Agnes von Prag
Agnes von Böhmen pflegt einen Kranken, 1482

Agnes von Böhmen (tschechisch: Svatá (heilige) Anežka Česká auch Anežka Přemyslovna, * 20. Januar 1211 in Prag, † 6. März 1282 ebenda) war eine heiliggesprochene Klostergründerin und böhmische Prinzessin, die jüngste Tochter von Ottokar I. Přemysl und Konstanze von Ungarn.

Ihre Kindheit verbrachte Agnes im Kloster, wo sie von ihrer Tante, der heiligen Hedwig, erzogen wurde, danach war sie fünf Jahre in Wien am Hof Leopolds VI., wo sie auf ihr Leben als Königstochter vorbereitet werden sollte. Sie war jedoch tief religiös und musste zunächst die Versuche ihres Vaters, sie zu verheiraten, abwehren. Zu den von Ottokar ausgewählten Anwärtern auf ihre Hand gehörten der junge Heinrich VII., dann dessen inzwischen verwitweter Vater, Kaiser Friedrich II. und der englische König Heinrich III..

Nach dem Tod ihres Vaters im Jahr 1230 konnte sie sich schließlich ihrem Hauptanliegen widmen - dem Leben für Gott und die Armen und Kranken. Mit der heiligen Klara, die ihr großes Vorbild war, stand sie in regem Schriftverkehr. Sie gründete in Prag ein Spital für Arme, ein Franziskanerkloster für Männer und ein Klarissenkloster für adlige Frauen, wo sie später Äbtissin wurde. Sie bewirkte die Gründung des ersten Klosters der Kreuzherren mit dem Roten Stern, der einzigen böhmischen Ordensgründung.

Agnes bemühte sich auch um Gründung eines Frauenordens nach den strengen Regeln der Franziskaner, ihr Vorhaben wurde jedoch vom Papst Gregor IX. nicht genehmigt. Aus Protest legte sie dann das Amt der Äbtissin nieder und nannte sich seit dem nur „Die ältere Schwester“.

Außer ihren fürsorgerischen Aufgaben nahm sie auch am politischen Leben teil, indem sie Streitigkeiten zwischen ihrem Bruder Wenzel I. und seinem aufmüpfigen Sohn Ottokar II. schlichtete.

Schon bald nach ihrem Tode wurde sie für eine Heilige gehalten und mehrere böhmische Herrscher versuchten vergeblich, sie auch tatsächlich kanonisieren zu lassen. Erst 1874 wurde sie seliggesprochen. Am 12. November 1989 nahm Papst Johannes Paul II. die Heiligsprechung vor und nahm sie mit dem Päpstlichen Dekret Salus Deo Nostro in das Heiligenverzeichis der römisch-katholischen Kirche auf.

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