Energiemix
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Energiemix 2010

Als Energiemix wird die Verwendung verschiedener Primärenergieformen zur Energieversorgung bezeichnet. Der Einsatz einer einzigen Energiequelle, z. B. Erdöl, zur Wärme- und Stromversorgung ist aufgrund der daraus resultierend Abhängigkeit von ihrem Preis und von ihrer (oft auch politisch bestimmten) Verfügbarkeit[1] für größere Menschen- und Gewerbezahlen problematisch, so dass es bei der Energieversorgung einer ganzen Gesellschaft meist zu einem Energiemix kommt.

Die Mengen an verfügbarer Sonnenenergie, Wasser- und Windenergie sind u. a. abhängig von Saison und Wetter (und bei der Sonnenenergie auch von der Tageszeit). Sie sind jedoch prinzipiell nur durch die Solarkonstante begrenzt.

Strommix bezeichnet die Verwendung verschiedener Primärenergien bei der Versorgung mit elektrischer Energie.

Inhaltsverzeichnis

Deutschland

In Deutschland basiert die Energieversorgung hauptsächlich auf fossilen Energiequellen (2010: 78,2 %, darin Erdöl (33,6 %), Kohle (22,8 %), Erdgas (21,8 %)). Die Kernenergie (10,9 %) und die erneuerbaren Energien (9,4 %) stellen gut 20 % der Primärenergie.[2] Dies sind die Zahlen für die Gesamtenergieversorgung und nicht mit den Anteilen der jeweiligen Energiequellen an der Stromversorgung zu verwechseln.

Im ersten Halbjahr 2011 hatten die erneuerbaren Energien einen Anteil von über 20 % am deutschen Bruttostromverbrauch.[3] Zwischen 1990 und 2010 stieg dieser Anteil von 3,4 % auf 16,5 %.[4] Im Zuge steigender Preise für fossile Energieträger, der wachsenden ökologischen Sensibilität in der Gesellschaft und der staatlichen Förderung durch das EEG wird der Anteil der erneuerbaren Energien in Zukunft voraussichtlich weiter ansteigen.[5] Auch gehen permanent neue Windparks (an Land und in küstennahen Meeresgewässern) in Betrieb und es werden im Zuge des sog. „Repowering“ bestehende Windkraftanlagen durch effizientere Anlagen ersetzt.[6] Bis zum Jahr 2020 können regenerative Energien bereits die Kernenergie ersetzen und im Jahr 2050 faktisch den gesamten Elektrizitätsbedarf übernehmen.[7]

Der Energiemix z. B. im Jahr 2020, 2030 oder 2040 steht auch deshalb verstärkt im Fokus des öffentlichen und politischen Interesses, weil in den nächsten Jahren besonders viele alte Kraftwerke ihr wirtschaftliches Lebensende erreichen werden und/oder (z. B. wegen schlechter Wirkungsgrade) nur noch dann betrieben werden, wenn effizientere Kraftwerke ausgelastet sind. Die Kraftwerksbetreiber stehen damit jeweils vor der Frage, ob (und wenn ja mit welchem Kraftwerkstyp. mit welcher Leistung und wo) sie diese Kraftwerke durch Neubauten ersetzen wollen.

Siehe auch: Liste deutscher Kraftwerke, Liste geplanter Kohlekraftwerke, Liste ehemaliger Kraftwerke in Deutschland und Liste der Kernkraftwerke

Deutsche Energieversorger

Neben dem Energiemix von Staatengruppen (z. B. EU), Staaten oder Bundesländern ist auch der Energiemix von Stromerzeugern (und seine Entwicklung im Laufe der Zeit) von Interesse.

Z. B. gab der Energiekonzern E.ON folgenden Energiemix des 2009 eigenerzeugten Stromes bekannt: 36 % aus Kohle, 24 % aus Kernenergie, 30 % Öl/Gas, 6 % Wasserkraft, 2 % Wind, 1 % Abfall, 1 % sonstige.[8]

Politische Interessen; Lobbyismus

Zahlreiche energieerzeugende Unternehmen fordern von der Politik „Planungssicherheit“, oft unter Hinweis darauf, dass ihr Marktsegment besonders kapitalintensiv sei und/oder einen besonders hohen Fixkostenanteil aufweise.

Beides trifft z. B. zu

  • auf Kernkraftwerke, weil der Brennstoff (Uran) nur einen Bruchteil der Gesamtkosten ausmacht;
  • auf Windkraftanlagen, weil die meisten Kosten auch dann anfallen, wenn die Windkraftanlage steht = keinen Strom produziert.

Oft wird Lobbyismus nicht von Einzelunternehmen betrieben, sondern von Verbänden, in denen sich Unternehmen mit ähnlichen oder gleichen Interessen zusammengeschlossen haben. Siehe z. B.

2007 kam es zu einer Verbändereform in der Energiewirtschaft. Dabei wurden Lobbyarbeit und technische Regelsetzung getrennt. Die Energieaufsichtsbehörden hatten gefordert, dass technische Regelsetzungen neutral und unabhängig von politischen Unternehmensinteressen erfolgen müssten. In diesem Zuge kam es zu zahlreichen Verbands-Umbenennungen und -fusionen.

Neben Branchenverbänden gibt es auch Verbände, die speziellere Interessen bündeln und für sie Lobbyarbeit treiben. Z. B. forderte der Verband der Kohleimporteure (VDK) im Juni 2010 von der Bundesregierung, der Importkohle solle „auch in Zukunft ein Anteil von 20 Prozent am Energiemix zukommen.“[9]

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. siehe z. B. Russisch-ukrainischer Gasstreit
  2. AG Energiebilanzen - Primärenergieverbrauch
  3. : BMU - Pressemitteilungen - Aktuelle Pressemitteilungen - Pressemitteilung vom 14. Oktober 2011: EEG-Umlage bleibt bei kräftigem Ausbau stabil - Röttgen: Erneuerbare Energien als Wirtschaftsfaktor immer bedeutsamer
  4. Volker Quaschning: Beitrag erneuerbarer Energien am Stromaufkommen in Deutschland
  5. Aktuelle Daten und Fakten – Erneuerbare Energien, abgerufen am 9. März 2009
  6. wind-energie.de : Halbierung der Anlagenzahl bei Verdoppelung der Leistung und Verdreifachung des Ertrags kann jetzt die Erfolgsformel der deutschen Windenergie an Land in den nächsten Jahren werden.
  7. Volker Quaschning: Klimaschutzszenario für Deutschland
  8. eon.com abgerufen Juli 2010)
  9. RP vom 24. Juni 2010, Seite E3

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