Afrika-Feldzug

Unter dem Begriff "Afrikafeldzug" (Begriff der NS-Propaganda) sind im deutschsprachigen Raum die militärischen Operationen der Achsenmächte gegen die Alliierten in Libyen, Ägypten und Tunesien während des Zweiten Weltkrieges im Zeitraum vom 13. September 1940 bis zum 13. Mai 1943 bekannt. Ziel des Feldzugs war die Erlangung der Vorherrschaft in Nordafrika.

Inhaltsverzeichnis

Ausgangslage

Afrika war für die Briten von fundamentaler Wichtigkeit. Nach dem Fall Frankreichs war nahezu ganz Europa von der Achse besetzt oder zumindest neutral. Folglich mussten die wenigen Verbündeten, die man überhaupt noch hatte, maßgeblich unterstützt werden. Mit Italiens Angriff auf Griechenland hatte man einen solchen Verbündeten gefunden; das Gelände in Griechenland wirkte geeignet (die deutschen Panzerverbände waren dort in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt) und so war die Beteiligung britischer Truppen sofort beschlossen. Dies hatte darüber hinaus auch psychologische Gründe: man hatte in England nicht länger das Gefühl, untätig auf der Insel zu harren. Wichtig für die Truppen in Griechenland war allerdings die Versorgungsbasis in Nordafrika, da man von dort (man war im östlichen Mittelmeer den italienischen Marineverbänden weit überlegen) schnell Nachschub schicken konnte. Ohne Nordafrika hätte man Konvois über Gibraltar fahren lassen müssen, was weitaus gefährlicher gewesen wäre und natürlich auch länger gedauert hätte. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass Großbritannien sehr bemüht war, die Italiener in Nordafrika zu schlagen. Dies gelang anfangs auch sehr gut – die Italiener waren schon weit zurück geworfen worden – und änderte sich erst mit dem Eintreffen eines neuen Kommandeurs auf deutsch-italienischer Seite: im Februar 1941 wurde (damals noch) Generalleutnant Rommel zum Chef des Deutschen Afrikakorps, welches die Italiener unterstützte. Außerdem war der Suez-Kanal eine der Hauptschlagadern des britischen Handels, da dies der schnellste Seeweg nach Indien, Australien und Neuseeland war.

Geographische Lage

Das Schlachtfeld war ein ungefähr tausend Kilometer langer Streifen am Mittelmeer. Gekämpft wurde in der Cyrenaika, im Westen markiert in Libyen durch die Befestigung El Agheila am Südufer der Große Syrte, im Osten durch die Grenz- und Hafenstadt Salum in Ägypten. Breit war der Streifen gerade einmal hundert Kilometer, im Norden war das Mittelmeer und im Süden lagen die Weiten der Wüste. Viele Besonderheiten des Wüstenkrieges erklären sich durch diese geographische Lage im Allgemeinen und durch topografische Gegebenheiten im Speziellen. Das Gelände war zumeist dürr und geröllhaltig. Dörfer und Städte gab es nur wenige, weswegen die traditionelle Kriegsführung hier keine Gültigkeit besaß: Geländegewinne waren deutlich weniger wichtig, zum Teil sogar immens gefährlich. Von Bedeutung war vielmehr die Entfernung zum Aufmarschgebiet. Das Klima forderte seinen Tribut und Auffrischungen von Material und Personal waren ständig nötig, während die wenigen parallel zur Küste führenden Nachschubwege sehr beschwerlich waren, weswegen das Operieren in Entfernung zur Basis noch schwieriger war als z. B. in Russland.

Vorgeschichte

Italien war zunächst „nichtkriegführendes“ Land geblieben. Als Deutschland dann so überraschend schnell Belgien, die Niederlande und Frankreich überwältigte, wollte Mussolini eilig noch seinen Anteil an der Beute haben. Am 10. Juni 1940 erklärte er dem schon weitgehend besiegten Frankreich den Krieg. Die italienischen Truppen griffen am 20. Juni an der Alpengrenze an, wurden aber von den erbitterten Franzosen trotz unterlegener Kräfte zurückgeschlagen. Nach der Kapitulation musste Frankreich jedoch auch Italien in den Waffenstillstand mit einbeziehen. Italien befand sich aber nun im Krieg. Neben Ungarn, Rumänien und Bulgarien hatte sich Hitler damit um einen weiteren Verbündeten zu kümmern. Bis auf seine – im Mittelmeer eingeschlossene – Flotte und einer mittelgroßen recht modernen Luftwaffe konnte aber auch Italien nur wenig schlagkräftige Truppen zur Unterstützung der Wehrmacht anbieten. Trotzdem meldete Mussolini dem geschlagenen Frankreich gegenüber Forderungen an, die in merkwürdigem Widerspruch zu den militärischen Leistungen dieses Achsenpartners standen. So wurde Mussolini erneut zur Sorge und Belastung der deutsch-französischen Beziehungen. Es wäre unmöglich gewesen, eine Verständigung mit Frankreich zu erreichen, solange Italien derart hohe Gebietsansprüche stellte, und dabei in erster Linie französisches Gebiet – an der französisch-italienischen Grenze und in Nordafrika – beanspruchte. Dabei sprach im Grunde alles gegen die italienischen Forderungen. Das militärisch zuerst weit überschätzte „faschistische“ Italien sollte bald nur noch Niederlagen erleiden: In Libyen, dem Somaliland und Eritrea, nachdem Abessinien ohnehin verloren war. Die Gefahr, dass ganz Nordafrika für die Achse verloren ging, war groß.

Hitler, der lange gezögert hatte, weil es ihm um „seinen“ Feldzug, den Krieg gegen die Sowjetunion, ging, stimmte schließlich der Aufstellung eines „Afrikakorps“ zu. General Erwin Rommel wurde mit der Führung dieser deutschen Unterstützungstruppen für die bedrängten Italiener beauftragt. Neben der Entsendung kostbarer Einheiten aus der kriegsentscheidenden Panzertruppe ins ferne Afrika hatte Hitler schließlich im Frühjahr 1941 auch noch auf dem Balkan einen Feldzug zu führen, um seinen Verbündeten vor dessen viertem Debakel zu bewahren sowie um die „weiche“ Flanke der Achse im Süden von Europa zu sichern. Italien hatte von Albanien aus in der Zwischenzeit Griechenland angegriffen, mit der Folge, dass die eigentlich unterlegene griechische Armee nicht nur die italienischen Truppen zum Stehen bringen, sondern auch auf albanisches Gebiet zurückschlagen konnte.

Italienische Truppen in Nordafrika

Der Nordafrikafeldzug begann 1940 mit einem Angriff der zahlenmäßig weit überlegenen Italiener unter der Führung von General Graziani von Libyen aus auf die britische Armee in Ägypten. Die vorsichtig vorrückenden Italiener machten zuerst einige Geländegewinne, errichteten dann aber befestigte Lager. Diese waren aber zu weit voneinander entfernt, als dass sie sich gegenseitig hätten unterstützen können. Dies nutzten die Engländer durch den Einsatz gepanzerter und motorisierter Verbände. Teile der italienischen Armee wurden geschickt umgangen, vom Nachschub abgeschnitten und somit zur Aufgabe gezwungen. Die restlichen italienischen Verbände flüchteten daraufhin westwärts.

Aufgrund der Gefahr durch die einbrechenden italienischen Linien in Libyen und dem damit drohenden Verlust des gesamten Landes und seines Kolonialgebietes an Großbritannien, ersuchte Benito Mussolini in Berlin um militärische Unterstützung durch den Achsenpartner Deutschland.

Adolf Hitler sah sich gezwungen, deutsche Truppen in diesen Konflikt einzubinden, um die Schwächung der Achse Berlin-Rom durch eine Niederlage Italiens gegen Großbritannien zu verhindern. Die damit verbundene Stärkung britischer Truppen und ihrer militärischen Stellung im Mittelmeerraum hätte unter Umständen eine britische Invasion in Italien und die Eröffnung einer neuen Front in Südeuropa möglich gemacht.

Erster Kommandeur der deutschen Truppen wurde Generalleutnant Erwin Rommel, der später den Spitznamen „Wüstenfuchs“ bekam.

Das Afrikakorps 1941

Erwin Rommel (li.) während einer Lagebesprechung in der nordafrikanischen Wüste 1942

Ursprünglich war das Afrikakorps als reiner Sperrverband konzipiert, dem die Aufgabe zugedacht war, die italienischen Gebiete in Nordafrika zu halten. Hitler befürchtete zu Recht, dass es den Briten gegebenenfalls gelingen könnte, Italien ganz aus Afrika zu vertreiben. Dies hätte nicht zuletzt ungute politische Folgen für Mussolini gehabt. Bereits hier zeigt sich, dass der Afrikakrieg seitens Hitler grundsätzlich als Prestigekrieg gesehen wurde, größere strategische Bedeutung wurde dem Schauplatz Afrika allerdings nicht beigemessen, die Entscheidung suchte Hitler im Osten. Das Afrikakorps stellte die ersten deutschen Bodentruppen in Afrika dar, die formal noch unter dem Kommando der Italiener standen. Allerdings wurden anfangs ausschließlich motorisierte und gepanzerte Verbände der Wehrmacht für den Wüstenkrieg ausgewählt. Neben diesen entsandte Hitler auch Flugzeuge, unter Kommando von Albert Kesselring, nach Afrika. Obwohl es hauptsächlich Jagdmaschinen waren, waren auch einige Bomber und Sturzkampfbomber und Transportmaschinen dabei. An Bodentruppen waren 1941 die 5. Leichte Division (die spätere 21. Panzerdivision), die 90. leichte Afrika-Division, sowie die 15. Panzerdivision im Einsatz.

Kriegsverlauf

1941

Vorstoß des Afrikakorps nach Ägypten bis zum 25. April 1941

Am 11. Februar 1941 landeten die ersten deutschen Truppen in Tripolis. Die italienischen Truppen waren aufgrund ihrer Niederlagen bereits moralisch angeschlagen und ihre Verteidigungsstellungen waren nur lückenhaft ausgebaut.

Im Gegensatz zur geplanten, defensiven Haltung des Afrikakorps hielt Rommel ein offensives Vorgehen gegen die britischen Truppen für unbedingt notwendig. Diese Meinung stand im krassen Gegensatz zur Meinung des italienischen Generals Gariboldi, welcher den Erfolg im defensiven Vorgehen sah. Am 31. März begann auf Rommels eigenmächtigen Befehl der Vormarsch. Sein Hauptvorstoß richtete sich auf Marsa el Brega, um einen Brückenkopf zur Einnahme der Cyrenaika errichten zu können.

Durch Rommels erfolgreiche Taktik des mobilen Wüstenkriegs wurden britischen Truppen unter General Archibald Wavell über Benghasi und Derna 800 Kilometer zurückgeworfen. (Allerdings hatte der Abzug von Einheiten von Afrika zur Front in Griechenland die ursprünglich überlegenen britischen Verbände reduziert.) Kurz darauf konnte Benghasi besetzt werden. Diese schnellen Erfolge führten in der italienischen Generalität zu Erstaunen und auf britischer Seite zu einem tiefen Schock.

Abgeschossener deutscher Panzer IV, rechts britischer Crusader (27. November 1941)
Deutsche Panzer III in Fahrt

Der deutsche Vormarsch stoppte Mitte April bei der ägyptischen Grenzstadt und Festung Sollum östlich von Tobruk. Diese war kurz zuvor von den italienischen Truppen ausgebaut und danach beinahe kampflos geräumt worden. Bis zum 13. April unternahm die deutsche Wehrmacht drei erfolglose Angriffe auf das von ihnen umzingelte Tobruk. Nach schweren Verlusten musste auf Rommels Befehl vorerst die Eroberung dieser wichtigen Hafenstadt zurückgestellt werden. Die deutschen Kräfte waren zu schwach, um den Ring von Minenfeldern und Stellungen rings um Tobruk aufzusprengen. Rommel musste seine Panzer für die bewegliche Kriegführung in der Wüste zurückhalten. Weitere Vorstöße in Richtung Osten konnten nicht durchgeführt werden, da das Afrikakorps bereits hier mit bedrohlichen Versorgungsengpässen zu kämpfen hatte, die schlussendlich zu einem Stellungskrieg bei und um Sollum/Tobruk führten.

Im November begannen britische Truppen mit Gegenangriffen im Rahmen der „Operation Crusader“, deren Ziel die Entlastung der Festung Tobruk durch die Ablenkung deutscher Truppen war. Nachdem diese misslungen waren, setzten britische Truppen am 18. November 1941 zu einem zweiten Stoß an, der die Pattsituation beendete. Der britische Großangriff ermöglichte einen Ausbruch der Besatzung von Tobruk aus dem die Stadt umgebenden Belagerungsring und warf das deutsche Afrikakorps bis Ende des Jahres 1941 auf seine Ausgangsstellung am Westrand der Cyrenaika zurück.

1942

Montgomery beobachtet den Vorstoß seiner Panzereinheiten während der Zweiten Schlacht von El Alamein

Durch Angriffe der Luftflotte 2 unter Albert Kesselring auf wichtige Knotenpunkte wie Malta, von wo aus britische U-Boote die deutschen und italienischen Nachschublieferungen angriffen, gelang es Rommel im Januar 1942, die Initiative zurückgewinnen. Er nutzte den durch die Luftunterstützung entstandenen strategischen Vorteil sowie frisch herangeführte Verstärkungen für einen Gegenangriff, der die Panzerarmee Afrika bis Ende Juni bis nach El Alamein 100 Kilometer vor Alexandria führte. Durch die wechselnden Offensiven beider Seiten hatte sich der Afrikafeldzug zu einem sehr schnellen Bewegungskrieg gewandelt. Die Wüstenebenen eigneten sich für weiträumige Panzeroperationen über Hunderte von Kilometern.

Am 26. Mai startete das Afrikakorps das Unternehmen Theseus mit dem Ziel, Tobruk zu erobern. Nach schweren Panzergefechten gelang es den Achsenmächten am 11. Juni Bir Hacheim einzunehmen, um den Vormarsch auf Tobruk einzuleiten.

Rommel umging die britischen Stellungen südlich der Festung und griff mit einer Überraschungsoffensive an. Begleitet wurde der Vorstoß von Ju 87 Sturzkampfbombern, welche die feindlichen Linien sturmreif schossen und die britischen Kommunikationswege unterbrachen. In der nachfolgenden Verwirrung konnten Rommels Panzerkräfte in die Stadt eindringen und sie am 20. Juni innerhalb weniger Stunden besetzen. Im Zuge dieses Handstreichs wurde Rommel zum Generalfeldmarschall befördert.

Australische Infanterie in der Zweiten Schlacht von El Alamein (gestelltes Foto)

Der weitere Vormarsch sollte nun durch Ägypten erfolgen. Ziel war es, die Stadt Alexandria zu nehmen und den Sueskanal zu besetzen. Kurz vor El Alamein war durch die Briten ein 65 Kilometer langer Verteidigungsgürtel aufgebaut worden. Auf Grund der südlich gelegenen sumpfigen Qattara-Senke in der Libyschen Wüste war es nicht möglich, diesen Gürtel zu umgehen, da sich hier keine ungedeckte Flanke bot. Zusätzlich erschwerten weitere Versorgungsengpässe ein langfristig geplantes Vorgehen, so dass die Offensive stecken blieb.

Die Situation für die Achsenmächte verschlechterte sich weiter, als der neue britische Befehlshaber Bernard Montgomery am 23. Oktober mit der Zweiten Schlacht von El Alamein zum Gegenangriff ansetzte. Das kräftemäßig unterlegene Afrikakorps unterlag der aufgezwungenen Materialschlacht und musste den Rückzug nach Libyen antreten. Am 8. November landeten über 100.000 frische amerikanische und britische Soldaten in Casablanca und Algier (Operation Torch). Der nun eröffnete Zweifrontenkrieg überforderte das geschwächte Afrikakorps, so dass Tobruk am 13. November wieder in britische Hände fiel.

Aufgrund der kritischen Situation an der Ostfront – die Wehrmacht hatte sich aus dem Kaukasus zurückzuziehen und es bahnte sich das Stalingraddesaster an – konnte das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) nur unzureichende Verstärkung über Südfrankreich entsenden. Im südlichen Tunesien vereinigten sich die frischen Einheiten mit der zurückweichenden „Panzerarmee Afrika“.

Siehe auch: Tunesien-Feldzug; Walter Rauff zur geplanten Judenvernichtung in Palästina

1943

Soldaten mit Funkgerät (1942)

Ende Januar 1943 musste Libyen aufgegeben werden. Inzwischen standen die Truppen der Achsenmächte einer halben Million alliierten Soldaten und damit einer doppelten Übermacht gegenüber. Auch verfügten die Alliierten über die vierfache Anzahl von Panzern und über die uneingeschränkte Luftüberlegenheit.

Am 23. Januar besetzten die Briten Tripolis. Im März und April wurden die Soldaten der Achsenmächte schließlich eingeschlossen. Lediglich an der Mareth-Linie wurde noch erbitterter Widerstand geleistet. Am 8. März flog Rommel nach Deutschland, um mit Hitler über ein Ende der Kampfhandlungen zu sprechen. Hitler jedoch blieb starrköpfig und verweigerte dem Afrika-Korps den Rückzug auf das europäische Festland. Am 13. Mai mussten die Achsenmächte unter Rommels Nachfolger Generaloberst Hans-Jürgen von Arnim bei Tunis kapitulieren.

Probleme des Afrikafeldzuges

Die Versorgung der Truppen mit Nahrungsmitteln, Treibstoff, Munition und Ausrüstung war auf Grund der gewaltigen Distanzen in Nordafrika nur sehr schwer sicherzustellen. Strategische Erfolge auf dem Schlachtfeld waren für beide Seiten stets mit wachsenden Distanzen zu ihren jeweiligen Versorgungsbasen in Libyen und Ägypten verbunden. Außerdem fielen im Sommer 1942 66 % der deutsch-italienischen Nachschublieferungen den von Malta aus operierenden U-Booten und Flugzeugen der Briten zum Opfer. Dabei wurden auch immer wieder Tanker mit dringend benötigtem Treibstoff für Panzer, Kraftfahrzeuge und Flugzeuge torpediert. Somit war der Erfolg einer jeden militärischen Operation stärker als auf jedem anderen Schlachtfeld von einer funktionierenden Versorgung abhängig. Obwohl das Afrikakorps über die leistungsfähigeren technischen Versorgungsdienste verfügte (die deutschen Einheiten zur Instandhaltung, Bergung und Reparatur ausgefallener, beschädigter oder erbeuteter Fahrzeuge und Waffen waren gut ausgestattet und motorisiert), hatte die Logistik auf der Seite der Achsentruppen sich mit einem wesentlich vielfältigerem Gemisch an aus Italien, Deutschland, England, den USA und sogar Frankreich und Russland stammenden Materials und Waffen auseinanderzusetzen, für das Spezialwerkzeug, Ersatzteile und Munition herbeizuschaffen und zu bevorraten waren. Erschwerend kamen Rivalitäten zwischen der deutschen Wehrmacht und den italienischen Streitkräften sowie Konflikte zwischen den deutschen Teilstreitkräften (Heer, Marine und Luftwaffe) hinzu.

Abgeschossene britische Panzer im Jahr 1942

Die große Hitze am Tag (bis zu 50 Grad Celsius), die beißende Kälte der Nacht und der Sand stellten unglaubliche Anforderungen an Mensch und Material. Es waren vier bis fünf Liter Wasser am Tag nötig, um den Wasserverlust des Körpers in der Hitze auszugleichen.


Der feine Sand der Wüste setzte den Fahrzeugen und Waffen zu und erforderte eine genaue und ständige Wartung.
Das Gelände mit seinen weiten offenen Flächen erforderte andere taktische Vorgehensweisen, als die Soldaten es von ihrer Ausbildung im dichter besiedelten und von Deckung bietenden Wäldern durchzogenen Zentraleuropa gewohnt waren. Nur sehr wenige Gebiete boten natürliche, durch Flankenmanöver nicht umgehbare Engpässe, in denen eine statische Verteidigung aufgebaut werden konnte. Die stets überlegenen taktischen Fähigkeit der Wehrmacht zum Gefecht der verbundenen Waffen sowie zum Bewegungskrieg wurden letztendlich bedeutungslos, als die methodisch vorgehende erfahrene 8. britische Armee unter Montgomery im Osten sowie die frischen und bestausgerüsteten amerikanischen Truppen im Westen die deutsch-italienischen Truppen deutlich kräftemäßig übertrafen.

Verluste

Tote und Vermisste

  • Deutsche: 18.600/3.400
  • Italiener: 13.700
  • Briten: 35.500
  • Amerikaner: 16.500

Folgen

130.000 Angehörige des Deutschen Afrikakorps gingen in Kriegsgefangenschaft, da Hitler keine Rückverschiffung nach Europa erlaubte.

Erst zwei Tage vor der Kapitulation erfuhr die deutsche Bevölkerung von der Anfang März 1943 erfolgten Ablösung des äußerst beliebten Rommel. Als Grund galt sein Misserfolg in Afrika. Seit seinen spektakulären Erfolgen stand er im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Das Afrikakorps war durch die unmenschliche Umgebung, die Erfolge und Medien geradezu zum Sinnbild deutschen Kampfeswillens geformt worden. Die Deutschen reagierten daher entsetzt über die Niederlage und die hohen Verluste in Nordafrika. Das Schlagwort vom „Zweiten Stalingrad“ fand im Deutschen Reich rasche Verbreitung.

Den alliierten Streitkräften ermöglichte die Niederlage der Achsenmächte die Ausweitung ihrer Kontrolle über den Mittelmeerraum, und eine wesentlich gefahrlosere Landung auf Sizilien. Mit dieser wurde am 10. Juli 1943 die von Hitler so gefürchtete neue Front im Süden Europas eröffnet, die innerhalb weniger Tage zum Sturz Mussolinis und dem Seitenwechsel Italiens führte.

Literatur

  • Gerhard L. Weinberg: A world at arms. Cambridge 1994.
  • Paul Carell: Die Wüstenfüchse. Mit Rommel in Afrika. Herbig, 2003. ISBN 3-7766-2340-3.
  • Battistelli, Pier Paolo: Rommel’s Afrika Korps – from Tobruk to El Alamein. Osprey Battle Orders 20, 2006. ISBN 978-1-84176-901-1.

Siehe auch

Weblinks


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