Aegyptus
Aegyptus, hier dunkelrot unterlegt

Aegyptus, lateinisch für Ägypten, war von 30 v. Chr. bis zur islamischen Expansion 642 n. Chr. eine Provinz des römischen- bzw. byzantinischen Reichs. Wegen des großen Reichtums Ägyptens nahm sie unter den römischen Provinzen eine gewisse, früher jedoch oft überschätzte Sonderstellung ein: Ägypten galt als die Kornkammer des Imperiums.

Geschichte

Schon seit 273 v. Chr. bestanden freundschaftliche Beziehungen zwischen der römischen Republik und den Ptolemäern. Spätestens als mitten im zweiten Punischen Krieg, im Jahr 210 v. Chr., eine Hungersnot in Italien ausbrach, die einzig durch eine große Getreidelieferung König Ptolemaios IV. von Ägypten gelindert wurde, war den Römern die Bedeutung des Königreichs am Nil bewusst.

Karte Ägyptens zur Römerzeit

Der Niedergang des Ptolemäerreichs gipfelte um 80 v. Chr. darin, dass Ptolemaios XI. in Erwägung gezogen haben soll, nach seinem Tod die Herrschaft in Ägypten den Römern zu vererben. Bereits zu Zeiten Caesars versuchte das Imperium in Ägypten verstärkt politische Macht auszuüben. Rom griff in die Thronstreitigkeiten ein, indem der Statthalter von Syrien Aulus Gabinius den zuvor vertriebenen Ptolemaios XII. Auletes auf den Thron zurückführte. Seither war römisches Militär am Nil stationiert, und die große Romanze zwischen Caesar und Kleopatra VII. hatte ohne Zweifel einen starken politischen Hintergrund. Nach der Ermordung Caesars (44. vor Chr.) gelang es Marcus Antonius die Gunst der Kleopatra zu gewinnen, und mit ihrer Unterstützung kämpfte er um das Erbe Caesars gegen seinen Rivalen C. Octavius, den Großneffen Caesars und späteren Kaiser Augustus. Nach ihrer Niederlage in der Seeschlacht bei Actium 31 v. Chr. gelang Kleopatra und Antonius zwar noch die Flucht nach Ägypten, doch angesichts der Aussichtslosigkeit, militärischen Widerstand gegen die herannahenden Verfolger zu organisieren, schieden beide aus dem Leben. Ägypten war damit in der Hand des C. Octavius, und damit war zugleich der Kampf um die Nachfolge Caesars in der Alleinherrschaft zu dessen Gunsten entschieden.

30 v. Chr. wurde Ägypten endgültig von Rom erobert. Es wurde in eine von kaiserlichen Beauftragten verwaltete Provinz des römischen Volkes, sogenannte kaiserliche Provinz (im Gegensatz zu den dem Senat unterstellten senatorische Provinzen), umgewandelt, die bereits seit dem ersten Amtsinhaber, dem römischen Ritter C. Cornelius Gallus, einem engen Vertrauten des C. Octavius, von einem dem Ritterstand angehörigen Praefectus Aegypti verwaltet wurde. Dies war ein wichtiges Signal des C. Octavius an den Ritterstand, auf dessen loyale Mitwirkung er sich in besonderem Maße stützte, dass unter seiner Herrschaft auch Ritter höchste politische und militärische Funktionen erreichen konnten, wenn ihnen auch der Zugang zu den traditionellen republikanischen Ämtern des Cursus honorum mit Rücksicht auf die privilegierte Stellung der Senatoren weiterhin versagt blieb. Diesen war zunächst selbst das Betreten Ägyptens strengstens untersagt, da Kaiser Augustus das politische Potential Ägyptens kannte: 150.000 Tonnen Getreide wurden unter seiner Regierungszeit jährlich nach Rom verschifft. Vor allem aber war das Ptolemäerreich eine Großmacht im östlichen Mittelmeerraum und die wichtigste Machtbasis seines Konkurrenten Marcus Antonius gewesen. Ältere, vor allem auf Theodor Mommsen zurückgehende Forschungsmeinungen, denen zufolge Ägypten Privateigentum des Kaisers gewesen sein soll und den Status einer Kronkolonie, der Praefectus Aegypti den einer Art Vizekönigs besessen hätte, sind überholt, wenn sie auch gelegentlich noch in neuerer Literatur anzutreffen sind. Die Weisungskompetenz des Kaisers gegenüber dem Praefectus Aegypti unterschied sich in nichts von der gegenüber Provinzstatthaltern senatorischen Ranges, seien es nun die Legati Augusti in Provinzen des römischen Volkes, den sogenannten kaiserlichen Provinzen, oder die Promagistrate in den senatorischen Provinzen. Außer im kultischen Bereich, wo der Kaiser sich in der Rolle und Ikonographie des Pharao repräsentieren ließ, wurde auch nicht an die Tradition des ptolemäischen Königtums angeknüpft, die Herrschaft Roms beruhte rechtlich auf dem Sieg über den Staatsfeind Antonius und seine Helferin Kleopatra und auf der nachfolgenden Eroberung, legitimierte sich jedoch nicht etwa als Fortführung der ptolemäischen Dynastie. Zunächst drei Legionen (später zwei und zuletzt nur noch eine einzige Legion) waren in der Provinz Aegyptus stationiert. Zu unterschiedlichen Zeiten nachweisbar sind die Legio II Traiana, die Legio III Cyrenaica, die Legio XII Fulminata und die Legio XXXII Deiotariana.

69 n. Chr. wurde in Alexandria Vespasian zum Kaiser ausgerufen. Anfangs des 2. Jahrhunderts kam es in Ägypten zu einem Aufstand der Juden, der 117 n. Chr. mit der Vernichtung des Judentums in Ägypten endete. Im 3. Jahrhundert gehörte Ägypten zeitweise zum palmyrenischen Sonderreich der Zenobia (270-272). Unter Kaiser Diokletian wurde die Provinz Ägypten in die Provinzen Aegyptus Iovia (Norden), Aegyptus Herculea (Mitte) und Thebais (Süden) aufgeteilt. Unter der konstantinischen Dynastie erfuhr die Provinz eine erneute Aufteilung. Nach der Reichsteilung 395 n. Chr. wurde Ägypten Teil des oströmischen bzw. byzantinischen Reichs.

619 n. Chr. ging Ägypten vorübergehend an die Sassaniden verloren. Kaiser Herakleios konnte die Provinz 629 n. Chr. für Ostrom zurückgewinnen. Seit 640 n. Chr. eroberten die Araber Ägypten; mit dem Fall Alexandrias 642 n. Chr. beginnt die islamische Geschichte Ägyptens.

Literatur

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