Agrippina die Ältere
Agrippina die Ältere

Vipsania Agrippina (* 14 v. Chr.; † 18. Oktober 33 n. Chr.), oft kurz Agrippina maior (Agrippina die Ältere) genannt, war eine Angehörige der julisch-claudischen Dynastie und Mutter des römischen Kaisers Caligula.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Agrippina war Tochter von Augustus’ Freund und potentiellen Nachfolger Marcus Vipsanius Agrippa und Iulia, der Tochter des Kaisers. Sie wurde vermutlich in Mytilene geboren, während ihre Eltern die östlichen Provinzen bereisten.[1] Nach dem Tod ihres Vaters und der Wiederverheiratung ihrer Mutter mit Tiberius wuchs sie am Kaiserhof auf.

Augustus selbst nahm wie bei allen seinen Enkelkindern großen Einfluss auf ihre Erziehung.[2] In einem Brief lobte er ihre Talente und guten Anlagen.[3] Auf seine Weisung hin wurde Agrippina 5 n. Chr. mit Germanicus, dem Neffen und Adoptivsohn des Tiberius, verheiratet, mit dem sie insgesamt neun Kinder hatte, darunter Nero Caesar, Drusus Caesar, Gaius, den späteren Kaiser Caligula, Agrippina die Jüngere, die Frau des Claudius und Mutter Neros, Drusilla und Iulia Livilla. Sie begleitete ihren Mann während der Jahre 14 bis 16 nach Germanien, wo sie bei den Soldaten ob ihrer vorbildhaften Tugend und Treue zu Germanicus, aber auch wegen ihres unzähmbaren Willens großes Ansehen besaß. Als eine germanische Streitmacht über die Rheinbrücke zu setzen drohte, nahm sie selbst das Kommando der Truppen in die Hand und verhinderte die Zerstörung der Brücke, so dass die Truppen des Aulus Caecina Severus sich auf das linke Rheinufer zurückziehen konnten.[4] Auch spielte sie eine entscheidende Rolle bei der Niederschlagung der Meuterei der Rheinlegionen nach dem Tod des Augustus, was ihr den Neid des Tiberius einbrachte.[5]

Nachdem Germanicus nach Rom zurückgerufen worden war und einen Triumph feiern konnte, wurde er im Jahr 17 in den Osten des Reiches gesandt. Auch auf dieser Reise begleitete Agrippina ihn und gebar auf der Insel Lesbos ihr letztes Kind, Iulia Livilla. 19 n. Chr. verstarb Germanicus unter mysteriösen Umständen in Antiochia. Agrippina brachte seine Asche nach Rom zurück. Für den Tod ihres Mannes machte sie den Statthalter der Provinz Syria, Gnaeus Calpurnius Piso, und dessen Frau Munatia Plancina, eine Freundin der Kaiserin Livia Drusilla, verantwortlich und bezichtigte damit letztlich, wie auch Tacitus annahm, den Kaiser selbst, den beliebten Konkurrenten aus dem Weg geschafft zu haben.[6]

Agrippinas Verhältnis zu Tiberius war daher zunehmend gespannt, auch nachdem der Kaiser im Jahr 23 ihre beiden ältesten Söhne nach dem Tod seines eigenen Sohnes Drusus als Nachfolger adoptiert hatte. Er verweigerte ihr auch die Erlaubnis, sich wieder zu verheiraten. 27 redete Seianus Agrippina ein, Tiberius wolle sie vergiften. Sie wies daraufhin bei einem Festmahl alle Speisen zurück, auch die, die Tiberius ihr persönlich reichte. Tiberius verzieh ihr diese Beleidigung nicht und hielt sie die folgenden Jahre unter Hausarrest.[7] Im Jahr 29, nachdem Tiberius sich nach Capri zurückgezogen hatte und Livia gestorben war, wurde Agrippina gemeinsam mit ihrem ältesten Sohn Nero Caesar der Verschwörung angeklagt und auf die Insel Pandataria verbannt. Ihr zweiter Sohn, Drusus Caesar, erlitt ein Jahr später dasselbe Schicksal. Nach dem Tod ihrer beiden Söhne, die im Gefängnis verhungerten, starb auch Agrippina 33 n. Chr. freiwillig oder gezwungen den Hungertod. Erst nach dem Tod des Tiberius wurde ihre Urne im Augustusmausoleum beigesetzt.

Charakter

Tacitus schrieb Agrippina ein leidenschaftliches Gemüt zu, aber auch Sittenreinheit und Liebe in der Ehe. Als Mutter führte sie ihre Aufgaben selbst in den entlegenen Heereslagern am Rhein aus. Mehrere Taten sprechen von großer Selbstständigkeit und wurden, obwohl ungewöhnlich für römische Frauen, überwiegend positiv aufgefasst. Nur Aulus Caecina Severus wollte 21 n. Chr. das Verbot erneuert haben, das Provinzstatthaltern verbot, ihre Frauen in die Provinz mitzunehmen.[8]

Weblinks

 Commons: Agrippina die Ältere – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. Elaine Fantham: Julia Augusti. The emperor’s daughter, London 2006, S. 62.
  2. Sueton, Augustus 64.
  3. Sueton, Augustus 86.
  4. Tacitus: Annalen 1, 69.
  5. Tacitus, Annalen 1, 40–45; 1, 69.
  6. Tacitus, Annalen 2, 43, 4 und 2, 82, 1.
  7. Tacitus, Annalen 4, 23, 52–4, 68; Sueton, Tiberius 52, 3; 53, 1–2.
  8. Tacitus: Annalen 3, 33. Anthony A. Barrett: Aulus Caecina Severus and the Military Woman, in: Historia 54, 2005, S. 301–314, vermutet, dass Caecina darüber verärgert war, dass Agrippinas Hilfe für die über den Rhein zurückkehrenden Truppen seine eigene militärische Leistung in der Schlacht an den Pontes longi in der öffentlichen Wahrnehmung überdeckt hatte.

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