Aglasterhausen
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Aglasterhausen
Aglasterhausen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Aglasterhausen hervorgehoben
49.3538888888898.9902777777778197
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Neckar-Odenwald-Kreis
Höhe: 197 m ü. NN
Fläche: 22,85 km²
Einwohner:

4.882 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 214 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 74856, 74858
Vorwahl: 06262
Kfz-Kennzeichen: MOS
Gemeindeschlüssel: 08 2 25 002
Gemeindegliederung: 4 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Am Marktplatz 1
74858 Aglasterhausen
Webpräsenz: www.aglasterhausen.de
Bürgermeister: Erich Dambach
Lage der Gemeinde Aglasterhausen im Neckar-Odenwald-Kreis
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Über dieses Bild

Aglasterhausen ist eine zum Neckar-Odenwald-Kreis gehörende Gemeinde in Baden-Württemberg.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Geographische Lage

Das Gemeindegebiet liegt im nordbadischen Kleinen Odenwald, grenzt an den nordöstlichen Kraichgau und ist etwa 25 km südöstlich von Heidelberg gelegen.

Gemeindegliederung

Zur Gemeinde Aglasterhausen gehören die ehemaligen Gemeinden Breitenbronn, Daudenzell und Michelbach. Zur Gemeinde Aglasterhausen in den Grenzen von 1971 gehören das Dorf Aglasterhausen, der Ort Steinzeugwarenfabrik (Tongrube) und die Häuser Neumühle und Weilermühle. Zu den ehemaligen Gemeinden Breitenbronn und Michelbach gehören jeweils nur die gleichnamigen Dörfer. Zur ehemaligen Gemeinde Daudenzell gehören das Dorf Daudenzell und das Haus Zellermühle.[2]

Geschichte

Aglasterhausen

Rathaus Aglasterhausen mit Ortsbrunnen

Der Ortsname stammt von althochdeutschen agilalstra (Elster) ab. Über agilaster, Aggleisterhusen (1265), Agilsterhusen (1278), Agileisterwiler, Alsterhausen, Agelesterhausen (1406) wandelte sich der Ortsname schließlich zum heutigen Aglasterhausen.

Aglasterhausen wurde 1137 in Kaufverhandlungen in Verbindung mit den Herren von Kirchheim erstmals urkundlich erwähnt. Das Patronatsrecht lag bei den Herren von Horneck. Die Brüder Werner und Konrad von Horneck schenkten mit einer Urkunde vom 27. Mai 1254 diese Rechte zusammen mit denen von Helmstadt dem Stift Wimpfen.

Um 1255 tritt ein „Wer…“ (Werner?) von Agilasterhusen gemeinsam mit einem Arnold und Sweneger als Unterzeichner eines Schriftstückes in Erscheinung. Vermutlich stand zu jener Zeit auch eine kleine Wehrburg auf dem Gewann Schlossbuckel, die Burg Aglasterhausen. Die Anlage wurde 1959 bei Straßenbauarbeiten entdeckt. Als Besitzer der Burg erscheint zunächst ein Edelknecht zu Aglaisterhausen, danach ein Swicker von Helmstatt, der sie 1421 samt Äcker und Wiesen an die Herren von Hirschhorn verkaufte, die schon 1358 einen Teil des Ortslehens von Diether von Massenbach gekauft hatten. Die Ritter von Hirschhorn verwalteten als Dorfvögte die Bischofsgüter im Ort. Der Zehnt floss zu dem Stift Wimpfen im Tal. Nach einer alten Beschreibung befand sich das Amtshaus der Vögte an der Kirchhofmauer (vermutlich Haus Höfer). Johann von Hirschhorn verpfändet den Ort 1416 an Kurpfalz.

Nach dem Aussterben der Hirschhorn 1632, erhielten die Herren von Ehrenberg das Lehen. Nach deren Aussterben erhielt Graf Johann Anton Cratz von Scharfenstein, Neffe des Bischofs Eberhard Cratz von Scharfenstein, das Lehen. Jedoch zog der Bischof mit der Bevorzugung der eigenen Familie den Ärger der Kurpfälzer auf sich. Zwischen 1678 und 1680 schickten diese ihren Zentgrafen in dörflich-vogteiliche Ruggerichtssitzungen und sorgten für reichlich Konflikte. Nach dem Aussterben der Grafen Scharfenstein 1718, ließ das Bistum Worms den Ort durch den Amtmann Herr Valois mit Sitz auf Burg Ehrenberg verwalten. Dieser hatte wohl viel zu tun, die Rechte des Bischofs gegen die Kurpfalz zu verteidigen.

1803 fiel im Rahmen des Reichsdeputationshauptschlusses Aglasterhausen an das Großherzogtum Baden.

1862 erhielt Aglasterhausen Anschluss an die Badische Odenwaldbahn; in der Folge soll der Ort wie ausgestorben gewirkt haben. Bäckereien, Gaststätten und Schmieden mussten schließen, auch bedingt durch eine Missernte im selben Jahr.

1939 wurden 1087 Einwohner gezählt, Ende 1945 waren es 1338.[3]

Breitenbronn

Wappen
Ortsmitte von Breitenbronn

Breitenbronnn liegt in einem Seitental des Schwarzbaches. Erstmals erwähnt wurde der Ort 976 als ein von Kaiser Otto II. dem Domstift Worms verliehenes Zubehör zur Abtei Mosbach. Später war der Ort kurpfälzisch. Lehensträger im 17. Jahrhundert waren die Landschad von Steinach zu Eicholzheim. Nach 1803 gehörte Breitenbronn zum Bezirksamt Neckargemünd. 1939 wurden 229 Einwohner gezählt, Ende 1945 waren es 257.[3] Der Ort wurde am 1. März 1972 nach Aglasterhausen eingemeindet.

Daudenzell

Wappen

Daudenzell wurde wie Breitenbronn ebenfalls 976 als Zubehör der Abtei Mosbach erwähnt und wurde ebenfalls später pfälzisch. Ortsherren waren u. a. die Herren von Gemmingen. Daudenzell gehörte bis 1803 zur so genannten Stüber Cent des kurpfälzischen Oberamt Heidelberg, anschließend zum Großherzogtum Baden und zu dessen Amtsbezirk bzw. Landkreis Mosbach. 1939 wurden 231 Einwohner gezählt, Ende 1945 waren es 249.[3] Der Ort wurde am 1. Januar 1975 nach Aglasterhausen eingemeindet.

Michelbach

Hauptstraße von Michelbach
Wappen

Michelbach im Tal des gleichnamigen Baches wurde erstmals 1383 erwähnt und war ebenfalls Kurpfälzer Besitz unter Lehensherrschaft u. a. der Herren von Berlichingen, das Kirchenpatronat lag bei den Grafen von Löwenstein und den Herren von Helmstatt. Der Ort war bis zum Jahre 1803 kurpfälzisch und gehörte zum Oberamt Heidelberg und der Stüber Cent. 1939 wurden 385 Einwohner gezählt, Ende 1945 waren es 411.[3] Michelbach wurde am 1. Februar 1974 nach Aglasterhausen eingemeindet.

Eingemeindungen

  • 1. März 1972: Breitenbronn
  • 1. Februar 1974: Michelbach
  • 1. Januar 1975: Daudenzell

Religionen

Seit Einführung der Reformation in der Kurpfalz ist Aglasterhausen mehrheitlich evangelisch geprägt, neben den beiden evangelischen Pfarrämtern gibt es aber auch ein römisch-katholisches Pfarramt.

Politik

Gemeinderat

Die Kommunalwahlen vom 7. Juni 2009 brachten folgendes Ergebnis[4]:

Partei Stimmen +/- Sitze +/-
UWV 44,7 % (-1,8) 10 (±0)
SPD 22,1 % (+7,3) 4 (+1)
CDU 20,5 % (-6,5) 4 (–1)
Grüne Liste 12,6 % (+0,9) 2 (±0)

Die Wahlbeteiligung lag bei 55,8 % und war damit um 3,7 Prozentpunkte geringer als bei der Kommunalwahl 2004. Dem Gemeinderat gehören 17 Männer und drei Frauen an.

Wappen

Die Blasonierung des Wappens von Aglasterhausen lautet: In Silber (Weiß) auf grünem Schildfuß zwischen zwei grünen Pappeln mit schwarzem Stamm ein rotes Haus, auf dessen Dach eine schwarze Elster sitzt.

Das Wappenbild begegnet in ähnlicher Form bereits im Gerichtssiegel aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und ist redend für den Ortsnamen, der als Elsterhausen gedeutet wird (von althochdeutsch agilastra = Elster, Krähe). Das rote Ziegeldach zwischen zwei Pappeln soll Tonvorkomen auf feuchtem Grund anzeigen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

In Aglasterhausen befinden sich in der Ortsmitte das Rathaus und die evangelische Kirche mit markantem Doppelschiff von 1806/07. Auf dem Dorfplatz befindet sich ein alter Eichbrunnen sowie ein neuer Sandstein-Ortsbrunnen. Das Pfarrhaus ist ein barocker Bau des 18. Jahrhunderts. Die Hauptstraße und die Landstraße wurde um 1780 von Kurfürst Carl Theodor neu angelegt. Ein 2006 renovierter Gedenkstein der Stüber-Cent von 1782 erinnert an ihn. Längs der Hauptstraße befinden sich verschiedene historische Anwesen aus der Zeit des Baus der Straße, darunter das historische Gasthaus Drei Könige von 1780. Im Ort sind verschiedene weitere historische Anwesen, teils mit Zierfachwerk, erhalten. Die katholische Kirche stammt von 1964. Im Ort befand sich seit dem hohen Mittelalter eine Burg, die von 1387 bis 1421 von den Herren von Helmstatt bewohnt wurde. Die Burgruine wurde beim Bau der Bundesstraße 292 abgetragen. Des Weiteren wurden Mauer- und Straßenreste aus der Römerzeit gefunden.

In Breitenbronn sind in der Ortsmitte das Rathaus sowie die Kirche von 1840 zu sehen. Dort befinden sich auch historische Brunnen und mehrere Anwesen die teils ins 18. Jahrhundert datieren.

In Daudenzell befindet sich eine evangelische Kirche mit außergewöhnlichem Altar sowie Wandmalereien des 13. Jahrhunderts im Turm. Das direkt bei der Kirche befindliche evangelische Pfarrhaus wurde 1735 errichtet. Das Rathaus weist ein großformatiges Fassadengemälde mit Szenen aus der Ortsgeschichte auf. Außerdem ist der beachtliche Bestand an vergleichsweise großen historischen bäuerlichen Anwesen bemerkenswert.

In Michelbach befinden sich ebenfalls Rathaus, Kirche und Dorfbrunnen sowie historische Fachwerkgebäude.

Wirtschaft und Infrastruktur

Haltepunkt Aglasterhausen der Linie S51 der S-Bahn RheinNeckar

Verkehr

Aglasterhausen ist Endpunkt der Schwarzbachtalbahn (Baden) von Meckesheim und mit der Linie S51 in die S-Bahn RheinNeckar eingegliedert. Die Züge werden bis Heidelberg, Mannheim und teilweise Mainz durchgebunden. Durch die Bundesstraße 292 (Bad Schönborn-Lauda-Königshofen) ist Aglasterhausen an das überregionale Straßennetz angebunden.

Öffentliche Einrichtungen

Bildungseinrichtungen

Neben einer Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule besteht mit der Gebrüder-Grimm-Schule auch noch eine Förderschule im Ort. Zudem gibt es noch zwei kommunale Kindergärten und einen evangelischen Kindergarten im Ort.

Persönlichkeiten

Einzelnachweise

  1. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden Baden-Württembergs 2010 (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 258–260
  3. a b c d Mitteilungen des Württ. und Bad. Statistischen Landesamtes Nr. 2: Ergebnisse der Einwohnerzählung am 31. Dezember 1945 in Nordbaden
  4. Wahlergebnis beim Statistischen Landesamt Baden-Württemberg - abgerufen am 30. November 2009

Weblinks

 Commons: Aglasterhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

Otto Kissel: Aglasterhausen, Geschichte einer Landgemeinde. Geiger-Verlag Horb 2000 ISBN 3-89570-641-8


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