Ahmed Sékou Touré
Präsident Ahmed Sékou Touré bei der Ankunft bei seinem Besuch in Washington D.C., Juni 1982

Ahmed Sékou Touré (* 9. Januar 1922 in Faranah, Region Faranah, Guinea; † 26. März 1984 in Cleveland, Ohio) war von 1958 bis zu seinem Tod diktatorisch herrschender erster Präsident seines Heimatlandes nach dessen Unabhängigkeit.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Touré wurde als Sohn eines islamischen Malinke-Bauern und einer Malinke-Frau geboren, seine Mutter war eine Enkelin von Almamy Samory Touré. Nach dem frühen Besuch einer Koranschule besuchte er ein Jahr die französische Technikschule in Conakry. Von der Schule verwiesen, arbeitete er in verschiedenen Jobs, bevor er 1941 schließlich seine Prüfung bestand und bei PTT (Postes, Télégraphes et Téléphones) arbeitete. Er bildete sich ständig autodidaktisch weiter, 1945 wurde er Generalsekretär der Post-Gewerkschaft und 1946 Mitbegründer der Partei Rassemblement Démocratique Africain (RDA) von Félix Houphouët-Boigny, aus der 1947 in Guinea die antikoloniale Parti Démocratique de Guinée (PDG) hervorging. 1948 wurde er Vorsitzender der Konföderation der Arbeiter Guineas, der guineischen Abteilung der kommunistischen französischen Gewerkschaft Confédération Générale du Travail (CGT).

1956 wurde er Abgeordneter für Guinea in der französischen Nationalversammlung und im gleichen Jahr Bürgermeister von Conakry. Als das Land bei den Territorialwahlen die Semi-Autonomie erreichte und die PDG stärkste politische Kraft wurde, übernahm Touré die Vizepräsidentschaft der Territorialversammlung. Mit der Ausrufung der Unabhängigkeit am 2. Oktober 1958 wurde Sékou Touré Präsident des neuen Staates. Aus diesem Jahr stammt sein Ausspruch gegen das Referendum des französischen Präsidenten Charles de Gaulle: „Nous préférons la liberté dans la pauvreté à la richesse dans l’esclavage“ („Wir ziehen Armut in Freiheit einem Reichtum in der Sklaverei vor“).

Der Rückzug jeglicher finanzieller und administrativer Unterstützung durch Frankreich veranlasste Touré, sich der Sowjetunion zuzuwenden und verfestigte die undemokratische Herrschaft der Einheitspartei PDG. Touré trat in den folgenden Jahren für einen panafrikanischen Sozialismus ein und gewährte den Befreiungsbewegungen im südlichen Afrika beträchtliche Unterstützung, aber auch dem PAIGC (Partido Africano da Independência da Guiné e Cabo Verde), der afrikanischen Befreiungsbewegung gegen die portugiesische Herrschaft im benachbarten Guinea-Bissau.

Während seiner fast drei Jahrzehnte währenden Herrschaft als „Syli“ („großer Elefant“) errichtete er eine der grausamsten Diktaturen in Afrika, unter der tausende politisch missliebige Personen gefoltert und liquidiert wurden. Das Land Guinea verzeichnete in dieser Zeit mindestens zwei Millionen Flüchtlinge. Trotz üppiger Ernten und zahlreicher Bodenschätze herrschte Unterernährung. Gegen Ende seiner Amtszeit wurde er ab 1980 vor allem durch den zunehmenden Protest insbesondere der Frauen Guineas gezwungen, seine Innenpolitik zu verändern. Außenpolitisch versuchte er, durch eine scheinbare Zuwendung zum Westen wieder Wirtschaftshilfen für sein Land zu erlangen. Unter Giscard d'Estaing gelang ihm eine Versöhnung mit Frankreich. Außerdem bereiste er andere afrikanische Länder und trat erfolgreich als Vermittler auf.[1]

Sékou Touré verstarb im Jahr 1984 während einer Herzoperation in Cleveland (Ohio, USA).

Einzelnachweise

  1. Peter Scholl-Latour: Mord am großen Fluss: Ein Vierteljahrhundert afrikanische Unabhängigkeit, dtv, 1991, S. 24-25, ISBN 3-423-11058-9

Literatur

  • Panaf Great Lives: Sékou Touré, London 1978.
  • Revolutionäre Volksrepublik Guinea: Sozialismus als Alternative ohne Wahl, in: Heinrich Bechtoldt: Staaten ohne Nation. Sozialismus als Macht-Faktor in Asien und Afrika, Stuttgart 1980, S. 299–311.

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