Affrizierung
Artikulationsarten
Pulmonal-egressive Laute
Nichtpulmonische Laute

Eine Affrikate (auch Affrikata, ein Affrikat; Pl.: Affrikaten, auch Affrikate) ist die Bezeichnung für eine enge Verbindung eines Plosivs (Verschlusslaut) mit einem homorganen Frikativ (Reibelaut) derart, dass die Plosion direkt in den Frikativ übergeht.

Inhaltsverzeichnis

Phonetik vs. Phonologie

In der Phonetik kann jeder Plosiv, der sich in einen homorganen Frikativ öffnet, als Affrikate bezeichnet werden. In der Phonologie hingegen gelten nur diejenigen Folgen aus Plosiv und homorganem Frikativ als Affrikate, die sich wie ein einziges Phonem verhalten. So gilt beispielsweise im Deutschen der Laut [ts] als Affrikate, da er eine ähnliche Distribution aufweist wie die Obstruenten: Er kann im Silbenanlaut auftreten (Zeh), vor Frikativen (zwei), als auch im Silbenreim/Coda (Hatz), ebenfalls auch nach Sonorant (Holz). In der englischen Phonologie hingegen gilt [ts] nicht als Affrikate, da es fast nur über die Morphem-Grenze hinweg auftreten kann (rats 'Ratten', gebildet aus den Morphemen rat und -s). Bisweilen herrscht Uneinigkeit, ob eine bestimmte Affrikate als Phonem gelten soll oder nicht.

Affrikate vs. Sequenz aus Plosiv und homorganem Frikativ

In einigen Sprachen unterscheiden sich Affrikaten von gewöhnlichen Sequenzen aus Plosiv und homorganem Frikativ, z. B. im Polnischen. Der Unterschied besteht darin, dass in der Sequenz aus Plosiv und Frikativ ersterer vollständig ausgesprochen wird, also mit eigener Plosion (bzw. release oder Lösung), bevor der Frikativ gebildet wird. Bei einer Affrikate hingegen fehlt eine Plosion, da die Lösung des plosivischen Teils direkt in den frikativischen Teil übergeht.

Beispiel: Polnisch czysta [ˈt͡ʃɨsta] 'saubere (f.)' vs. trzysta [ˈtʃɨsta] 'dreihundert'.

Notation

Nach dem Internationalen Phonetischen Alphabet werden Affrikaten mit einem Bogen über Plosiv und Frikativ dargestellt, z. B. /p͡f t͡s d͡ʒ/. Oft wird dieser Bogen jedoch einfach weggelassen, z. B. /pf ts dʒ/.

Für einige Affrikaten stehen spezielle Ligaturen zur Verfügung, nämlich /ʦ ʣ ʧ ʤ ʨ ʥ/.

Bisweilen werden auch andere Konventionen verwendet, so oft in der Dialektologie, z. B. /č c ǰ/ für /t͡ʃ t͡s d͡ʒ/.

Entstehung der Affrikaten /ts/, /pf/ und /kχ/ im Deutschen und seinen Dialekten

In der 2. oder hochdeutschen Lautverschiebung sind die germanischen Fortis-Plosive [t p k] unter bestimmten Bedingungen zu den Affrikaten /ts/, /pf/ und /kχ/ geworden. Sie hat jedoch nur die mittel- und süddeutschen Dialekte erfasst und ist auch nicht überall im gleichen Maß durchgeführt worden (/kχ/ hat sich im Standarddeutschen nicht durchsetzen können).

  • Im Anlaut, z. B. zwei, Pfad, tirolerisch Kchind (vgl. englisch two, path, kind). Aber nicht vor r, z. B. treu (vgl. englisch true).
  • In der Gemination, z. B. sitzen, Kupfer, tirolerisch oder alemannisch Stokch (vgl. englisch sit, copper, stock).
  • Nach Sonorant, z. B. Herz, Sumpf, tirolerisch oder alemannisch Dankch (vgl. englisch heart, swamp, thank).

Siehe auch


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