Agrigento
Agrigento
Agrigento (Italien)
DMS
Agrigento
Staat: Italien
Region: Sizilien
Provinz: Agrigento (AG)
Lokale Bezeichnung: Girgenti
Koordinaten: 37° 19′ N, 13° 35′ O37.312513.575230Koordinaten: 37° 18′ 45″ N, 13° 34′ 30″ O
Höhe: 230 m s.l.m.
Fläche: 244 km²
Einwohner: 59.158 (2007)
Bevölkerungsdichte: 242 Einw./km²
Postleitzahl: 92100
Vorwahl: 0922
ISTAT-Nummer: 084001
Demonym: Agrigentini
Schutzpatron: San Gerlando
Website: Agrigent

Agrigent (italienisch: Agrigento, bis 1927 Girgenti) ist eine Stadt mit 59.158 Einwohnern[1] an der Südküste Siziliens, 4 km vom Meer entfernt gelegen. Agrigent ist die Hauptstadt der Provinz Agrigent.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Die Stadt liegt auf 213 m s.l.m. über dem Meeresspiegel auf einer nach Osten und Norden steil sowie nach Westen langsam abfallenden Felshöhe und wird von zwei Flüssen umschlossen, dem S. Anna oder Fiume Drago und dem S. Biagio. Diese vereinen sich unterhalb der Stadt auf halber Strecke zum Meer.

Das Stadtgebiet wird durch ein tiefes Tal in zwei Hälften geteilt, von denen sich der nordwestliche Teil bis zu 328 m, der südöstliche bis zu 351 m über den Meeresspiegel erhebt. Die Akropolis liegt im nordwestlichen Teil. Das Stadtgebiet umfasst eine Fläche von etwa 450 ha in Form eines irregulären Rechtecks. Die Gesamtfläche der Gemeinde umfasst 244 km², die Bevölkerungsdichte beträgt etwa 217 Einwohner/km².

Die Nachbargemeinden sind Aragona, Cattolica Eraclea, Favara, Joppolo Giancaxio, Montallegro, Naro, Palma di Montechiaro, Porto Empedocle, Raffadali, Realmonte, Sant’Angelo Muxaro und Siculiana.

Geschichte

Dorischer Tempel in Agrigent
Heraklestempel

Es wird vermutet, dass der Platz schon früh von einer Ansiedelung der Sikaner eingenommen war, denn ihnen wird das weit in den Fels geschlagene Gängesystem zugeschrieben. Außerdem wurde eine vorgriechische Nekropole westlich der Stadt gefunden.

Um das Jahr 582 v. Chr. errichteten Auswanderer aus Gela und Rhodos hier die Stadt Akragas, die später in der Römerzeit Agrigentum genannt wurde.

Zur Geschichte der antiken Stadt siehe: Archäologische Stätten von Agrigent

Als die Araber im Jahre 829 n. Chr. Agrigentum eroberten, stand an der Stelle der antiken Stadt nur noch ein unbedeutendes Dorf auf dem nördlichen Hügel der antiken Siedlung, der ehemaligen Akropolis. Unter dem Namen Kerkent oder Gergent entstand dort eine bedeutende berberische Siedlung, die sich zu einem Zentrum der muslimischen Besiedlung Siziliens entwickelte und mit dem arabischen Palermo um die Vorherrschaft konkurrierte.

1087 wurde Gergent von den Normannen erobert. Roger II. errichtete hier ein Bistum. Unter anderem durch den Handel mit Nordafrika und durch die Landwirtschaft wurde Gergent zu einer wohlhabenden Stadt. Der Ort konzentrierte sich zunächst auf den Westteil des Girgenti-Hügels. Dort stehen auch die ältesten Kirchen Agrigents, der Dom San Gerlando und S. Maria dei Greci. Östlich des ursprünglichen Orts (etwa östlich der Via Bac-Bac) entstand im 13. Jahrhundert ein Neubauviertel, das vor allem durch die Familie Chiaramonte errichtet wurde, die eine der bedeutendsten Adelsfamilien Siziliens im späten Mittelalter war. Die Familie Chiaramonte ließ auch das spätgotische Kloster S. Spirito errichten.

Mit der Ausweisung der Araber durch Friedrich II. verlor die Stadt wirtschaftlich an Bedeutung. Daher fand in den folgenden Jahrhunderten auch keine größere Bautätigkeit statt. Unter spanischer und bourbonischer Herrschaft sank Girgenti, wie die Stadt inzwischen genannt wurde, wieder zu einer unbedeutenden Provinzstadt ab. Lediglich die Sakralbaukunst nahm ab dem 16. Jahrhundert noch einen Aufschwung, was durch Kirchen wie San Lorenzo und San Domenico bezeugt ist. Im Jahr 1927 nahm die Stadt den latinisierten Namen Agrigent an.

Sehenswürdigkeiten

Altstadt

Dom San Gerlando

Der Kathedrale San Gerlando wurde im 11. Jahrhundert auf der höchsten Stelle des Girgenti-Hügels errichtet. Vermutungen, dass der archaische Zeustempel mit dem Dom überbaut wurde, konnten bisher nicht durch archäologische Funde bewiesen werden. Der Dom wurde mehrmals umgebaut, unter anderem im 16./17. Jahrhundert, und durch eine 1980 abgeschlossene Restaurierung wieder weitgehend in den mittelalterlichen Zustand zurückversetzt.

Zu der Fassade führt eine breite Freitreppe empor. Rechts (südlich) von der Fassade steht ein wuchtiger Glockenturm im Chiaramontestil. Der Innenraum ist dreischiffig mit dem Grundriss eines lateinischen Kreuzes. Der vordere Teil des Mittelschiffs ist mit einer Freibalkendecke aus dem Jahre 1518 gedeckt, der etwas höher liegende Mittelteil mit einer Kassettendecke von 1682. In einer Kapelle im rechten Seitenflügel, die ein gotisches Portal hat, wird eine Silberurne mit Reliquien des heiligen Gerlando aufbewahrt.

Die Kirche S. Maria dei Greci wurde etwa 1200 auf den Resten eines dorischen Tempels, vermutlich des Athenetempels errichtet. Sie war die Hauptkirche der griechisch-orthodoxen Christen Agrigents im Mittelalter. Dem spitzbogigen Portal ist ein kleiner bewachsener Hof vorgelagert. Der Grundriss der Kirche hat die Form eines griechischen Kreuzes. Das Innere ist dreischiffig mit 3 flach gerundeten Apsiden. An der Balkendecke sind noch Reste von Farbspuren aus dem 14. Jahrhundert zu finden, und an der rechten Seitenwand befinden sich Reste mittelalterlicher Fresken. An der Nordseite der Kirche sind unterhalb des Niveaus der Kirche Teile der ausgegrabenen Krepis und sechs dorische Säulenstümpfe des Athenetempels zu sehen.

Chiesa San Lorenzo
Weitere Sehenswürdigkeiten
  • S. Spirito (13. Jahrhundert), Zisterzienserkirche und -kloster im Chiaramontestil (Spätgotik), im Inneren Stuckarbeiten von Giacomo Serpotta
  • S. Lorenzo (17. Jahrhundert), auch Chiesa del Purgatorio (Kirche des Fegefeuers) genannt, bedeutendste Barockkirche Agrigents
  • S. Domenico
  • Porta Atenea, Stadttor aus dem 19. Jahrhundert
  • Via Atenea, die Hauptstraße Agrigents
  • Museo Diocesano, Museum mit Freskenmalereien und Reliquienschreinen aus der byzantinischen Zeit

Tal der Tempel

Die herausragendste Sehenswürdigkeit Agrigents ist das sogenannte „Tal der Tempel“, eigentlich ein Hochplateau südlich der heutigen Altstadt und tiefer als diese gelegen. Hier befinden sich die archäologischen Stätten von Agrigent, die die Reste der antiken Stadt Akragas zeigen und zu den eindrucksvollsten archäologischen Fundplätzen auf Sizilien gehören. 1997 wurden die archäologischen Stätten von Agrigent von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Dort befindet sich auch das Archäologische Museum, das Funde der Vor- und Frühgeschichte und der Antike aus der Gegend von Agrigent zeigt.

Außerhalb

Etwa 4 km südlich der Altstadt liegt der Ortsteil San Leone am Meer. Der Ortsteil hat mehrere Strände.

Etwa 2 km westlich der Altstadt kann im Ortsteil Villaseta das Geburtshaus von Luigi Pirandello besichtigt werden. Es wurde 1949 vom italienischen Staat zum Nationalen Denkmal erklärt. Im Inneren finden sich Möbel und persönliche Gegenstände Pirandellis sowie Fotos und die Erstausgaben seiner Bücher.

Feste

Mandelbaum bei Agrigent

Zwischen dem 1. und 2. Februar findet jedes Jahr das Mandelblütenfest Sagra del Mandorlo statt. Das Mandelblütenfest entstand 1934 in Naro nach der Idee des Grafen Alfonso Gaetani, um die prachtvolle Blüte zu feiern. Im Jahr 1937 wurde das Fest nach Agrigent in das Tal der Tempel (Valle dei Templi) verlegt und gilt heute als kulturelles Jahresereignis.

Söhne und Töchter

  • Empedokles (etwa 490 v. Chr. bis etwa 430 v. Chr.), Philosoph, Arzt, Politiker, Sühnepriester und Dichter
  • Philinos von Akragas, Historiker im 3. Jahrhundert v. Chr.
  • Luigi Pirandello (1867–1936), Schriftsteller, Nobelpreisträger für Literatur
  • Tommaso Buscetta (1928–2000), sizilianischer Mafioso, der das Gebot des Schweigens (Omertà) nicht mehr befolgte und mit der Justiz zusammenarbeitete
  • Angelino Alfano (geb. 1970), Politiker
  • Rosa Barba (geb. 1972), Filmemacherin und Medienkünstlerin

In enger Verbindung zu Agrigent steht Alexander Hardcastle (1872–1933), ein Kapitän der britischen Marine und Amateurarchäologe.

Sonstiges

1994 war Agrigent Austragungsort der Radsportweltmeisterschaft, bei der Jan Ullrich die Goldmedaille im Einzelzeitfahren erringen konnte.

Literatur

  • Brigit Carnabuci, Sizilien – Kunstreiseführer, DuMont Reiseverlag, Ostfildern, 4. Auflage 2006, ISBN 377014385X
  • Ferruccio Delle Cave, Marta Golin: Agrigent, das Tal der Tempel. Mit dem archäologischen Museum. Folio, Wien u. a. 2004, ISBN 3-85256-275-9

Einzelnachweise

  1. ISTAT, Stand am 31. Mai 2007

Weblinks


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