Afrika-Korps
Deutsches Afrikakorps (DAK)
Bild:Pswastika.gif
Das Signet des DAK: Eine stilisierte Palme mit Hakenkreuz.
Aktiv 21. Februar 1941–30. Juni 1943 (formelle Auflösung)[1]
Land Deutsches Reich
Streitkräfte Wehrmacht
Teilstreitkraft Heer / Luftwaffe
Aufstellungsort Tripolis
Motto „Ritterlich im Kriege, wachsam für den Frieden“
Zweiter Weltkrieg Afrikafeldzug

Das Deutsche Afrikakorps (DAK) war ein Expeditions-Korps der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Das Operationsgebiet befand sich von 1941 bis 1943 in Nordafrika und erstreckte sich im Verlaufe des Krieges von Tunesien über Libyen bis Ägypten. Sein Wahlspruch war: „Ritterlich im Kriege, wachsam für den Frieden.“ Wichtigster Widersacher wurde der britische General Bernard Montgomery als Befehlshaber der 8. Britischen Armee.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Ankunft

Der Afrikafeldzug selbst begann 1940 mit einem Angriff der zahlenmäßig weit überlegenen Italiener von Libyen auf die britische Armee in Ägypten. Die Briten konnten den Angriff nicht nur abwehren, sondern sogar in einem Gegenangriff nach Libyen eindringen.

Um die Niederlage Italiens abzuwenden, schickte das Deutsche Reich in dem „Unternehmen Sonnenblume“ ein Vorauskommando des späteren Afrikakorps zur Verstärkung der italienischen Truppen. Die ersten deutschen Verbände trafen am 11. Februar 1941 in Tripolis ein.[2] Aus der anfänglichen Unterstützungsrolle wurde bald die eines Hauptbeteiligten; die Deutschen trieben die Briten, die zu der Zeit ihre Hauptkräfte nach Griechenland verlegt hatten, überraschend nach Osten zurück.

Nachdem das Deutsche Afrikakorps ursprünglich nur den italienischen Truppen hatte zur Seite stehen sollen, rückte jetzt das Ziel in den Vordergrund, die Briten entlang der afrikanischen Mittelmeerküste bis nach Palästina zurückzudrängen. Fernziel war ein operativer Brückenschlag bis zum Kaukasus.

Offensiven

Ein Panzer des Afrikakorps in Nordafrika

In den deutschen Kriegsplänen hatte die Kriegsfront in Nordafrika dagegen nur eine untergeordnete Bedeutung, der deutsche Schwerpunkt lag bei den kräfteverschlingenden Feldzügen in der Sowjetunion.

Da für Großbritannien Afrika jedoch das einzige Kampfgebiet mit direktem Kontakt zu seinem Hauptgegner Deutschland war, unternahm Großbritannien große Anstrengungen auf diesem Kriegsschauplatz. Während Großbritannien durch seine Kolonien über sichere Versorgungswege verfügte – trotz weiter Entfernungen sowie stets latenter U-Bootgefahr –, litt das Afrikakorps ständig unter dem Problem, seinen Nachschub über das Mittelmeer sichern zu müssen, wo es den Angriffen der Royal Navy und Royal Air Force ausgesetzt war. Mit den Militärstützpunkten auf Gibraltar und der Insel Malta verfügten die Briten über wichtige Schlüsselstellungen gegen die deutschen Nachschublinien.

Wichtige Schlachten fanden bei Tobruk und El Alamein statt. Der Kommandierende General Erwin Rommel konnte bis zur Oase Siwa in Ägypten vordringen. Der Nil und der Suez-Kanal lagen in Reichweite. Die wichtigen Ölfelder Arabiens, des Irak, des Irans und sogar eine Verbindungsaufnahme mit der im Kaukasus vorrückenden deutschen Heeresgruppe stellten damit denkbare strategische Fernziele dar.

Niederlage

Von Alliierten erbeuteter Tiger, 1943 nahe Tunis

Nach wechselvollen Kämpfen wurde der Vormarsch der Afrika-Armee schließlich in El Alamein kurz vor Alexandria in Ägypten gestoppt. Die deutschen Truppen waren aufgrund der vorangegangenen schweren Schlachten weitgehend erschöpft, die Nachschubverbindungen waren trotz der Einnahme der Hafenstadt Tobruk überdehnt. Später wurden die deutschen Einheiten unter schweren Verlusten zum Rückzug gezwungen. Kurz darauf erfolgte die Landung anglo-amerikanischer Truppen („Operation Torch“) in Marokko und Algerien, wodurch es Ende 1942 zu einem Zweifrontenkrieg in Afrika kam. Dadurch wurde ein Verbleib auf dem Kriegsschauplatz endgültig unmöglich.

Trotzdem verlegten Deutschland und Italien noch einmal starke Truppenverbände nach Tunesien, wohin sich die Panzerarmee Afrika zurückzog. Angesichts der aussichtslosen Lage mussten die deutschen und italienischen Truppen bis zum 13. Mai 1943 kapitulieren. Das Versäumnis, diese Streitkräfte rechtzeitig nach Italien zurückzunehmen, ließ nur wenige Monate nach der Niederlage von Stalingrad 120.000 Wehrmachtssoldaten und eine noch größere Zahl Italiener in Kriegsgefangenschaft geraten. Zwei Monate später (am 10. Juli 1943) landeten die Alliierten auf Sizilien. Dies bedeutete eine zweite Front auf dem europäischen Kontinent.

Afrikakorps und Judenvernichtung

Obwohl Rommel dafür bekannt war, selbst kein Antisemit zu sein, schuf er mit dem Vormarsch des Afrikakorps doch die Voraussetzung dafür, dass auch die Juden Nordafrikas in den Holocaust einbezogen werden konnten. In Tunesien wurden Arbeitslager für sie errichtet, wo über 2500 von ihnen umkamen. Für die Juden in Palästina stellte der deutsche Vorstoß eine immense Bedrohung dar. In Athen stand nämlich bereits eine Einsatzgruppe unter dem Kommando von SS-Obergruppenführer Walther Rauff bereit, die mit der Vernichtung der jüdischen Bevölkerung in Ägypten und Palästina beginnen sollte und am 20. Juli 1942 von Rommels Stab die notwendigen Instruktionen für ihre Tätigkeit im rückwärtigen Heeresgebiet erhalten hatte. Die arabische Bevölkerung Palästinas sehnte einen Sieg der Deutschen herbei, weil man auf eine Vertreibung der Juden hoffte. Angesichts der näherrückenden Truppen des Afrikakorps hielten es die Briten daher trotz der angespannten militärischen Lage des Sommers 1942 für nötig, Teile ihrer 9. Armee in Palästina zu belassen, um die ansässigen Juden vor Pogromen durch die Araber zu schützen.[3]

Organisation

Im Juli 1941 gehörten zwei deutsche Divisionen, die 21. Panzer-Division (umbenannt und umgegliedert aus der 5. leichten Division) und die 15. Panzer-Division, die Mitte Mai 1941 eingetroffen war, zum DAK unter Generalleutnant Ludwig Crüwell. Das DAK war dem Kommando der Panzergruppe Afrika (später umbenannt in Panzerarmee) unterstellt, das seit dem 1. Juni 1941 von Rommel geführt wurde und unter italienischem Oberbefehl stand. Zur Panzergruppe Afrika gehörten auch italienische Kräfte, das italienische XXI. Armeekorps unter General Navarini mit den drei teilmotorisierten Divisionen Bologna, Pavia und Brescia sowie ein weiteres motorisiertes Korps, das Corpo ’d’armata di manovra unter General Bastico, gebildet aus der Panzerdivision Ariete und den motorisierten Divisionen Trento und Trieste.

Anfang 1943 schließlich wurden die aus Libyen zurückflutenden Einheiten mit den aus Italien nach Tunesien verlegten Kräften zur Heeresgruppe Afrika zusammengefasst.

Strukturelle Entwicklung

A. 21. Panzer-Division (vorher 5. leichte Division), Februar 1941

  • Panzer-Regiment 5
  • Stabs-Regiment 200 zbV (mot.), bestehend aus MG Bataillon 2 und MG Bataillon 8
  • Panzeraufklärungs-Abteilung 3 (mot.)
  • I. Abteilung Artillerie-Regiment 75 (mot.)
  • Panzerjäger-Abteilung 39 (mot.)
  • Panzerjäger-Abteilung 605 (sfl.)
  • Flak-Bataillon 606 (mot.)
  • I. Abteilung Flak-Regiment 33 (mot.)

B. 15. Panzer-Division, Mai 1941

  • Panzer-Regiment 8
  • 15. Schützen-Brigade (mot.), bestehend aus 104. Schützen-Regiment, 115. Schützen-Regiment und Kradschützen-Bataillon 15
  • Artillerie-Regiment 33 (mot.)
  • Panzeraufklärungs-Abteilung 33 (mot.)
  • Panzerjäger-Abteilung 33 (mot.)
  • Panzerpionier-bataillon 33 (mot.)
  • Panzernachrichten-Abteilung 78 (mot.)
  • Divisions-Nachschubführer 33 (mot.)

C. 90. leichte Afrika-Division (vorher Afrika-Division zbV), November 1941

  • Schützenregiment 155
  • Afrika-Regiment 361, inklusive Artillerie-Abteilung 361 und Flak-Kompanie I./613
  • III./Infanterie-Regiment 255
  • III./Infanterie-Regiment 347
  • Panzerjäger-Abteilung 605 (sfl.) von 21. Panzer-Division
  • Pionier-Bataillon 900 (mot.)
  • Oasen-Bataillon 300 zbV

D. 164. leichte Afrika-Division (vorher Festungs-Division „Kreta“), September 1942

  • Panzergrenadier-Regiment 125 (mit drei Bataillonen)
  • Panzergrenadier-Regiment 382 (mit drei Bataillonen)
  • Panzergrenadier-Regiment 433 (mit drei Bataillonen)
  • Artillerie-Regiment 220 (mot.)
  • Aufklärungs-Abteilung 220 (mot.), zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig
  • Pionier-Bataillon 220 (mot.)
  • Divisions-Nachschubführer 220 (mot.)

Der Monat und das Jahr geben den Zeitpunkt des ersten Einsatzes in Afrika an.

Abkürzungen:

  • sfl. = Selbstfahrlafette
  • mot. = motorisiert
  • zbV = zur besonderen Verwendung

Kommandierende Generale

Generalfeldmarschall Erwin Rommel mit Stabsoffizieren

Mediale Rezeption

Das Deutsche Afrikakorps wurde in der deutschen Presse mehr als alle anderen Einheiten der Wehrmacht gefeiert, da man den Eindruck eines „sauberen“ und „ritterlichen“ Feldzuges vor Augen hatte. Tatsächlich setzte Rommel sich schon in den ersten Tagen der Ankunft über die Befehle des Oberkommandos hinweg und entwickelte einen Offensivplan, der die Briten unangenehm überraschte. Durch die Erfolge des Korps wurde die NS-Propaganda schnell auf Rommel aufmerksam, der sich im Frankreichfeldzug mit der „Gespensterdivision“ bereits einen Namen gemacht hatte. Er wurde zum Helden der Nation hochstilisiert, was nicht zuletzt daran lag, dass er als Rittmeister (zur damaligen Zeit eine Bezeichnung für einen Offizier, der nicht mehr „auf der Höhe der Zeit“ war) charakterisiert wurde.

Weiterführende Informationen

Interne Verweise

Literatur

  • Bernd Peitz: Das Afrikakorps – in Original-Farbfotografien. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2007. ISBN 978-3-613-02794-7.
  • Paul Carell: Die Wüstenfüchse. Mit Rommel in Afrika. Herbig, 2003. ISBN 3-776-62340-3.
  • Battistelli, Pier Paolo: Rommel’s Afrika Korps – from Tobruk to El Alamein. Osprey Battle Orders 20. 2006. ISBN 978-1-841-76901-1.
  • Wolf Heckmann: Rommels Krieg in Afrika. Tosa, 2006. ISBN 978-3-850-03040-3.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. DAK im Lexikon der Wehrmacht
  2. deutsches-afrikakorps.de: Auszug aus dem Kriegstagebuch des OKH – Verlauf der Operationen des DAK im Februar 1941
  3. Klaus-Michael Mallmann und Martin Cüppers, „Beseitigung der jüdisch-nationalen Heimstätte in Palästina“. Das Einsatzkommando bei der Panzerarmee Afrika 1942, in: Jürgen Matthäus und Klaus-Michael Mallmann (Hg.), Deutsche, Juden, Völkermord. Der Holocaust als Geschichte und Gegenwart, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2006, S. 153–176

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