Ager ursulanus
St. Ursula als Schutzmantelfigur

Die Heilige Ursula von Köln soll im 4. Jahrhundert nach Christus gelebt haben. Da ihr Leben jedoch nicht in zeitgenössischen Quellen bezeugt ist, sondern nur in wesentlich später entstandenen Legenden, gilt sie heute allgemein als reine Legendenfigur ohne historische Existenz.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Nach den mittelalterlichen Legenden stammte Ursula aus der Bretagne und lebte im 4. Jahrhundert († angeblich 383). Nach der Legenda aurea sollte die bretonische Königstochter Ursula den Aetherius heiraten, Sohn des heidnischen Königs von England. Sie willigt ein, stellt allerdings drei Bedingungen, die der Bräutigam auch erfüllt: Innerhalb einer Frist von drei Jahren soll Prinz Aetherius getauft werden; eine Schar von zehn Gefährtinnen und 11.000 weiteren Jungfrauen soll zusammengestellt und eine gemeinsame Wallfahrt nach Rom unternommen werden.

Martyrium der Ursula und ihrer Gefährtinnen in einem Holzschnitt von 1499

Die Pilgerfahrt führt per Schiff nach Rom. Dort schließen sich ihnen der (nicht historisch belegte) Papst Cyriacus sowie (in einigen Versionen der Legende) einige Bischöfe und Kardinäle an. In einem Traum wird Ursula das Martyrium verkündigt. In Köln werden alle Pilger von den Hunnen getötet, die die Stadt belagern. Der Prinz der Hunnen verliebt sich allerdings in Ursula und bietet ihr an, sie zu verschonen und zu heiraten. Als sie ablehnt, tötet er sie durch einen Pfeilschuss.

Zu ihren Begleiterinnen zählt die heilige Cordula, die sich beim Angriff der Hunnen zunächst versteckt, sich dann jedoch auch dem Martyrium stellt.

Überlieferung

Kirche St. Ursula zu Köln

Die Legende ist in vielen Versionen erhalten, die vom 9. bis ins 13. Jahrhundert immer weiter ausgeschmückt wurden. Als erster Beleg gilt eine Inschrift aus dem 5. Jahrhundert, die in der Kirche St. Ursula zu Köln aufbewahrt wird. Die Echtheit dieser Inschrift, in der weder der Name Ursulas noch die Anzahl der Jungfrauen erwähnt werden, ist nicht gesichert. Die Ursula-Legende spielt auch eine wichtige Rolle in Gottfried Hagens Reimchronik der Stadt Köln.

Die Zahl 11.000 geht vermutlich auf einen Lesefehler zurück. In frühen Quellen ist zugleich auch von nur 11 Jungfrauen die Rede. Wahrscheinlich wurde die Angabe „XI.M.V.“ statt als „11 martyres virgines“ fälschlich als „11 milia virgines“ gelesen.

Im 12. Jahrhundert wurden zahlreiche Namen der Jungfrauen hinzuerfunden. Vor den Toren der Stadt Köln hatte man ein ehemaliges römisches Gräberfeld entdeckt, das man für den so genannten Ager Ursulanus (lat. = Ursula-Feld) hielt. Die ausgegrabenen Knochen wurden den 11.000 Jungfrauen zugeschrieben und als Reliquien verkauft.

Verehrung

Kunst

Der Traum der Heiligen Ursula von Vittore Carpaccio (ca. 1495). Rechts im Bild der Engel, der ihr das Martyrium verkündet.

Ursulas ikonografische Attribute sind der Pfeil und das Schiff. Für die Gefährtinnen können Lichter (Kerzen oder Lampen) stehen.

Mittelalterliche Darstellungen zeigen Ursula als Schutzmantelfigur, die die Jungfrauen unter ihrem Mantel beherbergt.

Die Vita der Hl. Ursula wurde in der bildenden Kunst u.a. vom Meister der Ursulalegende (Groeningenmuseum in Brügge; Wallraf-Richartz-Museum in Köln), von Tomaso da Modena, Hans Memling (Ursula-Schrein im Johannishospital in Brügge), Carpaccio, Caravaggio und Lodovico Carracci dargestellt. Häufig ist hier die Form des Zyklus, in dem mehrere wichtige Stationen des Lebens der Heiligen dargestellt sind.

Ordensgemeinschaften

  • Ursula-Bruderschaften, so genannte Ursulaschiffchen, gab es seit dem Mittelalter in ganz Europa.
  • In Venedig existierte von 1300-1806 die Scuola di Sant' Orsola, eine Laienbruderschaft mit einer eigenen Kapelle, für die Carpaccio seinen neunteiligen Zyklus schuf.
Wappen der Britischen Jungferninseln

Geografie und Heraldik

  • Die deutsche Stadt Oberursel im Taunus führt ihren Namen auf Ursula zurück und führt sie auch im Wappen.
  • Das Kölner Wappen erinnert ebenfalls an Ursula und ihre Gefährtinnen.

Gedenktag

Bauernregel

Die dem Namenstag entsprechende Bauernregel lautet:

  • Zu Ursula muss das Kraut herein, sonst wird's noch lange draußen sein.

Siehe auch

Literatur

  • Oskar Schade: Die Sage von der Heiligen Ursula und den elftausend Jungfrauen: Ein Beitrag zur Sagenforschung. 3. Auflage. Rümpler, Hannover 1854 (Digitalisat)

Weblinks

Siehe auch


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