadt-, sowie im Süden und Osten als Kreis- und Landesgrenze. Über die Besiedlung gibt es für diese Zeit keine Angaben, es wird vermutet, dass hier vereinzelte Höfe und Köhlereien anzutreffen waren. Eine durch den ersten Ortsnamen Hunferode implizierte Besiedlung Aegidienbergs durch Honnefer Einwohner kann sich nur auf die am Ausgang des Schmelztals befindlichen Dörfer Himberg, Hövel und Siefenhoven beziehen. Die Ursprünge der Ortschaften im Rest und besonders im Osten des späteren Gemeindegebiets liegen auch angesichts der schweren landwirtschaftlichen Verwertbarkeit der lehmigen Böden eher in Siedlern, die entlang des Pleisbachs oder der im Bergbereich verlaufenden Straßen zogen.[4]

Bis zu ihrem Aussterben, etwa im Jahre 970, übten die Grafen des Auelgaues die weltliche Macht über das Gebiet aus. Darauf herrschten die Pfalzgrafen bei Rhein. Mit dem Bau der Löwenburg in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts fiel die Gegend in deren Herrschaftsbereich und die wachsenden Ortschaften waren zwischen 1484 und 1808[5] Teil des Amtes Löwenburg, das zum Herzogtum Berg gehörte.

Am 6. Januar 1345 findet sich die erste urkundliche Erwähnung, die sich möglicherweise nur auf das später „an der Kirche“ genannte Dorf bezieht, mit der Bezeichnung Hunferode.[1][6] Am 5. Januar 1349 folgte eine weitere Erwähnung als Hunferoyde.[7][8] Der Name Aegidienberg löste diese Bezeichnungsgruppe vermutlich seit dem 16. Jahrhundert endgültig ab. Als einer der Vierzehn Nothelfer und als Viehpatron wurde der heilige Aegidius ab dem ausgehenden Mittelalter verehrt.[9]

In einer Urkunde „von wegen der bergischen Pastoreyen“ aus dem Jahre 1506 stammt die Erwähnung eines Pfarrers Namens „Hermannus“ dessen Kirche an der Stelle der heutigen Servatiuskapelle stand. Das „Erkundigungsbuch des Fürstentums Berg“ weist „Gilienberg“ seit dem Jahre 1555 als eigenständiges Kirchspiel aus.

Als Besitzer oder Pächter bearbeiteten die Bewohner die tonigen, kargen Böden Aegidienbergs. Im Gegensatz zur Bezeichnung Mutterboden wird vorort gerne der Begriff „Vaterboden" verwendet. Vor Erfindung des Kunstdüngers taugten die Äcker fast nur zum Anbau von Gerste und Hafer, die im Mittelalter die Hauptnahrungsmittel der Bevölkerung waren. Hinzu kam die Viehzucht. Mit Beginn der Neuzeit wurde der Speiseplan durch Kartoffeln bereichert und bescherte der Gemeinde so ihre Spezialität – die „Rievkooche“ (Reibekuchen), die bis heute auf keiner öffentlichen Veranstaltung fehlen.

Weiterhin betrieb die Bevölkerung Waldwirtschaft und hatte im Zehntsystem des Amtes feste Verpflichtungen wie unter anderem den „Rahmhau“ für die Weinberge an den Hängen des Rheins. Ebenfalls mussten die Aegidienberger das Holz für den Galgen der Löwenburgschen Gerichtsbarkeit fällen und diesen instandhalten. Der Galgen stand in Honnef, wahrscheinlich im Bereich der heutigen Lohfelder Straße. Holzschlagrecht im Wald besaß ausschließlich die Obrigkeit. Den Waldbauern stand das Reisig für die Viehzucht zur Verfügung und ihnen war die Eichelmast von Schweinen gestattet.

Schon seit dem Mittelalter wurden in der Umgebung des Siebengebirges Buntmetallerze abgebaut, hauptsächlich zur Gewinnung von Kupfer, Zink und Blei. Neben der Arbeit in den Minen selbst sorgte der ständige Bedarf der Bergwerke an Holzkohle für den Betrieb zahlreicher Köhlereien in der Umgebung. Im Ortsteil Neichen befand sich die Kupfergrube „Gotteshilfe“, in Brüngsberg die Gruben „Flora“, „Zacharias“ und „Emma-Sofie“, wo bis zum Frühjahr 1906 Zink und Kupfererz gebrochen wurde. Die Halden der Gruben sind heute noch am Hang des Logebachtales zu erkennen. Mit dem Verfall der Buntmetallpreise kam es ab 1875 allmählich zur Stilllegung der Bergwerke im Siebengebirge.

In der näheren Umgebung wird bis heute Basalt gebrochen. Die Basaltsteinbrüche am Dachsberg und am Himberg waren an das Schienennetz der Bröltalbahn angeschlossen, das weit verzweigt bis Asbach, Bonn-Beuel, Siegburg und Waldbröl reichte. Der Teilstreckenbetrieb wurde von den Steinbruchbetreibern für den Basalttransport finanziert. Ein Anschluss zur Personenbeförderung wurde zu verschiedenen Zeiten im Gemeinderat diskutiert, aber nie verwirklicht. Die beiden Steinbrüche Aegidienbergs liegen etwa seit den 1960er Jahren still und dienen heute als Badeseen und Naherholungsziele, wie viele andere Steinbrüche in der Umgebung auch.

Preußische Zeit/Deutsches Reich

Mit dem Ende der französischen Besetzung unter Napoleon I. war das Herzogtum Berg bis 1822 in der preußischen Rheinprovinz aufgegangen und Aegidenberg gehörte mit Honnef, Königswinter und Ittenbach schon ab 1816 zur neuen „Bürgermeisterei Königswinter“. Am 1. Juli 1846 erhielt Aegidienberg einen Gemeinderat, der den aus Schöffen bestehenden Gemeindevorstand ablöste.[10] Nachdem 1862 Honnef und 1889 Königswinter als selbständige Stadtgemeinden eigenen Verwaltungen unterstanden, verblieb die Gemeinde Aegidienberg zusammen mit der Gemeinde Ittenbach in der Bürgermeisterei Königswinter-Land, die 1927 in „Amt Königswinter-Land“ umbenannt wurde und bis 1969 bestand.

Gemeinde Aegidienberg

Zur Gemeinde Aegidienberg, die nach damaliger Schreibweise noch bis 1888 auch Egidienberg oder Ägidienberg, danach nur noch Aegidienberg oder (amtlich empfohlen) Ägidienberg genannt wurde, gehörten im Jahre 1885 13 Ortschaften mit 366 Wohngebäuden (einschließlich unbewohnten) und 327 Haushaltungen. Die zugehörenden Ortsteile waren: das Kirchdorf Ägidienberg (97 Einwohner), Brüngsberg (135), Efferoth (13), Himberg (162), Höhe (47), Hövel (285), Neichen (60), Orscheid (203), Retscheid (44), Rottbitze (97), Siefenhoven (108), Wintersberg (22) und Wüllscheid (255). Die Gemeinde Aegidienberg hatte 1885 insgesamt 1528 Einwohner, davon 751 Männer und 777 Frauen. Die Gemeinde war eigenständig katholisch mit 1523 Gläubigen, daneben gab es fünf evangelische Christen, die von der Kirchengemeinde Honnef betreut wurden.[11] 1862 entstanden Verbindungsstraßen von der heutigen Landesstraße 247 nach Wülscheid und Orscheid.

1885 hatte die Gemeinde 1896 ha Fläche, davon 690 ha Ackerland, 171 ha Wiesenfläche und 925 ha Waldfläche.[11] Mit Honnef war die Gemeinde bereits 1855 über eine Landstraße (heute Landesstraße 144) verbunden worden, die von Himberg aus über Asbach nach Flammersfeld,[12] und später bis nach Altenkirchen, führte[13].

Nach der Idee von Friedrich Wilhelm Raiffeisen gründen am 10. Januar 1898 ca. 50 Bürger den „Aegidienberger Spar- und Darlehenskassenverein“. Die Genossenschaft ermöglichte ab dem Jahre 1902 den Ausbau des Wasserleitungsnetzes und unterstützte ab 1908 die Automobilgesellschaft, deren Ziel es war, eine Busverbindung nach Bad Honnef und Königswinter aufzubauen.

Vermutlich spielende Kinder entfachten am Pfingstsonntag, dem 12. Juni 1905 einen Großbrand im Ortsteil Orscheid, der dreizehn Gebäude zerstörte. 1912 wurde der erste Turnverein „Germania“ gegründet.

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs, 1914 wurden unter Anderen alle Lehrer zum Kriegsdienst eingezogen. Es fanden viele Veranstaltungen statt um für Kriegsanleihen zu werben. Der Darlehenskassenverein verlor Reserven in Höhe von 13.000 Reichsmark an die Kriegsanleihen. Je länger der Krieg dauerte umso dringender wurden Rohstoffe benötigt, die vor allem die Kinder einsammeln mussten. Papier, Glas und Stanniol, sowie große Mengen Laubheu, für die Kriegspferde. Das Laub wurde von den Bäumen gerupft und frisch oder gedörrt zur Sammelstelle nach Siegburg geliefert. Die Dörre fand an allen möglichen Stellen in den Haushalten statt. In zahlreichen Metallsammlungen wurden Kupferbeschläge und alle erdenklichen Metallgegenstände aus den Haushalten requiriert, selbst die Kirchenglocken wurden in der Rüstungsindustrie verarbeitet.

Separatistendenkmal

Im November 1923 fanden vor allem in Himberg und Hövel heftige bewaffnete Auseinandersetzungen mit Todesopfern statt, die mit den Geschehnissen der rheinischen Republik in Zusammenhang standen. Ein Denkmal in Hövel und Gräber auf dem Friedhof erinnern an den Aufstand im Siebengebirge.

Lokale Handwerksbetriebe errichteten ab dem Jahre 1925 das Kloster St. Josef in dem die Franziskanerinnen vom heiligen Josef in Valkenburg seit seiner Einweihung 1926 verschiedene caritative Einrichtungen unterhielten, unter anderem ein Kinderheim oder die „Schulung von Jungfrauen“ in hauswirtschaftlichen Fertigkeiten.

Nationalsozialistische Diktatur/Zweiter Weltkrieg

Ab dem Jahre 1937 veränderte der Bau der Reichsautobahn (heutige Bundesautobahn 3) nachhaltig das Gesicht der Umgebung. Für mehrere Jahre fanden die Vermessungs- und Bauarbeiten an der vorerst vierspurigen Zementpiste in der Aegidienberger Umgebung statt. Die Autobahn auf Aegidienberger Gebiet wurde im September 1939 eröffnet. Manche landwirtschaftlichen Betriebe waren durch den vom Autobahnbau verursachten Geländeverlust nicht mehr rentabel zu führen. Zudem lagen die Parzellen für viele Besitzer sehr verstreut und waren sehr klein. Eine Flurbereinigung wurde begonnen, kriegsbedingt aber unterbrochen.

Während der nationalsozialistischen Diktatur wurden in den Basaltsteinbrüchen der Umgebung etwa 600 sowjetische Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter eingesetzt. Kurz vor dem Einrücken der US-amerikanischen Truppen wurden die Menschen im Saal Giershausen zusammengetrieben und weiter ins Landesinnere verschleppt. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs fanden in der Umgebung heftige Kampfhandlungen statt. Nachdem die US-amerikanischen Truppen am 7. März 1945 bei Remagen den Rhein überschritten hatten, geriet Aegidienberg in den folgenden Tagen unter heftigen Beschuss amerikanischer Artillerie. Hier hatten sich deutsche Truppen verschanzt und beschossen die Umgebung von Remagen ebenfalls mit schwerer Artillerie. Vor allem am 13. März kamen bei Kämpfen viele Soldaten beider Seiten ums Leben. Ein kurzer Waffenstillstand zur Bergung der Toten wurde vereinbart, was außergewöhnlich war.

Am 16. März geriet das Ortszentrum unter heftigen Beschuss und elf Zivilisten starben in den Trümmern des Klosters. Es war den Nonnen nicht gestattet worden eine weiße Fahne mit rotem Kreuz am Gebäude anzubringen um ungefähr sechzig Kinder, Flüchtlinge und sich selbst zu schützen. Zusätzlich wurde im Hof des Klosters noch ein Funkwagen als Befehlsstand aufgestellt, der sich wie ein Magnet auf feindliches Feuer auswirkte. Ein flächendeckendes Bombardement des Hauptortes durch die US-Air Force konnte am Nachmittag desselben Tages im letzten Moment auf dem Verhandlungswege verhindert werden und ca. 150 deutsche Soldaten begaben sich in Kriegsgefangenschaft, andere entschlossen sich weiterzukämpfen.

Nach der Besetzung durch die amerikanischen Truppen am 17. März wurde der Ort dann mehrere Tage lang von deutscher Artillerie mit sogenanntem und so gewolltem „Vernichtungsfeuer“ belegt. Die Panzerbrigade 106 Feldherrnhalle und versprengte Teile anderer Truppen hatten sich bei Orscheid und Wülscheid verschanzt und beschossen sämtliche Ortschaften zwischen Brüngsberg und Rottbitze. Dies führte zur starken Beschädigung bis zur völligen Zerstörung aller öffentlichen und sehr vieler Wohn- und Wirtschaftsgebäude des Ortes.

In Aegidienberg waren die Kämpfe am Ostersonntag, dem 1. April vorbei. In Orscheid, Wülscheid und Rottbitze ging das Gemetzel noch viele Tage weiter und die Ortsteile wechselten dabei mehrmals die Besatzer. Angeblich existieren Kriegsberichte in zeitgenössischen Ausgaben der offiziellen Zeitschrift der US-Streitkräfte Stars and Stripes. Die Spuren der Kämpfe sind bis heute in der Umgebung erkennbar. In den umgebenden Wäldern finden sich zahlreiche Schützenlöcher der US-Armee, unzählige Einschlagtrichter von Geschossen aller Größenordnungen sowie ein riesiger Krater bei Wülscheid, wo am 10. März 1945 ein Munitionsdepot der Wehrmacht während des Rückzuges gesprengt wurde.

Seit dem Kriegsende

Aegidienberg mit Siebengebirge
v. l. n. r.: Löwenburg, Lohrberg und Großer Ölberg

In den ersten Nachkriegsjahren kam es zu nie aufgeklärten Raubüberfällen in der Umgebung, die mehrere Menschenleben kosteten. Bis zum Anfang der 1950er Jahre sollte es dauern die vielen Kriegstoten in der Umgebung zu identifizieren und ihnen ein würdevolles Grab zu beschaffen. Die toten amerikanischen Soldaten wurden in ihre Heimat verschifft. Die übrigen Soldaten fanden auf dem Soldatenfriedhof bei Ittenbach ihre letzte Ruhe. Ungefähr vierzig Tote konnten niemals identifiziert werden.[14] Die Kriegsschäden an den Gebäuden wurden provisorisch behoben. Erst 1946 wurde die Schule mit Genehmigung der alliierten Behörden wieder eröffnet. Die Renovierung der katholischen Kirche zog sich in Teilabschnitten noch bis in die 1960er-Jahre hin. Reichlich umherliegendes Kriegsmaterial stellte noch viele Jahre lang eine ernste Lebensgefahr dar und es kam vereinzelt zu Unfällen mit Toten und Verletzten.

Das 1937 dringend notwendig gewordene Projekt der Flurbereinigung wurde ab 1948 fortgesetzt und 1953 vollendet. Ungefähr 13.000 landwirtschaftliche Parzellen wurden zu ca. 1.600 zusammengefasst. Die Zusammenlegung betraf 2.345 Hektar Acker, Grünland, Wald, Gewässer, Wege und Hofstellen auf Aegidienberger und zu kleinen Teilen Oberpleiser Gemeindegebiet. 1955 konnte die damalige Kreisstraße von Aegidienberg nach Ittenbach eröffnet werden. Im gleichen Jahr fand die Einweihung einer neuen Marienkapelle am Fuße des Dachsberg statt. Am 4. Februar 1961 wurde die neue evangelische Kirche im Ort geweiht, die seitdem den Namen Friedenskirche trägt.

Kurz nach Kriegsende gründete sich der Sportverein „TTV-Aegidienberg“, der jedoch im Jahre 1952 aus finanziellen Gründen schon wieder aufgelöst wurde. Schließlich wurde dann im Frühjahr des Jahres 1958 der „Fußballverein Sportfreunde Aegidienberg 1958“ aus der Taufe gehoben, der inzwischen neben mehreren Fußballmannschaften auch andere sportliche Abteilungen hat.

Der Raubmörder Dieter Freese, laut damaliger Presse, der „meistgesuchte Verbrecher der Bundesrepublik“ fand im Winter 1962 für kurze Zeit Unterschlupf in einem leerstehenden Wochenendhaus des Kölner Industriellen Oberreuther, das im Ortsteil Hövel stand. Später versteckte er sich in den Königswinterer Ofenkaulen.

1967 hatte Aegidienberg 3.504 Einwohner. Davon waren 225 in der Land- und Forstwirtschaft, 519 im verarbeitenden Gewerbe und 351 im Dienstleistungsbereich beschäftigt. 564 Auspendlern standen 54 Einpendlern gegenüber. In 4 Industriebetrieben waren 163 Personen beschäftigt. An öffentlichen Einrichtungen waren 1967 vorhanden: eine Volksschule, ein Sportplatz, ein Kindergarten und eine Bücherei.[15]

Mit dem Gesetz zur kommunalen Neugliederung des Raumes Bonn (Bonn-Gesetz) vom 10. Juni 1969 wurde Aegidienberg am 1. August 1969 in die Stadt Bad Honnef eingegliedert.[16] Zuvor war auch ein Zusammenschluss Aegidienbergs mit den Berggemeinden Ittenbach, Heisterbacherrott, Oberpleis und Stieldorf erwogen worden.[17]

Auf der Bundesautobahn 3 im Ortsteil Hövel fand am 18. August 1988 das Gladbecker Geiseldrama sein gewalttätiges Ende.

Ehemaliges Gemeindewappen

Ehemaliges Gemeindewappen

Die Gestaltung des Gemeindewappens wurde Anfang der 1960er-Jahre von dem Selhofer Lehrer und Heimatkundler Franz Hermann Kemp angeregt und schließlich bei dem Euskirchener Grafiker Konrad Schaefer nach heraldischen Regeln umgesetzt.

Das Wappen zeigt im unteren Bereich drei grüne Berge des Siebengebirges, Löwenburg, Lohrberg und Großer Ölberg. Auf dem mittleren Berg ist das rot-silber karierte Wappen des Amtes Löwenburg abgebildet, zu dessen Gerichts- und Verwaltungsbereich Aegidienberg gehörte, solange das Amt bestand. Oberhalb ist das Wahrzeichen Aegidienbergs, der romanische Turm der St. Aegidius-Kirche silbern auf rotem Grund abgebildet. Am 4. November 1963 wurde das Wappen durch den Gemeinderat auf seiner 44. Sitzung „gebilligt“ und am 16. Juli 1965 vom Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen genehmigt.[18][19] Heute sieht man das Wappen noch bei lokalen Vereinen.

Einwohnerentwicklung

Aegidienberg ist nach dem Zweiten Weltkrieg stark gewachsen, ungefähr die Hälfte des Einwohnerwachstums in Bad Honnef nach 1969 entfällt auf Aegidienberg. Da Aegidienberg seinen eigenständigen Status durch die Eingemeindung verloren hat, wird vom Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik NRW nur die Einwohnerzahl der gesamten Stadt ermittelt; im folgenden sind die Einwohnerzahlen an verschiedenen Stichtagen genannt:[20]

Stichtag Einwohner
1828 1.010
1843 1.341
1858 1.445
1871 1.476
1905 1.488
16.06.1933 1.519
14.08.1963 2.890
1970[21] 3.680
01.01.2002 6.673
01.04.2007 6.850

Wirtschaft und Infrastruktur

Der Stadtbezirk wird von der Bundesautobahn 3 auf einer Länge von 5240 m durchquert. Im Osten Aegidienbergs befindet sich die Anschlussstelle Bad Honnef/Linz, die die sehr gute Verkehrsinfrastruktur der Gemeinde begründet. Besonders im Ortsteil Rottbitze führte dies ab 2000 zu umfangreichen Gewerbe- und Industrieansiedlungen im Gewerbegebiet Vogelsbitze/Zilzkreuz. Weitere Gewerbegebiete am Dachsberg und um den Heideweg befinden sich in der Planung. Ebenfalls in Rottbitze entstand bis 2005 ein zweites Versorgunszentrum u. a. mit einem Baumarkt, mehreren Discountern und Tankstellen.

Die Trasse der Ende 2002 eröffneten ICE-Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main führt entlang der Bundesautobahn 3 mit drei Tunneln und zwei Brücken über das Stadtgebiet. Dabei wird das Logebachtal mit einer 173 m langen Brücke überquert, der zentrale Bereich Aegidienbergs in dem 1.240 m langen Aegidienbergtunnel unterquert und das Kochenbachtal von einer 150 m langen Brücke überspannt. Südlich der Stadtgrenze liegt der 990 m lange Rottbitzetunnel. Der den Berg der Gemarkung Kluse durchquerende Abschnitt wurde nachträglich zu einem 200 m langen Tunnel umgebaut. Der nächstgelegene ICE-Bahnhof (Siegburg/Bonn) befindet sich in der Kreisstadt Siegburg.

Durch die Schmelztalstraße (L 144) ist der Stadtbezirk mit dem Talbereich Bad Honnefs verbunden. Ein Großteil des Verkehrs auf dieser Straße ist Durchgangsverkehr zur A 3.

Die Gemeinde hat ihre eigene Biermarke, das Jillienberger. Aegidienberger ist der Name einer Pferderasse, die von dem ortsansässigen Gestüt Feldmann gezüchtet wird. Der Aegidienberger gehört wie das dort gezüchtete Islandpferd zu den Gangpferden.

Öffentliche Einrichtungen

Trotz der Eingemeindung zu Bad Honnef hat Aegidienberg eine gewisse Eigenständigkeit behalten. Aufgrund der relativ hohen Entfernung zur Stadtmitte im Talbereich existiert am Aegidiusplatz im Dorfzentrum eine Außenstelle der Stadtverwaltung, in der ein Bürgerbüro und der Bezirksausschuss untergebracht ist. Im selben Gebäude befindet sich auch eine so genannte „Anlaufstelle“ (Sprechbüro) des Bonner Polizeipräsidiums.

Neben den im Honnefer Stadtbezirk Aegidienberg verteilten fünf Kindergärten ist in Aegidienberg eine Grundschule ansässig. Die Bildungsinfrastruktur wird aber durch das Fehlen einer weiterführenden Schule geschmälert. Pläne zur Einrichtung einer Gesamtschule für den gesamten Bergbereich des Siebengebirges scheiterten jedoch bisher an Erweiterungen der Bildungsstätten im Talbereich.

Persönlichkeiten

  • Franz Linnig (1832–1912), Provinzialschulrat und Schulbuch-Autor
  • Josef Müller (* 1875 in Aegidienberg), Volkskundler und Herausgeber des Rheinischen Wörterbuchs
  • Carlo Schmid (1896–1979), SPD-Politiker, wohnte viele Jahre in Aegidienberg
  • Heinz G. Konsalik (1921–1999), wohnte viele Jahre in Aegidienberg

Literatur

  • Karl Gast: Aegidienberg im Wandel der Zeiten. Herausgegeben vom Verfasser in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Aegidienberg, Aegidienberg 1964.
  • Wolfgang Wegener: "Von der glücklichen Elise bis zur Gotteshilfe." In: Archäologie im Rheinland 1992. Rheinland Verlag, Köln 1993, ISBN 3-7927-1384-5, S. 159 ff.
  • Wilhelm W. Hamacher: Von "Hunferode" bis "Aegidienberg". Studien zur Heimatgeschichte der Stadt Bad Honnef, Heft 11, Bad Honnef 1995.
  • Karl Josef Klöhs: Kaiserwetter am Siebengebirge. Königswinter 2003, ISBN 3-00-012113-7.
  • Otmar Falkner: Die Quirrenbacher Mühle. In: "Heimatblätter des Rhein-Sieg-Kreises", 75. Jahrgang 2007, ISBN 978-3-938535-26-4, S. 136-149.

Weblinks

 Commons: Aegidienberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Paul Clemen: Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. Bd. 5.4 Die Kunstdenkmäler des Siegkreises bearbeitet von Edmund Renard, Düsseldorf 1907, S. 713.
  2. Angabe laut Deutscher Grundkarte, nach der topographischen Karte 308,8 m
  3. Angabe laut Deutscher Grundkarte, nach der topographischen Karte 351,3 m
  4. Victor Loewe: Eine politisch-ökonomische Beschreibung des Herzogtums Berg aus dem Jahre 1740. In: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins, Jahrbuch des Düsseldorfer Geschichts-Vereins, 15. Bd./ Düsseldorf 1900, S. 165-181. Hier: S. 170
  5. Winfried Biesing: Vom Amt Wolkenburg zum Canton Königswinter, Königswinter 1984, S. 16 ff
  6. Wilhelm W. Hamacher: Von "Hunferode" bis "Aegidienberg", Bad Honnef 1995, S. 11
  7. Theodor Joseph Lacomblet: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrhein, Bd. 3 (1301–1400), Düsseldorf 1853
  8. Wilhelm Janssen: Die Regesten der Erzbischöfe von Köln, Bd. 5 (1332-1349), Köln/Bonn 1973
  9. Hanns Bächtold-Stäubli (Hrsg.): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Verlag de Gruyter, Berlin 1927, Bd. 1.
  10. Otmar Falkner: Ein Beitrag zur Aegidienberger Ortsgeschichte. In: Heimatblätter des Rhein-Sieg-Kreises, 72. Jahrgang 2004, S. 116
  11. a b Gemeindelexikon für das Königreich Preußen von 1885, XII. Provinz Rheinland / Berlin 1888, Seite 114-115
  12. Bürgermeister von Flammersfeld war von 1848-52 der Sozialreformer und Genossenschaftsgründer Friedrich Wilhelm Raiffeisen. U.a. war Raiffeisen ein engagierter Förderer des Straßenbaus. Siehe dazu: Albert Schäfer: Raiffeisen in der Bürgermeisterei Flammersfeld (1848-1852), Flammersfeld 1988, S. 48-57
  13. Helmut Weinand: Die preußischen Staats- und Bezirksstraßen im Regierungsbezirk Koblenz bis zum Jahr 1876, Bonn 1971, S.158-159
  14. Karl Gast: Aegidienberg im Wandel der Zeiten, Aegidienberg 1964, S. 241 ff.
  15. Der Rhein-Sieg-Kreis, Herausgeber: Oberkreisdirektor Paul Kieras, Stuttgart 1983, S. 274.
  16. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970.
  17. Franz Möller: Der Rhein-Sieg-Kreis im Spannungsfeld von Bund und Land, Rheinlandia Verlag, Siegburg 2006, ISBN 3-938535-20-2.
  18. Karl Gast: Aegidienberg im Wandel der Zeiten, Aegidienberg 1964, S. 89 ff.
  19. Wilhelm W. Hamacher: Von Hunferode bis Aegidienberg, Bad Honnef 1995, S. 41
  20. aegidienberg.de: Aegidienberg im Siebengebirge - Ueber Aegidienberg, Zugriff am 19. Juni 2010
  21. Volkszählungsergebnisse von 1816 bis 1970. Beiträge zur Statistik des Rhein-Sieg-Kreises, Band 17, Siegburg 1980, S. 20.

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