Aellopus
Bild einer Harpyie aus einem mittelalterlichen Manuskript (Jacob van Maerlant: Der Naturen Bloeme, um 1350)
Darstellung einer Harpyie, Flügel offen gelegt

Eine Harpyie ([harˈpyːjə]) ist ein Fabelwesen der griechischen Mythologie.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Harpyien verkörpern den Wind. Sie waren die Töchter des Meerestitanen Thaumas und der Okeanide Elektra. Ihre Zahl schwankt je nach Überlieferung zwischen zwei und fünf. Namentlich treten auf:

  • Aello (Windbö, Sturm)
  • Ocypetes (die Stromschnelle, Schnellfüßige)
  • Podarge (leichte Flügel, Schnellfliegende)
  • Kelaino, Celaeno (Dunkle), die in der Aeneis erwähnt wird.

In den früheren Erzählungen der griechischen Mythologie werden sie als schöne Frauen mit langem, schwarzem Haar und Vogelflügeln beschrieben, später sind sie hässliche Dämonen. Die Harpyien wohnten in einer Höhle auf Kreta und mussten auf Geheiß des Zeus Seelen von Toten in den Tartarus tragen oder Leute töten, die seinen Zorn erregten.

Die Harpyien werden als schnell wie der Wind und als unverwundbar beschrieben. Trotzdem wird erzählt, dass Podarge von Herakles getötet wurde: Die Harpyien sollten den blinden König Phineus quälen, indem sie ihm das Essen aus dem Mund raubten. Sie ließen ihm allerdings immer gerade genug, um zu überleben. Die Argonauten vertrieben darauf die Harpyien mit Hilfe der Söhne des Nordwindes Boreas. Podarge wurde dabei von einem Pfeil getroffen.

Die Schwester der Harpyien war Iris, die Göttin des Regenbogens, Gattin des Westwindes Zephir. Zephir zeugte mit Podarge die Pferde des Achilleus, die somit mit diesem verwandt sind, da Achills Mutter Thetis die Mutter der Okeanide Elektra war.

In der Aeneis des römischen Dichters Vergil finden sich Harpyien im 3. Buch auf den Strophaden, einer Inselgruppe im Westen der Peloponnes. Sie haben dort vor ständigem Hunger bleiche Gesichter und beschmutzen die Opfermahlzeiten des Aeneas und seiner Mannschaft mit ihren Ausscheidungen. Aeneas begegnet Harpyien auch in den Vorhallen der Unterwelt im 6. Buch, wo sie neben Gorgonen und Kentauren hausen.

Harpyien in der Literatur

Harpyie, Gravur von 1660

Im Kinderbuch Ronja Räubertochter der schwedischen Schriftstellerin Astrid Lindgren werden die „Wilddruden“ (auch „Grausedruden“) als harpyienähnliche Wesen beschrieben. In der Verfilmung des Buches wird dieser Aspekt deutlich herausgearbeitet: Dort sind diese Druden als eindeutig weibliche Mischwesen mit langen Haaren, Schnabel, Flügeln und Krallen zu sehen.

In der Trilogie His Dark Materials von Philip Pullman bewachen Harpyien die Toteninsel Ödnis. Sie sind bösartig und lassen die Geister der Toten nicht zur Ruhe kommen; sie können in das Innere der Geister sehen und erkennen Lügen. Später verlieren sie ihre Bösartigkeit und führen die Geister durch das Totenreich in eine andere Welt – vorausgesetzt, die Geister schenken ihnen ihre wahre Lebensgeschichte.

Die Harpyie Celaeno erscheint auch im Fantasyklassiker Das letzte Einhorn von Peter S. Beagle als Gefangene der Hexe Mommy Fortuna, die sie in ihrem fahrenden Zirkus dem Publikum präsentiert. Letztlich vom Einhorn befreit, tötet die Harpyie Mommy Fortuna und ihren Gehilfen Rukh.

In den Klippenland-Chroniken von Paul Stewart sind die Harpien eine Spezies räuberischer, humanoider Vogelwesen, die einen Sklavenmarkt betreiben. Sie werden als übergroße, gewalttätige Raubvögel dargestellt, die jedoch statt richtiger Flügel gefiederte Arme besitzen.

Siehe auch

Harpyie im Wappen des Landkreises Aurich

Literatur

  • Harald Gebhardt und Mario Ludwig: Von Drachen, Yetis und Vampiren – Fabeltieren auf der Spur. BLV-Verlag, München 2005, ISBN 3-405-16679-9.
  • Sieglinde Hartmann: Harpyie. Artikel in: U. Müller und W. Wunderlich (Hrsg.): Mittelalter Mythen. Band 2. St. Gallen 1999, S. 287-318.

Weblinks

  • Eintrag zu Harpyie bei theoi.com (engl., gesichtet April 2009)

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Aëllopus (Mythologie) — Aëllopus (Mythologie). Eine der furchtbaren Harpyen, Töchter des Thaumas und der Elektra, (s. d.) Sie gebar dem Boreas den Hengst Xanthus und die Stute Podarge, zwei windschnelle Rosse. –ch– …   Damen Conversations Lexikon

  • Aello — Podarke redirects here. For the polychaete worm genus, see Podarke (polychaete). Aello in Greek mythology was one of the Harpy sisters who would abduct people and torture them on their way to Tartarus. Her names are: Aello (Ἀελλώ), she of the… …   Wikipedia

  • Iris (mythology) — In Greek mythology, Iris (Ἴρις) is the personification of the rainbow and messenger of the gods. As the sun unites Earth and heaven, Iris links the gods to humanity. She travels with the speed of wind from one end of the world to the otherThe… …   Wikipedia

  • Aëllo — (die Sturmschnelle) u. Aëllŏpus (die Sturmfüßige), Namen zweier Harpyien, s.d …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Borĕas — (gr.), der Nordwind, eigentlich u. genauer der NNOWind, der über die Thracischen Gebirge nach Hellas kam u. heiteren Himmel u. Kälte brachte. Die Mythe nennt den B. einen Sohn des Asträos u. der Eos u. den Bruder des Notos, Zephyros u. Hesperos.… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Harpyien — (lat. Rapae), die Göttinnen des hinreißenden Sturmes. In der Ilias kommt nur eine H., Podarge, vor, welche in Stutengestalt von Zephyros Mutter der Rosse des Achilleus, Xanthos u. Balios, wurde; in der Odyssee kommen H. im Plural zuerst vor, wo… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Harpyen — Harpyen, myth., bei den griech. Dichtern die Göttinen der Stürme (Aellopus, Okypete, Podarge, Celäno) …   Herders Conversations-Lexikon

  • Acholoë — ACHOLOË, es, (⇒ Tab. IV.) eine von den Harpyien, wovon die beyden anderen Aëllopus und Ocypete sollen geheißen haben, von andern aber auch mehrern Theiles anders genannt werden. Hygin. Fab. 14 …   Gründliches mythologisches Lexikon

  • Alopie — ALOPIE, es, soll eine von den Harpyien seyn, die aber besser Aellopus genannt wird. Muncker. ad Hygin. Fab. 14. pag. 42 …   Gründliches mythologisches Lexikon

  • Harpýiae — HARPÝIAE, árum, Gr. Ἁρπύιαι, ῶν, (⇒ Tab. IV.) 1 §. Namen. Diesen haben sie von ἀρπῶμαι, ich gebrauche die Sichel, Voss. Theol. gent. l. III. c. 99. oder auch von ἁρπάζω, ich raube, welches denn wiederum von dem Ebräischen harabh, ich verheere mit …   Gründliches mythologisches Lexikon

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”