Agrarlandschaft Südölands
Das Gräberfeld bei Gettlinge mit einer Schiffssetzung

Die Agrarlandschaft Südölands ist seit dem Jahr 2000 schwedisches Weltkulturerbe.

Öland ist die viertgrößte Insel der Ostsee. Etwa ein Drittel der Insel, ungefähr 560 Quadratkilometer, gehört zum Weltkulturerbe, das Äcker, Weideland, Dörfer, Fluchtburgen und Gewässer umfasst. Die landwirtschaftliche Nutzung der Insel begann um 3000 v. Chr. und die Bodennutzung ist heute aufgrund der naturgeographischen Rahmenbedingungen weitgehend noch dieselbe wie zur Steinzeit.

Während des Mittelalters wurde das Land aufgeteilt in Dorfgrund, Ackerland und Wiesen sowie Weideland. Auf dem Dorfgrund entstanden Reihendörfer, die durch ihre schlichten, ochsenblutfarbenen Holzhäuser bis heute das Landschaftsbild prägen. Ackerland und Wiesen wurden gemeinsam bewirtschaftet, wobei jeder Hof Anteile an jedem Acker hatte. Die Dorfwiesen, die ungefähr fünf- bis sechsmal so groß waren wie das Ackerland, dienten als Weideland für die Haustiere und standen für das Winterfutter. Die Äcker und Wiesen wurden durch Steinwälle vor den weidenden Viehherden, aber auch wilden Tieren geschützt. Erst im 19. Jahrhundert wurden das gemeinsame Ackerland und die Wiesen zwischen den Höfen aufgeteilt. Niedrige Steinmauern, die heute so typisch für die Landschaft sind, grenzten die neuen Felder und Wiesen voneinander ab.

Das Land außerhalb der Steinwälle war Weideland, auf denen die Schaf- und Rinderherden der Dörfer weideten, aber auch halbwilde Pferdeherden umherstreiften. Es ist vor allem Heideland bzw. Alvar (Stora Alvaret), das beinahe die Hälfte der Fläche im Weltkulturerbe (260 km²) einnimmt. Die dünne Erdschicht der Heide ist sowohl extremer Trockenheit wie auch Überschwemmungen ausgesetzt, was die Flora einzigartig macht. Die flachen küstennahen Weidegebiete, die Seewiesen (sjömarker) wiederum sind ein wichtiges Vogelreservat, welches von der Vogelschutzwarte im südlich gelegenen Naturreservat Ottenby betreut wird. Auch das Weideland wurde im Rahmen der Bodenreform im 19. Jahrhundert aufgeteilt und die Grundstücke wurden durch Steinmauern voneinander abgegrenzt.

In dieser geschichtsträchtigen Agrarlandschaft gibt es zahlreiche Zeugnisse aus der Stein-, Bronze- und Eisenzeit: Ganggräber aus der Steinzeit, Grabhügel aus der Bronzezeit, Fluchtburgen, Hausfundamente sowie Grabfelder aus der älteren Eisenzeit weisen darauf hin, dass diese Landschaft mehrere tausend Jahre lang von Menschen genutzt wurde.

In der Begründung für die Anerkennung als Weltkulturerbe wird deutlich, dass es gerade der Charakter als jahrtausendealte Kulturlandschaft ist, der zum Welterbestatus führte:

„Die heutige Landschaft des südlichen Öland ist ebenso sehr von ihrer langen Kulturgeschichte wie von geologischen und topographischen Gegebenheiten geprägt. Die Bauernlandschaft (odlingslandskap) des südlichen Öland ist ein einzigartiges Beispiel dafür, wie der Mensch vielförmige Landschaft (…) auf optimale Weise nutzt.“[1]

Weblinks

 Commons: Agrarlandschaft Südölands – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. http://www.h.lst.se/h/amnen/Varldsarvet/Världsarvet Södra Ölands odlingslandskap

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Agrarlandschaft — Typische Agrarlandschaft nahe dem Trondheimfjord (Norwegen) Als Agrarlandschaft bezeichnet man in der Geographie einen durch die Landwirtschaft gestalteten Kulturlandschaftstyp der Erdoberfläche. Sie zeichnet sich zwar durch eine gewisse… …   Deutsch Wikipedia

  • Alvar (Landschaft) — Verbuschendes Alvar nach Einsetzen der sommerlichen Trockenperiode bei Djupvik, Öland, 2004 Das Wort Alvar bezeichnete im Altschwedischen wie im heutigen Schwedisch ein baumloses, für Landwirtschaft ungeeignetes Land mit einer dünnen… …   Deutsch Wikipedia

  • Alexanderson Day — Längstwellensender Grimeton SAQ ist das Rufzeichen des Längstwellensenders Grimeton bei Grimeton, Gemeinde Varberg, in Schweden. Diese Anlage verfügt über den einzigen noch funktionsfähigen Maschinensender der Welt, der zu besonderen Anlässen,… …   Deutsch Wikipedia

  • Alvar (Landform) — Verbuschendes Alvar nach Einsetzen der sommerlichen Trockenperiode bei Djupvik, Öland, 2004 Das Wort Alvar bezeichnete im Altschwedischen wie im heutigen Schwedisch ein baumloses, für Landwirtschaft ungeeignetes Land mit einer dünnen… …   Deutsch Wikipedia

  • Drottningholm — Schloss Drottningholm Rückseite des Schlosses Schloss Drottningholm war ursprünglich ein königliches Lustschloss auf der Insel Lovön im Mälaren in der …   Deutsch Wikipedia

  • Felsbilder von Bohuslän — Die Felsenritzungen von Tanumshede Ein Detail der Felsritzungen Die Felsritzungen von Tanum liegen auf dem Gebiet der schwedischen Gemeinde Tanum in der histo …   Deutsch Wikipedia

  • Felsenritzungen von Tanum — Die Felsenritzungen von Tanumshede Ein Detail der Felsritzungen Die Felsritzungen von Tanum liegen auf dem Gebiet der schwedischen Gemeinde Tanum in der histo …   Deutsch Wikipedia

  • Felsenzeichnungen von Tanum — Die Felsenritzungen von Tanumshede Ein Detail der Felsritzungen Die Felsritzungen von Tanum liegen auf dem Gebiet der schwedischen Gemeinde Tanum in der histo …   Deutsch Wikipedia

  • Hohe Küste — Höga Kusten Beginnender Planzenbewuchs auf früherem Meeresboden. Das Küstengebiet Höga Kusten in der schwedischen Provinz …   Deutsch Wikipedia

  • Hovgården — Ansgars Kreuz auf Birka, Sommer 2008 Birka und Hovgården, gelegen auf zwei benachbarten Inseln (Björkö und Adelsön) in Schwedens drittgrößtem See, dem Mälaren, wurden 1993 in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Sie geben Zeugnis vom… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”