Dreschen

Dreschen
Grabkammer des Menna, Ackerschreiber des Königs, Szene: Dreschen von Getreide (Ägypten, um 1422-1411 v. Chr.)
Die Irreler Bauertradition zeigt das Flegeldreschen im Freilichtmuseum Roscheider Hof

Dreschen bezeichnet das Herauslösen der Getreidekörner aus den Ähren. Aus dem dabei entstehenden Gemisch aus Stroh, Spreu und Körnern wird zuerst das Stroh (Lang- und Kurzstroh) abgesiebt, danach werden Spreu und Körner getrennt.

Ähnlich verläuft das Ausdreschen der Samen von Hülsenfrüchtlern von den Hülsen, unter anderem durch Ausreiten, wie es heute zum Beispiel noch in Portugal und in der Türkei praktiziert wird. Hierzu zieht ein Pferd ein Gewicht über das Getreide.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Seit der frühesten Getreideverarbeitung im Neolithikum stellt sich die Frage nach den Geräten zum Ausdreschen.[1][2] Das einfachste Hilfsmittel ist der Dreschstock.[3] Dreschstöcke sind erstmals in der Siedlung von Egolzwil 3 zur Zeit der Egolzwiler Kultur (um 4200 v. Chr.) belegt.[4]

Der Dreschflegel ist demgegenüber eine Verbesserung hinsichtlich des Kraftaufwandes, da die Rotation des Flegels mit weniger Kraft zu bewerkstelligen ist als das Schlagen mit einem Dreschstock. Dreschflegel sind bereits im Alten Reich Ägyptens nachgewiesen, unter anderem als Attribut der Fruchtbarkeit auf Abbildungen des Osiris.

Der Dreschblock (auch Dreschwalze genannt) vereinfacht die Arbeit weiter. Er ist eine konische Walze, die von einem Pferd im Kreis über das Getreide gezogen wird. Ein solches Gerät wird im Museumsdorf Cloppenburg gezeigt und erläutert.[5]

Auch der Dreschschlitten ist ein sehr altes Gerät, das sich archäologisch durch die eingesetzten Kratzer aus Feuerstein belegen lässt. Die ältesten Abbildungen von Dreschschlitten stammen aus Uruk (4. Jahrtausend v. Chr.). In der Neuzeit wurden diese Geräte durch Dreschmaschinen ersetzt, was letztlich zur Entwicklung des mobilen Mähdreschers führte.

Umgangssprache

Umgangssprachlich wird der Begriff für schlagen wie zum Beispiel Bälle dreschen oder Kinder verdreschen und in bestimmten feststehenden Formulierungen wie Phrasen dreschen verwendet.

Literatur

  • Alfons Eggert: Dreschen. Eine kleine Geschichte des Getreidedrusches. Ardey, Münster 1997, ISBN 3-87023-086-X
  • Hermann Kaiser: Flegel – Göpel – Dreschmaschinen. Wie Schwerarbeit erleichtert wurde und Arbeitsplätze verloren gingen. (= Materialien & Studien zur Alltagsgeschichte und Volkskultur Niedersachsens; Heft 28). Museumsdorf Cloppenburg, Cloppenburg 1997, ISBN 3-923675-66-6
  • Johann Georg Krünitz: Die Dreschkunst sowohl älterer als neuerer Zeiten, mechanisch beschrieben und öconomisch betrachtet. Pauli, Berlin 1776 (Digitalisat)
  • Meurers-Balke, J., Lüning, J.: Experimente zur Verarbeitung von Spelzgetreide. Experimentelle Archäologie in Deutschland. Archäologische Mitteilungen aus Nordwestdeutschland, Beiheft 4, 1990, S. 93-112.

Einzelnachweise

  1. J. Meurers-Balke 1985: Experimente zum Anbau und zur Verarbeitung prähistorischer Getreidearten. Archäologische Informationen 8, S. 8-17.
  2. J. Meurers-Balke, Jens Lüning 1990: Experimente zur frühen Landwirtschaft. Ein Überblick über die Kölner Versuche in den Jahren 1978-1986. Experimentelle Archäologie in Deutschland. Archäologische Mitteilungen aus Nordwestdeutschland, Beiheft 4, S. 82-92.
  3. Christmann, E. 1985: Wiedergewinnung antiker Bauerngeräte. Philologisches und Sachliches zum Trierer und zum rätischen Dreschsparren sowie zum römischen Dreschstock. In: Trierer Zeitschrift 48, S. 139-155
  4. Jens Lüning: Die Bandkeramiker. Erste Steinzeitbauern in Deutschland. Bilder einer Ausstellung beim Hessentag in Heppenheim / Bergstraße im Juni 2004. 2005, S. 89
  5. Eine Zeichnung eines Dreschblocks findet sich auch auf der Internetseite "Dreschen und Reinigen". Dort wird diese Erfindung dem Mühlenbauer Andrew Meikle zugeordnet.

Weblinks

 Commons: Dreschen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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  • Dreschen — 1. Eers diesket me, dann wannet me. (Attendorn.) – Firmenich, I, 356, 7. Erst drischt man, dann wannet man. 2. Erst muss man dreschen und alsdann das Stroh verbrennen. 3. Man muss dreschen, wenn zu dreschen ist. Der Russe sagt: Drisch, so lange… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon


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