Agilolfinger

Die Agilolfinger (auch Agilulfinger genannt) waren die erste baierische Herzogsdynastie. Sie regierten vom 6. bis zum Ende des 8. Jahrhundert, anfangs als Amtsherzöge, später als Stammesherzöge, und betrachteten sich selbst als von den Merowingern eingesetzt (Lex Baiuvariorum, Titel III) – mehrere Versuche, diese Oberhoheit abzuschütteln, die mit dem Aufstieg der Karolinger noch intensiviert wurden, blieben allerdings ohne Erfolg. Die Residenz der Agilolfinger stand in Regensburg.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Als Stammvater der Familie gilt Agilulf, dessen Lebensdaten nicht bekannt sind. Garibald I. (auch Garipald) (ca. 555-589/590 n. Chr.) ist der erste historisch greifbare Herzog aus der Familie, über die es heißt:

Die bayerischen Herzöge gehörten dem Geschlecht der ARNULFINGER an, das mit Garibald I. (ca. 530-590) seinen ersten urkundlich fassbaren Ahnherrn hat und Bayern bis 788 regierte. Seine Herkunft ist nicht erhellt: In langobardischen Quellen ist fränkische Abstammung bezeugt.[1]

Es ist nach der Forschungslage zu Garibald[2] anzunehmen, dass hier die fränkischen Arnulfinger nach Bischof Arnulf von Metz gemeint sind, aus denen die frühen baierischen Herzöge, die üblicherweise als Agilolfinger bezeichnet werden, hervorgegangen sein mögen. Die faktische Herkunft der Familie ist allerdings ungeklärt, ebenso ihre Beteiligung an der baierischen Landnahme und Stammesbildung. Sicher ist jedoch, dass sie schon sehr früh intensive dynastische und politische Beziehungen zu den Franken und den Langobarden pflegten – die Verbindung zu den Langobarden war so eng, dass eine Nebenlinie der Agilolfinger von 652 bis 712 deren Krone trug. Auf eine bereits frühe intensive Beziehung zu den Franken weisen besonders zwei Tatsachen hin: Garibald heiratete um 555 n. Chr. Waldarada (auch Walderada), die Witwe des merowingischen Königs Theudebald. Diese wurde zunächst von Chlothar I. geheiratet, die Ehe musste aber aufgrund kirchlicher Einwände wieder aufgelöst werden. Waldarada wurde nun mit "uni ex suis, qui dicebatur Garipald" (nach Paulus Diaconus) verheiratet, mit dem Bayerherzog Garibald I. Diese Eheschließung deutet auf eine bereits in der Frühzeit weit gediehene und ebenso enge Verbindung zwischen den Bajuwaren und den Franken hin. Ein zweiter Hinweis ergibt sich aus der Eheschließung einer Tochter Garibalds mit einem langobardischen König. Die Tochter war nach den Quellen Anhängerin des katholischen Glaubens. Dies ist umso bemerkenswerter, als außer den Bajuwaren nur die Franken ebenfalls katholisch waren. Die Langobarden hingegen waren Arianer. Aufgrund dieser Information wird eine nahe Zugehörigkeit der Agilolfinger zu den Franken wahrscheinlich, sie kann jedoch aufgrund der für die Frühzeit nur sehr spärlichen Quellenbelege nicht eindeutig nachgewiesen werden.

Die historische Leistung der Agilolfinger besteht in

Bereits im Jahr 624 gerieten die Agilolfinger, damals vertreten durch Chrodoald, einen austrischen Adligen (von dem Fredegar schreibt: „ex proceribus de genet nobili Agylolfingam“), in Konflikt mit den Karolingern, bzw. deren ältesten bekannten Vorfahren, dem Bischof Arnulf von Metz (Arnulfinger) und Pippin dem Älteren (Pippiniden), die im Bündnis miteinander die fränkische Reichspolitik zu dominieren trachteten. Die Süddeutschland beherrschenden Agilolfinger standen im eigenen Interesse auf Seiten der schwachen Merowinger, das Erstarken des Hausmeiertums der Karolinger konnte nicht in ihrem Sinn sein. Die erste große Machtprobe von 725, als Karl Martell in Bayern einrückte, ging für den Herzog Hugbert verloren, die zweite von 743, jetzt unter der Führung von Karls Söhnen, verlor Herzog Odilo.

Der trotz geschlossener Verträge mit den Karolingern nicht endende Versuch, eigenständige Politik zu betreiben, führte schließlich im Jahr 788 dazu, dass Karl der Große Herzog Tassilo III. absetzte und in einem Kloster unterbrachte, das Herzogtum Bayern aufhob und dem fränkischen Reich einverleibte.

Herzöge von Baiern aus der Familie der Agilolfinger

Generell gilt es bei der Genealogie der Agilolfinger darauf hinzuweisen, dass bisweilen große Lücken (v. a. im 6. Jahrhundert) die genaue Rekonstruktion des Stammbaums erschweren. Die Forschung hat verschiedene Modelle hierzu entwickelt. Letztlich klafft jedoch zwischen dem Ende von Tassilo I. (um 610 n. Chr.) und Theodo (ca. 680 n. Chr.) eine nicht eindeutig schließbare Lücke in der Herrschaftsfolge. In dieser Zeit ist über die bayerische Geschichte, abgesehen von einigen, allerdings wenigen Erwähnungen aus fränkischen Quellen, kaum etwas überliefert. Die o. a. Genealogie muss somit vorläufig bleiben, die zwischen 610 und 680 konstruierten Herrscher sind aus Schlussfolgerungen und vereinzelten Hinweisen aus Quellen entstanden, jedoch letztlich nicht vollends bewiesen. Bisweilen wird auch vermutet, dass der Agilolfinger Fara (um 630–640), der nachweislich im Rheinland begütert war, Herrscher über das Bairische Herzogtum war.

Könige der Langobarden aus der Familie der Agilolfinger

Einzelnachweise

  1. Lexikon des Mittelalters: Band I, Spalte 1696
  2. Andreas Kraus: Geschichte Bayerns von den Anfängen bis zur Gegenwart, 3. Aufl., C.H.Beck, München, 2004, ISBN 3-406-51540-1, S. 23ff.: Herzogtum Bayern. Das Herzogtum der Agilofinger

Siehe auch

Literatur

  • B. Sepp, Die bayerischen Herzöge aus dem Geschlecht der Agilulfinger, Oberbayerisches Archiv 50, 1897.
  • E. Zöllner, Die Herkunft der Agilulfinger, Zur Geschichte der Bayern, 1965.
  • K. A. Eckhardt, Merowingerblut II, Agilolfinger und Etichonen, 1965.
  • W. Störmer, Adelsgruppen im früh- und hochmittelalterlichen Bayern, 1972.
  • W. Goez, Über die Anfänge der Agilulfinger, Jahrbuch für fränkische Landesforschung 34/35, 1975.
  • A. Reiser: Die Agilolfinger, 1985.
  • J. Jarnut: Agilolfinger-Studien, Untersuchungen zur Geschichte einer adligen Familie in 6. und 7. Jahrhundert, Nr. 32 der Monographien zur Geschichte des Mittelalters, Verlag Anton Hiersemann, 1986.
  • M. Spindler (Hrsg.): Das alte Bayern. Das Stammesherzogtum bis zum Ausgang des 12. Jahrhunderts (Handbuch der bayerischen Geschichte Bd. 1), 2. überarbeitete Aufl., München 1981.
  • J. Jahn: Ducatus Baiuvariorum, Das bairische Herzogtum der Agilolfinger, 1991.
  • Georg Leidinger: Agilolfinger. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, S. 94 f. (Onlinefassung).

Weblinks


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