Emirat von Cordoba
Dieser Artikel behandelt das Emirat von Córdoba von 756 bis 929, für das Kalifat von Córdoba von 929 bis 1031 siehe dort.

Als Emirat von Córdoba wird das 756 von Abd ar-Rahman I. begründete umayyadische Exilreich auf der iberischen Halbinsel bezeichnet.

Herrscher der Umayyaden

Al-Andalus, das von Muslimen eroberte Gebiet der iberischen Halbinsel, ca. 910

Seit der Eroberung des Westgotenreichs durch die Muslime unter Tariq ibn Ziyad und Musa ibn Nusayr (711–714) war das muslimische Al-Andalus kaum zur Ruhe gekommen. So kam es immer wieder zu Kämpfen zwischen Arabern und Berbern sowie unter den Arabern selbst. Auch versuchten die verschiedenen Statthalter die Provinz al-Andalus weitgehend unabhängig von den umayyadischen Kalifen in Damaskus zu regieren, was durch die weite Entfernung vom Reichszentrum in Syrien auch begünstigt wurde. Allerdings sollte es gerade ein Umayyade sein, der die Eigenstaatlichkeit des muslimischen Andalusiens begründen sollte.

Nachdem Abd ar-Rahman I. dem Massaker der Abbasiden an den Umayyaden entkommen konnte und nach Marokko geflüchtet war, landete er 755 mit Berbertruppen in Andalusien und stürzte im Mai 756 den regierenden Statthalter von Al-Andalus Yusuf al-Fihri in Córdoba. Mit seiner Erhebung zum Emir (756–788) begann die Organisation des Reiches. So gründete er die Markgrafschaften Saragossa, Toledo und Mérida um die Grenze gegen die christlichen Reiche in Nordspanien zu sichern. Unter Abd ar-Rahman I. begann auch der Bau der Großen Moschee von Córdoba.

Unter al-Hakam I. (788–822) konnte der Aufbau des Emirats fortgesetzt werden, auch wenn es zum Zusammenstoß mit den Franken unter Karl dem Großen kam, die 801 Barcelona eroberten und 806 die Spanische Mark südlich der Pyrenäen gründeten. Auch musste 818 ein Aufstand in Córdoba niedergeschlagen werden. Tausende Aufständische flohen nach Marokko zu den Idrisiden und siedelten sich in Fès an.

Im 9. Jahrhundert wurden die Küsten des Emirats durch die Normannen bedroht, doch konnten diese nach dem Aufbau einer Flotte erfolgreich bekämpft und abgewehrt werden. Gleichzeitig kam es durch die geförderte Zuwanderung von Syrern zu einer verstärkten Orientalisierung des Reichs. Dies führte aber zu einer zunehmenden Abwanderung von Christen aus dem Emirat in die christlichen Reiche von Nordspanien.

Mitte des 9. Jahrhunderts begann unter Muhammad I. (856–886) eine schwere Krise des Emirats, als die Markgrafschaften Mérida, Toledo und Saragossa von den Umayyaden abfielen und im Süden der Aufstand des Umar ibn Hafsun von Bobastro ausbrach (880–917). Unter Abdallah (888–912) beherrschten die Umayyaden zeitweise nur noch Córdoba und sein Umland. Der Untergang des Reiches konnte nur durch ein Bündnis mit Kastilien verhindert werden. Auch wenn unter Abdallah schon die Rückeroberung von al-Andalus begann, konnte doch erst sein Nachfolger Abd ar-Rahman III. (912–961) das Reich endgültig wieder befrieden und vereinigen. 929 ließ er sich zum Kalifen ausrufen und gründete damit das Kalifat von Córdoba.

Literatur

  • Ulrich Haarmann, Heinz Halm (Hrsg.): Geschichte der Arabischen Welt. 4. Auflage. Beck, München 2001, ISBN 3-406-47486-1
  • Arnold Hottinger: Die Mauren. Arabische Kultur in Spanien. Wilhelm Fink Verlag, München 1995. ISBN 3-7705-3075-6
  • Christian Müller: Gerichtspraxis im Stadtstaat Córdoba. Zum Recht der Gesellschaft in einer mâlikitisch-islamischen Rechtstradition des 5./11. Jahrhunderts. Leiden und andere 1999.

Siehe auch


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