Aerodrome Beacon

Die (Lande- oder Anflug-)Befeuerung, auch Hindernis-, Dreh- oder (Code-)Leuchtfeuer, stellt weitgehend ortsfeste Licht- oder Funksignale zur Navigation in der Schifffahrt (v.a. Seefahrt) und in der Luftfahrt dar.

Ursprünglich waren Leuchtfeuer echte Feuer, später nutzte man elektrisch erzeugtes Licht. Heute werden vor allem in der Flugsicherung Funkfeuer verwendet.

Leuchtfeuer der Luftfahrt aus dem Jahre 1939

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Wurzeln finden sich in den Leuchtfeuern der Schifffahrt zur Markierung von Hafeneinfahrten, die der Orientierung dienten. Angefangen hat man mit Lichtsignalen auf Land (Landfeuer), später auch mit sogenannten Feuerschiffen, die mit offenem Feuer (Teer) oder Fackeln bestückt wurden. Noch heute finden sich entlang der Küste Leuchttürme, die zu diesem Zweck errichtet wurden.

Die Feuersicht, d.h. die Sichtweite leuchtender Objekte, ist auch am Tage etwa doppelt so weit, wie die unbeleuchteter Objekte. Durch die Befeuerung kann die Sichtweite, insbesondere bei trübem Wetter, verbessert werden. Die Entwicklung der Fresnellinse brachte den entscheidenden Durchbruch in der Effizienz der Lichtausbeute und verbesserte die Wirkung der Leuchttürme. Was sich in der Schifffahrt bewährte, wurde in ähnlicher Form auch in der Luftfahrt übernommen.

Befeuerung in der Schifffahrt

historisches Leuchtfeuer
Leuchtfeuer auf der Westmole in Warnemünde

Hauptsächlich werden Leuchtfeuer durch Leuchttürme ausgesendet; hierbei gibt es unterschiedliche Arten.

Leuchtfeuer

Die meisten bei Tag sichtbaren Seezeichen strahlen bei Dunkelheit oder schlechter Sicht Licht aus.

Nach ihrer navigatorischen Funktion werden unterschieden:

Die Leuchtfeuer sind so gestaltet, dass sie leicht voneinander unterschieden werden können. Dazu werden die Kennung, also die Blinkfolge und -geschwindigkeit und die Wiederkehr, sowie die Farbe des Feuers variiert.

Weitere kennzeichnende Größen sind die Tragweite und die Höhe des Leuchtfeuers über der Wasserfläche bzw. über Normalnull. Die Blinkfolge wird mit einer Otterblende erzeugt.

Die Kennzeichen jedes einzelnen Leuchtfeuers finden sich in den Seekarten und Leuchtfeuerverzeichnissen.

Tragweite und Sichtigkeit

Tragweite ist der Abstand, in dem ein Leuchtfeuer bei guter Sichtigkeit noch wahrnehmbar ist. Sie hängt von der Lichtstärke des Leuchtfeuers ab und wird für einen bestimmten Sichtigkeitsgrad der Luft in Seemeilen angegeben.

Sichtweite

Sichtweite ist der Abstand, in dem ein Leuchtfeuer aus einer bestimmten Augenhöhe eben noch am Horizont (Kimm) sichtbar ist, d.h. sobald es bei Annäherung erstmals über den Horizont erscheint. Sie hängt also von der Höhe des Leuchtfeuers und des Beobachters über dem Meeresspiegel ab und ist durch die Erdkrümmung bedingt. Die Tragweite eines Leuchtfeuers ist meist größer als seine Sichtweite. Deshalb kann man bei klarer Sicht den Widerschein des Leuchtfeuers am dunklen Himmel oder den Wolken oft schon außerhalb des Sichtweitenbereiches wahrnehmen, also bevor es in der Kimm auftaucht.

Abkürzungen

In den Seekarten sind die Eigenschaften eines Leuchtfeuers durch einheitliche Abkürzungen beschrieben:

International Deutsch Bedeutung Muster
F F. Festfeuer leuchtet ununterbrochen
OC Ubr. Unterbrochenes Feuer leuchtet lang mit kurzen Unterbrechungen
Iso Glt. Gleichtakt-Licht Licht und Pause gleich lang
Fl Blk. Blink leuchtet länger als 2 Sekunden, Pause noch länger
QFl Blz. Blitz leuchtet kürzer als 2 Sekunden, Pause länger
Blz.(3) 6s Blitz 3 Blitze, danach Pause, insgesamt 6 Sekunden
Blz.(3) 6s 22/18sm Blitz wie oben, das Feuer ist 22 m über Meeresspiegel und leuchtet 18 Seemeilen weit
Fkl. Funkellicht 60 mal pro Minute
SFkl. Schnelles Funkellicht 100-120 mal pro Minute
G gn. grün
R r. rot
Y gelb
W weiß

Befeuerung in der Luftfahrt

Auch in der Luftfahrt diente die Befeuerung anfänglich der Kennzeichnung der Flugplätze bei schlechtem Wetter. Anfänglich wurden Reisig-Feuer benutzt, später Öllampen. Mit dem Aufkommen von Nachtflugverbindungen wurden auch Streckenfeuer als Orientierungshilfe eingeführt. Diese wurden später durch Funkfeuer ersetzt.

Hindernis-Befeuerung

Durch die Einführung von Linienflügen war eine größere Unabhängigkeit von den Wettereinflüssen, insbesondere der Sichtverhältnisse, erforderlich. Luftfahrthindernisse in Flugplatznähe wurden mit Warnanstrichen und roten Lampen als Hindernis-Befeuerungen (OBSL = Obstruction Lights) versehen. Heute werden Luftfahrthindernisse durch verschiedene Typen von Feuern abhängig von der Größe und Lage der Objekte befeuert. Generell soll die Kontur eines Objektes befeuert werden. Der Einsatz wird durch die ICAO (International Civil Aviation Organisation) bzw. die jeweiligen nationalen Richtlinien geregelt. Die ICAO definiert hauptsächlich 6 Typen:

LED Hindernisfeuer Low Intensity Type A
  • Low Intensity Obstacle Light, Type A (10 Cd rot, permanent leuchtend) als Nachtbefeuerung
  • Low Intensity Obstacle Light, Type B (32 Cd rot, permanent leuchtend) als Nachtbefeuerung
  • Medium Intensity Obstacle Light, Type A (20.000 Cd weiß blitzend) als Tagbefeuerung
  • Medium Intensity Obstacle Light, Type B (2.000 Cd rot blitzend) als Nachtbefeuerung
  • High Intensity Obstacle Light, Type A (200.000 Cd weiß blitzend) als Tag-/Nachtbefeuerung
  • High Intensity Obstacle Light, Type B (100.000 Cd weiß blitzend) als Tag-/Nachtbefeuerung

In Deutschland werden in der Regel davon nur Low Intensity Type A unter dem Namen Hindernisfeuer und bei höheren Objekten Medium Intensity Obstacle Lights als Mittelleistungsgefahrenfeuer eingesetzt. Eine Ausnahme bilden die Windenergieanlagen, hier darf eine Leuchte "W, rot" mit einer Intensität von 170 Cd als Nachtbefeuerung eingesetzt werden. Diese Leuchte hat einen charakteristischen Blinkcode (1 s an – 0,5 s aus – 1 s an – 1,5 s aus). Kommen bei Windenergieanlagen Mittelleistungsgefahrfeuersysteme zum Einsatz, so dürfen diese bei Sichtweiten von mehr als 5 km auf 30 % der Nennintensität reduziert werden, bei mehr als 10 km auf 10 %. Alternativ können Windenergieanlagen auch an den Blattspitzen befeuert werden (Blattspitzenhindernisfeuer). Dabei wird immer das höchste Blatt beleuchtet und muss in einem Bereich von +/-60° von der Senkrechten eingeschaltet sein. Dieses Verfahren ist jedoch sehr aufwändig aufgrund der Gefahr des Blitzeinschlags in den Rotorblättern und wird wegen Problemen mit der Anwohnerakzeptanz gemieden.

Es gab und gibt auch einige besondere Hindernisbefeuerungsanlagen, die nicht dem oben genannten Schema entsprechen oder über dieses hinausgehen. So besitzt der Stuttgarter Fernsehturm über der Aussichtsplattform 3 rotierende Xenon-Hochdruckscheinwerfer, die in ihrer Bauweise den auf Leuchttürmen verwendeten Scheinwerfern ähneln. Sie werden zusammen mit den Hindernis- und Gefahrenfeuern des Turms ein- und ausgeschaltet. Bei manchen abgespannten Sendemasten (Sender Mühlacker, Sendemast Konstantynow) wurden am Rand des Spannfeldes der Pardunen ebenfalls Flugsicherheitslampen montiert. Die Flugsicherheitsbefeuerung des einstigen Sendemasten des Deutschlandsender III erfolgte über Skybeamer.

Rollweg-/Rollfeld-Begrenzungsleuchte

Landebahn-Befeuerung

In vielen Start- und Landebahnen sind sowohl seitlich sowie in der Mitte Befeuerungsanlagen zur Orientierung der Piloten eingebracht. Die seitliche Befeuerung wird als Start- und Landebahn-Rand-Befeuerung (RL = Runway Edge Lights), die mittlere als Start- und Landebahn-Mittellinien-Befeuerung (RCLL = Runway Centre Line Lights) bezeichnet. Letztere ist nur vorhanden, wenn die Bahn eine Mindestbreite aufweist und wird mit Unterflur-Lampen realisiert. Auch für die Randbefeuerung kommen zunehmend Unterflur-Lampen zum Einsatz. Die Rand- und Mittellinienbefeuerung ist in Start- bzw. Landerichtung anfänglich weiß, dann rot/weiß im Wechsel und vor dem Ende nur noch rot (Warnung vor dem nahenden Ende).

An den beiden Enden der Landebahn befindet sich jeweils die Endbefeuerung (REL = Runway End lights) in Rot. Beim Landeanflug ist die anzufliegende Schwelle (was nicht automatisch den Bahnanfang bedeuten muss) grün. Der Pilot sieht also immer, egal von welcher Seite er anfliegt, am Anfang eine grüne Befeuerung und am Ende eine rote. Bei versetzten Schwellen wird zusätzlich eine Außenkettenbefeuerung eingesetzt, ausgehend von der Randbefeuerung mindestens 5 Feuer über 10 m beidseits der Start- und Landebahn. Bei Präzisionslandebahnen müssen beidseits der Schwelle Blitzfeuer (2 Blitze pro Sekunde) in weiß eingesetzt werden.

Die Verwendung von Richtungsstrahlern verbessert die Lichtausbeute und gestattet das Ausstrahlen von unterschiedlichen Farben in entgegengesetzte Richtungen, verringert jedoch die Sichtbarkeit von der Seite. Auf Verkehrslandeplätzen mit hohem Verkehrsaufkommen sind häufig Landebahnrandbefeuerungen mit mittlerer Intensität (MRL = Medium Intensity Runway Edge Lights) vorhanden. Pistenrandbefeuerungen mit hoher Intensität (HRL = High Intensity Runway Edge Lights) werden zur Verbesserung der Sichtbarkeit auf Flughäfen installiert. Für gelegentliche Nachtflüge genügt hingegen eine Landebahnrandbefeuerung mit niedriger Intensität (LRL = Low Intensity Runway Edge Lights).

Anflugbefeuerung

Das Anflugbefeuerungssystem (ALS = Approach Lighting System) dient dem Abschätzen von Höhe, Richtung und Versatz während des Landeanfluges bzw. beim Übergang vom Instrumentenanflug zum Sichtanflug.

Typen von Anflug-Befeuerungen:

  • MALSF
  • SSALR
  • ALSF-1
  • ALSF-2

Indikatoren für den Gleitwinkel

Auch bei einem Anflug auf einen Flughafen oder Flugzeugträger, wird dem Piloten mittels Befeuerung (Lampen) signalisiert, ob er sich zu hoch, zu niedrig oder im korrekten Anflugkorridor befindet. Zu diesem Zweck gibt es die Systeme:

  • VASI oder VASIS = Gleitwinkelbefeuerung (Visual Approach Slope Indicator System)
  • PAPI oder PAPIS = Präzisions-Anflugwinkel-Befeuerung (Precision Approach Path Indicator System)

Codeleuchtfeuer

Das Codeleuchtfeuer sendet per Lichtzeichen die Kennbuchstaben des Flugplatzes. Für Militärflugplätze des Warschauer Pakts waren das zwei Zeichen im Morsecode, in der Nebenanflugrichtung in der umgekehrten Reihenfolge.

Weitere Befeuerungen

  • ABN = Flugplatzleuchtfeuer (Aerodrome Beacon): Ein Flugplatzleuchtfeuer ist an jedem Flugplatz vorzusehen, der nachts benutzt werden soll. Es ist auf dem Flugplatz oder in seiner Nähe aufzustellen. Das Flugplatzleuchtfeuer strahlt weißes Licht mit einer Lichtstärke von mindestens 20.000 cd ab. Die Anzahl der Lichtabstrahlungen (blinken oder blitzen) soll zwischen 20 und 30 pro Minute betragen.
  • PAL/PCL = Pilotenseitig aktivierte Befeuerung (Pilot Activated Lighting/Pilot Controlled Lighting); bei mindestens 2 Sekunden lang gedrückter Mikrofon-Taste des Funkgerätes wird die Befeuerung für etwa 30 Minuten aktiviert
  • TWYL = Rollbahnbefeuerung (Taxiway Lights); blaue Randfeuer (TXE=Taxiway-Edge) und grüne Mittellienienfeuer (TXC=Taxiway-Centerline). Rollbahnrandfeuer sind rundstrahlende Feuer in Ober- oder Unterflurbauweise. Rollbahnmittellinienfeuer hingegen sind gerichtete Feuer in Unterflurbauweise. Unterflurfeuer können von Luftfahrzeugen überrollt werden.
  • Befeuerung des Windsackes

Sonstiges

Markierungen und Befeuerungen für die Luftfahrt werden grundsätzlich im Anhang 14 der ICAO festgelegt. In Deutschland kommen die Gemeinsamen Grundsätze des Bundes und der Länder über die Markierung und Befeuerung von Flugplätzen mit Instrumentenflugverkehr zum Tragen. Je nach Genehmigung des Platzes ist eine entsprechende Befeuerung anzubringen. Das geht über Nachtbetrieb, Nichtpräzisionsanflüge bis hin zu Präzisionsanflüge (CAT I/II/III).

Literatur

  • Adolf Miethe: Bauingenieurwesen, Küstenbefeuerung, Luftbilderkundung. (= Die Technik im zwanzigsten Jahrhundert; Band 5). Westermann, Braunschweig 1920 (Digitalisat)
  • Vorschrift der Luftwaffe: L.Dv. 85/4 - Leuchtfeuerverzeichnis - Teil 4: Adriatisches Meer, Ostwärtiges Mittelmeer, Ägäisches Meer, Schwarzes Meer und Asowsches Meer - 1940

Weblinks


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