Energiedienstleistungszentrum Kraftwerk Goldenberg

Energiedienstleistungszentrum Kraftwerk Goldenberg
Kraftwerk Goldenberg
Das Kraftwerk im Erbauungsjahr 1914

Das Kraftwerk im Erbauungsjahr 1914

Lage
Kraftwerk Goldenberg (Nordrhein-Westfalen)
DEC
Kraftwerk Goldenberg
Koordinaten 50° 51′ 37,5″ N, 6° 50′ 16,9″ O50.8604086.8380347Koordinaten: 50° 51′ 37,5″ N, 6° 50′ 16,9″ O
Land: Deutschland
Gewässer keines (Kühlung über Kühltürme
Daten
Brennstoff Braunkohle
(ehemals aus dem Tagebau Vereinigte Ville, später aus dem weiteren Rheinischen Revier über die Nord-Süd-Bahn)
Leistung 171 MWel
Typ Kohlekraftwerk
Eigentümer: RWE
Betreiber: RWE Power
Projektbeginn: 1912
Betriebsaufnahme: 1914
Turbine Dampfturbine

Das Kraftwerk Goldenberg (ursprünglich Vorgebirgszentrale genannt) ist ein Elektrizitätswerk der RWE in Hürth-Knapsack. Die Leistung des Kraftwerks beträgt aktuell 171 MW, jährlich werden aus ca. 1,3 Mio. Tonnen Braunkohle etwa 1,3 Mrd. kWh Strom und 0,8 Millionen Tonnen Prozessdampf für die benachbarte Industrie im Chemiepark Knapsack und Fernwärme für Hürth produziert. Das alte Kraftwerk war zudem von besonderer regionaler Bedeutung im rheinischen Braunkohlerevier, so dass Teile der mehrfach umgebauten oder wiederaufgebauten Anlage unter Denkmalschutz gestellt werden sollen.[1]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Anfangsjahre

1905 wurde in Brühl bei Köln von der Grube Berggeist für die Zuckerfabrik Brühl das Elektrizitätswerk Berggeist zur Stromerzeugung aus Braunkohle mit einer Leistung von zunächst 980 kW durch die Gesellschaft für Elektrische Unternehmungen Cöln in Betrieb genommen. 1906 wurde dies Unternehmen von RWE übernommen. Nach und nach wurde die Leistung der RWE Zentrale Berggeist auf 8 MW (8000 kW) gesteigert. Um den ständig wachsenden Strombedarf gerecht werden zu können, schloss das RWE 1912 mit den Braunkohlen- und Brikettwerken Roddergrube AG einen langfristigen Kohlelieferungsvertrag und projektierte den Bau des neuen Braunkohlekraftwerks Vorgebirgszentrale am Rande der Grube Vereinigte Ville, die 1901 aufgeschlossen und 1906 von der Roddergrube übernommen worden war.

1914 wurde das Elektrizitätswerk Vorgebirgszentrale fertiggestellt. 10 Kessel produzierten mit zwei Turbogeneratoren 30 MW, bereits 1915 wurde die Anlage verdoppelt und produzierte 60 MW. 1917 wurde das Kraftwerk durch eine 110.000 Volt-Doppelleitung mit dem Steinkohlekraftwerk Reisholz verbunden und die Leistung weiter erhöht. Ein Jahr später wurde das Kraftwerk erneut erweitert und produzierte nun 90 MW. Über eine neue 110.000 Volt-Leitung nach Solingen und Ronsdorf wurde das Bergische Land an die Vorgebirgszentrale angeschlossen.

Steuerungsbunker Bauart "Leo Winkel"

1920 wurde das Kraftwerk nach seinem 1917 verstorbenen Erbauer, dem Technischen-Vorstand des RWE Bernhard Goldenberg, in Kraftwerk Goldenberg umbenannt. Im selben Jahr wurde die erste 50 MW-Maschine in Betrieb genommen, der bereits ein Jahr später eine zweite folgte. Damit wurde das Kraftwerk mit einer Gesamtleistung von 190 MW das größte Dampfkraftwerk Europas. 1923 und 1925 wurde die Gesamtleistung auf 290 MW erhöht, im Jahr 1929 übernahm RWE zudem die Kraftwerksanlagen des benachbarten Chemiestandorts. Bis 1936 wurde durch Umbau der alten Kesselanlagen und einen neuen Generator die Gesamtleistung auf 529,5 MW gesteigert. 1939, vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, arbeiteten 1.600 Mitarbeiter im Kraftwerk.

Kriegszerstörungen

Während der Luftangriffe des Zweiten Weltkrieges wurde das Kraftwerk aus einem Steuerungshochbunker des Ingenieurs Leo Winkel gefahren. Der Bunker steht heute unter Denkmalschutz. 1944 wurde das Kraftwerk durch Luftangriffe zum größten Teil zerstört, es produzierte im Folgejahr nur noch 500.000 MWh. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte der Wiederaufbau, 1952 betrug die Gesamtleistung wieder 205,8 MW.

1945 bis heute

Kraftwerk Goldenberg, ehemaliger Beton-Kühlturm und Kühlturm-Dampfschwaden

1971 erfolgte der Bau einer Kraft-Wärme-Kopplungsanlage zur Fernwärmeversorgung von Hürth , ab 1987 erfolgt die Umrüstung der Anlage auf Wirbelschichtfeuerung. 1993 wurden die alten Kessel endgültig außer Betrieb genommen und die Produktion mit neuen Wirbelschicht- und den noch effektiveren Cirkofluid-Kesseln aufgenommen.

2002 wurde der Name des Kraftwerks in Energiedienstleistungszentrum - Kraftwerk Goldenberg geändert, zwischen November 2003 und April 2004 wurden die letzten vier Großkamine der ursprünglich "12 Apostel" mit Kosten von 1,6 Millionen € abgetragen, eine Sprengung war nicht möglich. Das heutige Kraftwerk besitzt einen einzigen hohen Doppelkamin (Ein zweiter dünner Kamin dient der mit Öl betriebenen Ersatzanlage bei Ausfall oder Wartung des Werkes). Auch wurden drei Gasmotoren zur Verbrennung von Deponiegas zur Stromerzeugung in Betrieb genommen. Dieses Gas stammt von der nahen, in der ausgekohlten Grube "Vereinigte Ville" von der Stadt Köln angelegten und mittlerweile für Hausmüll geschlossenen Deponie (über den Tonschichten , die die Braunkohle erst entstehen ließen).

Da die benachbarten Tagebaue schon seit längerem ausgekohlt sind, erhält das Kraftwerk seine Kohle über die Nord-Süd-Bahnstrecke von RWE Power aus den Tagebauen Hambach und Garzweiler.

Neubaupläne

Ende August 2008 gab der RWE-Vorstandsvorsitzende Jürgen Großmann bekannt, dass in Knapsack bis 2014 ein neues 450 MW Goldenberg-Kraftwerk errichtet werden soll, das auf Braunkohlebasis arbeiten wird und dessen CO₂-Abgase unterirdisch eingelagert werden sollen.[2]

Siehe auch

Quellen/Einzelnachweise

  1. Cöllnisch Umbra. Das rheinische Braunkohlenrevier als Denkmalslandschaft. hrsg. v. Landschaftsverband Rheinland. Petersberg 2002. S.68
  2. Birgit Lehmann: Superzeugnis für den Standort Hürth, Kölner Stadtanzeiger, Rhein-Erft, vom 30./31. August 2008, S. 37

Weblinks


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