Egressiv (Grammatik)

Der grammatische Terminus resultativ (lat. resultatum, „Ergebnis“; auch effektiv oder konklusiv; frz. résultatif, état résultant [1]) gehört zu den Aktionsarten bzw. als semantisch umfassende Kategorie Resultativität zur Aspektualität [1]. Die Handlung, der Vorgang oder der Zustand, der im Verbstamm gegeben ist, wird dabei als erfolgter, abgeschlossener Wechsel in einen neuen Zustand, also ergebnisbezogen beschrieben.[2]

Unter dem Begriff werden gelegentlich die terminative, telische oder perfektive und die delimitative Aktionsart mitgefasst [3]. Ähnlich wie die resultative wird die egressive Aktionsart definiert [2], in einigen Werken [4] [5] sind sie gleichbedeutend.

Inhaltsverzeichnis

Resultativität im Deutschen

Im Deutschen können diverse Mittel die Resultativität von Ausdrücken kennzeichnen, wobei die Stellung im Verbsystem (Wortbildungsprodukte, Verbform) von der Realisierung abhängt:

Elisabeth Leiss (vgl. [6] und [7]) schlägt eine homogene Analyse aller Konstruktionen mit konjugiertem sein + Partizip II als Resultativum vor:

„ Sie ist aufgewacht“ (traditioneller Status: sein-Perfekt)
„ Die Vorführung ist eröffnet“ (traditioneller Status: sein-Passiv, Zustandspassiv)

Das erste Beispiel ist dann als Zustandspräsens („Sie ist eine Angekommene“), als aktivisches Resultativum, das zweite als passivisches Resultativum zu analysieren. Resultativum ist hier nicht als Tempusform, sondern als Aspekt-Passiv-Übergangskategorie definiert.

Die Bildung ist bei terminativen und perfektiven Verben möglich.[2]

Andere Autoren negieren das Resultativum als eigene Kategorie, aber allgemein gilt:

„...dient die sein- Konstruktion im prototypischen Fall als Resultativkonstruktion im Verhältnis zur Vollverbkonstruktion“ (so in [8], auf das sein-Passiv bezogen)

Gerhard Helbig und Joachim Buscha schreiben den mit haben/sein + Partizip II umschriebenen Tempora (Futur II, Perfekt und Plusquamperfekt; in [8] Perfekttempora genannt) einen „aktionalen Faktor der Resultativität“ zu („Er ist/war/wird eingeschlafen sein“ = „Er schläft/schlief/wird schlafen“).[9]

In deutschen Grammatiken wie den früheren Auflagen der Duden-Grammatik[4] oder in [5] wird resultativ als Fachbegriff für eine „Aktionsartklasse“ (so ausdrücklich in [5]) und synonym mit egressiv verwendet. Die sog. resultativen bzw. egressiven Verben bilden eine Untergruppe sog. perfektiver (oder in beiden Grammatiken als Synonym aufgeführt: terminativer) Verben. Darunter fallen Präfixbildungen wie verblühen oder aufessen, die die Bedeutung nach [8] definiert annehmen.

Resultativität in anderen Sprachen

Griechisch

Die altgriechische Sprache drückt Resultativität primär in der Bildung der Perfektformen (Perfekt, Plusquamperfekt, Futur II) aus [2]: πέφευγα, „ich bin geflohen (und jetzt in Sicherheit)“

Um einfache Abgeschlossenheit, wie sie beim perfektiven Aspekt gegeben ist, von resultativer Abgeschlossenheit abzugrenzen, machte man Folgendes [10]: Für solche Perfektformen, die nur zur Bez. von Handlungen und Vorgängen, die vorzeitig sind, abgeschlossen werden und ein Resultat hinterlassen (im Gegensatz zum deutschen und lateinischen Perfekt etwa, das auch nicht-resultativ als Vergangenheitsform gebraucht wird: lat. „fugi“, „Ich bin geflohen(und jetzt weg)“ oder „Ich floh/bin geflohen (irgendwann mal)“) wurde die Verbalkategorisierung Stadium (englische Entsprechung: stage) eingeführt. Diese lässt sich außer im Altgriechischen auch z. B. zur Unterscheidung der spanischen Verbformen ha cantado, „er hat gesungen ([+resultativ]: „und hat jetzt Durst, wird jetzt bestraft...“)“ und cantaba, „er sang (pflegte zu singen, sang ständig...)“ (Imperfekt) anwenden.

Allerdings ist der Fachausdruck „resultativ“ als Unterkategorie des „Stadiums“ eher ungebräuchlich; die Umschreibungen mit έχω + Aparemfato (z. B. είχατε γράψει, „ihr hattet geschrieben“) im Neugriechischen [11] und auch die synthetischen Perfektformen des Altgriechischen werden eher Formen des perfektischen Aspekts [12] genannt.

Slawische Sprachen

Im Russischen drückt sich Resultativität durch Wortbildungsmechanismen (Wortbildung) aus. Isačenko zählt die resultative Aktionsart zu einer Subklassifikation der Aktionsarten mit Phasenbedeutung und macht folgende Feindifferenzierungen in (aus [13]):

Die Ableitungsmittel (Affixe), die die Aktionsart markieren, folgen in Fettschrift. Die folgende Auflistung der Subkategorien der resultativen Aktionsart ist nur ein Auszug der Einteilung Isačenkos. Es ist zu beachten, dass es keine universelle Terminologie gibt. Demnach kann im Folgenden das eine oder andere ein Neologismus sein.

  • Verben, die ein erfolgreiches Ende des vom Grundverb Denotierten bezeichnen: eigentlich-resultative Derivate, z. B. побриться (pobrit’sja) ‘sich rasieren’
  • Verben, die das Beendigen des vom Grundverb Denotierten bezeichnen: terminative Derivate, z. B. пропеть (propet’) ‘(zu Ende) singen’
  • Verben, die das Beendigen des vom Grundverb Denotierten nach einer gewissen Dauer bezeichnen: perdurative Derivate, z. B. проспать (prospat’) ‘(eine bestimmte Zeit hindurch) schlafen’
  • Verben, die bezeichnen, dass das vom Grundverb Denotierte nicht weiter getan werden kann, weil es nicht mehr geht: exhaustative Derivate, z. B. убегаться (ubegat’sja) ‘sich müde laufen’
  • Verben, die bezeichnen, dass das vom Grundverb Denotierte sämtliche Objekte oder ein ganzes Objekt erfasst: totale Derivate, z. B. изранить (izranit’) ‘viele Wunden beibringen’

Wie die Aktionsartklassifizierungen (Aktionsart) in Germanistik und Slawistik generell verschieden ausfallen, so ist dies auch bei der tieferen Typisierungen der resultativen Aktionsart der Fall (vgl. hierzu [14]).

Französisch

Im Französischen lässt sich resultative Aspektualität neben dem Passé composé(z. B. mourir, „sterben“ → „Il est mort“, „Er ist tot/gestorben“) auch durch das Weglassen des Agens im Passiv ausdrücken: „La maison était déjà acheté“, „Das Haus war schon gekauft“. [1]

Siehe auch

Quellen

  1. a b c Volker Fuchs: Französische Grammatik nach Stichwörtern geordnet, 1992, Langenscheidt, Verlag Enzyklopädie, ISBN 3-324-00557-4
  2. a b c d Helmut Glück (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache, Stuttgart 2005, ISBN 3476009378
  3. Hadumod Bussmann: Lexikon der Sprachwissenschaft, Stuttgart 1990, ISBN 3-520-45202-2
  4. a b Günther Drosdowski: Grammatik der deutschen Gegenwartssprache, Mannheim 1995, 5.Aufl., ISBN 3411040459
  5. a b c Lutz Götze und Ernest W.B. Hess-Lüttich: Grammatik der deutschen Sprache Sprachsystem und Sprachgebrauch, Köln 2004, genehmigte Sonderausgabe für den Verlag Karl Müller GmbH (www.karl-mueller-verlag.de), ISBN 3-8336-0131-0
  6. Die Verbalkategorien auf http://www.univie.ac.at/iggerm/files/scheuringer_verbalkategorien.pdf
  7. Das Zustandspassiv auf http://www.linguistik.uni-tuebingen.de/maienborn/pdf-files/2005-Zustandspassiv.pdf
  8. a b c Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion(Hrsg.): Duden Die Grammatik Unentbehrlich für gutes Deutsch, 7.Aufl., Mannheim 2005, ISBN 3-411-04047-5
  9. Gerhard Helbig und Joachim Buscha: Leitfaden der deutschen Grammatik, Mai 2000, ISBN-10: 3468494955, ISBN-13: 978-3468494956
  10. Die Verbkategorisierung Stadium auf http://culturitalia.uibk.ac.at/hispanoteca/Lexikon%20der%20Linguistik/Eingangsseite/Lexikon-Linguistik-Eingangsseite.htm
  11. Über den Verbalaspekt im Neugriechischen: http://home.schule.at/cometo/latein-griechisch/html/tempussystem_neugriechisch.html
  12. altgriechische Konjugation auf http://www.graecum.net/21.html
  13. Zu einigen Klassifikationen der Aktionsarten in der Russistik und in der Germanistik: http://www.ilg.uni-stuttgart.de/Gaschkowa/publications/03.pdf
  14. Zu einigen Klassifikationen der Aktionsarten in der Russistik und in der Germanistik: http://www.ilg.uni-stuttgart.de/Gaschkowa/publications/03.pdf

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