Aeronautisches Observatorium Lindenberg

Das Meteorologische Observatorium Lindenberg ist eine Einrichtung des Deutschen Wetterdienstes mit dem Themenschwerpunkt der Erforschung der Erdatmosphäre in Lindenberg (bei Beeskow).

Meteorologisches Observatorium Lindenberg

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das Königlich-Preußische Aeronautische Observatorium wurde am 16. Oktober 1905 von Kaiser Wilhelm II. in eigener Person eingeweiht. Das Observatorium war die Nachfolgeeinrichtung des Aeronautischen Observatoriums in Berlin-Reinickendorf, das von 1900 bis 1905 arbeitete, allerdings aus Sicherheitsgründen (Gefährdung des Verkehrs und der Hochspannungsleitungen) nach Lindenberg verlegt wurde. Beide Observatorien wurden von Richard Aßmann ins Leben gerufen. Er wählte Lindenberg, weil ihn die Abwesenheit zivilatorischer Einrichtungen in der Landschaft zwischen Storkow und Beeskow beeindruckte.

Seit der 100-Jahr-Feier vom 16. Oktober 2005 trägt es nun den Namen seines Begründers: Richard-Aßmann-Observatorium.

Windenhaus und Strahlungszentrale

1905-1914

Direktor: Richard Aßmann

  • 1907 wurde das erste Netz aerologischer Stationen mit 5 Pilotierstellen in Deutschland geschaffen
  • Bis 1910 wurde durch Otto Tetens am Observatorium der Pilotballon entwickelt, der heute noch weltweit als Mittel zur Bestimmung des Höhenwindes benutzt wird. Hierzu schreibt Otto Tetens in seinem Aufsatz "Gummipilotballons" (in: "Ergebnisse der Arbeiten des Königlich Preußischen Aeronautischen Observatoriums bei Lindenberg", Band VI, 1911, Seiten 191 bis 206), "...der im Jahre 1901 von Herrn Geheimrat Assmann erfundene Gummipilotballon..."!
  • 1910 wurde ein Warnungsdienst für Luftfahrer eingerichtet und war damit der erste Flugwetterdienst der Welt. 1913 wurden dafür erste Sendestationen für die Übertragung der Wettermeldungen errichtet.
  • Es wurden Geräte zur Messung der Ionisation, der Leitfähigkeit, Staubsammler, Kompensationspyrheliometer und ein Radioaktivitätsmessgerät konstruiert und erstmalig in der freien Atmosphäre eingesetzt. Der Aufstiegsbetrieb von Drachen, Fesselballonen und Registrierballonen lief im Routinebetrieb.

1914-1932

Direktor: Hugo Hergesell

  • Entwicklung von Strahlungsmessgeräten durch Robitzsch, Feuchtemessgeräten durch Stüve
  • Untersuchung der Radiowellenausbereitung
  • ab 1919 Erarbeitung einer täglichen Wetterprognose
  • 1926 Ozonmessungen in der freien Atmosphäre
  • meteorologische Sicherung des Luftverkehrs (Flugwetterberatung), stündliche Ausstrahlung über einen 5 kW Sender direkt an die Piloten
  • 1929 erste Untersuchungen zur UKW-Ausbreitung
  • 1930 erste Radiosonde, entwickelt durch Duckert, übermittelte drahtlos Messdaten zur Bodenstation
  • meteorologische Wetterflüge mit speziell ausgerüsteten Flugzeugen
  • 1932 legte Hergesell das Direktorat nieder, das Observatorium verlor damit seine Selbstständigkeit und wurde eine Abteilung des Preußischen Meteorologischen Institutes in Berlin

1932-1945

Direktoren: Heinrich von Ficker (bis 1934), Wilhelm Marten (bis 1935), Harald Koschmieder (bis 1942), Eitel Friedrich Herath (bis 1945), W.A. Belinski (1945), Kurt Wittig (1945)

  • ab 1935 gehörte das Observatorium zum Reichswetterdienst und damit zum Luftfahrtministerium
  • 1936 Rekonstruktion der Gebäude
  • ab 1938 Eichzentrale aller in Deutschland gestarteten Radiosonden
  • Entwicklung eines großen Fesselballons für die Luftabwehr im Auftrag des Heereswaffenamtes
  • Untersuchung von Gewitterwolken
  • Empfang und Ausstrahlung aller meteorologischen Meldungen aus den okkupierten Gebieten (5 Antennenmaste von 90m Höhe wurden dazu errichtet)

1946-1950

Direktoren: Paul Beelitz (bis 1949), Max Robitzsch (1950)

  • in den Nachkriegstagen war im Observatorium vorübergehend ein Lazarett, ein Flüchtlingslager und ein Seuchenkrankenhaus untergebracht
  • Observatorium wurde durch den Hydrometeorologischen Dienst der UdSSR wieder in Betrieb genommen
  • ab Januar 1946 wieder routinemäßige Aufstiege von Pilotballons
  • bis 1946 "Observatorium Lindenberg", ab 1947 "Aerologisches Observatorium Lindenberg"
  • Entwicklung der Freiberg-Sonde und des Radiotheodoliten
  • Zentrale des aerologischen Messdienstes auf dem Territorium der DDR

1950-1969

Direktor: Paul Dubois

  • Abtrennung der Radiosonden-Hauptstelle nach Berlin (1950)
  • bis 1960 Betrieb einer mikroaerologischen Station an den alten Sendemasten
  • Untersuchungen zu Ausbereitungsbedingungen elektromagnetischer Wellen
  • ab 1960 Aufbau einer Abteilung 'Sichtforschung' unter Mücket, Entwicklung von Messgeräten zur Messung und Registrierung atmosphärischer Trübungsfaktoren
  • 1952-1956 verstärkt Fesselaufstiege unter Dubois, 1960-1962 Einsatz von Driftballonen
  • 1955 Entwicklung der Lindenberger Mehrkanalsonde durch Rink, die allerdings nicht in die Messpraxis überführt wurde
  • 1957-1959 Konstruktion eines Höhenwindradars, das keine ständige Verwendung fand
  • 1958 Einsatz der 70 cm Wellenlänge in die Routine der Radiosondenaufstiegstechnik durch Görsdorf, Bau von Radiothedoliten für DDR-Aufstiegsstellen
  • Weiterentwicklung der Radiosondenmesstechnik in Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Einrichtungen der Sowjetunion

1969-1990

Direktor: Peter Glöde

  • Entwicklung von Messfühlern, Sendern und Fallschirmen für Raketensonden
  • Entwicklung von Software zur direkten Auswertung von Radiosondenaufstiegen durch Asseng und Dier
  • vollständige Automatisierung der Radiosondenmessung
  • Mitwirkung bei der Entwicklung von Wettersatelliten-Empfangsanlagen, Bau einer 17cm Empfangsanlage für die Potsdamer Zentrale Wetterdienststelle
  • Aufbau eines Elektronik-Labores unter Steinhagen
  • Entwicklung der Korrekturalgorithmen für Aufnahmen der Erdoberfläche von Satelliten aus
  • systematische Messung der optischen Dicke der Atmosphäre durch Leiterer und Weller
  • Entwicklung der Sender und Temperaturgeber der Dartsonde (auf ballistischen Raketen) durch Stolte und Schulz
  • Aufbau einer Forschungsstation in Zingst für Raketenstarts (erster Start Oktober 1989)
  • Erprobung und Aufbau eines SODAR-Netzes

seit 1990

Direktoren: Ulrich Leiterer (1990), Jochen Schwirner (1991), Joachim Neisser (bis 2004), Franz H. Berger (ab 2004)

  • Anwendung und Bewertung neuer Methoden der Vertikalsondierung der Atmosphäre und ihre Vorbereitung für den operationellen Einsatz
  • Erfassung von Zustands- und Prozessgrößen an der Erdoberfläche und innerhalb der Atmosphärischen Grenzschicht sowie deren Interpretation und Bereitstellung für numerische Modellrechnungen und zur Validierung von Satellitendaten
  • Langzeitüberwachung der Atmosphäre unter Einsatz aller Messeinrichtungen des Observatoriums; Betrieb des "Gemeinsamen Messfeldes" in Falkenberg
  • Messung und Auswertung der Global- und Himmelsstrahlung in verschiedenen Wellenlängenbereichen
  • Messung des Gesamt-Ozongehaltes über Lindenberg

Außenstellen

Die Außenstelle des Richard-Aßmann-Observatorium liegt in Tauche-Falkenberg.

Sie dient zur Überwachung der Bodentemperatur, Windrichtung, des Luftdrucks und zahlreicher anderer meteorologischer Parameter. Das Richard-Aßmann-Observatorium verfügt hierfür über einen 99 und einen 10 Meter hohen Meßmast, die beide in Form abgespannter Stahlfachwerkkonstruktionen ausgeführt wurden.

Weblinks

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