Aeskulapium

Ein Asklepieion (in lateinischer Tradition Aeskulapium, nach Asklepios, dem altgriechischen Gott der Heilkunst) ist ein antikes griechisches Sanatorium. Etwa 300 dieser Heilstätten sind bekannt. Besondere Erwähnung verdienen insbesondere die Anlagen von Epidauros, von Trikka in Thessalien, das Asklepieion auf Kos sowie die Asklepieia von Messene und Pergamon.

Die Anlage in Epidauros ist die bedeutendste ihrer Art überhaupt, sie diente auch als Vorbild für den Bau auf Kos. Dem Asklepieion von Trikki kommt besondere Bedeutung zu, da der Kult um den Gott Asklepios, Sohn des Apollon und Schutzpatron der Heilkunst, in Thessalien seinen Ursprung hatte und von dort aus die gesamte antike griechische Welt eroberte. Die Anlage auf der Insel Kos verdankt ihre Bedeutung Hippokrates, dem wohl bedeutendsten Arzt der Antike, der auf Kos geboren wurde. Wahrscheinlich wurde die Heilstätte aber erst nach seinem Tod errichtet.

Asklepieion von Kos

Ruinen des Asklepieion

Das Asklepieion von Kos ist die mit Abstand bedeutendste archäologische Stätte auf der Insel. Das antike Sanatorium liegt knapp 4 km in südwestlicher Richtung, außerhalb der heutigen Inselhauptstadt auf einem von Zypressen bewaldeten Hügel, knapp 100 m über dem Meeresspiegel (36° 52′ 33″ N, 27° 15′ 25″ O36.87580227.2569947). Sie wurde 1902 nach Hinweisen des von Kos stammenden Historikers Iakovos Zaraftis von dem deutschen Archäologen Rudolf Herzog entdeckt und freigelegt. Die Ausgrabungen wurden bis 1904 fortgeführt.

Aufbau der Anlage

Da die Gebäude an einem Hang liegen, wurde das Asklepieion in mehreren Terrassen angelegt und die Ebenen über imposante, marmorne Freitreppen miteinander verbunden.

Die unterste Terrasse wurde von Säulenhallen gesäumt und stammt aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. An die Säulengänge angeschlossen waren Zimmer, wahrscheinlich Räumlichkeiten, in denen die Patienten während der Behandlungen wohnten. Eine im südlichen Teil dieser Ebene gefundene Inschrift erwähnt den von Kos stammenden Arzt Gaius Stertinius Xenophon, Leibarzt des römischen Kaisers Claudius. Interessanterweise fand man auf dieser Ebene auch zwei unterirdische Räume. Man geht davon aus, das diese besonderen Zimmer den Patienten mit Geschlechtskrankheiten und Lepra vorbehalten waren. Eine Gruppe von Gebäuden war dem Lehrbetrieb gewidmet und beherbergte die Medizinschule sowie ein anatomisches und pathologisches Museum, mit zahlreichen Exponaten, Illustrationen und Votivgaben. In den bogenförmigen Nischen, direkt unter der zweiten Ebene, sollen die Figuren verschiedener Götter gestanden haben.

Auf der mittleren Ebene, dem ältesten Teil der Anlage, die bis in das 4. Jahrhundert v. Chr. zurückdatiert wird, fand der medizinische Betrieb statt. Hier befinden sich neben den medizinischen Badeanlagen, gespeist u.a. aus einer Quelle am Berg Dikeos, mehrere Tempel im Ionischen Baustil, die dem Asklepios geweiht waren, sowie ein später gebauter Apollon-Tempel in korinthischer Ordnung.

Auf der dritten (obersten) Ebene befand sich ein großer Marmortempel im dorischen Baustil, eine exakte Kopie des entsprechenden Tempels in Epidauros, der Asklepios Kiparissios Apollo geweiht war. Ein hier gefundener christlicher Altar erinnert daran, dass der Tempel in byzantinischer Zeit als christliche Kirche diente und der Mutter Gottes geweiht war. Von der obersten Ebene führte eine Treppe weiter in einen heiligen Pinien- und Zypressenwald. Der Wald, dem Apollon geweiht war, verlieh angeblich allen dort lebenden Frauen die Unsterblichkeit und verhinderte, dass sie Kinder bekamen.

Literatur

  • Jürgen W. Riethmüller: Asklepios. Heiligtümer und Kulte. Verlag Archäologie und Geschichte, Heidelberg 2005 (2 Bände)

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