Afar-Dreieck
Lage des Afar-Dreiecks im Osten Afrikas

Das Afar-Dreieck (auch Afar-Senke oder Danakil-Senke genannt) ist eine ca. 150.000 Quadratkilometer große, dreieckige Tiefebene in Äthiopien (Region Afar), Eritrea und Dschibuti, die dem Ostafrikanischen Graben als dessen nördliches Ende zugerechnet wird. In seiner Nord-Süd-Ausdehnung hat das Afar-Dreieck etwa die Länge von 740 km, in seiner Ost-West-Ausdehnung die Länge von 480 km. Der Name ist vom dort lebenden Nomadenvolk der Afar oder Danakil abgeleitet.

Begrenzt wird das Afar-Dreieck vom Roten Meer, dem Somali-Hochland und dem Hochland von Äthiopien. Da das Gebiet im Lee des äthiopischen Hochlandes liegt, ist es ausgesprochen niederschlagsarm.

Inhaltsverzeichnis

Geologie

Satellitenaufnahme des Afar-Dreiecks

Aus geologischer Sicht ist das Afar-Dreieck einzigartig, denn dort treffen sich drei aktive Grabenbrüche: einer aus Nord-Nordwesten vom Roten Meer kommend; ein zweiter verläuft nach Nordosten zum Golf von Aden; und drittens beginnt hier der Richtung Süden verlaufende Ostafrikanische Graben. Alle drei Grabenbrüche sind noch aktiv, das heißt, hier dehnt sich die Erdkruste infolge der Kontinentaldrift, da die Erdplatten an den jeweiligen Flanken der Grabenbrüche auseinander streben.

Vulkanismus

In der Senke gibt es zahlreiche Vulkane wie den Erta Ale, Dallol, Borawli, Adwa, Afdera, Alayta, Alid, Dabbahu und Nabro.

Depression

Als Folge dieser Dehnung wird die Erdkruste erheblich dünner und sinkt daher ein. Im Afar-Dreieck ist diese Dehnung bereits seit 30 Millionen Jahren im Gange, und aufgrund dieser geologischen Aktivität liegen große Teile des Gebiets inzwischen bis zu 125 m unter dem Meeresspiegel, bilden also eine Depression, so z.B.

  • die Danakil-Depression (−110 m), Eritrea (vgl. Danakil-Somalia), nahe Karumsee
  • die Koba-Senke (−115m), Äthiopien, nahe Karumsee
  • sowie die u.g. Salzseen

Diverse Flüsse wie der Awash enden hier und bilden (Salz-)Seen wie den Abbe-See, Assalsee, Karumsee, Bakilisee und Afrerasee. Das Salz aus diesen Lagerstätten findet in Äthiopien traditionell auch als Zahlungsmittel (Amole) Verwendung.

Nach Berechnungen von Geologen ist weiterhin mit dem weiträumigen Absinken des Afar-Dreieck zu rechnen; die Senke wird demnach eines Tages vollständig mit Wasser aus dem Roten Meer gefüllt werden. Seit 2005 haben die geologischen Aktivitäten in der Region stark zugenommen. Gab es zuvor Bewegungen im Millimeterbereich, entstanden zuletzt Spalten im Meterbereich. Auch die vulkanische Aktivität nimmt ober- wie unterirdisch zu.[1]

Paläontologie

Das Afar-Dreieck wurde 1974 weltweit bekannt, nachdem Donald Johanson in Hadar das sehr gut erhaltene Fossil eines 3,18 Millionen Jahre alten, nach dieser Region benannten Australopithecus afarensis gefunden hatte, genannt „Lucy“. Aus dieser fossilen Art – oder einem engen Verwandten dieser Art – hat sich nach heutigem Stand der paläanthropologischen Forschung die Gattung Homo entwickelt, der auch alle modernen Menschen (Homo sapiens) zugeordnet werden. 1994 bis 1997 wurden ebenfalls im Gebiet Mittlerer Awash, nur wenige Kilometer von „Lucy“ entfernt, die Überreste von „Ardi“ geborgen, einem weitgehend erhaltenen Fossil von Ardipithecus ramidus. Dieser 4,4 Millionen Jahre alte Fund gilt als das bisher am besten erhaltene Fossil aus dem Formenkreis der frühesten Hominini. Aus Dikika stammt ferner das gut erhaltene Fossil DIK 1-1.

Die ältesten Steingeräte des afrikanischen Early Stone Age (Oldowan-Kultur) stammen von der Fundstelle Gona in der Nähe von Hadar; sie sind 2,6 bis 2,5 Millionen Jahre alt.[2] Im Jahr 2009 wurden bei Dikika 3,3 Millionen Jahre alte Kratz- und Schnittspuren von Steinwerkzeugen auf fossilen Tierknochen entdeckt, die unter anderem belegen, dass bereits Australopithecus afarensis Fleisch von Rippen- und Beinknochen kratzte.[3] Wegen dieser Vielzahl an Funden gilt das Afar-Dreieck als eine der Wiegen der Menschheit.

Die großflächige Afar-Senke weist Fossilien führende Sedimentfüllungen vom Miozän bis zum Holozän auf. Insgesamt sind die Fossilien führenden Schichten mehr als 1000 Meter dick. Die untersten Schichten wurden anhand vulkanischen Gesteins auf ein Alter von sechs Millionen Jahren datiert, in den obersten, 155.000 Jahre alten Schichten, wurden frühe Zeugnisse des archaischen Homo sapiens gefunden.[4]

Das Gebiet lag bereits wiederholt tiefer als heute und wurde durch Flüsse überschwemmt, danach aber jeweils wieder angehoben und fiel trocken. In den Sedimenten früherer Überflutungsflächen und Seen wurden große Mengen vorzeitlicher Fisch-, Schildkröten- und Krokodilreste gefunden. In Ablagerungen längst vergangener Flüsse wurden Knochen der Vorfahren von Elefanten, Flusspferden, Antilopen, Giraffen, Schweinen, Pferden, Nashörnern, Löwen, Hyänen und diverser Affenarten entdeckt - und immer wieder auch Überreste früher Vorfahren des modernen Menschen. Die Funde werden im Nationalmuseum von Äthiopien in Addis Abeba aufbewahrt und dort auch von internationalen Forscherteams wissenschaftlich ausgewertet.

Einzelnachweise

  1. Axel Bojanowski: Überraschende Ausbrüche - Vulkanisches Inferno schafft neuen Ozean in Afrika, Spiegel Online, 19. Januar 2011
  2. S. Semaw u. a.: 2.5-million-year-old stone tools from Gona, Ethiopia. In: Nature, Band 385, 1997, S. 333–336, doi:10.1038/385333a0
  3. Shannon P. McPherron u. a.: Evidence for stone-tool-assisted consumption of animal tissues before 3.39 million years ago at Dikika. In: Nature, Band 466, 2010, S. 857–860, doi:10.1038/nature09248
  4. Giday WoldeGabriel et. al.: The Geological, Isotopic, Botanical, Invertebrate, and Lower Vertebrate Surroundings of Ardipithecus ramidus. Science, Band 326, 2009, S. 65, doi:10.1126/science.1175817

Literatur

  • Ottmar Kullmer: Expeditionen ins Afar-Dreieck. Fossiliensuche unter äthiopischer Sonne. In: Natur und Museum. Die Senckenberg-Naturzeitschrift. (Band 135, Heft 3/4), Frankfurt am Main 2005, S. 58 - 67, ISSN-Nr. 0028-1301
  • Ian D. Bastow, Derek Keir: The protracted development of the continent–ocean transition in Afar. In: Nature Geoscience, Online-Vorabveröffentlichung vom 13. März 2011, doi:10.1038/ngeo1095

Weblinks

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