Agostino Kardinal Casaroli

Agostino Kardinal Casaroli (* 24. November 1914 in Castel San Giovanni, Provinz Piacenza, Italien; † 9. Juni 1998 in Rom) war Kardinalstaatssekretär der römisch-katholischen Kirche.

Leben

Am 27. Mai 1937 empfing Casaroli das Sakrament der Priesterweihe. Ab 1940 arbeitete er im vatikanischen Staatssekretariat zunächst im archivarischen Dienst und ab 1950 im diplomatischen Dienst. Bis 1961 war er zuständig für Lateinamerika.

Im März 1961 ernannte ihn Johannes XXIII. zum Untersekretär der „Heiligen Kongregation für die außergewöhnlichen Angelegenheiten der Kirche“ (ab 1968: „Rat für die öffentlichen Angelegenheiten der Kirche“), deren Sekretär er am 4. Juli 1967 wurde. Ebenfalls am 4. Juli 1967 wurde er zum Titularerzbischof von Cartagine ernannt. Am 16. Juli 1967 spendete ihm Papst Paul VI. die Bischofsweihe. Kokonsekratoren waren Bischof Augusto Gianfranceschi, sowie Jacques-Paul Martin, Titularerzbischof von Neapolis in Palaestina.

Johannes Paul II. ernannte ihn am 28. April 1979 zum Pro-Staatssekretär (Staatssekretär ohne Kardinalsrang) und nahm ihn am 30. Juni als Kardinalpriester mit der Titelkirche Santi XII Apostoli in das Kardinalskollegium auf. Bereits am nächsten Tag, dem 1. Juli, wurde er zum Kardinalstaatssekretär ernannt.

Am 25. Mai 1985 wurde er Kardinalbischof von Porto und Santa Rufina.

Mit Erreichen der Altersgrenze trat Casaroli am 1. Dezember 1990 von allen seinen Ämtern zurück.

Agostino Casaroli gilt als Architekt der vatikanischen Ostpolitik unter Johannes XXIII. und Paul VI. Er war als Diplomat in der Lage, diffizile Abkommen mit antiklerikalen oder sogar atheistischen Regierungen auszuhandeln, etwa in Jugoslawien und Ungarn. Allerdings erntete er herbe Kritik für diese Verträge, die von den unterdrückten Katholiken der Ostblockländer als unnötige Kompromissbereitschaft gegenüber einer der Kirche verfolgenden Regierung ausgelegt wurden - so etwa das Abkommen mit Ungarn (1964), das zur Bischofsweihe von längst bekannten Geheimagenten der Kommunistischen Partei geführt hat. Von den fünf Bischofsweihen nach 1964 waren drei Kandidaten bereits als Agenten tätig und ein weiterer befand sich im Stadium der Kandidatur[1].

Einzelnachweise

  1. Vgl. Krisztián Ungváry, „The Kádár Regime and the Roman Catholic Hierarchy“, The Hungarian Quarterly 48 (2007) 187 [1]

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