Eisernes Kreuz
Ein Eisernes Kreuz aus dem Jahr 1813

Das Eiserne Kreuz (EK) war eine preußische Kriegsauszeichnung, die vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. am 10. März 1813 für den Verlauf der Befreiungskriege in drei Klassen gestiftet wurde.[1] Diese Stiftung wurde von König Wilhelm I. von Preußen mit Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges am 19. Juli 1870 für diesen Krieg erneuert. Kaiser Wilhelm II. erneuerte am 8. August 1914 wiederum die Stiftung und machte das Eiserne Kreuz durch seine breit angelegte Verleihungspraxis zu einem quasi deutschen Orden. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde das Eiserne Kreuz am 1. September 1939 endgültig zu einer deutschen Auszeichnung, die zunächst in vier Klassen verliehen werden sollte.

Inhaltsverzeichnis

Form, geschichtliche Herkunft und Trageweise

Form und geschichtliche Herkunft

Ernst Gebauer: König Friedrich Wilhelm III. von Preußen. Gemälde aus dem Jahr 1829

Hintergrund waren die beginnenden Befreiungskriege gegen die Vorherrschaft des Napoleonischen Frankreich in Mitteleuropa, zu dem Friedrich Wilhelm III. kurz zuvor mit seiner am 17. März 1813 gleichfalls in Breslau erlassenen Proklamation An mein Volk aufgerufen hatte.[2] Der Entwurf des Eisernen Kreuzes stammte vom König selbst. Er schuf damit die erste Auszeichnung in Deutschland überhaupt, für deren Verleihung hervorragende Handlungen im Befreiungskrieg ohne Rücksicht auf Stand, Herkunft, Dienstgrad und militärischen Rang maßgebend war. Unterstützend zu der beginnenden Verleihungspraxis kam hinzu, dass mit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht alle Standesunterschiede gefallen waren. Mit der Stiftung des Eisernen Kreuzes sollte auch ausdrücklich die Verleihung mehrerer Kriegsorden ausgeschlossen werden und nur noch in besonderen Ausnahmefällen zulässig sein. Das Eiserne Kreuz war auch derjenige Orden, bei der die Verleihung der nächsthöheren Stufe die Erreichung der vorherigen Verleihungsklasse zwingend voraussetzte.

Die von Wilhelm III. eingeführte Klasseneinteilung sah vor, dass das Großkreuz als oberste Klasse als Halsorden zu tragen und das EK I. Klasse aus Stoff auf dem Rock des Beliehenen aufzunähen sei. Sein Gedanke erwies sich aber als nicht geeignet. Daher wurde am 16. Juni 1813 bestimmt, dass das Eiserne Kreuz I. Klasse aus Gusseisen mit silberner Einfassung herzustellen und ohne Band zu tragen sei. Das Eiserne Kreuz II. Klasse sollte dabei an einem Band an der linken Brustseite getragen werden. Hierzu wurde jedoch nicht ein neues Band geschaffen, sondern auf das bereits vorhandene schwarz-weiße Band des Pour le Mérite zurückgegriffen. Die so entstandene endgültige Ausführung übernahm Karl Friedrich Schinkel. Das Material dieses Ordens, das Eisen, war symbolträchtig. Im Gegensatz zu vielen anderen üblichen Militärorden der Ära wurde beim Eisernen Kreuz bewusst auf wertvolle Materialien verzichtet. Die Auszeichnung aus einfachem schwarzen, mit Silber eingefassten Gusseisen stand für die ritterliche Pflichterfüllung und Zurückhaltung eines preußischen Soldaten und sollte außerdem auf das Eiserne Zeitalter der antiken Mythologie anspielen, das mit dem neuen Krieg beginnen sollte. Der preußische Staat sammelte seit dem 31. März 1813 von wohlhabenden Bürgerinnen und Adeligen Goldgeschmeide im Tausch gegen einfachen Eisenschmuck („Gold gab ich für Eisen“; „Gold zur Wehr, Eisen zur Ehr“). Der Politikwissenschaftler Herfried Münkler sieht außerdem einen Bezug zum 1812 entstandenen Vaterlandslied des nationalistischen Dichters Ernst Moritz Arndt, das mit den Worten beginnt: „Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte…“

Auch die Form des neuen Ehrenzeichens war symbolisch aufgeladen. Bewusst wurde die Anlehnung an das Balkenkreuz des Deutschen Ordens gesucht: ein schwarzes Tatzenkreuz mit sich verbreiternden Balkenenden auf einem weißen Mantel, wie ihn die Deutschritter schon seit dem 14. Jahrhundert tragen. Damit sollte der nun beginnende Krieg in die Tradition der Kreuzzüge gerückt und so sakralisiert werden. Im Mittelpunkt der Symbolwelt um das Eiserne Kreuz stand die Ehefrau Friedrich Wilhelms III., Königin Luise. Seit ihrem Tod 1810 hatte sich um sie ein Mythos als vorbildliche Gattin, liebende Mutter, preußische Madonna und Märtyrerin gesponnen, an den der König mit dem Eisernen Kreuz anknüpfte. So datierte er die Stiftungsurkunde, die am 20. März 1813 in der Schlesische privilegierten Zeitung abgedruckt wurde, auf den 10. März, Luises Geburtstag, vor. Ihr wurde der neue Orden auch als erster verliehen, wenngleich nur posthum. Friedrich Wilhelm legte großen Wert auf die Verbindung seiner verstorbenen Frau und dem neuen Orden und kritisierte seinen Hofprediger Rulemann Friedrich Eylert, weil der in seiner Predigt in der Potsdamer Garnisonskirche darauf zu wenig eingegangen war.[3] Hergestellt wurden die Orden von der Königlich Preußischen Eisengießerei.

Obwohl König Friedrich Wilhelm III. bei der Stiftung des Ordens explizit festgelegt hatte, dass er einmalig und ausschließlich während der Befreiungskriege verliehen werden sollte, wurde er in späteren existentiellen Kriegen – dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71, dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg von den Hohenzollern-Herrschern beziehungsweise den nationalsozialistischen Machthabern jeweils neu gestiftet. Allerdings wurde die Verleihung des Eisernen Kreuzes zunächst tatsächlich nach dem Befreiungskrieg eingestellt. So wurde das EK nicht verliehen im Deutsch-Dänischen Krieg (1848) und 1864 sowie im Deutschen Krieg 1866. Erst mit Beginn des Deutsch-Französischen Krieges 1870 wurde das Eiserne Kreuz am 19. Juli, dem Todestag seiner Mutter Luise durch Wilhelm I per Urkunde erneuert. Er konnte nun nicht nur an Preußen, sondern an Bürger aller deutschen Bundesstaaten verliehen werden. Anlässlich des 25. Jahrestags des Sieges über Frankreich (1. September 1870), stiftete König Wilhelm II. am 18. August 1895 ein aus drei Eichenblättern bestehendes silbernes Laub (offiziell Weißmetall) mit der Jubiläumszahl 25 drauf, welches auf dem Ordensband des EK II zu tragen war. Dieses so erstmals entstandene Eichenlaub diente den Nationalsozialisten später als Leitgedanke bei der Schaffung höherer Stufen des Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. In der Folge, wurde das Eiserne Kreuz für die kriegerischen Auseinandersetzungen in Ostasien 1900/1901 sowie die Aufstände in Deutsch-Südwestafrika allerdings wieder nicht verliehen. Die dritte Neuauflage des EK erfolgten anlässlich des Ersten Weltkrieges am 8. August 1914. Inhaber des EK von 1870 erhielten laut der Order vom 4. Juni 1915 als (erneute) Auszeichnung eine auf dem Bande über dem silbernen Eichenlaub (zum 25. Siegestag) eine silberne Spange mit einem verkleinerten EK mit der Jahreszahl 1914. Die vierte und letzte Auflage des Eisernen Kreuzes erfolgte mit Beginn des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939.

Das Großkreuz war ungefähr doppelt so groß wie das der II. und I. Klasse. Die Form des Großkreuzes wurde 1939 für das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes übernommen, dieses war allerdings kleiner als das Großkreuz, jedoch größer als das II. und I. Klasse. Das Eiserne Kreuz trug stets reliefartig das Stiftungsdatum (1813, 1870, 1914 und 1939) im unteren Kreuzarm. 1813 zierten den oberen Kreuzarm die Initialen des Königs Friedrich Wilhelm III. (FW), die Mitte ein Eichenlaub. 1870 und 1914 rückten das Initial der Monarchen Wilhelm I. bzw. Wilhelm II. in die Mitte und eine stilisierte preußische Königskrone in den oberen Strahl. Die ursprüngliche Gestaltung (FW – 1813) rückte auf die Rückseite. Adolf Hitler verzichtete bei der erneuten Stiftung 1939 auf seine Initialen als Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die auf ihn persönlich vereidigt war. Stattdessen wurde das Hakenkreuz, das Symbol des NS-Staates, in die Mitte des traditionsreichen Ordens eingefügt.

Trageweise

Das EK II wurde seit seiner Erststiftung vollständig am Bande im zweiten Knopfloch der Uniformjacke getragen. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Orden nur noch am Verleihungstage in voller Größe, später nur zu besonderen Anlässen angelegt. Das Ordensband wurde als Zeichen der Trägerschaft an gleicher Stelle mit dem Stoff der Jacke vernäht. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam das Tragen von großen und kleinen Ordensspangen auf, bei denen im Normalfall ebenfalls nur das Band auf einem Messing- oder Blechträger auch am Zivilanzug getragen wurde.

Die I. Klasse, das Ritterkreuz und das Großkreuz wurden stets in der Originalform an der linken Brust bzw. am Halsband getragen.

Bedeutung

Die obere Klasse des Eisernen Kreuzes gehörte von 1813 bis 1918 zu den höchsten preußischen Kriegsauszeichnungen. Darüber rangierte lediglich der Königliche Hausorden von Hohenzollern mit Schwertern sowie der Orden Pour le mérite (franz: Für das Verdienst; Spitzname „Blauer Max“), die aber ausschließlich Offizieren vorbehalten blieben. Mannschaften und Unteroffiziere konnten lediglich mit dem Goldenen Militärverdienstkreuz ausgezeichnet werden. Im Dritten Reich symbolisierte ab 1939 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit seinen einzelnen Stufen die höchste Kriegsauszeichnung.

Auch wenn es viele andere Kriegsauszeichnungen auch anderer Teilstaaten des Deutschen Reiches für die Teilstreitkräfte oder Waffengattungen gab, so reichten diese von der persönlichen Bedeutung und der gesellschaftlichen Anerkennung zu keiner Zeit an die Verleihung eines Eisernen Kreuzes.

Das Eiserne Kreuz war nach der französischen Ehrenlegion der zweite europäische Kriegsverdienstorden, der ohne Ansehen von Stand und Dienstgrad vergeben wurde, was zu seiner Popularität enorm beitrug. Vielleicht lässt sich der einzigartige Ruf des Ordens in seiner Zeit auch mit seiner betonten Schlichtheit und auffälligen Einmaligkeit unter den Kriegsorden erklären.

Überblick über die Stiftungsdaten

Stiftungsdatum (1813)
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Eisernes Kreuz 2. Klasse 1813 Eisernes Kreuz 1. Klasse 1813 Großkreuz des Eisernen Kreuzes 1813 (Replik) Stern zum Großkreuz 1813 (Blücherstern) (Replik)

Stiftungsdatum (1870)
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Eisernes Kreuz 2. Klasse 1870 Eisernes Kreuz 1. Klasse 1870 Großkreuz des Eisernen Kreuzes 1870 (Replik) Stern zum Großkreuz 1870 (Replik)

Stiftungsdatum (1914)
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Eisernes Kreuz 2. Klasse 1914 Eisernes Kreuz 1. Klasse 1914 Großkreuz des Eisernen Kreuzes 1914 (Replik) Stern zum Großkreuz 1914 (Hindenburgstern) (Replik)

Stiftungsdatum (1939)
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Wiederholungsspange zum Eisernen Kreuz 2. Klasse 1914 Wiederholungsspange zum Eisernen Kreuz 1. Klasse 1914 Eisernes Kreuz 2. Klasse 1939 Eisernes Kreuz 1. Klasse 1939 Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes 1939 (Replik) Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes 1939 mit Eichenlaub (Replik) Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes 1939 mit Eichenlaub und Schwertern (Replik) Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes 1939 mit Eichenlaub, Schwertern und Brillanten (Replik) Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes 1939 mit Goldenem Eichenlaub, Schwertern und Brillanten (Replik) Großkreuz des Eisernen Kreuzes 1939 (Replik) Stern zum Großkreuz 1939 (Replik)

Als höchste Auszeichnung im Krieg gegen das französische Kaiserreich unter Napoleon (Befreiungskriege) wurde das Eiserne Kreuz am schwarzen Band mit weißer Einfassung verliehen. Zu Beginn des Deutsch-Französischen Krieges wurde die Stiftung durch den preußischen König Wilhelm I. (den späteren Kaiser Wilhelm I.) am 19. Juli 1870 erneuert. Im Preußisch-Österreichischen Krieg von 1866 wurde auf die Neustiftung verzichtet, da dieser Krieg als „Bruderkrieg“ angesehen wurde. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges erneuerte der deutsche Kaiser Wilhelm II. am 5. August 1914 die Stiftung des Eisernen Kreuzes. In den folgenden Kriegsjahren wurde das EK – insbesondere das EK II – so oft verliehen, dass es sein hohes Renommée einbüßte.

Von 1813 bis 1918 unterschied man aufsteigend drei Stufen:

  • Eisernes Kreuz 2. Klasse (EK II) (mit schwarz-weißem Band)
  • Eisernes Kreuz 1. Klasse (EK I) (Steckkreuz)
  • Großkreuz des Eisernen Kreuzes (Halsband)

Für Nichtkombattanten gab es 1813, 1870, 1914 das EK am weißen Bande mit schwarzer Einfassung. Es wurde für Leistungen verliehen, die mit dem Krieg in Beziehung standen, aber nicht unbedingt mit Kampfhandlungen zu tun hatten. Es konnte auch an Zivilisten verliehen werden, die sich um die Kriegsführung verdient gemacht hatten. Da es sich hierbei oft um Personen aus der Rüstungsindustrie oder der Logistik handelte, kam der pejorative Name „Schieberkreuz“ auf.

Die preußischen Generalfeldmarschälle Blücher und Hindenburg erhielten für ihre außergewöhnlichen Verdienste jeweils eine eigentlich nicht vorgesehene Stufe, die eigens für sie geschaffen wurde. Dieses Eiserne Kreuz wurde auf einem goldenen achtstrahligen Stern dargestellt. Da diese Kreuze nur zweimal verliehen wurden, wurden sie nach ihren Trägern benannt, nämlich „Blücherstern“ bzw. „Hindenburgstern“. Der Blücherstern selber wurde bei einem Großbrand im Jahre 1820 auf Schloss Krieblowitz unwiederbringlich vernichtet, der Hindenburgstern verschwand kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges aus dem Preußischen Armeemuseum und gilt seither als verschollen.

EK I mit Verleihungsurkunde
Verleihungsurkunde für das EK II, 1944

Im Zweiten Weltkrieg führte Hitler das Eiserne Kreuz als Kriegsauszeichnung wieder ein. Etwas dicker gefertigt, erhielt es die Jahreszahl 1939 auf die Vorderseite (1813 kam auf die Rückseite) und in die Mitte das Hakenkreuz. Es wurde nun nicht mehr wie nach preußischer Tradition am schwarz-weißen Band, sondern an einem (von außen nach innen gesehen) schwarz-weiß-roten Band getragen. Die Stiftungen von 1813, 1870 und 1914 schlossen sowohl „Tapferkeit vor dem Feind“ als auch Verdienste ohne Kampfeinsatz in die Verleihungsbestimmungen ein. Die Stiftung von 1939 schloss Nicht-Kombattanten erstmals von der Verleihung aus; für sie und für Kombattanten im rückwärtigen Frontgebiet bzw. an der „Heimatfront“ wurde das Kriegsverdienstkreuz (1939) gestiftet.

Für Soldaten, die bereits im Ersten Weltkrieg mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurden, wurde die Wiederholungsspange geschaffen. Diese wurde für das EK II 1914 auf dem Band und für das EK I 1914 über dem EK I (d.h. auf die Brusttasche gesteckt) getragen. Die Größe der Spange ist so angepasst, dass das Feld mit der Jahreszahl wie eine unmittelbare Fortsetzung des oberen Kreuzarmes aussieht. Die Spange selbst ist silberfarben und besteht aus dem damaligen Hoheitszeichen, einem stilisierten Adler mit ausgebreiteten Schwingen, darunter die Jahreszahl 1939. Die sogenannte 1957er Version der Spange zum EK besteht aus der durch eine EK-Miniatur geteilten Jahreszahl 1939. Die Spangen zum EK I bzw. EK II unterscheiden sich grundsätzlich dahingehend, dass die Schwingen der Spange des EK I über den Jahreszahlschild hinausragen.

In der Zeit von 1939 bis 1945 unterschied man aufsteigend vier Stufen:

  • Eisernes Kreuz 2. Klasse (EK II) (mit schwarz-weiß-rotem Band)
  • Eisernes Kreuz 1. Klasse (EK I) (Steckkreuz)
  • Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes und dessen höhere Stufen
  • Großkreuz des Eisernen Kreuzes

Das Ritterkreuz, 1939 gestiftet, wurde an einem breiten Band um den Hals getragen (das Ordensstatut sah vor, dass der Orden auf dem flachgebundenen Krawattenknoten liegen muss) und übernahm faktisch die Rolle des bis 1918 verliehenen preußischen Pour le Mérite, der nur an Offiziere vergeben wurde (für Mannschaften und Unteroffiziere wurde bis 1918 das Goldene Militär-Verdienst-Kreuz vergeben). Im Verlauf des Krieges traten als Steigerung der Auszeichnung bei weiteren Verdiensten nacheinander Eichenlaub (816 Verleihungen), Schwerter (157 Verleihungen) und Brillanten (27 Verleihungen) zum RK hinzu, die auf dem Tragering des Ordensbandes angebracht wurden. Es gab noch eine weitere Steigerung, nämlich das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit goldenem Eichenlaub, Schwertern und Brillanten. Dieses Kreuz wurde jedoch nur ein einziges Mal verliehen und zwar am 1. Januar 1945 an den Stuka-Piloten Hans-Ulrich Rudel, da dieser über 500 sowjetische Panzer vernichtete, sowie andere herausragende Leistungen vorzuweisen hatte (unter anderem die Versenkung des sowjetischen Schlachtschiffs Marat). 1942 ordnete Hitler an, dass Träger des Ritterkreuzes als Auszeichnung von allen militärischen Dienstgraden (auch Generälen) unabhängig vom Dienstgrad des Trägers zuerst zu grüßen seien.

Die letzte Steigerung war das Großkreuz. Dieser Orden wurde in der Zeit von 1939–45 ebenfalls nur einmal verliehen, an Hermann Göring, Oberbefehlshaber der Luftwaffe und Reichsmarschall. Die Auszeichnung wurde ihm aber von Hitler am 23. April 1945 per testamentarische Verfügung, nach der Göring mit sofortiger Wirkung seiner politischen, parteiinternen und militärischen Ämter für verlustig erklärt wurde, wieder aberkannt (siehe hierzu den Abdruck des „Testamentes“ im Buch von Werner Maser Adolf Hitler oder auch Politisches Testament Adolf Hitlers).

Die US Army beschlagnahmte am Ende des Krieges in Österreich eine Sonderstufe des Großkreuzes mit Stern, ähnlich dem Blücherstern. Diese Auszeichnung ist nicht zur Verleihung gekommen; für wen sie vorgesehen war, ist ebenfalls unbekannt. Das Großkreuz Görings sowie der nie verliehene Stern befinden sich in den Archiven der US-Militärakademie in West Point.

Verleihungszahlen

Großkreuz des Eisernen Kreuzes 1813–1815 6 Verleihungen Blücher, Scharnhorst, Bülow, Kronprinz Karl Johann, Tauentzien, Wartenburg
1870/1871 9 Verleihungen[4]
1914–1918 5 Verleihungen von Hindenburg, Wilhelm II., von Mackensen, Leopold von Bayern, Ludendorff
1939–1945 1 Verleihung Göring (1945 wieder aberkannt)
Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes 1939–1945 8.397 Verleihungen (alle Stufen)
Eisernes Kreuz 1. Klasse 1813–1815 668 Verleihungen
1870/1871 1.302 Verleihungen[5]
1914–1918 ca. 218.000 Verleihungen
1939–1945 ca. 300.000 Verleihungen
Eisernes Kreuz 2. Klasse 1813–1815 8.542 (+ 7.000 Anwärter) + 374 am weiß/schwarzem Band
1870/1871 47.812 Verleihungen[6] am schwarz/weißen Band inklusive 3050 Verleihungen am weiß/schwarzem Band
1914–1918 ca. 5.000.000 Verleihungen
1939–1945 ca. 3.000.000 Verleihungen

Das Eiserne Kreuz ab 1945

Hoheitszeichen der Bundeswehr und Verwendung

Hauptartikel: Schwarzes Kreuz (Symbol)

Als Kriegsauszeichnung oder Verdienstorden wird das Eiserne Kreuz seit 1945 nicht mehr verliehen. Aufgrund seiner identitätsstiftenden Tradition bestimmte am 1. Oktober 1956 Bundespräsident Theodor Heuss das Eiserne Kreuz zum Erkennungszeichen für die Luft- und Kampffahrzeuge der Bundeswehr.[7] So stellt es in allen drei Teilstreitkräften das Hoheitszeichen dar (z. B. an gepanzerten Fahrzeugen und an Luftfahrzeugen). Die Truppenfahnen der Bundeswehr tragen in ihrer Spitze ein durch goldenes Eichenlaub umfasstes Eisernes Kreuz. Auch das Ehrenzeichen der Bundeswehr (Ehrenmedaille, Ehrenkreuz in Bronze, Silber oder Gold) trägt das Eiserne Kreuz als Symbol für Freiheitsliebe, Ritterlichkeit und Tapferkeit auf der Vorderseite. Ebenso wird es auf Briefen, Visitenkarten und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als „Logo“ der Bundeswehr verwendet. Das Eiserne Kreuz als Symbol findet sich noch heute in verschiedenen Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

Petition zur Wiedereinführung 2007

Im Frühjahr 2007 wurde im Deutschen Bundestag eine Petition zur Wiedereinführung des Eisernen Kreuzes als Tapferkeitsauszeichnung der Bundeswehr für die Auslandseinsätze initiiert. Diese Petition wurde innerhalb der vorgeschriebenen Zweimonatsfrist von mehr als 5.000 Personen unterzeichnet. Der Deutsche Bundestag hat die Petition beraten und am 13. Dezember 2007 beschlossen, die Petition an die Bundesregierung – hier: dem Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) – zu überweisen. Er folgt damit der Beschlussempfehlung des Petitionsausschusses (BT-Drucksache 16/7494).[8]

Der Präsident des Reservistenverbandes, Ernst-Reinhard Beck (CDU), schlug vor, für den Orden die Form des Eisernen Kreuzes zu verwenden. Er begründete dies mit der Aussage, dass das Symbol von allen Fahr- und Flugzeugen sowie Schiffen der Bundeswehr getragen werde und in Krisenregionen mittlerweile zu einem Zeichen der Hoffnung, der Hilfe und der Solidarität avanciert sei, für das man sich nicht schämen müsse.[9][10] Dies stieß aufgrund seiner Wiedereinführung durch das nationalsozialistische Regime weitgehend auf Ablehnung. Am 6. März 2008 billigte der damalige Bundespräsident Horst Köhler den Vorschlag des Verteidigungsministers Franz Josef Jung (CDU) zu einem Orden für „außergewöhnlich tapfere Taten“. An eine Wiederbelebung des Eisernen Kreuzes sei aber nicht gedacht, vielmehr an eine Erweiterung des vorhandenen Ehrenzeichens der Bundeswehr.[11] Als Resultat wurde am 10. Oktober 2008 das Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit gestiftet.

Sonstiges

Eisernes Kreuz in all seinen Klassen in der 57er Version

Verwendung in der Kriegsmarine

Das Unterseeboot U 9 war aufgrund einer Anordnung des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine Erich Raeder, die er im Frühjahr 1936 erteilt hatte, berechtigt, an beiden Seiten des Turmes das Eiserne Kreuz zur Erinnerung an seinen Vorgänger im Ersten Weltkrieg U 9 in Form eines Anstriches anzubringen. Weitere Schiffe der Kriegsmarine, die berechtigt waren, das EK zu führen, waren der Leichte Kreuzer Emden, als Nachfolger der ersten Emden, und das Vermessungsschiff Meteor.[12]

Trageweise des Eisernen Kreuzes nach 1945

Laut dem deutschen Ordensgesetz vom 26. Juli 1957 ist das Tragen des EK aus dem Zweiten Weltkrieg ausschließlich ohne Hakenkreuz und mit Nachweis seines berechtigten Erwerbes erlaubt. Veteranen können sich hierzu Eiserne Kreuze – auch als Miniatur – auf eigene Kosten beschaffen, auf denen das Hakenkreuz durch einen Eichenlaubzweig ersetzt ist, wie es auch schon das erste Eiserne Kreuz von 1813 zierte. Einziger bekannter deutscher Hersteller und Vertreiber ist die Firma Steinhauer & Lück aus Lüdenscheid. Abzeichen mit nationalsozialistischen Emblemen dürfen in der Öffentlichkeit nicht getragen werden. Der Besitz von Originalen ist erlaubt. Bei Verwendung und Handel sind immer §86 und §86a StGB zu beachten. Dort wird klar zwischen verbotenen (z. B. zur nationalsozialistischen Propaganda) und erlaubten (z. B. für kulturhistorische Sammlungen oder wissenschaftliche Zwecke) Tatbeständen unterschieden.

Wissenswertes

Der Name des Berliner Bezirks Kreuzberg geht auf das 1821 von Schinkel entworfene und in Kreuzesform gehaltene Denkmal zurück, nach dessen Errichtung wiederum der Tempelhofer Berg in Kreuzberg umbenannt worden war.

Ring mit Eisernem-Kreuz-Motiv für Frauen, die ihren Schmuck für Kriegszwecke spendeten (auf der Rückseite des Kreuzes die Inschrift "Gold gab ich für Eisen").

Die Symbolik des Eisernen Kreuzes wurde ab 1813, nach dem Aufruf von Prinzessin Marianne von Preußen an alle Frauen Preußens, ihren Goldschmuck abzugeben, auch für ehrende Schmuckstücke, meist mit der Aufschrift „Gold gab ich für Eisen“, verwendet. Der Aufruf wurde im Ersten Weltkrieg wiederholt. Trauringe, Broschen und Schmuckringe (zum Teil die Symbolik des Eisernen Kreuzes unmittelbar aufgreifend) wurden an die spendenwilligen Bürger als Gegengabe für ihren Goldschmuck ausgegeben. Das Deutsche Rote Kreuz sammelte an zahlreichen Orten während des Krieges jeweils Spenden mit einer übergroßen hölzernen Replik (190 x 190 cm und 14 cm dick), in die eiserne oder silberne Nägel entsprechend der Spendenhöhe eingeschlagen werden konnten (Darmstadt, Heidelberg, Saarbrücken). Dieses „Kreuz in Eisen“ diente als „vaterländische Attraktion“, um Spender gleichzeitig für diese Spenden zu gewinnen und durch die öffentliche Form wiederum als Spender auszuzeichnen.[13]

Das Eiserne Kreuz findet sich auch heute noch in einigen Stadtwappen oder als Symbol für Vereine. In der Schmuckindustrie ist das Eiserne Kreuz zudem oft als Kette oder Ring, aber auch als Piercingschmuck zu finden. Weitere Verbreitungsbeispiel sind:

Verwendung in der Rockkultur

Lemmy Kilmister, Sänger der Band Motörhead, mit Eisernem Kreuz

In den späten 1960er Jahren wurde das Eiserne Kreuz zunehmend als Symbol in der Pop- und Subkultur verwendet. Den Anfang machten dabei offenbar amerikanische Subkulturen wie die Biker-Szene und Rock-Musiker. Wie viele Trends setzte sich dieser Gebrauch später auch in Europa durch.

Die englische Heavy-Metal-Band Motörhead verwendet das Symbol v.a. in Verbindung mit ihrem Maskottchen. Der Sänger und Bassist der Band, Lemmy Kilmister, trägt nicht selten ein EK als Halsschmuck.

Literatur

  • Werner Otto Hütte: Die Geschichte des Eisernen Kreuzes und seine Bedeutung für das preußische und deutsche Auszeichnungswesen von 1813 bis zur Gegenwart. Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 1967 (Bonn, Phil. Fak., Diss. v. 20. Dez. 1967).
  • Jörg Nimmergut: Das Eiserne Kreuz 1813–1957. Geschichte des Auszeichnungswesens. Sonderausgabe. VDM Heinz Nickel, Zweibrücken 1997, ISBN 3-925480-07-2.
  • Jörg Nimmergut: Deutsche Orden und Ehrenzeichen bis 1945. Zentralstelle für Wissenschaftliche Ordenskunde, München 2001, ISBN 3-00-001396-2,
    • Band 2. Limburg – Reuss. S. 1007–1073,
    • Band 4. Württemberg II – Deutsches Reich. S. 2108–2131.
  • Stephen Thomas Previtera: The Iron Time. A History of the Iron Cross. Second edition. Winidore Press, Richmond VA 2007, ISBN 978-0-9673070-3-9.
  • Ralph Winkle: Der Dank des Vaterlandes. Eine Symbolgeschichte des Eisernen Kreuzes 1914 bis 1936.[14] Klartext, Essen 2007, ISBN 978-3-89861-610-2 (Zugleich: Tübingen, Univ., Diss., 2002/03).
  • Dietlinde Munzel-Everling: Kriegsnagelungen. Wehrmann in Eisen, Nagel-Roland, Eisernes Kreuz. Wiesbaden 2008. Als PDF downloadbar.

Weblinks

 Commons: Eisernes Kreuz – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Eugéne Godet: Was man vom Eisernen Kreuz wissen muß, abgedruckt in der Zeitschrift Uniform Markt, Jahrgang 1935, Heft 2, Seite 9
  2. Auch zum Folgenden Herfried Münkler, Die Deutschen und ihre Mythen, Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2008, S. 265-269
  3. Philipp Demandt, Luisenkult. Die Unsterblichkeit der Königin von Preußen, Böhlau Verlag, Köln 2003, S. 212
  4. Nimmergut: Deutsche Orden und Ehrenzeichen bis 1945, Band 4, S. 1042
  5. Nach Angabe des Vereins für Deutsche Geschichte, vgl. Jörg Nimmergut: Deutsche Orden und Ehrenzeichen bis 1945, S. 1043
  6. Nach Angabe des Vereins für Deutsche Geschichte, vgl. Jörg Nimmergut: Deutsche Orden und Ehrenzeichen bis 1945, S.1046
  7. Anordnung des Bundespräsidenten über die Kennzeichnung der Luftfahrzeuge und Kampffahrzeuge der BundeswehrVorlage:§§/Wartung/alt-URL
  8. http://www.bundestag.de/ausschuesse/a02/uebersicht_abgeschlossen/BGR_16-00101.pdf
  9. http://www.arcor.de/content/aktuell/news_politik_inland/14904683.html
  10. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,539785,00.html
  11. http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E4A28C75C03A14D05B47B13BF98D6B086~ATpl~Ecommon~Scontent.html
  12. Zeitschrift Uniformen Markt, Jahrgang 1936, Artikel Wehrmachtsrundschau S.46
  13. Dietlinde Munzel-Everling: Kriegsnagelungen. Wehrmann in Eisen, Nagel-Roland, Eisernes Kreuz. Wiesbaden 2008, S. 3.
  14. Rezension des Buches: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2008-1-055

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