Egge (Landtechnik)

Egge (Landtechnik)
Modifizierte Egge im VEG Schönau, 1951
ältere Zinkenegge, zusammengeklappt für den Straßentransport
Federzinkenegge mit Nachläufer, zusammengeklappt für den Straßentransport
Scheibenegge mit Schleppbalken
links im Bild Striegel zur Unkrautbekämpfung

Eine Egge ist ein landwirtschaftliches Gerät zum Zerkleinern von Erdschollen sowie Lockerung und Krümelung der oberen Bodenschicht nach dem Pflügen bzw. Grubbern oder vor der Saat zur Saatbettbereitung. Bei der Breitsaat dient die Egge zur Einarbeitung des Saatgutes.

Inhaltsverzeichnis

Bedeutung

Die Egge kann aber auch zur Unkrautbekämpfung oder Einebnung von Ackerunebenheiten verwendet werden.[1] Durch die Lockerung und Krümelung der oberen Bodenschicht werden zugleich die Bodenkapillaren gebrochen und damit die Verdunstung der Bodenfeuchtigkeit vermindert. Sie wird von Zugtieren oder Traktoren gezogen.

Ursprünglich bestand die Egge aus einem Zinkengerüst, zuerst aus Holz, später ausschließlich aus Stahl.

Eggen erzeugen aufgrund einer großen Zinkenzahl einen relativ feinen Bodenzustand, sie waren neben dem Pflug das Hauptarbeitsgerät des Bauern. Manche schwere Typen können auch zum Stoppelsturz bzw. zur pfluglosen Bodenbearbeitung eingesetzt werden.

Die Wortsilbe egg hat den gleichen Ursprung wie das lateinische acer für ‚scharf, schneidend‘.

Eggen nach Typ

Für die verschiedenen Einsatzgebiete besteht eine große Auswahl von Eggentypen. Neben den traditionellen Zinkeneggen, sind Eggen mit und ohne Antrieb im Einsatz.

Eggen ohne Antrieb, also gezogene bzw. über den Boden angetriebene Eggen, werden unterteilt in Zinkeneggen und Scheibeneggen. Die Scheibenegge, auch Telleregge genannt, ist eine Sonderform. Zu den Scheibeneggen gehört auch die Spatenrollegge.

Mit der Zapfwelle angetrieben werden unter anderem die Kreiselegge oder Kreiselgrubber sowie die Rüttelegge. Alle modernen angetriebenen Eggen haben in der Regel eine direkt montierte Walze als Abstützung, Tiefenführung und zur Rückverfestigung des Bodens.

Zinkenegge

Die Zinkeneggen unterteilen sich in Eggen mit starren Zinken und die Federzinkenegge/Federzahnegge (auch Kultivatoren oder Saatbeetkombinationen genannt). Sonderformen sind Löffelegge, Netzegge, Taumelegge und Wiesenegge.

Netzegge

Die Netzegge (auch Striegel genannt) besteht aus einem netzartigen Drahtgeflecht, in dem die Zinken, ebenfalls aus Draht, befestigt sind. Diese Eggenart ist besonders beweglich und passt sich daher jeder Bodenunebenheit an. Sie wird zur Unkrautbekämpfung eingesetzt; ihre Zinken reißen oder verschütten aufgrund ihrer kreisenden, rührenden Bewegungen Unkrautkeimlinge- und jungpflänzchen, wohingegen die bereits stärker entwickelten Kulturpflanzen nicht nachhaltig geschädigt werden.[2] Durch die leichte Konstruktion und die geringe Arbeitstiefe ist ein Striegel weitaus leichtzügiger als andere Eggenarten. Sie benötigt daher trotz ihrer meist größeren Arbeitsbreite nur leichte Pflegetraktoren als Zugmaschinen und erreicht dennoch große Flächenleistungen pro Stunde. Sie kann aufgrund ihrer geringen Arbeitstiefe auch kurz vor dem Auflaufen der Kultur eingesetzt werden.

Wiesenegge oder Grünlandegge / Grünlandstriegel

Wiesenegge, zusammengeklappt

Bei der Wiesenegge handelt es sich um eine spezielle Egge für den Einsatz auf Wiesen. Sie dient dort dem Entfernen von Moos, dem Einebnen von Maulwurfshügeln oder dem gleichmäßigen Verteilen von Mist, Kuhdung oder Güllekrusten. Außerdem wird mit ihrem Einsatz die Grasnarbe verletzt und somit zum Wachsen angeregt. Die Wiesenegge kann auch zum Einebnen von Trabrennbahnen, Reitplätzen oder einfach dem Einebnen von Erde verwendet werden. Die Wiesenegge besteht aus einem Rahmen, in dem Stahlplatten mit kurzen Zinken an der Unterseite hängen.

Die moderne Art der Grünlandpflege wird mit einem Grünlandstriegel (mit und ohne Untersaatgerät) durchgeführt. Planierschienen ebnen dabei die Maulwurfshaufen und Kuhfladen ein, die Striegelzinken übernehmen die Verteilung des organischen Materials. Zusätzlich belüften sie die Grasnarbe, reißen Verfilzungen auf und schaffen durch Ausstriegeln von Unkraut Lücken, die mittels Nachsaat mit wertvollem Saatgut geschlossen werden. Grünlandpflege erhöht nicht nur den Ertrag und Nährwert, sie verringert auch den Unkrautdruck, weil die Entstehung von Lücken, wo Unkraut wachsen kann, verhindert wird. Als Option kann der Grünlandstriegel mit Anpresswalzen ausgerüstet werden.

Kreiselegge

Kreiselegge
Kreiselegge, Zinken im Hintergrund und Nachläuferwalze im Vordergrund

Die Kreiselegge oder Rotoregge, ist ein landwirtschaftliches Gerät zur Bodenbearbeitung, besonders zur Saatbettbereitung vor der Aussaat. Die Kreiselegge ist gewöhnlich im Dreipunktanbau mit einem Traktor verbunden, der das Gerät mit Hilfe einer Gelenkwelle antreibt. Die Gelenkwelle führt zu einem Winkelgetriebe, das wiederum je nach Arbeitsbreite eine Vielzahl von Kreiseln antreibt, die in Abständen von 25 cm oder auch 30 cm gleichmäßig in einer Reihe auf dem Werkzeugträger verteilt sind. Jeder Kreisel ist über eine vertikale Welle mit einem Zinkenpaar ausgerüstet, das an einem Zinkenhalter befestigt ist. Die Zinken, auch Kreiselmesser genannt, haben eine Länge von zirka 25 cm und arbeiten in Abhängigkeit von der auszusäenden Fruchtart in unterschiedlicher Bodentiefe. Die Arbeitsgeschwindigkeit liegt bei 6 bis 10 km/h bei etwa 350 bis 420 U/min der Kreisel. Die Kreiselegge wird in Arbeitsbreiten von 2,5 m bis 4,5 m in starrer Bauart angeboten, wogegen die größeren Arbeitsbreiten (bis 8 m) für den Transport hydraulisch einklappbar sind. Auf die Kreiselegge kann auch eine Drillmaschine aufgebaut werden, um den getrennten Sävorgang auf einen Arbeitsgang zu reduzieren, was eine Kosteneinsparung und Bodenschonung bedeutet.

Kreiselgrubber


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