Agrotis exclamationis
Ausrufungszeichen
Ausrufungszeichen (Agrotis exclamationis): ein bereits "abgeflogenes" älteres Männchen mit abgeschabten Schuppen auf den Vorderflügeln und teils fehlenden Fransen am Flügelrand

Ausrufungszeichen (Agrotis exclamationis): ein bereits "abgeflogenes" älteres Männchen mit abgeschabten Schuppen auf den Vorderflügeln und teils fehlenden Fransen am Flügelrand

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
Familie: Eulenfalter (Noctuidae)
Unterfamilie: Noctuinae
Gattung: Agrotis
Art: Ausrufungszeichen
Wissenschaftlicher Name
Agrotis exclamationis
Linnaeus, 1758

Das Ausrufungszeichen oder die Gemeine Graseule (Agrotis exclamationis) ist ein weit verbreiteter Schmetterling (Nachtfalter) aus der Familie der Eulenfalter (Noctuidae).

In den vergangenen 250 Jahren wurden verschiedene deutsche Bezeichnungen für diese Art erfunden und veröffentlicht, von denen sich aber keine wirklich eingebürgert hat oder allgemein bekannt geworden ist: Kreuzwurzeule, Kreuzwurz-Ackereule, Braungraue Gras-Erdeule, Gemeine Grasland-Bodeneule, Gemeine Graseule, Das Schlüsselloch, Verwunderungszeichen, Ausrufungszeichen, Rufzeicheneule. In der Fachliteratur und unter Entomologen ist der deutsche Name Ausrufungszeichen am verbreitetsten. Gemeine Graseule ist ein problematischer Name, weil es Dutzende von Eulenfalterarten gibt, die als "Graseule" bezeichnet werden (etwa in den Gattungen Agrotis, Cerapteryx, Tholera, Mythimna, Apamea, Oligia, Mesoligia, Chortodes, Eremobia, Luperina, Stilbia und anderen).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Die Falter erreichen eine Spannweite von 35-46 mm. Die Grundfarbe der Vorderflügel ist sehr variabel und reicht von hell graubraun über gelblich- und rötlichbraun bis zu schwärzlichbraunen Formen; die dunkleren sind in der Regel Weibchen. Der Vorderrand und das Saumfeld sind gewöhnlich etwas dunkler als der Rest des Flügels. Die meisten Zeichnungselemente sind nur schwach ausgebildet und fehlen manchmal völlig, so die schwarzen, gezähnten Querlinien und die helle, gezackte Wellenlinie. Das auffälligste Zeichnungsmerkmal ist die schwarze, längliche Zapfenmakel, die zusammen mit der braun bis schwarzbraun ausgefüllten Nierenmakel mit einiger Fantasie an ein Ausrufungszeichen erinnern kann (auch wenn beide Elemente nicht in einer Linie liegen). Die wenig auffällige Ringmakel ist dünn schwarz gerandet und nur wenig dunkler ausgefüllt als die Grundfarbe. Die Hinterflügel sind beim Männchen weiß mit hellbrauner Saumlinie und hellbräunlichem Vorderrand, beim Weibchen graubraun mit etwas hellerer Basis. Die Fühler sind beim Männchen gezähnt, beim Weibchen fadenförmig. Sehr charakteristisch ist bei beiden Geschlechtern der schwarze Halskragen (Patagia).

Die Raupen sind graubraun gefärbt und weisen eine helle Rückenlinie und deutlich erkennbare schwarze Punktwarzen auf. Von den Raupen verwandter Arten (darunter die häufige Saateule Agrotis segetum) sind sie nur durch anatomische Merkmale und durch Details der Kopfkapselzeichnung sicher zu unterscheiden.

Ähnliche Arten

Manche Formen von Agrotis segetum und Agrotis clavis können Agrotis exclamationis ähneln, unterscheiden sich aber durch die fehlende Schwarzfärbung des Halskragens und bei den Männchen durch stärker gekämmte Fühler.

Lebensraum und Verbreitung

Agrotis exclamationis besiedelt offene Lebensräume. Man findet sie auf Mähwiesen, in verschiedenen landwirtschaftlichen Kulturen, an nicht gespritzten Acker- und Feldrainen, an Wegrändern, auf Brachflächen und Ruderalstellen, in Gärten, Parks, Friedhöfen und allgemein in Ortschaften, an Waldrändern (jedoch nicht im Waldesinneren), auf Streuobstwiesen, in Weinbergen, in Felsfluren, auf Sandmagerrasen, in Niedermooren oder an grasigen Hängen und Böschungen. Die Falter werden tagsüber oft in Gärten gefunden und verstecken sich gelegentlich auch in Gebäuden.

Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich über alle Länder Europas, im Norden bis zum Polarkreis, und durch die klimatisch gemäßigten Zonen Asiens bis zum Pazifik. Im Gebirge erreicht die Art 2.000 m Höhe. In Europa gehört Agrotis exclamationis, besonders in und um menschliche Siedlungen, zu den häufigsten Eulenfaltern.

Entwicklung

In Südeuropa und in milden Gegenden Mitteleuropas können in günstigen Jahren zwei Generationen auftreten. Die erste Faltergeneration fliegt von April/Mai bis Juli/August, während man die zweite im August und September findet. In Nordeuropa und in den Gebirgen kommt nur eine Generation von Mai/Juni bis August zur Entwicklung. Die Raupenzeit dauert – bei bivoltinem Auftreten – etwa von Mai bis Juli und von August – überwinternd – bis April/Mai. Die rötlichbraune Puppe liegt in einer zerbrechlichen Höhlung im oder am Erdboden.

Die Raupen ernährern sich von den Wurzeln und bodennahen Blättern verschiedenster Pflanzen der Krautschicht, darunter Gräser, Gartenpflanzen und landwirtschaftliche Kulturen. Die Jungräupchen leben noch frei auf den Blättern, die größeren Raupen fressen bevorzugt unterirdische Pflanzenteile wie Wurzeln und Knollen. Sie ruhen tagsüber am und im Erdboden und werden oft bei Gartenarbeiten gefunden; nachts kommen sie gelegentlich heraus und befressen Blätter.

Die Falter besuchen Blüten und können mit Obst- und Zuckerködern angelockt werden. Beide Geschlechter werden von UV-haltigen Lichtquellen angezogen.

Systematik

Die Art wurde 1758 von Carl von Linné in der zehnten Auflage des Systema Naturae als Phalaena Noctua exclamationis beschrieben. Die Untergattung Phalaena Noctua entsprach damals ganz grob der heutigen Familie Noctuidae. Im Verlauf der Verfeinerung des Insektensystems wurde die Art im 19. Jahrhundert von der Gattung Phalaena in die zur Gattung aufgewertete Gattung Noctua, dann in die Gattung Agrotis (Erdeulen, Bodeneulen), von manchen Autoren auch in Rhyacia gestellt. Aus nomenklatorischen Gründen galt für Agrotis Mitte des 20. Jahrhunderts einige Jahrzehnte lang der Gattungsname Scotia. Die Art hat also – für Schmetterlingsverhältnisse – nur wenige Änderungen ihres Gattungsnamens erfahren.

Wie bei den meisten variablen Arten wurden auch bei Agrotis exclamationis verschiedene Farbformen und individuelle Aberrationen überflüssigerweise mit Namen belegt. Die aktuelle vierte Auflage der Internationalen Regeln für zoologische Nomenklatur erkennt jedoch in der zoologischen Nomenklatur keine infrasubspezifischen Taxa mehr an.

Quellen

Literatur

  • Günter Ebert, Axel Steiner: Die Schmetterlinge Baden Württembergs Band 7, Nachtfalter V (Eulen (Noctuidae) 3. Teil), Ulmer Verlag Stuttgart 1998, ISBN 3-800-13500-0
  • Michael Fibiger: Noctuidae Europaeae Volume 1 Noctuinae I. 208 S., Entomological Press, Sorø 1990, ISBN 87-89430-01-8
  • Walter Forster, Theodor A Wohlfahrt: Die Schmetterlinge Mitteleuropas - Bd. IV Eulen (Noctuidae), Franckh´sche Verlagsbuchhandlung Stuttgart
  • Arno Bergmann: Die Großschmetterlinge Mitteldeutschlands. Band 4/1, Eulen, Urania-Verlag Jena

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