Agens (Linguistik)

Das Agens (lat. agere „handeln“) bezeichnet in der Linguistik die semantische Rolle desjenigen Aktanten eines Satzes, der über die vom Verb des Satzes ausgedrückte Handlung Kontrolle ausübt bzw. sie verursacht. Der Gegensatz zum Agens ist das Patiens.

Somit ist das Agens eine semantische Rolle, aber keine syntaktische Funktion, weshalb auch zwischen Agens und Subjekt klar unterschieden werden muss. Die Beziehung zwischen semantischen Kategorien wie Agens und grammatischen Kategorien wie Subjekt regeln die sogenannten Diathesen, also vor allem Aktiv und Passiv. Im Aktiv, dem Normalfall, steht das Agens an der Spitze der Hierarchie „subjektwürdiger“ Aktanten, d. h., wann immer ein Agens vorhanden ist, wird es als Subjekt im Nominativ realisiert. Bei Verben, die keine Agensrolle vergeben, wird die Subjektrolle an den nächsthöheren Aktanten aus der Menge der vorhandenen semantische Rollen vergeben. Die Diathese des Passivs hingegen unterdrückt die Agensrolle, wodurch ebenfalls ein Nicht-Agens in die Subjektposition gelangt. (Die soeben gegebene Darstellung charakterisiert allerdings nur die sogenannten Akkusativsprachen, wie z. B. das Deutsche, nicht jedoch den Typ der Ergativsprachen.)

Beispiele

  1. Der Professor quält den Studenten. (Aktiv)
  2. Der Student wurde gequält. (Passiv)

Im ersten Beispiel ist der Professor Agens (und gleichzeitig Subjekt). Im zweiten Beispiel hingegen ist der Student zwar das Subjekt, aber nicht das Agens. Da der Student in beiden Fällen nicht aktiv handelt, sondern etwas erleidet, besetzt er die semantische Rolle Patiens.

Literatur


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