Afterflosse
Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem anatomischen Gebilde Flosse. Siehe auch: Schwimmflossen für Schwimmer und Taucher.
Der Feuerfisch (Pterois sp.) gehört zu den Arten, bei denen die hartstrahligen Rückenflossen mit Giftdrüsen versehen sind.

Eine Flosse ist ein flächiges, bewegliches Antriebs- und Stabilisierungsorgan bei im Wasser lebenden Chordatieren und einigen Weichtieren. Im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet der Begriff meist die hier beschriebenen Organe der Fische.

Inhaltsverzeichnis

Aufbau

Flossen bestehen aus einem mit Hautfalten (Flossenhaut) verbundenem Gerüst, den Flossenstrahlen. Bei Knochenfischen sind diese Strahlen verknöchert, Knorpelfische haben Hornstrahlen. In der Muskulatur werden die Flossenstrahlen mit Flossenstrahlträgern verankert. Einige Fischarten verfügen zudem auch über skelettlose Flossen (Fettflosse, siehe unten).

Rückenflosse eines Döbels (Leuciscus cephalus), deutlich zu erkennen ist die fächerartige Teilung der Weichstrahlen

Die Flossenstrahlen der Knochenfische werden in Hart- (auch Stachelstrahlen) und Weichstrahlen (auch Gliederstrahlen) unterteilt. Hartstrahlen sind ungegliederte, meist glatte Knochenstückchen, Weichstrahlen bestehen aus zwei miteinander verwachsenen Hälften. Bei den Weichstrahlen wird zwischen verschiedenen Formen unterschieden:

  • ungeteilt, ungegliedert, stachelartig
  • ungeteilt, gegliedert
  • fächerartig geteilt, gegliedert

Sofern eine Flosse Hartstrahlen enthält, befinden diese sich immer vor den Weichstrahlen. Die Bezeichnungen Hart- und Weichstrahlen sind etwas irreführend. Hartstrahlen können durchaus biegsam und weich sein, während ungegliederte Weichstrahlen verkalkt und dornenartig sein können. Die Unterscheidung zwischen Hartstrahlen und ungegliederten Weichstrahlen ist im Zweifelsfall am leichtesten durch die Betrachtung von vorn möglich, die die beiden Hälften der Weichstrahlen erkennen lässt.

Echte Hartstrahlen sind nur bei den Stachelflossern zu finden. Bei einigen Fischen sind einige Hartstrahlen mit Giftdrüsen versehen (z. B. den Skorpionfischen, Petermännchen, Kaninchenfische) und auch ein sägeförmiges Profil an der Rückseite ist möglich.

Einteilung und Anordnung

Habitus eines Schleimkopfs (Beryx splendens)
Flossen bei einer Nase (Chondrostoma nasus)

Die meisten Fische verfügen über 7 Flossen. Sie sind paarig und unpaarig (einzelne Flossen) am Fischkörper angeordnet. Die paarigen Flossen entsprechen den Extremitäten der landlebenden Wirbeltiere, haben jedoch keine direkte Verbindung mit der Wirbelsäule.

Paarige Flossen:

  • Bauchflosse (Ventrale)
  • Brustflosse (Pectorale)

Unpaarige Flossen:

  • Rückenflosse (Dorsale)
  • Schwanzflosse (Caudale)
  • Afterflosse (Anale)
Fettflosse einer Regenbogenforelle (Oncorhynchus mykiss)

Manche Arten (Welsartige, Salmler, Lachsartige) haben außerdem zwischen Rücken- und Schwanzflosse einen mit Fett gefüllten Hautsack, die Fettflosse.

In Anpassung an den jeweiligen Lebensraum ist diese Grundkonfiguration bei vielen Fischen teilweise deutlich modifiziert, so können Flossen geteilt, miteinander verwachsen oder stark in der Form verändert sein und sogar vollständig fehlen. Funktionale Anpassungen konnen so weit gehen, dass die jeweilige Flosse nicht mehr gemäß ihrem ursprünglichen Zweck als Fortbewegungsorgan Verwendung findet.

Rückenflosse

Flussbarsch (Perca fluviatilis) mit hartstrahliger vorderer und weichstrahliger hinterer Rückenflosse

Die Funktion der Rückenflosse entspricht der eines Kiels, das heißt sie stabilisiert die senkrechte Haltung des Fisches im Wasser. Sie kann in mehrere Teile (z. B. Barsche) oder auch eine ganze Reihe von kleinen Abschnitten geteilt sein (beispielsweise Flössler). Die Länge der Rückenflosse und ihre Stellung am Körper ist sehr variabel. Meist befinden sich im vorderen Teil der Rückenflosse Hartstrahlen oder es existiert eine komplett hartstrahlige vordere Rückenflosse. Die Stichlinge haben sogar vor einer hinteren Rückenflosse völlig freie und bewegliche Stacheln. In manchen Fällen verfügen die Hartstrahlen über einen Sperrmechanismus mit dem sie ohne Muskelkraft aufrecht gehalten werden können. Nur in sehr seltenen Fällen fehlt die Rückenflosse (z. B. Zitteraal).

Spezialformen:

  • Für Seenadeln dient diese Flosse (zusammen mit den Brustflossen) der Erzeugung des Vortriebs.
  • Die meisten Armflosser haben aus Flossenstrahlen der Rückenflosse Köder zum anlocken potentieller Beute entwickelt.
  • Bei den Schiffshaltern ist die Rückenflosse zu einem Haftorgan umgebildet.

Afterflosse

Die Afterflosse ähnelt in Funktion und Form der Rückenflosse. Auch sie kann geteilt sein und im vorderen Teil Hartstrahlen aufweisen.

Spezialformen:

Brustflossen

Entsprechend ihrer Funktion als Höhensteuer, Bremse und Stabilisierungsorgan sind die Brustflossen meist beweglich, weich und transparent. Sie sind über das Skelett mit dem Schädel verbunden und befinden sich deshalb fast immer direkt hinter den Kiemendeckeln. Gelegentlich ist die Vorderkante, wie beispielsweise bei vielen Welsen, durch harte Weichstrahlen verstärkt. Auch diese Flossen können mitunter fehlen, so etwa bei den Muränen. Lippfische und Doktorfische schwimmen durch gleichzeitige Schläge der Brustflossen (labriform), hier sind die Brustflossen das Hauptantriebsorgan.

Spezialformen:

  • Eine flügelartige Abwandlung der Brust- und Bauchflossen erlaubt den Fliegenden Fischen längere Gleitflüge über der Wasseroberfläche.
  • Die Schlammspringer können sich mit Hilfe ihre stielartigen Brustflossen an Land fortbewegen.

Bauchflossen

Diese Flossen sind in der Regel relativ klein, sie übernehmen Steuerungsfunktionen. Die Lage am Fischkörper variiert zwischen bauch-, brust- und in seltenen Fällen, noch vor den Brustflossen befindlich, kehlständig. Von allen Flossenarten fehlen diese Flossen am häufigsten, so haben unter anderem Aalartige, Seewölfe und die meisten Kugelfischverwandten keine Bauchflossen.

Spezialformen:

  • Eine aus den Bauchflossen gebildete Saugscheibe gestattet es den Grundeln, den Schildfischen und den Seehasen besseren Halt auf steinigem Untergrund zu finden.
  • Fadenfische tragen Geschmacksknopsen an ihren fadenförmig verlängerten Bauchflossen.
  • Knurrhähne verfügen über Tastorgane die aus den ersten Strahlen der Bauchflossen gebildet wurden.

Schwanzflosse

Zusammen mit dem Schwanzstiel ist die Schwanzflosse bei den meisten Fischen das Hauptantriebsorgan. Fische erzeugen den Vortrieb in der Regel indem sie ihren Körper mit kräftigen, seitlichen Schlägen nach vorn durch das Wasser drücken. Der Fischkörper führt dabei längs seiner Achse starke, wellenartige Bewegungen aus. Die Strahlen der Schwanzflosse sind direkt mit der Wirbelsäule verbunden. Nur in Ausnahmefällen wie den Seepferdchen, fehlt die Schwanzflosse.

Schwanzflossen werden nach ihrer Anatomie in sechs verschiedene Typen eingeteilt:

Schwanzflossentypen
  • A, Heterocerk: Das Ende der Wirbelsäule biegt sich nach oben und stützt den oberen größeren Teil der Schwanzflosse, so etwa bei den meisten Haien und urtümlichen Knochenfischen wie den Störartigen (Acipenseriformes) und den Knochenhechten (Lepisosteidae).
  • B, Protocerk: Das Ende der Wirbelsäule ist gerade. Die Schwanzflosse bildet einen Saum um sie herum, z. B. bei den Aalartigen (Anguilliformes).
  • C, Homocerk: Die Schwanzflosse ist symmetrisch, beispielsweise bei den meisten Echten Knochenfischen (Teleostei). Trotzdem kann sich das Ende der Wirbelsäule bei primitiven Formen noch etwas nach oben biegen. Es ist äußerlich nicht mehr sichtbar, zeigt aber, dass sich die homocerke Schwanzflosse aus der heterocerken entwickelt hat.
  • D, Diphycerk: Das Ende der Wirbelsäule ist gerade. Die Schwanzflosse besteht aus zwei Teilen oberhalb und unterhalb der Wirbelsäule, etwa bei den Quastenflossern (Latimera).
  • Hypocerk: Das Ende der Wirbelsäule biegt sich nach unten und stützt den unteren Teil der Schwanzflosse, z. B. bei den Ichthyosauriern.
  • Gephyrocerk: Die Schwanzflosse schließt als Saum den stumpf endenden Körper ab. Dies tritt nur bei den Mondfischen (Molidae) auf.

Bedeutung für die Systematik

Form, Aufbau und Anzahl der Flossen sind charakteristisch für eine Art und spielen daher eine wichtige Rolle bei deren Beschreibung und Bestimmung.

Flossenformel

Die Anzahl und Art der Flossenstrahlen lässt sich mit Hilfe der sogenannten Flossenformel beschreiben. Die Flossenformel setzt sich aus dem ersten Buchstaben der lateinischen Flossenbezeichnung, der Anzahl der Hartstrahlen und der Anzahl der ungeteilten und geteilten Weichstrahlen zusammen. Hartstrahlen werden dabei mit römischen, Weichstrahlen mit arabischen Zahlen angegeben. Da Hartstrahlen und ungeteilte Weichstrahlen immer am Flossenanfang, die geteilten Weichstrahlen immer im hinteren Teil der Flosse stehen, lässt sich durch die Trennung mit einem Schrägstrich eine eindeutige Darstellung erzeugen. Ist eine Flossenart mehrfach vorhanden, wird die Stellung der beschriebenen Flosse durch eine arabische Ziffer unmittelbar hinter dem Buchstaben angegeben.

  • Beispiele:
    • D I/5 – In der Rückenflosse folgen auf einen Hartstrahl fünf Weichstrahlen.
    • D2 3/9 – In der zweiten Rückenflosse folgen auf drei ungeteilte Weichstrahlen neun geteilte Weichstrahlen.
    • A II-III/5–7 – In der Afterflosse folgen auf zwei bis drei Hartstrahlen fünf bis sieben Weichstrahlen.
    • C II(-III)/7 – In der Schwanzflosse folgen auf zwei, in Ausnahmefällen drei, Hartstrahlen sieben Weichstrahlen.

In der Flossenformel fehlen häufig die Angaben zur Schwanzflosse, da diese weniger signifikant sind.

Schwimmweisen der Fische

Entsprechend dem Vorhandensein und der Ausbildung der Flossen und deren neuraler Steuerung haben sich bei den Fischen etliche Typen der Fortbewegung herausgebildet. Das evolutionäre Problem war nämlich, dass das große Rumpfmuskel-Paket uneffizient arbeitet, wenn der Fisch langsam oder nur kurze Strecken schwimmen will. Daher entstand zunächst eine laterale Differenzierung (nahe der Seitenlinie) aus roten (myoglobinreichen) Muskel-Fasern (der Rote Muskel), der allein das ruhige Schwimmen leistet – der übrige, große „weiße“ Anteil dient dann nur mehr der Flucht oder dem Verfolgen einer Beute (weil er dabei eine Sauerstoffschuld eingeht, ermüdet er rasch). Doch ist diese „Lösung“ noch nicht ideal: bei alleiniger Aktivität der Roten wird die (viel größere) Weiße Portion doch notgedrungen mitbewegt, was innere Reibungsverluste bedingt. Viele Fisch-Familien haben daher „ingeniösere“ Lösungen gezeitigt, indem sie zur Fortbewegung von Anfang an kleinere Muskeln nutzen und den weißen Rumpfmuskel (der bekanntlich durch Bindegewebsplatten gegliedert ist). allein zum Angreifen und Fliehen verwenden. Demnach lassen sich mehrere sehr unterschiedliche Schwimmweisen unterscheiden – es handelt sich dennoch um ein Schema.

  • Die „ursprüngliche“ Fortbewegungsweise ist ein Rumpf-Schlängeln (in „Sinus-Wellen“), wie es exemplarisch Aale (Muränen; mit oder ohne Flossensaum, daher auch in Spalten oder Substrat brauchbar!) zeigen: der anguilliforme Typ. Diese Schwimmweise ist schon bei Ingern und Neunaugen, sowie dem Kragenhai (Chlamydoselachus anguineus) zu sehen.- Den Übergang zum folgenden Typ zeigen die Störe.
  • Der subcarangiforme Typ (bezogen nun auf ,Fisch’) ist schon kürzer, der Rumpf steifer (Wirbelzahl geringer): die „Wellenbäuche“ gehen auf 1 zurück. Zu diesem Typ gehört doch die Mehrzahl der Haie und Knochenfische (ca. 85 % der Arten). (Bei den Sardellen ist die Rumpfmuskulatur nicht in „rot“ und „weiß“ geschieden, es handelt sich um ,stets’ flink schwimmende Tiere.)
  • Beim carangiformen Typ (die Stachelmakrelen (Carangidae) sind „gute“, ausdauernde Schwimmer) wird der Schwanz und die Schwanzflosse immer wichtiger, der Rumpf kürzer; die „Sinus-Welle“ ist nur mehr halb vorhanden. Hierher gehören auch die Heringshaie, z.B. Lamna) - mit Übergang zur thunniformen Weise.
  • Der thunniforme Typ bewegt nur mehr „wrickend“ Schwanzwurzel und –flosse, der Rumpfmuskel überträgt seine Leistung mittels Sehnenplatten auf die sehr steife Flossenspreite. Auch diese Fische „ruhen“ kaum je (außer eventuell zum „Sonnen“). Tun- (Thunnini) und wohl auch Schwertfische (Xiphiidae).
  • Den Schwanz allein bewegen bei Flucht aber auch die Kofferfische (Ostraciidae), deren Rumpf in einem Panzer steckt: ostraciiformer Typ mit weitgehend aufgelöster Rumpfmuskulatur; sonst schwimmen sie tetraodontiform.- Anklänge ans ostraciiformme Schwimmen zeigen der Zitterrochen (nur Schwanz!) und die Elefantenfische (Mormyridae: Schwanz versteift: Muskulatur in Elektrisches Organ verwandelt).- Aphanopus carbo (Scombroidei) schwimmt anguilliform, aber wenn dieser pelagische Räuber eine Beute erspäht, versteift sich sein Rumpf und er "schleicht sich" ostraciiform (C sehr klein) an.

Folgende Formen verwenden zum ruhigen Schwimmen nicht die C und keinen „Roten Muskel“ (die tätigen Flossenstrahlmuskeln sind aber sehr wohl rosa oder „rot“). Die C dient dann, wenn überhaupt vorhanden, nur mehr dem Steuern.

  • Der Kahlhecht (Amia calva) schwimmt amiiform, hauptsächlich durch Undulation der langen Rückenflosse; ähnlich: viele Umberfische (Sciaenidae), der Großnilhecht (Gymnarchus niloticus), ferner die Seekatzen (Chimaeriformes) (Schwanz reduziert) mit Unterstützung der Brustflossen. Unter anderen Voraussetzungen auch die Seepferdchen (Hippocampus) und die verwandten Seenadeln (Syngnathidae).- Mit Undulationen der Schwanzflosse (!) können sich z.B. die Zackenbarsche der Gattung Epinephelus vorwärtsbewegen.
  • Altwelt- (Notopteridae) und Neuwelt-Messerfische (Gymnotiformes) schwimmen gymnotiform, mit Afterflossen-Undulation (die Schwanzflosse fehlt).
  • Drückerfische (Balistidae) schwimmen balistiform, durch Gegeneinander-„Flappen“ von Rücken- und Afterflosse; ähnlich die Mondfische (Molidae), die keine funktionelle Schwanzflosse und eine reduzierte Rumpfmuskulatur haben; auch mit Unterstützung von „Rückstoß“ von Wasser aus den Kiemenhöhlen.- Die Kugelfische (Tetraodontidae) haben undulierende schmale Rücken- und Afterflossen (tetraodontiformes Schwimmen) und können, z.B. auf der Flucht, mit der Schwanzflosse nachhelfen.
  • Lippfische (Labridae) schwimmten labriform, hauptsächlich mittels der Brustflossen („rudernd“). Auch die Doktorfische (Acanthuridae), die Brandungsbarsche (Embiotocidae) u.a.- Igelfische (Diodontidae) schwimmen mittels Undulation der sehr breiten Brustflossen diodontiform.
  • Die Rochen (Batoidea) schwimmen (rajiform) mit undulierenden, sehr verbreiterten Brustflossen (Schwanzflosse reduziert oder fehlend) – oder die Stechrochenartigen (Myliobatiformes) mehr „fliegend“.

Siehe auch

Die Flossen der Wale heißen:

  • Fluke (Schwanzflosse)
  • Flipper oder Pectoralflosse (Brustflosse)
  • Finne oder Dorsalflosse (Rückenflosse)

Literatur

  • Günther Sterba: Süßwasserfische der Welt. Weltbild Verlag, Augsburg 1998, ISBN 3-89350-991-7.
  • Günther Sterba u. a.: Lexikon der Aquaristik und Ichthyologie. Edition Leipzig 1978.
  • Horst Müller: Fische Europas. Neumann Verlag, Leipzig u. Radebeul 1983, ISBN 3-7402-0044-8.
  • Stinglwagner/Bachfischer: Das große Kosmos Angel- und Fischereilexikon. Kosmos Verlag 2002, ISBN 3-440-09281-X.

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