Aglais urticae
Kleiner Fuchs
Kleiner Fuchs (Aglais urticae)

Kleiner Fuchs (Aglais urticae)

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
Familie: Edelfalter (Nymphalidae)
Unterfamilie: Fleckenfalter (Nymphalinae)
Gattung: Aglais
Art: Kleiner Fuchs
Wissenschaftlicher Name
Aglais urticae
(Linnaeus, 1758)

Der Kleine Fuchs (Aglais urticae; Syn.: Nymphalis urticae) ist ein Schmetterling (Tagfalter) der Familie der Edelfalter (Nymphalidae). Der Name Aglais urticae leitet sich ab von lat. Aglaie, oder gr. Aglaia, der ältesten der drei Grazien und lat. urtica, die Nessel und beschreibt die grazile Gestalt sowie die Brennnessel als Futterpflanze.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Illustration von Jacob Hübner (um 1800)
Illustration von F. Nemos (um 1895)
Flügelunterseite des Kleines Fuchses
Flügel des Kleinen Fuchses unter dem Mikroskop
Gespinst mit Jungraupen

Die Falter erreichen eine Flügelspannweite von 40 bis 50 Millimetern. Ihre Flügeloberseiten haben eine orange Grundfärbung, wobei der Flügelansatz, besonders der Hinterflügel dunkelbraun ist. Sie tragen am Vorderrand der Vorderflügel ein schwarz, gelb und weißes Fleckmuster und dicht am dunkelbraunen Flügelaußenrand beider Flügelpaare einen blauen Fleckensaum, der dunkel umfasst ist. Auf den Vorderflügeln finden sich je zwei kleinere und ein großer schwarzer Fleck, am Hinterflügel je nur ein großer schwarzer Fleck, der am dunkelbraunen Basalteil anschließt.[1]

In Mittel- und Hochgebirgslagen sind die Falter häufig größer und haben eine hellere Färbung. Im nördlichen Europa sind sie eher kleiner und dunkler.[2]

Die Raupen werden ca. 30 Millimeter lang, andere Quellen geben eine Länge bis 22 Millimeter an.[3] Die Raupen sind schwarz, fein weiß gefleckt und besitzen zwei unterbrochene, gelbe Seitenlinien. Unterhalb der Seitenlinien ist der Körper purpurbraun und gelegentlich mit einer rötlichbraunen Zeichnung zwischen den gelben Seitenlinien versehen. Der Raupenkörper trägt auf dem Rücken und an den Seiten Stachel, die schwarz oder gelblich sind. Der Raupenkopf ist schwarz.[1][3]

Unterarten

  • Aglais urticae ichnusa (Hübner, 1824) ist in Korsika und Sardinien verbreitet.

Vorkommen

Die Tiere kommen in ganz Europa und Asien, östlich bis an den Pazifik vor. Man findet sie normalerweise bis in eine Höhe von 3.000 Meter, gelegentlich werden Falter auch bis in Höhen von 3.500 Meter gefunden.[4]. Sie leben in verschiedensten Lebensräumen (Ubiquist), weswegen sie weit verbreitet sind und sehr häufig vorkommen.[2]

Lebensweise

Das Spektrum der Nektarpflanzen, an denen die Falter saugen, ist sehr breit. Allein in seinem Verbreitungsgebiet in Baden-Württemberg sind weit über 200 Pflanzen bekannt, darunter etwa 40% meist fremdländische Gartenpflanzen. Die Falter werden unter anderem auf nektarreichen Hochstaudenfluren mit Vorkommen der Hauptnektarpflanzen Wasserdost (Eupatorium spec.) und Kratzdistel (Cirsium spec.) angetroffen. In höheren Lagen sind dies Alpen-Milchlattich (Cicerbita alpina), Alpendost (Adenostyles spec.) und Fuchssches Greiskraut (Senecio ovatus) Auf Magerrasen kann der Falter auch saugend an Silberdisteln (Carlina acaulis) beobachtet werden.[5]

Die Tiere sind Wanderfalter und zwar Binnenwanderer erster Ordnung. Sie unternehmen innerhalb ihres Verbreitungsgebietes kürzere Wanderungen. So fliegen sie beispielsweise im Herbst oftmals aus dem Gebirge in die wärmeren Tieflagen und die nächste Generation im Frühsommer wieder zurück. Der Kleine Fuchs überwintert wie das ebenfalls zu den Edelfaltern gehörende Tagpfauenauge (Inachis io) an geschützten Orten wie Kellern, Dachböden, Garagen oder auch in natürlichen Verstecken, wobei die Überwinterung an warmen Tagen unterbrochen werden kann.

Sie werden oft beim Hilltopping beobachtet, an markanten Erhebungen wie Hügeln, Bergkuppen oder Burgruinen segeln sie immer wieder den Hang auf der Suche nach Geschlechtspartnern hinab.[2]

Flugzeit

Die Tiere fliegen in warmen Regionen in zwei bis drei Generationen pro Jahr von Mai bis Oktober, in kalten Gebieten und in hohen Lagen nur in einer von Mai bis August. Nach der Überwinterung fliegen sie von März bis April.[2]

Nahrung der Raupen

Die Raupen ernähren sich fast ausschließlich von Großer Brennnessel (Urtica dioica),[1] Da die Brennnessel bevorzugt auf stickstoffreichen Böden vorkommt, ist der Falter dort besonders häufig.[2]

Entwicklung

Raupe des Kleinen Fuchses
Puppe des Kleinen Fuchses, kurz vor dem Schlüpfen

Die Weibchen legen ihre grünen Eier in großen Gelegen von 50 bis 200 Stück an die Blattunterseiten, sonnenbeschienener Futterpflanzen ab. Die jungen Raupen fressen bis zur letzten Häutung[3] gesellig in selbst gesponnenen Gespinsten, während erwachsene Raupen meist einzeln oder in kleinen Gruppen anzutreffen sind.[1] Die Raupen verpuppen sich nach einer Fresszeit von etwa einem Monat in einer braunen oder hellgrünen Stürzpuppe, die mehrere Dornen und golden-metallische Flecken aufweist. Die Entwicklung vom Ei bis zum Falter ist sehr stark temperaturabhängig und dauert zwischen einem und zwei Monaten, wobei die Hälfte der Zeit auf das Raupen- und je ein Viertel auf das Ei- und Puppenstadium entfallen.[5]

Sie haben eine ausgesprochene Vorliebe für frisches Grün, so dass die Falter ihre Eier meist an frisch austreibende Brennnesseln setzen. Diese Beobachtungen werden durch die chemische Analyse von Brennnesselblättern verschiedenen physiologischen Zustands untermauert. Es konnte nachgewiesen werden, dass sich die Blätter von im Frühling und nach dem Abmähen frisch austreibenden Pflanzen hinsichtlich des Gehaltes an Wasser, Gesamtstickstoffgehalt und löslichen Proteinen kaum unterscheiden. Bereits zu Beginn der Brennnesselblüte ist jedoch der Gehalt an Wasser und Stickstoff deutlich reduziert. Der Gehalt der für die Ernährung der Raupen besonders wichtigen Proteine fällt auf einen Bruchteil des Ausgangswertes.[5]

Feinde

Die Raupen werden nicht von Vögeln gefressen, sehr wohl aber ihre Puppen. Wahrscheinlich werden sie durch ihre auffällige Färbung abgeschreckt.[1] Daneben werden sehr viele Raupen von parasitisch lebenden Zweiflüglerlarven (Diptera) befallen.[2]

Quellen

Einzelnachweise

  1. a b c d e Heiko Bellmann: Der Neue Kosmos Schmetterlingsführer, Schmetterlinge, Raupen und Futterpflanzen, S. 172, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co, Stuttgart 2003, ISBN 3-440-09330-1
  2. a b c d e f Tom Tolman, Richard Lewington: Die Tagfalter Europas und Nordwestafrikas, S. 146, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co, Stuttgart 1998, ISBN 3-440-07573-7
  3. a b c David J. Carter, Brian Hargreaves: Raupen und Schmetterlinge Europas und ihre Futterpflanzen. Blackwell Wissenschaftsverlag 1987, ISBN 3-826-38139-4
  4. Eigene Beobachtung (Mönchsjoch, Schweiz, 31.8.2007) Benutzer:Wahldresdner
  5. a b c Günter Ebert, Erwin Rennwald: Die Schmetterlinge Baden Württembergs Band 1, Tagfalter I. Ulmer Verlag Stuttgart 1993. ISBN 3-800-13451-9

Literatur

  • Hans-Josef Weidemann: Tagfalter: beobachten, bestimmen, Naturbuch-Verlag Augsburg 1995, ISBN 3-894-40115-X
  • Josef Settele, Roland Steiner, Rolf Reinhardt, Reinart Feldmann: Schmetterlinge. Die Tagfalter Deutschlands., Eugen Ulmer KG, 2005, ISBN 3-800-14167-1
  • Axel Hausmann, Michael A. Miller: Atlas der Raupen europäischer und kleinasiatischer Schmetterlinge, fotografiert von Burkhard Nippe, Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München, 2000, ISBN 3-931-51679-2

Weblinks


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