Agapemahl

Die Agape (griechisch αγάπη; lateinisch die caritas) bezeichnet ein griechisches Wort für Liebe, welches durch das Neue Testament auch außerhalb des Griechischen zum festen Begriff geworden ist, sich aber der Bedeutung nach (zeitlich schon vorher) deutlich von Eros, Stoika und Philia unterscheidet.

In katholischen und evangelischen Pfarrgemeinden ist Agape auch die Bezeichnung eines gemeinsamen Mahles nach einem besonderen Gottesdienst, z. B. nach der Osternacht oder einer Hochzeit. Das Wort lehnt sich an das „Liebesmahl“ des Frühchristentums an.

Inhaltsverzeichnis

Etymologie

Das griechische Verb agapao bedeutet „sich zufrieden geben mit etwas“, aber auch „jemanden mit Achtung behandeln, bevorzugen“. Plotin verwendete den Begriff für die herabsteigende Liebe: ein vom Subjekt ausgehendes, freies Tun, wodurch das Geringere erhöht wird, während die emporstrebende Liebe, Eros, ein Zustand des Bestimmtseins ist durch etwas, was nicht vom Subjekt ausgeht, und der Drang nach diesem etwas.[1]

Bedeutung

Im neutestamentlichen Griechisch bedeutet Agape ohne Ausnahme Gottes reine und göttliche Liebe. Agape ist also eine bedingungslose, einseitige, befreiende, auf andere zentrierte Liebe.

Die weitere Bedeutung: Agape bedeutet nicht direkt jene Art der Liebe, die im deutschen Sprachgebrauch üblicherweise mit dem Begriff „Liebe“ verbunden wird, sondern vielmehr eine spirituelle und „metaphysische“ Verbindung zwischen Menschen. Bei Agape handelt es sich nicht um (exklusive) partnerschaftliche Liebe, sondern um eine (inklusive) gemeinschaftliche Liebe. Diese Liebe kann auch die brüderliche Zurechtweisung beinhalten, zu der die Gläubigen nach römisch-katholischen Verständnis verpflichtet sind.[2] Für Papst Benedikt XVI. ist Agape auch eine Bezeichnung für das Sakrament der Heiligen Eucharistie. Er beschäftigt sich in seiner ersten Enzyklika eingehend mit dem Thema der selbstlosen Liebe.

Liebe ist nach Paulus von Tarsus die höchste der drei christlichen Tugenden: Glaube, Hoffnung und Liebe (1. Korinther 13,13. Agape ist die interessenlose Liebe, die sogar ihre Feinde liebt. Man vergleiche dazu die Worte Jesu am Kreuz: „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.“

In 1 Kor 13,1−13 LUT, dem Hohenlied der Liebe, gibt Paulus eine ausführliche Charakterisierung von Agape an.

Agape als Liebesmahlfeier

Paulus kritisierte im 1. Brief an die Korinther deren Praktik, dass jeder zur Agape (Liebesmahlfeier) nur noch selbst Mitgebrachtes aß und nicht mehr teilte, so dass Unterschiede zwischen den eigentlich gleichen Gemeindemitgliedern sichtbar wurden (die Gemeinde sah sich nämlich in Agape und Eucharistie als „ein Fleisch“, weil sie von dem „einen Brot“, dem Leib Jesu Christi, gekostet hatten).

In der frühen Kirche war die Agape ein Synonym für die Eucharistie. Hierbei brachten die Christen Lebensmittel und Wein mit, die gesegnet und dann gemeinsam verzehrt wurden. Damit erfüllte die Agape neben der rituellen Aufgabe auch eine karitative. Die Praktik der Eucharistie als Sättigungsmahl stammt wohl von den jüdischen Kiddusch-Feiern am Sabbat. Hierbei findet zumindest in liberalen jüdischen Gemeinden nach dem Gottesdienst noch eine Mahlzeit statt.

Heute bezeichnet Agape ebenfalls ein Sättigungsmahl der christlichen Gemeinde, beispielsweise im Anschluss an einen Gottesdienst.

Baptistische Liebesmahlfeier

Um den Zusammenhalt und die Gemeinschaft unter den ansonsten weitgehend autonomen Baptistengemeinden zu fördern, wurden in Anlehnung an die urchristliche Agape sogenannte Liebesmahlfeiern durchgeführt. In einer bestimmten Region luden einzelne Gemeinden die umliegenden Schwesterkirchen zu solchen Feiern ein. Besonders beliebt waren dabei staatliche Feiertage (Neujahr, 1. Mai, Tag der Deutschen Einheit etc.) sowie die kirchlichen Feiertage (Reformationsfest, Buß- und Bettag, 2. Weihnachtstag, 2. Ostertag, 2. Pfingsttag). Jede Gemeinde hatte ihren festen Liebesmahltermin und war an diesem Tag Gastgeberin für die anderen Gemeinden. Bei diesen Veranstaltungen spielten neben Predigt, Gebetsgemeinschaft und gemeinsamen Mahlzeiten persönliche Erfahrungsberichte aus dem Glaubensalltag eine bedeutsame Rolle. Nur wenige Baptistengemeinden halten heute noch diese Tradition aufrecht.

Siehe auch

Quellen

  1. Plotin: Enneaden, 253–269
  2. Katholischer Erwachsenen-Katechismus, Band 1, S. 366; Band 2, S. 455.477

Literatur

  • Papst Benedikt XVI.: Enzyklika Deus Caritas est; 25. Dezember 2005 (veröffentlicht 25. Januar 2006)
  • Bernt Knauber: Liebe und Sein. Die Agape als fundamentalontologische Kategorie; Dissertation Universität von Süd Afrika, Pretoria, 2003; Theologische Bibliothek Töpelmann 133; Berlin, New York: de Gruyter, 2006; ISBN 978-3-11-018547-8
  • Anders Nygren: Eros und Agape. Gestaltwandlungen der christlichen Liebe I; Studien des apologetischen Seminars 28; Gütersloh: Bertelsmann, 1930; S. 45–137 (Berlin: Evangelische Verlags Anstalt, 19552
  • Heinrich Scholz: Eros und Caritas. Die platonische Liebe und die Liebe im Sinne des Christentums; Halle 1931
  • Nancy Missler: The Way of Agape. Understanding God’s Love; Kings Highway, 2004; ISBN 978-0-9753593-3-4

Weblinks


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