Dreifaltigkeitskirche (Berlin)
Dreifaltigkeitskirche (1930)
Dreifaltigkeitskirche (1931)
Ansicht der Mauerstraße mit der Dreifaltigkeitskirche, um 1780

Die Dreifaltigkeitskirche war eine evangelische Kirche in der Friedrichstadt. Heute gehört dieser Teil der Friedrichstadt zum Ortsteil Mitte im Bezirk Mitte von Berlin.

Inhaltsverzeichnis

Lage und Umgebung

Die Kirche befand sich an der Kreuzung Mauerstraße, Kanonierstraße (heute Glinkastraße) und Mohrenstraße in 10117 Berlin. Drei als Wohn- und Gemeindehäuser genutzte Pfarrhäuser wurden im Bereich Glinkastraße/Taubenstraße errichtet und sind zum Teil heute noch erhalten (Glinkastraße 16 und Taubenstraße 3.[1]. Ein ähnlicher Kirchenbau, die 1737 geweihte Böhmische Bethlehems-Kirche befand sich in unmittelbarer Nähe (Bethlehemkirchplatz).

Baugeschichte

Durch die von König Friedrich Wilhelm I. veranlasste Stadterweiterung wurden auch neue Kirchenbauten notwendig. Im August 1737 erfolgte die Grundsteinlegung für die vom neu ernannten Oberlandbaumeister Titus de Favre geplante Dreifaltigkeitskirche. Der unter Beteiligung des Hofmaurermeisters Christian August Naumann errichtete Bau wurde am 30. August 1739 geweiht. Die Dreifaltigkeitskirche war für etwa einhundert Jahre der letzte protestantische Kirchenbau in Berlin. Eine Taufkapelle sowie eine Vorhalle mit Sakristeianbau entstanden 1885 bis 1886 nach Plänen der Architekten Vohl und Friedrich Schulze. Im Zweiten Weltkrieg, im November 1943, wurde die Dreifaltigkeitskirche bei einem Luftangriff zerstört. Ihre Ruine, in der zunächst ein Bunker für die NSDAP-Gauleitung Platz fand, wurde nach Kriegsende abgetragen.

Außengestaltung

Die Dreifaltigkeitskirche war ein Rundbau mit vier kurzen Vorsprüngen, durch die eine Kreuzform angedeutet wurde. Der barocke Sakralbau hatte ein Kuppeldach über einem Zentralbau von 22 Metern Durchmesser. Die mit Ziegeln gedeckte Holzkuppel war mit einer achteckigen Laterne versehen, die als Glockenturm diente.

Innengestaltung

Der Kirchensaal war zunächst von drei Emporen umgeben. An der Ostseite befanden sich übereinander angeordnet Altar, Kanzel und Orgel. Die hölzerne Kuppel zeigte als Bildschmuck Darstellungen der Evangelisten Markus, Matthäus, Lukas und Johannes. Die oberste Empore wurde bei einem Umbau durch den Baumeister Adolf Lohse 1864 entfernt.

Sonstiges

Johann Julius Hecker, der erste Pfarrer der Dreifaltigkeitskirche

Erster Pfarrer der Dreifaltigkeitskirche wurde auf Anordnung von König Friedrich Wilhelm I. der Pädagoge und Theologe Julius Hecker. Das Kirchengebäude wurde 1806 während der Besetzung Berlins durch Napoleon zeitweise als Kaserne genutzt. In der Dreifaltigkeitskirche predigte der Theologe Friedrich Schleiermacher von 1809 bis 1834. Er konfirmierte zu Ostern 1831 den späteren Reichskanzler Otto von Bismarck. Hermann von Dryander war von 1882 bis 1898 Pfarrer. Paul von Hindenburg nutzte die Kirche zur Sonntagsandacht. Dietrich Bonhoeffer predigte in seiner Zeit als Privatdozent und Studentenseelsorger an der TU Berlin 1932-1933 in den akademischen Gottesdiensten der Dreifaltigkeitskirche. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden Gemeindegottesdienste noch zumindest bis Ende der 1970er Jahre im Gemeindehaus in der Wilhelmstraße 115 statt.

Zur Kirche gehörten die heute immer noch bewirtschafteten Friedhöfe Dreifaltigkeitskirchhof I und Dreifaltigkeitskirchhof II, beide in Kreuzberg, sowie der Dreifaltigkeitskirchhof III in Berlin-Mariendorf.

Literatur

  • Rudolf Herz: Berliner Barock. Bauten und Baumeister aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Deutsche Verlagsgesellschaft für Politik und Geschichte M. B. H., Berlin 1928
  • W. Boeck, H. Richartz: Alte Berliner Kirchen. Atlantis-Verlag, Berlin 1937, S. 82
  • Günther Kühne, Elisabeth Stephani: Evangelische Kirchen in Berlin. Christlicher Zeitschriftenverlag, Berlin 1978, ISBN 3-7674-0158-4, S. 377.

Einzelnachweis

  1. Eintrag in der Berliner Landesdenkmalliste

Weblinks

 Commons: Dreifaltigkeitskirche (Berlin) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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